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Albertsgroschen der

Eine Art Marken, jede zu 6 Albertsgroschen, deren 15 einen Thaler Alberts ausmachen, ist eine alte rigische Münze von des Königs Sigismund August Teit

QUELLEN

Hupel 1795a, 83
Groschen-Alberts, der, ist eine in Krons-Oekonomie-Berechnungen vorkommende aber eingebildete Münze die den 90sten Theil eines Thalers oder Rubels beträgt.

Gutzeit 1886, 27
Albértsgroschen Eine Art Marken, jede zu 6 Albertsgroschen, deren 15 einen Thaler Alberts ausmachen, ist eine alte rigische Münze von des Königs Sigismund August Teit, 182. II. Sie kamen früher im Rigischen oft vor, noch zu Hupels Zeit; auf den Thaler gingen ihrer 90, auf die rigische Mark 6, auf einen Gulden 30; ein Carolin hatte ungefähr den Werth von 28½. Sie waren eine eingebildete oder Rechnungsmünze, Hupel in 182. II. [Topogr. Nachrichten]

DRWB I, 476
nur Gutzeit

apfeldwatsch Adj
‣ Varianten: affendwatsch, appeldwatsch
'nicht recht klug, einer der albern schwatzt' de albern, dumm; et tobu, ullike

QUELLEN

Lindner 1762, 220f.
Apfeldwatsch, nicht recht klug, einer der albern schwatzt. Dieses Ausdrucks Ursprung ist ungewiß, wo es nicht vielmehr Affen- und plattdeutsch apendwatsch heißen soll. Im Richey findet man indessen auch niedersächsisch Appeldwaljes, ein alberner Tölpel. Einige wollen es von den Aepfeln herleiten; wie diese im Herabfallen vom Baum zu kullern oder sich zu wälzen pflegen: so stellten sich solche alberne Leute auch im Taumeln, u.s.f. Ein Mann von Stande, der in der Nationalsprache des Landes sowohl als auswärtigen bewandert, und ein Liebhaber der Philologie zum Zeitvertreibe seiner schon hohen, doch noch muntern Jahre ist, hat mir, als einem Fremdlinge, einige Anmerkungen zu dieser Materie zukommen lassen, die meinen besondern Dank verdienen. Er hält obiges Wort für eins, das so albern in seiner Zusammensetzung, als der Bedeutung nach, ist, aus dem lettischen aplam, albern, welches er von απλωζ simplex, einfältig, herleitet, und dem deutschen dwatsch, also auf gewisse Art vox hybrida. Der Hamburgische Gebrauch dieses Wortes hindert mich noch, es vom einheimischen Boden herzunehmen. Sonst ist es eine bekannte richtige Meinung, daß sehr viele lettische Wörter vom Griechischen, Lateinischen und Französischen entspringen; durch was für Umgang, Handel, Wandrungen und Pflanzungen der Völker, ob durch die Einführung des Christenthums von den Mönchen, oder schon vorher, ist eine theils zu unbestimmliche, theils hier zu weitläufige Frage, die aber wohl von einem in den dazu erforderten Sprachen erfahrnen Manne mehrerer Ausführung werth wäre, ausser dem, was Hartknoch in seiner preuß. Chronick darinn mit dem Litthauischen versuchet hat.

Gutzeit 1859, 48
apfeldwatsch ganz albern und dumm. Ein sehr gewöhnliches Wort und verstärktes dwatsch. Bg. meint, es müsse affendwatsch heißen. Hupel führt appeldwatsch an.

Gutzeit 1886, 53f.
apfeldwatsch Schon Lindner (320) erklärt: der albern schwatzt, nicht recht klug, u. fügt hinzu, er wisse das Wort nicht zu erklären; es solle vielleicht heißen affendwatsch, plattd. apendwatsch. vgl. appeldwatsch. In 480. 220/221 dagegen sagt er: „Im Richey findet man indessen auch niedersächsisch Appeldwaljes, ein alberner Tölpel. Einige wollen es von den Aepfeln herleiten; wie diese im Herabfallen vom Baum zu kullern oder sich zu wälzen pflegen: so stellten sich solche alberne Leute auch im Taumeln, u.s.f. Ein Mann von Stande, der in der Nationalsprache des Landes sowohl als auswärtigen bewandert, ... hält obiges Wort für eins, das so albern in seiner Zusammensetzung, als der Bedeutung nach, ist, aus dem lettischen aplam, albern, welches er von απλωζ simplex, einfältig, herleitet, und dem deutschen dwatsch. Der Hamburgische Gebrauch dieses Wortes hindert mich noch, es vom einheimischen Boden herzunehmen.“

Seemann von Jesersky 1913, 102
apfeldwatsch w. albern, dumm

Appertinenzien pl
'heißen bei einem Landgute, was außer der Hakenzahl dessen Wert erhöhe, z.B. Wald, Mühlen usw.'

QUELLEN

Hupel 1795a, 8
Appertinenzien heißen bey einem Landgute, was ausser der Haakenzahl dessen Werth erhöhet, z.B. Mühlen, Krüge, Wald, viele Heuschläge u.d.g.

Possart 1846, 181
Appertinenzien heißen bei einem Landgute, was außer der Hakenzahl dessen Werth erhöhet, z.B. Wald, Mühlen u.s.w.

ausklarieren V [h]
‣ Varianten: ausclariren, ausklariren
Vt 'klar, frei machen auf dem Zoll' de klarieren; et klaarima
Schiffe, Waren ausklariren
der Wert der ein- und ausklarirten Waaren
beim Ausklariren des Schiffes
‣ Synonyme: klarieren
vgl einklarieren

QUELLEN

Gutzeit 1859, 70
ausclariren, Schiffe, Waren, klar, frei machen auf dem Zoll.

