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ablaufen V [h/s]
1. Vi de herunterschmelzen
Das Licht ist ganz abgelaufen 'heruntergeschmolzen'
Mittel wider das Ablaufen der Lichte
2. Vi
Man legt die Bohnen auf einen Durchschlag und lässt sie ablaufen 'man lässt die Flüssigkeit von den Bohnen ablaufen'
Man nimmt dazu dicke saure abgelaufene Milch 'saure Milch, die auf ein Sieb gebreitet war, und deren Molken abgelaufen sind'
die Piroggen werden zum Ablaufen der Butter auf Löschblatt gelegt 'damit die überflüssige Butter sich abziehen könne'
das Dicke (Satz) von den abgelaufenen Beren 'von den zerquetschten Beeren, deren Saft durch einen Beutel gelassen oder gelaufen war'
3. Vt de zu Fuß besuchen
dieser Arzt läuft seine Kranken zu Fuß ab 'besucht sie zu Fuß'
4. Vt de durch Laufen abnutzen
Gestrichene Dielen werden von Kindern bald abgelaufen 'die Farbe wird abgenutzt durch ihr Laufen'
5. Vt
Im Hause alles selbst ablaufen 'persönlich machen, die Gänge dazu selbst machen'
6. Vi
Eine Uhr ist abgelaufen 'das Räderwerk in derselben steht still'

QUELLEN

Gutzeit 1859, 11
ablaufen 1) von Lichtkerzen. Das Licht ist ganz abgelaufen, heruntergeschmolzen; Mittel wider das A. der Lichte, 176. 1826. 126. 2) dieser Arzt läuft seine Kranken zu Fuß ab, besucht sie zu Fuß. 3) Man legt die Bohnen auf einen Durchschlag und lässt sie ablaufen, st. die Flüssigkeit. In 155 oft. Man nimmt dazu dicke saure abgelaufene Milch, d.h. saure Milch, die auf ein Sieb gebreitet war, und deren Molken abgelaufen sind, 158; die Piroggen werden zum Ablaufen der Butter auf Löschblatt gelegt, d.h. damit die überflüssige Butter sich abziehen könne, 158; das Dicke (Satz) von den abgelaufenen Beren d.h. von den zurquetschten Beren, deren Saft durch einen Beutel gelassen oder gelaufen war, 158.

Gutzeit 1886, 10
ablaufen 4) Gestrichene Dielen werden von Kindern bald abgelaufen, die Farbe abgenutzt durch ihr Laufen. - 2) Im Hause alles sellbst ablaufen, persönlich machen, die Gänge dazu selbst machen. - Eine Uhr ist abgelaufen, d.h. das Räderwerk in derselben steht still.

Masing DBWB, 84f.
ablaufen, st. (áplōfən) 1. Überschuß an Flüssigkeit absondern. Die Leber wird … in Milch geweicht, dann a. gelassen. LKWb 1817, 112. (1844, 72) … saure und trockene abgelaufene Milch … Holl. Kochb. c. 1860, 5. _ 2. † herunterschmelzen. Das Licht ist ganz abgelaufen. Gtz. I, 11. _ 3. ein Rad über die Höhe a. lassen, ein Rad, dessen Radiushöhe zu groß ist, durch Drehen und mit Hilfe einer Feile verkleinern. Uhrm. _ 4. zahlreiche Besuche oder Besorgungen85zu Fuß erledigen. Alle Besorgungen selbst a. Gtz. N 1886, 10. Der Arzt läuft seine Kranken zu Fuß ab. Gtz. I, 11.