Gutzeit 1886, 82
ausklariren. Der Werth der ein- und ausklarirten Waaren, 174. 1833. 49; beim Ausklariren des Schiffes, 289; nachdem das Schiff ausclarirt ist, ebda. s. ausclariren.

austragen V [h]
1. Vt 'ins Haus, von Haus tragen' de zustellen; et laiali kandma
Briefe, Bücher austragen
die Zeitungen sind schon ausgetragen 'werden von den Postillonen umhergetragen, in die Häuser gebracht'
2. Vt '(Kleider, Schuhe) durch genügendes Tragen geschmeidig machen' de vertragen; abtragen; et sisse kandma
man trägt Kleider, Stiefeln schnell aus, wenn man sie nicht schont.
das sind gut ausgetragene Stiefel
3. Vt 'Kleider für jemand oder von jemand tragen' de abtragen; et ära kandma
er trägt die Kleider für ihn oder von ihm aus 'leiht sie von ihm und trägt sie statt seiner, verträgt sie'
4. Vt de ausmergeln; et ära kurnama (maad)
der Acker ist ausgetragen
5. Vt
so viel Tagesarbeit güßen, als selbigen Werth (von 5 Thaler Silber Müntz) austragen kann
6. Vt de tragen, vertragen
Magd, ohne ihrer Frauen Vorwissen vermiethet u. ihre Kleider ausgetragen
7. Vt 'bis zur völligen Reife im Mutterleib tragen' et lõpuni kandma
ein Kind austragen
eine Frau, die bereits einmal glücklich ausgetragen und geboren hatte
die Frau gebar drei Mal ausgetragene Kinder

QUELLEN

Gutzeit 1859, 88
austragen 1) Briefe, Zeitungen. Die Zeitungen sind schon ausgetragen werden von den Postillonen umhergetragen, in die Häuser gebracht; Kleider, Stiefeln, bequemer machen durch häufiges Tragen, und gewissermaßen vertragen. Man trägt Kleider, Stiefeln schnell aus, wenn man sie nicht schont. 3) Kleider für Jemand oder von Jemand. Er trägt die Kleider für ihn oder von ihm aus, d.h. leiht sie von ihm und trägt sie statt seiner, verträgt sie.

Sallmann 1880, 91
austragen Zeitungen, Briefe, Bücher, ins Haus, von Haus tragen.

Gutzeit 1886, 91
austragen 4) von einem Acker. Ausgetragen, ausgemergelt, 390c. 93. - In Livland? - 5) So viel Tagesarbeit güßen, als selbigen Werth (von 5 Thaler Silber Müntz) austragen kann, 193. II. 2. 1976. Buddenbrock fügt hinzu: „nach der livl. Bauervo. v. 1804 würden es, nach dem Kornwerth berechnet, 12½ Tage zu Pferde sein“. - 6) Kleider. Magd, ohne ihrer Frauen Vorwissen vermiethet u. ihre Kleider ausgetragen, 349. XXVII. Vogteir. 1612/13, tragen, vertragen.

Gutzeit 1894, 4
austragen ein Kind. Eine Frau, die bereits einmal glücklich ausgetragen und geboren hatte, 372. I. 488; die Frau gebar drei Mal ausgetragene Kinder, ebenda.

Kobolt 1990, 54
austragen st. V. Schuhe durch genügendes Tragen geschmeidig machen, z.B.: Das sind gut ausgetragene Stiefel. Zu nhd. tragen.

Badstuben Risten DreibandflachsFlachs der
'zweite Sorte von Dreibandflachs'
siehe auch Badstube, vgl Badstubenband, Badstuben-Geschnitten, Badstuben Paternosterflachs

DAZU:
KOMM: Badstuben Risten Dreibandflachs wird, wenn er durch Reinigen in der Badstube den Wert von Risten Dreibandflachs erhalten, in den Spiegelband gebunden; das untauglich gebliebene aber wird ordinärer liefländisch Dreiband und bekommt den liefl. Dreibandsband, d.h. einen Band mit 3 Schnüren

QUELLEN

Gutzeit 1886, 98
Badstuben Risten Dreibandflachs zweite Sorte von Dreibandflachs, wird, wenn er durch Reinigen in der Badstube den Werth von Risten Dreibandflachs erhalten, in den Spiegelband gebunden; das untauglich gebliebene aber wird ordinärer liefländisch Dreiband und bekommt den liefl. Dreibandsband, d.h. einen Band mit 3 Schnüren, 316.

Bauerlandwert der

QUELLEN

Gutzeit 1886, 112
Ein Thaler Bauerlandwerth, d.h. ein Thaler Bauerland, der Werth desselben, 327. 98.

DRWB I, 1272
nur Gutzeit

Bauernahrung die
‣ Varianten: Bauernarung

QUELLEN

Gutzeit 1859, 101
Die sog. Bauernahrung, der Erwerb durch Bauerhandel. Wohnbebäude, welches zur Bauernahrung optirt ist, 172. 1774. 85; eine Bauernahrung wird zur Miete ausgeboten, ebenda 1794. 399.

Gutzeit 1886, 112
Bauernarung. 1) Berechtigung eines Bauerhändlers zum Alleinhandel mit den Bauern einer gewissen Gegend. vgl. Brotze in 174. 1811. 371-6 u. 347. II. 2. 265. Obgleich der Productenhandel mit den Bauern noch fortdauert, so sind doch die Bauernahrungen, jene ausschließliche Berechtigungen einzelner Kaufleute aufgehoben. Der rig. Kaufmann machte ehemals wie auch jetzt (J. 1811) den handelnden Bewohnern Polens u. Littauens Vorschüsse. Um nicht zu verlieren, hielten die Kaufleute darauf, dass diejenigen Gegenden, welche mit ihnen in Verbindung und Verpflichtung standen, auch für die Zukunft mit ihnen handeln mussten. So war denn fast jede Gegend, u. zwar von Vater auf Sohn oder Erben an ein bestimmtes Handelshaus in Riga gebunden; die Bewohner jener Gegend waren dessen Kunden, und von der Menge und Bedeutung dieser Kunden hing die Größe und Wichtigkeit einer Bauernahrung ab. Legte ein Kaufmann sein Geschäft nieder, so wurde die Bauernahrung verkauft, u. der Käufer erhielt die Handelsbücher (s. Bauerbuch), worin die alten ausstehenden Schulden verzeichnet waren und je nach Möglichkeit eingetrieben werden konnten. Die Bauernahrungen hatten nach allem dem einen nicht unbedeutenden Werth und wurden, bei etwaigem Verkauf, je nach d. Anzahl der Kunden oft mit mehreren Tausenden von Thalern bezahlt. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die monopolisirten Bauernahrungen aufgehoben u. der Bauer erhielt das Recht, zu handeln mit wem er wollte, vgl. ebda. Ähnliches beim reußischen Handel, vgl. 347. II. 1. 262. - 2) zuweilen die bauliche Einrichtung, Haue u. Hof, in dem sich die Bauerhandlung befindet.