Masing DBWB, 85
¤ ablaufen „Die Bohnen werden … in bloßem Wasser weich gekocht, dann muß man sie auf einem Bastsiebe schnell recht trocken ablaufen lassen …” (LKWb 1823, 50), LKWb 1817, 206). die Krebse werden in Salz und Wasser abgekocht, dann trocken ablaufen gelassen …” ib. 1817, 206).
¤ ablaufen „Einen Auerhahn zu braten. Der Auerhahn muß … 6 Tage in Essig … liegen. Soll er gebraten werden, so läßt man ihn ablaufen, … spickt ihn … und bratet ihn …” (Allg. prakt. Handb. 1846, II, 43).
¤ ablaufen „Frische gekäste Milch, die … genügend abgelaufen ist …” M. Bielenstein Notkb. 102.
¤ ablaufen „Wenn es nun recht tummig gekocht ist, legt man die trocken abgelaufenen Stinte zu …” (LKWb 1817, 190)¤ ablaufen „Beetenblätter … werden … zerschnitten, dann brüht man sie … in kochenden Wasser, läßt sie trocken ablaufen, …” (Mit. Kochb. 1876, 71).
¤ ablaufen „… die trocken abgelaufenen Früchte …” (LKWb 1817, 415). „Man sprüht den jungen abgelassenen Sauerampfer in Wasser rein ab und läßt ihn auf Bastsieben trocken ablaufen. (ibid. 410).
¤ ablaufen „Champignons … werden … in Essig aufgekocht, gleich in eine Durchschlag gelegt, wo man sie trocken ablaufen läßt …”(LKWb 1843, 52) „Türkischer Waizen in Zucker. …man … läßt ihn auf einen Durchschlag ablaufen, …(ibid. 30)
[Nachträglich einfügen: (O.M.)] ¤ ablaufen, sich die Hacken a. (Pernau, Scheinpflug)

Brot das
‣ Varianten: Brod

vgl Anisbrot, Bäckerbrot, Berlinerbrot, Bienenbrot, Bragbrot, Brechbrot, Budenbrot, Eintagsbrot, Eisenbahnbrot, Feinbrot, Ferdingsbrot, Franzbrot, Fünfersbrot, Gartenbrot, Gelbbrot, Grobbrot, siehe auch Gebäck

QUELLEN

Hupel 1795a, 34
Brod hat man hier von verschiedener Art, nemlich 1) gebeuteltes, welches auch deutsches heißt; 2) ungebeuteltes, welches man Volks (d.i. Gesinde-)Brod nennt; 3) Schrofbrod, welches aus ungebeuteltem aber fein gemahlenem Mehl gebacken wird: solches pflegen gemeine deutsche Bürger zu essen; 4) Kafbrod, wenn Kaf (Spreu) mit dem Roggen gemahlen wird; dies ist die gewöhnliche Bauernahrung; 5) Weißbrod von gebeuteltem Weitzenmehl; einige nennen dies Semmel.

Gutzeit 1859, 153
Brot Man unterscheidet gebeuteltes, ungebeuteltes, d. h. von gebeuteltem, ungebeuteltem Mehl; gebrühtes, ungebrühtes; Schrofbrod, aus ungebeuteltem, aber fein gemahlenem Mehl; Kaffbrod, wenn Kaff (Spreu) mit dem Roggen gemahlen ist, Süßsauerbrod, Grobbrod, Weißbrod, Franzbrod; gesottenes, ungesottenes Brod.
Nur in der gewählten Sprechweise lautet dies Wort mit t; sonst: Brodes, Brode. Grimm sagt, die Mz. heiße Brote, bei Keysersberg auch Bröter. Bei uns: Brode, Bröde, Bröder. Auch spricht man selten von Broten Zucker, sondern von Broden, z.B. 172. 1792. 322. und Bröden z.B. 172. 1810. 52. - Grimm lässt nur Brot gelten, als allein hochd. Form; Adelung und die meisten and. Wtb. haben: Brod. In den inländischen Schriften aus diesem Jahrh. findet man gewöhnlich Brodte gedruckt; und in der neusten Zeit Brote. In unsern Zeitschriften, und auch in vielen Büchern wurde und wird die Schreibung von dem Drucker nach der ihm gefälligen und geläufigen Weise geregelt. Es ist daher nicht immer möglich, zu wissen, wie der Schreiber schrieb.
Brod schänden, in der Redensart: seines Meisters Brod schänden, in den Dörptschen Bäckerschragen, nach Gadebusch (153): d.h. seines Meisters Frau oder Tochter.

Hoheisel 1860, 25f.
Brot katexochen st. Brot aus gebeuteltem Reggenmehl, dessen man sich gewöhnlich als Tischbrot bedient, im Gegensatz sowohl zu Schwarzbrot oder Grobbrot (aus ungebeuteltenm, grobem Roggenmehl), als auch zu Weißbrot (aus (Waizen). Doch wird in einigen Familien statt „Brot“ in dem oben angegebenen Sinne auch Feinbrot gesagt.

Sallmann 1880, 56
beim Brot wird gebeuteltes, gebrühtes, gesottenes Brot, Schwarzbrot, deutsches Schwarzbrot, Weißbrot, süßes Weißbrot, schwarzes Weißbrot, schwedisches, griechisches, landisches Brot, aus gebeuteltem oder ungebeuteltem Mehl, Schrotbrot, Kaffbrot, Feinbrot, Bäckerbrot, Kunstbrot, Grobbrot, Tischbrot, Süßsauerbrot, Hausbrot, Maschinenbrot, Gerstenbrot, Weizenbrot, Roggenbrot, Bienenbrot (mit einem Zusatz von Honigwaßer), Citronen-, Pomeranzenbrot, Knakerbrot /schw. knakabröd), Eintags-, Milch-, Volksbrot, Seppik, Sittenbrot (ruß. sitni chljeb), Gelbbrot, Kümmelbrot, Theebrot, Franzbrot, Rosenbrot gewißenhaft unterschieden.

Gutzeit 1886, 182f.
Brot Auffallend, dass bei Grimms Wtb. nur an eine Herleitung von brechen denkt und die Uebereinstimmung mit dem Griechischen unverücksichtigt lässt: τά βρωτά Esswaren, jon. βρωτόζ dasselbe was βρώμα oder βρώσιζ Speise, βρώσκειν essen. Selbst slaw. брашно Speise kann herangezogen werden, welches mit dem ahd. brosmâ (Brosame, Brocken), wofür Ulfilas drausna gebraucht, zusammenfällt.
Nach 239 soll gebacken werden viererlei Brodt: als Semmel, Wecken, schone Rogken u. Speisebrodt. In 353 findet sich: Weißbrod oder fein Weizenbrod, Gerstenbrod, Volks- od. Kleipenbrod, Grikkenbrod. - Stender I. hat Lang Brod, d.i. mit Afterkorn gebackenes, dass die Hülsen u. Spitzen im Halse stecken bleiben. Daher wünscht man im Oberlande (Kurland) scherzweise: lange zu leben und kurz Brod zu essen.
In Brot u. Lohn stehen, 317. J. 1780. Gew. - Brot schänden, nach Gadebusch (325): seines Meisters Frau, Tochter od. Magd entehren. Imgleichen: Essen und Trinken verachten. vgl. Dörpt. Bäckerschragen § 20. - So ein Gesell oder Jung in seines Meisters Hause Unzucht beginge und, wie man spricht, sein Brodt schändet, der soll die Stadt von außen ansehen, 240; würde ein Gesell seines Meisters Brot schänden, 259 u. oft in and. Schragen. Des Sekretärs Knecht und Magd, darum daß sie sein Brot geschändet u. aus seinem Dienst gegangen, 349. XXVII. i. J. 1614/17; die Reisischen u. andere Diener, wo sie werden ihrer Herrschaft Brod schänden, und teutsche u. unteutsche Dirnen beschlafen, 192. II. 8. 195; Knecht seines Herrn Brot in Unzucht geschendet, 349. XXVII. 1. - Abgeschnitten Brot klebt nicht mehr, d.h. getrennte Verhältnisse vereinigen sich nicht mehr, z.B. von auseinandergegangene Brautschaften. - Früher zuweilen f. Getreide, Korn. s. Accisebude. Ganz wie russ. хлѣбъ Brot u. Getreide. Die Last Brots, welche in der Ziseboden ist bezahlet worden, 349. XXIII. 1.