Gutzeit 1898, 4
Bauernarung. Bauernahrung zeigt in den Rigischen Annalen ganz etwas andres an, als in Sachsen, Brandenburg und Schlesien. In letzteren Ländern heißt es ein Bauergut, und wenn ein Bauer sich zur Ruhe setzt, und sein Haus und Hof nebst Wirthschaft seinem Sohn abtritt, so sagt man: er hat ihm die Nahrung übergeben, J. C. Brotze in Livonica nach 174. 1896. 341. Nach Grimms Wtb. (Nahrung 3) braucht man aber in jenen Gegenden nicht das Wort Bauernahrung, sondern bäuerliche Nahrung oder Ackergut, oder Nahrung schlechtweg. vgl. I. 101 und Nachträge v. 1886.

DRWB I, 1277
I Bauerhandelshaus; II Handelsmonopol in ländl. Bezirk. Gutz. N86 112; III Erwerb durch Bauerhandel Gutz. I 101.

benehmen V [h]
Vt, Vr

QUELLEN

Gutzeit 1859, 117
1) den Kopf einnehmen. Wein benimmt; Blumenduft, Kolendunst benimmt. Gew. 2) in der Landw. Der Schmel hat Zeit sich zu benehmen und anzuwurzeln. 3) des seinigen benommen werden, beraubt, 195, Henning Chr. 218. Bemerkenswert wegen des Genitiv der Sache.

Sallmann 1880, 97
benehmen, vom Kopf, einnehmen, betäuben.

Gutzeit 1886, 128
benemen sich, 2) wenn Korn aus mager Äckern in fette kommt, so soll es sich besser benehmen, 169.I.368, wachsen? oder wie nd. sik benömen, au Körper zunemen, dicker, stärker werden (479)? - 3) Im Sinne von: den Atem beklemmen, das Atmen erschweren. Die Russen, die - dem Pferde den Atem benehmen, 447.110. Durch die Hochfleihung d. Holzes seine Stuben Luft benommen. 365. J. 1666. - 4) Im Sinne von verderben. Die Dürre hat es benommen, Hupel (444.1818). - 5) Alsdann girße man den Werth in den Küfen, so benimmt sich's bald, 329.48.

Kobolt 1990, 63
st.V., refl. häufig eingeengt auf: sich schlecht benehmen, z.B.: Der junge Meyer hat sich am Sonntag im Klub wieder einmal benommen.
lbg. benämen 'sich benehmen'.

Brustacker der
'Feld, das unter Dünger gesetzt werden soll'
‣ Synonyme: Brustfeld, Brustland

QUELLEN

Hupel 1795a, 37
ist das (nach seiner Bestimmung) immer in Kultur und Bearbeitung unterhaltene Feld (im Gegensatz des Buschlandes welches nur nach Verlauf einer geraumen Zeit bearbeitet wird.

Gutzeit 1859, 156
das in Bearbeitung unterhaltene Feld. - Die Verordnung 147 erklärt: gewönliche Ackerländereien, und setzt es als erste, beste Gattung des hiesigen Landes; eine zweite Gattung ist Gartenland; die dritte Busch- und Dreschland, und die vierte Heuschlagsland. Buddenbrock 193. II. 343. erklärt: Geld, das unter Dünger gesetzt werden soll. - Dasselbe ist Brustfeld, Brustland.

Sallmann 1880, 49, 61
zusammenzustellen mit mhd. brust Bruch, ahd. prëstan bersten.
das cultivierte, eigentliche Ackerland, im Unterschied von Garten-, Busch-, Dresch- und Heuschlagsland.“

Gutzeit 1886, 188
Eine seit 1687 allgemein übliche Benennung. Das Land wurde 1687 in 4 Gattungen geteilt: Brustacker, Garten, Buschland u. Wiese, jede Gattung in 4 Grade. Man hat daher Brustacker ersten, zweiten, dritten u. vierten Grades. Für die Tonnstelle B. ersten Grades wurde eine Bodenrente von einem Thaler oder 90 Groschen schwed. angenommen; derselbe Werth für 1⅕ Tonnstellen Brustacker zweiten Grades, für 1½ Tonnstellen Brustacker dritten u. für 2 Tonnstellen vierten Grades. vgl. rig. Ztg. 1864. 272. Dasselbe ist Brustfeld u. Brustland, d.i. Bruchacker, gebrochener Acker, Acker, welcher gedüngt wird. - Da der seltsame Ausdruck erst 1687 in Folge der von Schweden ausgehenden Einteilung der Ländereien aufkommt, so sollte man glauben, dass ein schwedisches Wort unserm Brust (Acker) zu Grunde liegt. Meine Untersuchungen sind jedoch ergebnisslos gewesen. Sallmann (390c. 49) stellt Brust zusammen mit mhd. Brust = Bruch und ahd. prëstan bersten. Die Bedeutung, welche Grimms Wtb. unter 6) für Brust anfürt, sind lat. mit scissura und fractura vermerkt, deutsch mit Bruch, Mangel, Schade. Das Wort bersten ist ebenfalls nicht gleich brechen; nur engl. to burst zeigt den Übergang der Bed. von brechen und bersten. Wenn aber nun Brust den Begriff von Bruch, von etwas Gebrochenem haben sollte, so wird noch zu erklären sein, wie gerade bei uns, und nirgends in Deutschland, ein Wort Brustacker sich bildete, zu Ausgang des 17. Jahrh., wo mhd. längst vergessen war. Dass in Brust aber die Bed. von Bruch, brechen liegt, das scheint zu erweisen der hier in dems. Sinne gebrauchte Ausdruck Bruchacker u. das hier, wie in Deutschland vorkommende Brechen des Ackers, d.i. pflügen. Brust- wie Bruchacker sind der gebrochne Acker. s. brechen 11).

Transehe-Roseneck 1890, 61, 63
Bodenkategorie des Bauerlandes und Hofeslandes.

Dreeschland das
‣ Varianten: Dräschland, Dreschland

QUELLEN

Gutzeit 1864, 196
Dräschland. Die Dreschlande im alten Licht aufreißen, 328. 15; in Dreschlanden, Ebda. 125; im Dröschlande, 329; Dreeschland aufreißen, 176. 1832; Dreschland od. Leide, welches man nicht zu bedüngen u. jährlich zu gebrauchen vermag, 193. II. 2. 1256; Busch- u. Dreschländer, Ebda. 1257.

Gutzeit 1886, 219
Dreschland (-). Busch und Dreschland, d.h. nicht immer im Gebrauch stehende Felder mit oder ohne Busch, halb so hoch im Werth als Brustacker, 147. Dieses (кустовая земля u. залежь) Land wird auch zur Viehweide gebraucht, wenn keine andre Weiden vorhanden sind.

Transehe-Roseneck 1890, 61
Bodenkategorie des Bauerlandes

Bosse 1933, VI
„Drischland“ (nd. driske).

Uustalu 1982, 152
Die Dreschlande auffreissen (15); mnd. drēsch, drīsch m. 'der ruhende Acker, welcher, ehe er neu aufgebrochen wird als Viehtrift, zumal für Schafe, dient' (Sch.-L.)

e1

DAZU:
siehe auch Aussprache

QUELLEN

Krüger 1832, 324
1) Das offene (gedehnte) und das geschlossene e werden häufig verwirrt. Stetig, stets, bequem sollten nicht gedehnt werden. - Nicht Wenige machen nach Hamburger Weise jedes offene e zum geschlossenen; sie geeben lieber Eere, Leeben und Leeber darum, nur ja kein ä hören zu lassen. Dahingegen auf dem Lande, zumal im Tuckumschen, das offene e zum hässlichsten äh (fast ah) hinüber artet. Aehrlich und rädlich, Sähgeltuch, entwähder lähbend oder todt. Dieses ist sehr hart, jenes sehr geziert. - Nur Kegel hat allgemein ein unrichtiges geschlossenes e.