Gutzeit 1894, 6
Brot schänden. vgl. I. 153 und Nachträge v. 1886. 182.

Masing 1931, 29, 48
Brot im nordbalt. Sprachgebiet für „Laib“.
Seine Mutter schneid't Brot mit Schnur“ für armen Schlucker ? „Abgeschnitten Brot klebt nicht mehr“ (Ablehnen des Wiederverknüpfens gelöster Beziehungen)

Graf 1958, 9
Als Frühstücksbrot beliebt war neben dem Franzbrot das Rosenbrötchen, zum Morgenkaffee bevorzugte man in Riga noch im 19. Jahrhundert das Milchrundstück, ein Spaltgebäck. Einige Bäckereien in Estland hatten sich auf Zitronen- und Pomeranzenbrot spezialisiert. Zum Nachmittagskaffee gab es Wiener Brot = Kaffeebrot, gern gekauft wurde auch der Wiborger Kringel, ein größerer, in Wiborg hergestellter Kringel aus Weizenmehl mit Zusatz von Zucker, Milch und Kardamom. Der Kanten hieß Knust. Neben den mit Schlagsahne gefüllten Fastnachtskuckeln waren die russischen Blini, eine Art Plinsen, in 19. Jahrhundert zum traditionellen Fastnachtsessen im deutschen Haushalt geworden. In allen baltischen Kochbüchern gibt es Rezepte für Piroggen, russ. und pol. piróg, was meist ungenau mit „Pastete aus Hefenteig“ übersetzt wird.
Für Roggenbrot sagt man Schwarzbrot oder Grobbrot, Weizenbrot heißt stets Weißbrot, das auch für Brötchen, Schrippen gebraucht wird. Ein Rund- oder Milchbrötchen ist ein Kuckel, den auch der Ostpreuße kennt; das Grundwort ist polnisch kukla „längliches Brot“, aus lateinisch cuculla. Beliebt ist das Gelbbrot, das sonstwo Safranbrot genannt wird; ein gelber Kringel durfte auf keinem Geburtstagstisch fehlen. Feinbrot bedeutete in Estland süßsaures Brot aus gebeuteltem Roggenmehl, in Riga feines Kaffeebrot; in Berlin versteht man unter Feinbrot das helle, besser ausgemahlene Roggenbrot. Eine Schnitte Brot, eine Stulle, heißt Scheibe. Der süddeutsche Krapfen ist unter dem Namen Kröpelkuchen bekannt, mnd. kropel, hessisch Kräppel (Grimm, Dt. Wörterbuch 5, 2064), der, die, das Kreppel (Sprachbrockhaus). Das mnd. stritzel „längliches Gebäck aus feinem Weizenmehl“ hat sich im Baltikum und in Preußen als Stritzel erhalten, in Wien sagt man Strützel. Der Timpweck ist ein spezifisch revalsches Gebäck, nämlich ein viereckiges Brötchen aus Wasserkringelteig, dessen spitze Ecken, mnd. timpen „Zipfel“, den Namen verursacht haben. In Westfalen und Stralsund kennt man einen Timpenstuten, und der Timpendreier ist ein alter Beiname des Bäckers. Die Bezeichnung Weck ist sonst im baltischen Sprachgebrauch nicht mehr gebräuchlich; in rigaschen Bäckerschragen sind Weck und Wegge bereits im 14. Jh. neben der Semmel belegbar. Eine Verbindungsstraße in Reval hieß bis zuletzt der Weckengang.

Kobolt 1990, 74
Brot in den abgeleiteten Fällen gelegentlich noch mit niederd. -d-, z.B.: von dem Brode; plattd. Brot pl. Bröte (?)

Franzbrot das
‣ Varianten: fransch Brot
‣ Belege: Reval (Anf. des 19. Jh.)

vgl Ferdingsfranzbrot, siehe auch Brot

QUELLEN

Gutzeit 1864, 295
Franzbrot, in Riga auch gew. Weißbrot genannt, d. h. Weizenbrot in länglich-rundlicher Gestalt zu 1½ Kop. Französisches F. ist rösch gebackenes und mit Mehl bestreutes.