Gutzeit 1864, 215f.
Die Aussprache unsres E festzustellen, ist schwierig, und verschiedne Ansichten sind darüber ausgesprochen. Für ein Werk, das Feststehendes bieten soll, lag die Notwendigkeit nahe, nicht blos eigner Ansicht und eignem Ohr zu folgen, sondern auch Beobachtung und Erfahrung anderer zu benutzen. Aus dieser Ursache wurden verschiedne Gelehrte aufgefordert, ihre Ansichten mitzutheilen. Die bereitwillige Theilnahme, mit welcher sie sich der Sache annahmen, war so groß, dass selbst noch Andere aus ihren Umgangskreisen zu Rate gezogen wurden, um dem Gegenstand Licht und Sicherheit zu verschaffen.
Die Hauptsätze einer Mittheilung aus Riga sind: 1) das gedehnte e streift in Livland nicht mehr als in Deutschland an ä, — etwas mehr in Kurland, wo es indessen nicht überall wie sehr breites ä lautet, — meistens bei Leuten ungebildeten Standes, auch bei Personen, die aus Kurland herüberzogen. Bei wirklich Rigischen fällt die Aussprache ebensowenig auf, als bei Leuten, die auf dem Lande in Lettland geboren u. aufgewachsen sind. 2) wird auch das gedehnte e nicht immer wie reines e lauten, so schwankt doch die Aussprache zwischen dem reinen e und dem an ä streifenden, oder, besser, es hält zwischen beiden die Mitte. Dasselbe gilt von Serben in Lettland. 3) unser gedehntes e ist nicht gleich ä. Wir nähern uns in der Aussprache von Beeren dem reinen e, und in der von Bären dem ä, unterscheiden ebenso lesen von läsen, wehren von währen und dem kürzern wären. In den beiden Reihen: heben, legen, überlegen, regen, bewegen und eben, gelegen, geben, überlegen, Regen, Wegen — die nach Grimm kein hochd. Mund vermischen soll — wird e ohne Unterschied gleich gesprochen. 4) es dürften wol kaum irgendwo, so wie in Riga, die 3 Laute e, ä und äh unterschieden werden.
Die Angaben einer zweiten Mittheilung aus Riga lauten 1) der Ä-Laut herrscht namentlich bei Leuten vor, die der ländlichen Bevölkerung näher stehen; 2) der Ä-Laut ist namentlich den untern Schichten der Bevölkerung eigen und reicht in Riga mit wenigen Ausnahmen. etwa hinauf bis zu den Kaufleuten zweiter Gilde; 3) die Verwechslung des e mit ä ist so ziemlich über ganz Livland verbreitet. Als Beispiel dient das Wort Reval, dessen Aussprache in Riga und Dorpat Rä-wall, in Estland Re-fall ist, mit scharfer, sehr auffallender Betonung des e.
Aus Dorpat. Die Aussprache des e ist sehr unbestimmt und verschieden, je nachdem Schichten der Gesellschaft und deren Heimat und Abstammung. Die Unbestimmtheit der Aussprache ist, durch den Zusammenstoß der verschiednen Völker, größer als irgendwo. — Gedehntes und ungedehntes e (e, ë ee od. ê) streifen allerdings meist an ä und klingen sogar häufig zwischen ä und a, z. B. ebensowol sterben, schmelzen, erben — stärben, schmälzen, ärben, — als Heer, Speer, nehmen, schwer, leer = Här, Spär u. s. w. Ausnahmen gibt's allerdings oft, und auch die Behauptung ist zu hören, dass nirgends das e so rein gesprochen werde, als gerade in Livland und besonders in Dorpat. — Reines, helles e klingt nur in Seele, sehr, mehr, Lehm (wie in Deutschland) und wird von dem e in Heer, nehmen deutlich unterschieden. — Ein Unterschied zwischen dem e in legen, überlegen, regen, Regen, wegen, Wegen ist nicht hörbar, weder bei Ungebildeten noch Gebildeten. Hierüber herscht kein Widerspruch; aber auch in Deutschland dürfte der Unterschied nichtüberall hervortreten, — in Ostpreußen gewiss nicht! — Reines e (wie in Seele, Lehm, sehr) hört man auch, wenigstens bei den meisten der Schüler, da wo es nicht gehört werden sollte, nämlich statt ö, in König, Löwe, Götter, löblich — Kehnich,Lehwe. Jetter, lehblich. Daher klingt lesen = läsen, aber lösen = lehsen; möchte = mechte, aber Mächte = Hechte (an ä streifendes e!). — Das e in tonlosen Sylben ist dumpf, unrein, stumm, und wird entweder kaum gehört, oder klingt wie kurzes ö; von dem geschärften e in Welt, schnell wird es deutlich unterschieden. Daher: Kranke wie Krankö (ᵕ), Kranken aber wie Krank'n.
Die Angabe eines Oberdeutschen in Fellin lautet: in der Aussprache findet sich eine Trennung des e und ä lautes, die jedoch, so bestimmt sie auch bei den Einheimischen ist und haftet, organisch ebenso unrichtig ist und der ältern Aussprache ebenso znwiderlaufend wie im Auslande. 1) Das kurze e, als Umlaut des a, im mhd. e gesprochen, in Fellin getrennt in einen e nnd ä Laut, und zwar jenes (spitzes e), wie es scheint, namentlich vor gg, ll, ss, tt; dieses (trübes e = ä) in den übrigen Fällen. Spitzes daher in: fest, Nett, Elle, Egge, Geselle, Schwelle, Stelle, stellen, zerren, Becken, decken, Hecke, schmecken, Strecke, wecken, Kette, retten, Hetzen, verletzen, netzen, setzen, wetzen, besser, Essig, Nessel, Kessel, Held, schmelzen; trübes in: Hemde, fremd, Menge, prellen, brennen, Henne, kennen, rennen, trennen, wenn, sterben, emsig, Bengel, enge, Engel. — 2) Das kurze e, als Brechung des i. Im mhd. e = ä. Die Aussprache dieses kurzen e verhält sich im Ganzen wie in Oberdeutschland. a) Elaut, selten: melken, Helm, Schelm, schwelgen, Fels, Kerze, dreschen, gestern, Nest, Schwester; b) breites ä: gëlb, hëll, schnëll, Nëffe, Spëck, Flëck, Zwëck, Pëch, Bëcher, brëchen, stëchen,Brëtt. Wëtter, quëllen, Schëlle, Wëlle,Nëffen, lëcken, Heuschrëcke, ëssen, vergëssen, mëssen, gesëssen, Sëssel, sëlbst, hëlfen, gëlt, sëlten, Wëlt, Fëld, Zëlt, Përle, lërnen, Bërg, Wëk, Ërde, wërden, Wërth, Hërz, schmërzen, Fërse, Gërste,Sënf, Rëcht, flëchten, Wëchsel, Fëst. — 3) gedehntes e, a) als Umlaut des a, lautet α) wie ê: Zehrung, dehnen, sehnen, gegen, legen, regen, bewegen, edel, Rede, Esel; β) wie ä: Heer, Meer, Beere, leer, Theer, Scheere, Wehr; so ziemlich nur vor r; — b) als Brechung aus i, aus mhd. kurzem e hervorgegangen. α) wie e. Diese Aussprache wäre in Oberdeutschland unerhört. In: stehlen, Bremen, jener, eben. Eber, Krebs, Leben, Leber, Rebe, Nebel, schweben, weben, Degen, Pflege, Regen, Regel, Segel, Segen, Steg, Weg, geschehen, sehen, zehn, Leder, ledig, Feder, Gebet, Besen, lesen, hehlen, Kehle; β) wie ä in: der, er, begehren, her, Speer; also wiederum vor r; — c) aus mhd. langem e, lautet durchweg spitz: eher, Klee, Reh, See, Schnee, Weh, ewig, Seele, Ehre, hehr, Rückkehr, kehren, lehren, mehren, sehr, wenig, Lehne, Schlehe, Zehe, erste. Nur verdeutschte Letten und Esten bringen vor: äre st. Ehre, här st. Heer, kären, lären, mären, sär, ärste — vor r. — In der Aussprache gelten also 4 e, zwei kurze (e u. ë), und zwei lange (ê u. ..) ; ferner ein breites e (ä) in