Sprengfeld 1877, 70
Franzbrot (Franzbrödte) - Weißbrot

Sallmann 1880, 56

Seemann von Jesersky 1913, 118
Franzbrot - paarweise gebackene Weißbrötchen, beide 3 Kopeken.

Masing 1926b, 68
Franzbrot 'längliches Brötchen aus Weizenmehl, oben in der Längsrichtung aufgeritzt' (Schumann, S. 14 Fransbrod 'feines Weißbrot'; Th. Mann „Buddenbrooks“, S. 45 ein wenig Franzbrot; Frischbier I, S. 204.)

Masing 1931, 35
Franzbrot - Doppelsemmel in Form der Ziffer 8, in der Längsrichtung eingeritzt.
[Abb. S. 59]; [S. 7: 1763: fransch Brot; S. 16: 1788: Franz Brod]

Graf 1958, 9
Als Frühstücksbrot beliebt war neben dem Franzbrot das Rosenbrötchen, zum Morgenkaffee bevorzugte man in Riga noch im 19. Jahrhundert das Milchrundstück, ein Spaltgebäck. Einige Bäckereien in Estland hatten sich auf Zitronen- und Pomeranzenbrot spezialisiert. Zum Nachmittagskaffee gab es Wiener Brot = Kaffeebrot, gern gekauft wurde auch der Wiborger Kringel, ein größerer, in Wiborg hergestellter Kringel aus Weizenmehl mit Zusatz von Zucker, Milch und Kardamom. Der Kanten hieß Knust. Neben den mit Schlagsahne gefüllten Fastnachtkuckeln waren die russischen Blini, eine Art Plinsen, im 19. Jahrhundert zum traditionellen Fastnachtessen im deutschen Haushalt geworden. In allen baltischen Kochbüchern gibt es Rezepte für Piroggen, russ. und pol. piróg, was meist ungenau mit „Pastete aus Hefenteig“ übersetzt wird.

Nottbeck 1987, 31
Franzbrot - kleines Weißbrot / E.K.L.R.
Franzbrot gab es nur selten als Schulbrot.

Kobolt 1990, 107
Franzbrot n großes, längliches, in der Längsrichtung gekerbtes Brötchen
westf. Franzbrot Stuten, Zweigroschen-Stuten; ostpr. Franzbrot semmelartiges Weizengebäck; nhd. Franzbrot ohne Begriffsbestimmung.


QUELLEN (Informanten)

das Franzbrot 'balt. Festgebäck' (Reval um 1900)