Meer, Beere, Theer, Scheere, Wehr, der, er, begehren, Heer, Speer u. a. — Ä zeigt doppelte Aussprache. Man hört: Märchen, träfe, Gräfin, gnädig, Bär, wählen, Schädel, und wiederum: Spêne, lêge, kême, Glêschen, Zêne, für Späne, läge, käme, Gläschen, Zähne. — Ö wird von echten Fellinern durchweg wie spitzes e gesprochen: bêse, lêsen, beschwêren, Kênig st. böse, lösen, beschwören, König. Namentlich werden nicht unterschieden: kennen und können, beide lauten kännen; möchte und Mächte, wie mechte; läse, lese u. löse; beschweren u. beschwören u. a. — Im Ganzen hört man das Hochdeutsche nirgend so regelrecht sprechen, wiein Fellin, und man kann als Ueberzeugung aussprechen, dass die Sprachlehrer besser thäten, das livländische Deutsch als Muster hinzustellen, denn das sächsische od. gar Hannover- od. Braunschweigische. Es ist auch gar nicht anders möglich, als dass diese Aussprache hier zu Lande die am meisten reine sein muss, da der hiesigen Sprache alles Mundartliche fehlt. — Eine neue Bestätigung des von dem bairischen Grafen de Bray, der lange in Livland zugebracht hat, in seiner histoire de la Livonie III. 249. Ausgesprochenen: „die ausgezeichnete Aussprache, deren sich die Livländer mit Recht rühmen, rührt vorzugsweise daher, dass das Deutsch fast nur von Leuten guten Standes gesprochen wird.“
Von besonderem Interesse musste das Urteil eines Kurländers sein, der die rigische Aussprache kennt, und seit längerer Zeit Oberlehrer der deutschen Sprache in Reval ist. In der Mittheilung, mit welcher noch C. Hoheisels Einladungsschrift: Einige Eigentümlichkeiten der deutschen Sprache in Estland, l860, Zu vergleichen ist, heißt es: 1) einen Unterschied zwischen der revalschen u. livländischen Aussprache des e vermogte mein Ohr im Allgemeinen nicht herauszufinden. In Kurland freilich wird und wurde das gedehnte e wie ä ausgesprochen. Doch nimmt diese Aussprache bei den Gebildeten des jüngern Geschlechts immer mehr ab, so dass die bei diesen übliche nicht weiter von der in Est- und Livland abweicht. Das Deutsch unsrer Provinzen schreibt sich von dem der deutschen Einwanderungen aus dem Auslande her, die fast alle aus denselben Gegenden, nämlich dem Norden, herkamen. Mithin ist es in allen drei Ostseeprovinzen ursprünglich wol dasselbe gewesen und hat sich aus dem Niederdeutschen entwickelt. Wo Abweichungen vorkommen, wie z. B. bei dem kurischen e, da sind sie wol unzweifelhaft dem Einflusse des Lettischen (und Estnischen) zuzuschreiben (landsche Aussprache). Nur scheint es, dass sich diese Aussprache nicht gerade auf Kurland beschränkt, sondern auch in Livland, soweit man dort lettisch spricht, in denselben gesellschaftlichen Kreisen wie in Kurland, angetroffen werden dürfte, während in dem estnischen Theil Livlands und in Estland selbst, wo diese Einflüsse von Eliten des Estnischen nicht stattfinden, die Aussprache sich reiner erhalten hat. In der That findet sich in Betreff des e ein Unterschied zwischen Riga, welches sich durchaus der kurischen Sprechweise nähert, und etwa Dorpat, welches mit Estland übereinstimmt (?). Der Unterschied zwischen dem hellen, geschlossenen, aus a durch Umlaut entstandenen e, und dem offenen, breiten aus i durch Brechung entstandenen ë wird, so weit meine Beobachtungen sicher strecken, in keiner unsrer Provinzen festgehalten, und lautet in Kur- und Estland meinem Ohr völlig gleich Uebrigens scheint es, als ob auch in Deutschland dieser Unterschied keineswegs mehr so streng beobachtet wird, als es früher (im ältern Deutsch) geschehen sein mag. Nicht allein werden beide e von Ausländern, die ich hier gesprochen habe, verwechselt, nicht allein habe ich bei einer Reise in Deutschland keinen Unterschied in der Aussprache des e und ë bemerkt, sondern auch die Sprachlehren liefern darüber nur verschieden lautende undunbestimmte Angaben - Ein Unterschied in der Aussprache des gedehnten e ist mir indes doch aufgefallen. In den Wörtern: Erde, Werth, Herd, Herde, Pferd, Erbe, Sper, begehren, werden, schwer hat sich das ë in seinem ursprünglichen mehr dem ä sich nähernden und von e in sehr, mehr, kehren, Ehre, wenig, Ehe, edel, Fehde, Seele deutlich unterscheidenden Klange erhalten. — Das geschärfte e lautet, wie es scheint, anders als das gedehnte, nämlich immer fast wie ä. z B. Welt, rennt, dann wie ä in fällt, Ränder, Männer. Ein Unterschied zwischen diesem geschärften e und dem tonlosen, z. B. in den Endsylben der beiden letztgenannten Wörter ist für mein Ohr nicht wahrnehmbar — E, ä und ö werden in allen 3 Provinzen verwechselt oder vielmehr gleich ausgesprochen.
Nach dem Vorstehenden leuchtet die Schwierigkeit ein, unsern e Laut zu kennzeichnen und die hier und da einander widersprecheuden Angaben in Einklang zu bringen. Das Folgende mag die Ansicht des Verfassers zusammenfassen, welche übrigens in den Punkten 1, 2, 6, 7 u 8 sehr allgemein getheilt ist. 1) Die Aussprache des e gleich ä zieht sich durch ganz Kur- und Lettland, überschreitet selbst, nach Norden und Osten hin, die Grenze des lettisehen Lamdgebiets. vgl. die zweite Angabe aus Riga und Hupel in Topograph. Nachr. I. 146. In Kurland, obgleich im Allgemeinen derselben Artung wie in Lettland, weicht die Aussprache doch mehr od. weniger ab von der in Riga und Lettland, häufig in so auffallender Welse, dass man eher Kurlands an seinem e, gleich breitem ä, ebenso zu erkennen ist. wie mancher Estländer an seinem scharfen s. — 2) die Aussprache des gedehnten und ungedehnten e trifft in Riga, Lettland und wol auch Dorpat im Allgemeinen mit der in Norddeutschland zusammen, ist daher dort durchaus nicht auffallend, gewiss aber in Suddeutschland. — 3) Nach sehr verbreiteter Ansicht ist diese Aussprache in Kur- und Lettland lettischem Einflusse zuzuschreiben. Diese Ansicht ist sicher nur zum Theil begründet. Wenn der Einfluss des Lettischen nicht abgeleugnet werden kann bei Leuten, die aus lettischem Stamm sich zu halben od. vollkommnen Deutschen um- und heranbildeten, oder zweitens bei wirklichen Deutschen, die beständig auf dem Lande in lettischer Umgebung leben, so ist doch bei Hiesigend es bessern Standes und den vielen aus Norddeutschland Eingewanderten die e Aussprache eine deutschem Munde eigentümliche. Wir haben zwar alle Tage Gelegenheit an gebildeten Deutschen, die eine Reihe von Jahren in Russland verbracht haben, wahrzunehmen, wie leicht und ihnen ganz unmerkbar und selbst nicht wahrnehmbar ihre Aussprache fremden Klang annimmt Wie aber wiederum dieser russische Anhauch weniger bei unverrussten Deutschen Moskaus und Petersburgs gefunden wird, so ist auch der lettische Anhauch bei den Deutschen Rigas, die den in jeder Hinsicht so sehr überwiegenden Theil der Bevölkerung bilden, nur hier uud da hörbar, indessen wol nur bei den ungebildeten Ständen. Und es scheint daher unzweifelhaft, dass der hiesige e Laut im Allgemeinen ein ursprünglich deutscher ist. — 4) Eine sog. landsche Aussprache, wie sie namentlich in Kurland sich geltend macht, kommt in Livland nur ganz vereinzelt vor, und wird ihre Entstehung lettischem Einflüsse zugeschrieben. Aber selbst für sie wird von beachtenswerter Seite her dieser Einfluss bestritten; so von Harmsen in Libau. Wenn, sagt er, in der lett. Sprache das durch ein stummes h gedehnte e, wie in dehls, Sohn, gedehnt und tief laute, so klinge es dagegen geschärft in besdelinges, Schwalben, u. andern Wörtern, selbst in solchen, welche Verdoppelung des Selbstlauters zeigen, z.B. in pee, bei. — Auch kann nicht unerwähnt bleiben, dass unser e Laut über Ostpreußen bis nach Sachsen hinein sich erstreckt, wo das widerliche ä Dresdens bekannt ist. Freilich kann auch in diesen Gegenden der Einfluss undeutscher Bevölkerungsgrundlage nicht geleugnet werden. — 5) Wir kennen keine durchgreifende Verschiedenheit zwischen dem geschlossenen und offenen e, weder in Riga, noch in Liv-, Kur- oder Estland. Höchstens im Munde Weniger, und dann nur bei gewissen Wörtern mögten Unterschiede vorkommen. So sagt Hupel in sein. Idiotikon, dass — doch wol in der Gegend, wo er lebte — das Wort belegen, als Infinitiv, wie belehgen gesprochen werde, als Particip jedoch wie belägen. Krüger (319) äußert sich hinsichtlich Kurlands folgendermaßen: „das offene (gedehnte) und geschlossene e werden häufig verwirrt; stetig, stets, bequem sollten nicht gedehnt werden. Nicht Wenige machen nach Hamburger Weise jedes offene e zum geschlossenen; sie geeben lieber Eere, Leeben und Leeber darum, um ja kein ä hören zu lassen. Dahingegen auf dem Lande das offne e zum hässlichen ä hinüber artet: ährlich, rädlich, Sähgeltuch, entwäder lähbend od. todt. Nur Kegel hat allgemein ein unrichtiges geschlossenes e.“ — 6) Ist keine durchgreifende Unterscheidung des geschlossenen und offenen e in unfern 3 Provinzen wahrzunehmen, so ist wiederum nicht zu leugnen, dass, wenigstens in Riga und Lettland, die Aussprache des gedehnten e eine dreifach verschiedne ist, selbst in denselben Wörtern: theils wie reines e, theils wie leichtes ä, theils wie breites ä. So kann belegen wie belégen, belêgen (belägen) u. belä-gen klingen. Die erste Aussprache mögte sich finden im Munde einiger Gebildeten; die zweite die hier gewönliche sein, und namentlich vor r stark hervortreten: Erde, wie Ährde, er wie ähr, Ehre wie Ähre, Pferd wie fährt, Beeren wie Bären, mehr wie Meer, mehre wie Meere oder Mähre, sehr, wer u. s. w. Die dritte breite Aussprache fast nur bei Leuten, die beständig unter Letten lebten oder bei verdeutschten Letten. — Nach dem Gesagten kann es nicht auffallen, dass bei uns in der Aussprache französ. Wörter so häufig eine Verwechselung der verschiedenen e und des ai stattfindet. — Die Namen Fersen und Medem werden in Livland gewönlich Ferrsen und Mehdem gesprochen; zuweilen, kurländisch, Fährsen und Mädämm. — 7) Die Aussprache des gedehnten und ungedehnten e, ä und ö ist vollkommen gleich, und lautet wie leichtes ä. Lesen, läsen u. lösen; denen, dehnen, Dänen; reden, rädern, röden; Rheder, Räder u. Röder; jenen, gähnen und höhnen; beschweren, beschwären u. beschwören; Ehre, Ähre u. Öhre; redlich, rätlih u. rötlich; Becher, Fächer u. Köcher; Hechte, Mächte u. mögte geben dazu die nötigen Belege. In Lettland gilt nur zum Theil das, was Hupel in s. topograph. Nachrichten I. 146 äußert: „Meer sprechen wir wie Mähr, Beeren wie Bähren, Esel wie Ösel; aber Klete beinahe wie Klöte, stehen fast wie stöhen; dagegen legen wie lägen, reden wie räden.“ — Besser sprechende bemühen sich ö, und hier und da auch ä, deutlich hören zu lassen, namentlich in Conjunctiven u. ähnlich lautenden Wörtern, so dass zwischen lesen, läsen, lösen, heben und höben, säen und sehen, Säer u. Seher ein deutlicher Unterschied wahrnehmbar wird. Ja, Einige wollen sogar die verschiednen e unterscheiden, verfallen aber dabei in gar häufige Verwechselungen u. Ungereimtheiten. Immer ist diese bessere Aussprache angelernt, angeübt.— 8) Das ungedehnte e lautet meist wie ä: Wette, Lette wie Watte, Latte; als Auslaut oft fast tonlos und an ö streifend, z. B. in Base, Gabe, Liebe, Else, Lise, wähle, Kranke; reiner in: wenige, einige, meinige u. ä. —
Noch ist zu bemerken 1) dass bei weiblichen Hauptwörtern gern mit e verlängerte Formen benutzt werden, z. B. Thüre und Uhre st. Thür u. Uhr. Auch bei verschiednen Nebenwörtern kommt dies vor, z. B. gerne u. vorne st. gern u. vorn. Dies ist aber durchaus nicht mundartlich, wie angegeben wird. In Deutschland, selbst in Büchern, findet es sich sehr gewönlich. — 2) Zeitwörter auf el, er und en unterdrücken das e der Flexion in der gewönlichen Sprache durchweg; die auf em oft. Ich wander', rechen', zeichen', lächel' st. wandre, rechne, zeichne, lächle; es regen't, er zeichen't, ich rechen'te, es hat geregen't; ich atem', aber bewidme, eingeatmet. Dieser Gebrauch kommt schon früh vor. Verordenter Schlossherr auf —, 352. XVI. 6. vgl. Grimm III. S. 4. 3. — 3) in Imperativen bricht das e des Infinitivs häufig nicht in i. Wir sprechen ganz gewönlich: seh, ess. brech, erschreck, helf, schelt, befehl, werf, tret st. sieh, iss u. s. w. Für Kurland schon angeführt in 319 u. 189; in Reval soll, nach 322. 14 zu urteilen, sehe, esse, werfe u. s. w. gesprochen werden. - 4) in der Conjugation mancher Zeitwörter zeigt sich, entgegen der hiesigen Gewonheit, Vorliebe für Umlautung, z. B. sägst, sägt, frägst, frägt, kömmst, kömmt,klägst, klägt, wie das 322 auch für Reval anführt. Käufft aber u. käuft klingt in Riga lächerlich od. jüdisch, und verwährst, verwährt, sähst (?) st. verwahrst sind sehr selten, vgl. dagegen 322. 14. — 5) in der plattd. Zeit lauteten viele Stadt- und Flussnamen auf e. die später auf a ausgingen. Rige st. Riga, Düne st. Düna, Wilde, Narwe st. Wilna, Narwa. Rige u. Düne erscheinen noch ganz gewönlich Mitte des 18ten Jahrh., obgleich Riga u. Düna schon im 16ten Jahrh. auftreten. — 6) die Endung ie in versch. Namen klingt gewönlich ije: Amalie, Natalie wie Amalije, Natalije; Marie gewönlich zweisylbig: Mari. zuweilen Mari-e. — Tragödie u. Comödie sind durchweg dreisylbig; dagegen: Com´ödienzettel. — vgl. ei.