Gallert der
‣ Varianten: Galler
de Sülze
vgl Fleischgallert, Kopfgallert

QUELLEN

Mitauisches Kochbuch 1876, 103
Gallert - Gelée

Gutzeit 1877, 308f.
Gallert, der, fehlt noch bei Hupel in 444. 1780 und bei Lange. Auch das früher zu Riga viel verbreitet gewesene, in Greifswalde erschienene schwedische Kochbuch der Christine Warg von 1778 — Grundlage und Vorgängerin aller hiesigen Kochbücher — kennet nur Gelée und kaum die Gallert genannte Speise.
In nachlässiger Aussprache Galler; das Zw. gallern deutet indess eher auf Galler, als auf Gallert, von dem wir kein Zw. bilden. Die in Grimms Wtb. aufgeführten hd. Form Gallerte und weibliches Geschlecht kennen wir nur in deraus deutschländischen Schriften uns bekannt gewordenen Mosgallerte aus isländischem oder Caragheen-Mos; unabhängige Schriftsteller des Inlandes schreiben aber auch: der Mosgallert. Der Moosgallert aus isländischem Moos, 872. II. 26. Dem männlichen Geschlecht gemäß die Vz. Gallerte, nie: Gallerten. Verschiedene Gallerte, 153. — Hupel im Idiotikon und in 444. 1818 bezeugt allein: Gallerte, ohne das Geschlecht anzuzeigen.
Im Allgemeinen unterscheiden wir streng zwischen Gallert und Gelée (Gestände). Ersteres wird fast ausschließlich gebraucht von solchen gegallerten Speisen, die mit Fleisch oder Fisch bereitet sind und Fleisch oder Fisch enthalten; letztes von solchen, die mit Fruchtsäften, Wein oder Milch zugerichtet sind. Daher: Fleischgallert, Fisch-, Schweine- (Schweins-), Gänse-, Kopf-, Aal-Gallert, Rindfleisch in Gallert, Gallert von Ochsenzungen; andrerseits: Apfelsinen-, Citronen-, Himberen, Wein-, Milch- und Mandelgelée (blanc-manger).Eine Ausnahme machen die Ausdrücke: Mosgallert oder Mosgallerte, welche man nie Mosgelée nennt; Kalbsstand, aus Kalbsbrühe und Schmand bereitet, und Hafermehlgallert (bei Stender), Malch aus Hafermehl. Die meisten Kochbücher führen, entsprechend dieser Unterscheidung, Gallert in einer besonderen Abtheilung unter „gestowte Sachen und Gallerte“, Gelée unter „Nachessen“ auf; nur einige lassen diese Unterscheidung unberücksichtigt und dehnen selbst Gallert auf die klaren Frucht- oder Wein-Gelées aus. So wird in 227 statt „Gelée“ ausschließlich „Gallert“ gebraucht: Gallert (Gelée) in Formen, 227. 251, d. h. aus Kalbsfüßen mit Franzwein; man kocht einen Gallert oder Gelée, ebda. 252; Baumfrüchte in Gallert, ebda. Der Gallert wird entweder durch die steifgekochte Brühe von Fleisch und Kalbsfüßen oder durch Hirschhorn, Hausenblase oder Gelatine hergestellt.
Oft wird Gallert, aber auch Gelée,im Sinne von Gallertflüssigkeit benutzt. Man kocht einen Gallert und gießt davon in Formen, 227. 252; wenn der in die Form gegossene Gallert ganz kalt ist, gibt man einen Löffel Gallert darauf, ebda.; aller Gallert darf nur blutwarm sein, wenn man ihn in die Form gibt, ebda.; bis der Gelee gallert.
Die Suppe ist ein Gallert, ganz zu Gallert geworden, ganz dick gestanden. — Gallerte werden, gerinnen, Hupel im Idiotikon und in 444. 1818.

Westermann 1887, 387
Gallert - der Galler oder Gallert (eine Speise)

Grosberg 1942, 190
... große Schüsseln voll Gallert, Piroggen, Schinken. (Gallert = Sülze, Aspik)

Nottbeck 1987, 32
Gallert - Schweinesülze / K.L.R.

Kobolt 1990, 110
Galler m Aspik
mnd. Galreide Gallert; lbg. Gallert pomm. Gallert nhd. Gallert(e) elastisch-steife Masse aus eingedickten Säften.

Pirogge die
‣ Varianten: Pirog

vgl Kohlpirogge, Fleischpirogge

QUELLEN

Lindner 1762, 235
Piroggen, eine Art rußischer Kuchen in Oel oder Butter gesotten, und mit Fisch oder Fleisch gefüllt, wie kleine Pasteten.

Bergmann 1785, 53f.
Piroggen, (aus dem Russischen) flache ablange Kuchen mit Kalbsbraten gebacken.

Ewers 1831, 225
der Pirog eine russische Pastete

Mitauisches Kochbuch 1876, 38
Pirogge Pastete

Sallmann 1880, 14
Pirogge Pastete: Fischpirogge, Fleischpirogge, Reispirogge etc.

Gutzeit 1887b, 361
Pirogge, die, russ. Piróg, der. Hupel erklärt: mit Fleisch gefüllte kleine Torte od. Pastete, ein mit Butter gebratener Fleischkuchen (der fast wie ein Fastnachtskräpfel in Sachsen aussieht). Der Russe bäckt sie im Ofen. — Gegenwärtig, u. schon seit Langem, unterscheidet man Piroggen schlechtweg, welche statt der Pastetchen zu Fleischsuppen beigegeben werben, und russische Piroggen, von großer Gestalt, mit Fisch, Reis, Mesiga, Kohl u. and. Dingen gefüllt. Man hat daher Fischpiroggen, Fleischpiroggen, Kohl-, Reispiroggen. — Das Wort erinnert lautlich u. selbst in der Gestaltan die Piroguen (Böte) der Wilden, aber freilich nicht hinsichtlich der Größe.

Westermann 1887, 388
Pirogge Pastete, a.d. Russ.

Eckhardt 1896, 27
Pirogge als russ. Fremdwort empfunden, aber auch in Preußen.

Seemann von Jesersky 1913, 156
Pirogge, Pastete gefüllt mit Fleisch oder Speck, Fisch, Saft, etc.

Masing 1926b, 13
Pirogge, Piragge „Weissbrot, Fladen aus Weizenmehl; Pastete, Fleischkloss in Teig geschlagen und gebacken“ (bd. nur Pirogge, in der letztgenannten Bedeutung; poln., russ. pirog, lit. pyragas'

Mitzka 1927/1928, 173
preuß.-bd. Entlehnung nicht beweisbar.

Masing 1931, 43
Pirogge Art Pastete. ‹ slav. piróg, vgl. Piragen

Kiparsky 1936, 171f.
Pirogge [pirógə] f. 'Pastete, Fleischkloss in Teig geschlagen und gebacken' ‹ r. пирогъ id. MASING NdE. 13 vergleicht das schon 1785 für Preussen (Litauen) belegte Pirágge, Piráck, Pirógge 'Weißbrot, Fladen aus Weizenmehl'. Da die bd. Form genau ebenso früh belegt ist (piroggen pl. bei BERGMANN 53-54, der es schon als russ. bezeichnet), so ist hier die Entscheidung schwierig, insbesondere als opr. Pirógge weder aus lit. pyrágas noch aus p. pirog (mit Betonung des Paenultima) abgeleitet werden kann. Nun scheint aber im Bd. früher eine andere Form üblich gewesen zu sein (nach MASING Backstube 42 im Mitauer Bäckerschragen vom J. 1632: Pyragen pl. [wohl ‹ lett. pìrãgs 'Speckkuchen', vgl. aber auch Pyragen bei PRAETORIUS, Preuss. Schaubühne, J. 1690]) und es ist schwer denkbar, dass die neue bd. Lautung Pirogge erst im 18. Jh. aus Preussen gekommen sei, umsomehr, als wir in Preussen ausser Pirogge und dem klar litauischen Piragge, Pirack noch die auf p. pierog zurückgehende form Pjerogge 'Quarkflinze' (FRISCHBIER II, 544) finden. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die opr. Nebenform Pirogge aus dem Bd. stammt, wo diese Form in E.L.K. allgemein ist. Vgl. noch HUPEL 172-173, GUTZEIT II, 361, SALLMANN N. 14).

Anderson 1938, 148
der Akzent ist kein Gegenbeweis, denn das opr. Wort kann ihn aus dem poln. (sehr häufig vorkommenden) Plural pirógi bezogen haben.

Grosberg 1942, 190, 319
die Pirogge Gebäck mit Fleisch- oder Gemüsefüllung. russisch: piróg (masc.)

Schiller 1951, 65
die Pirogge Balt. Spezialität

Pantenius 1959, 49
Pirogge Balt.-Russ. Spezialität

Goertz/Brosse 1973?, 93
Piroggen gebacken (Pirogge - Provinzialismus, dem Russischen entlehnt)

Nottbeck 1987, 68
Pirogge (rus.) - Pastete / E.K.L.R.
In Rußland gab es neben anderen eine Piroggenkultur.

Kobolt 1990, 202
Pirogge f Pastete aus Hefe- oder Blätterteig mit Füllung, sei es Fleisch, Fisch, Ei, Speck, Reis, Schmorkohl, Konfitüre.
russ. pirog Pastete; Elbing Pieroggen poln. Fleischklöße in Teig geschlagen und gebacken; ostpr. Pirogge Flinse, gefüllt mit gehacktem Fleisch oder mit Quark.


QUELLEN (Informanten)
Kerkovius, Martha: Riga; Weiss, Lis-Marie: Reval
Pirogge, die, Fleisch- od. Kohlkuchen. aus dem Russischen.


die Pirogge 'Festgebäck' (mit Fleisch, Kohl, Speck)
Mitau, Dorpat, Reval, Sassmacken, Oesel, Kurland, Pernau, Fennern, Talsen, Fellin, Wierland, Mesothen, Nissin, Riga.


Kohlpirogge, Fleischpirogge 'balt. Festgebäck'. Kandau um 1930.

Raderkuchen

QUELLEN

Gutzeit 1887a, 2f.
Raderkuchen. 1) eine Mannskrankheit, Raderkuchen genannt, lett. gumba, Stender I. Obl. Das lett. gumba wird erklärt mit Geschwulst und Fieberkuchen. 2) ein Gebäckliss, Art Kuchen, Stender. Auch in Riga früher eine Art Kuchen oder Gebäck. Piroggen, Waffeln und Räderkuchen, 172. 1821. 7. Nach 476: längliches Schmalzgebäck zum Kaffee, dessen Teig durch ein sporenartiges Radder Länge nach zerschnitten ist, wodurch der Rand gezackt erscheint. Hiernach wol die Benennung Räderkuchen für eine Art Seescheiben oder Seeigel, bei Campe.

ränden

QUELLEN

Gutzeit 1887a, 5
ränden, rändern. Gerundete Dukaten,172. 1798. 33.
Piroggen ränden, mit dem Zackrädchen, 155.

schnol
‣ Varianten: schnohl

QUELLEN

Hupel 1795b, 232
schnohl st. gierig, ist ein niedriger Ausdruck. s. auch verschnohlt.

Hoheisel 1860, 31
schnol = naschhaft, schnolen = naschen.

Sallmann 1880, 16
schnol, schnolen gierig, lüstern sein, vorzüglich nach Speisen, ist schw. snål gierig. (schwed. Einfluß)

Gutzeit 1898, 153
schnol. Hupel erklärt schnohl mit gierig, in 166a. XVII. 232, und für einen niedrigen Ausdruck. Er verweist noch auf verschnolt. Hoheisel (322. 31) erklärt naschhaft; Sallmann (390c. 16) gierig, lüstern, vorzüglich nach Speisen, und meint, das Wort sei aus Schweden herübergekommen: snål gierig.

Kiparsky 1936, 134, 136
schnohl, s. schnol
schnol, schnohl [šnōl] 'gierig, lüstern, naschhaft' ‹ schw. snål 'geizig'. Dazu schnolen [šnōlən] 'gierig sein' = schw. snålas 'geizen'; verschnolt 'gierig, geizig'. - HOHEISEL 31, GUTZEIT III, 153; IV, 36, SALLMANN V. 11; N 16. - E., Dorpat.

Frederiksen 1960/1962, 104
schnol ‹ schwed. snål 'geizig'. „Im Baltendeutschen hat sich das Wort lange erhalten und zwar in der älteren Bedeutung 'gierig, lüstern'“ (zit. Sallmann (1886) 16ff.

Nottbeck 1987, 83
schnohl (swe.) - gierig, lüstern / E.K.L.
Auf die Piroggen war er schnohl.


QUELLEN (Informanten)
Sivers, Hedwig von: Soosar bei Fellin
schnōl gierig nach etwas, vgl. verschnohlt.
z,B, Pferde sind schnol nach Zucker.

Hoffmann, Gjert: Reval
schnol 'knauserig'. WL 4,42. schw. snål


schnol 'wählerisch im Geschmack': Estland.


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