Gutzeit 1886, 227
Wie die anderen Selbstlaute gern geschärft. So in Herberge, Herbergen, beherbergen, gespr. herr—; in Ferse, Verse u. Vers, gespr. Ferrse u. Ferrs; im Familiennamen Fersen gedehnt und gespr.: Fär-sen. Geschärft in den Ortsnamen Selburg u. Semgállen. gespr. Sell- und Semm-. Die Taufnamen Edwin, Edgar und Edmund zeigen stets geschärftes e u. werden gesprochen Edd'win, Edd'gar und Edd'mund; Eduard zeigt stets gedehntes e und wird gesprochen E-dward od. Ed-ward. Nie übliche Schreibung mit u ebenso falsch wie in Balduin.
In Wörtern wie andere wird das vorletzte e gew. nicht gesprochen (an-dre); in anderen u.ä. das letzte e meist verschluckt: bei andern Leuten.
Im Russischen zuweilen Einschaltungslaut. Daher глянецъ aus Glanz.

Geldanschlag der

QUELLEN

Gutzeit 1877, 331
Geldabschlag. Geldanschlag aller Leistungen nach Thaler und Groschen, 147; Geldanschlag der Güther. d. h. wieviel nach Thalern u. Groschen werth ,147; im J. 1809—1823 wurden alle Güter in Livland mit einem Kostenaufwande von einer Million Rbl. vermessen u. 1809 die Taxe Allerhöchst bestätigt, nach welcher die Bauerländereinen in Geldanschlag zu bringen sind. Nach dieser Taxe galt eine Lofstelle Gartenland, eine Lofstelle Brustacker, Buschland, Heuschlag so u. so viel Groschen, Vorväter Kalender u. 1876. 64.

Halbimperial der

vgl Imperial

QUELLEN

Sallmann 1880, 122
Imperial, Halbimperial Goldmünzen im Werth von 10, resp. 5 Rubeln

Horngulden

QUELLEN

Gutzeit 1889a, 17
Horngulden. In Livland zu Anfang des 16. Jahrh. Bollwichtige Horngulden, deren Werth im J. 1510 der Erzbischof u. der Meister auf 32 Schilling(.../9 Mark, im J. 1537 auf 1 Mark 6 Schilling festsetzten, ... wohl ursprunglich die mit Silber und Kupfer stark versetzten Goldmünzen des Bischofs Horn von Luttich (1482—1505), nachher auch andere geringhaltige Goldmünzen, 347. I. 2. 430. vgl. Herrngulden.

Gutzeit 1889b, 546
Horngulden, werden in 347. 1. 2. 430angeführt.

DRWB V, 1558
u. anderen Belegen auch Gutzeit. genannt nach Joh. IX van Hoorn, Bischof von Lüttich
1525 Revalstr. II 28; 1533 Bunge Rbb 220 „ein horren gülden“

Imperial der
'ein russisches Zehnrubelstück in Gold'
vgl Halbimperial, Rubel, siehe auch Währungen

QUELLEN

Hupel 1795a, 100
Imperial, der, ist ein russ. Zehenrubelstück von Gold. Man hat auch halbe Imperiale oder 5 Rubelstücke.

Gutzeit 1877, 556
Imperial, der, ein russ. Zehnrubelstück in Gold. Im Verkehr sind nur halbe Imperiale oder Fünfrubelstücke. Beide Ausdrücke jetzt veraltet und durch Goldstück ersetzt.

Sallmann 1880, 122
Imperial, Halbimperial Goldmünzen im Werth von 10, resp. 5 Rubeln

Grosberg 1942, 69, 317
der Imperial - russ. Goldmünze im Werte von 20 Reichsmark.

Krautbeutel der

QUELLEN

Gutzeit 1874, 89
Krautbeutel. Der Bräutigam soll (der Braut) Krautbeutel nicht höher geben, denn 10 Mark von Werth, 340. XXIV. 1. vgl. Kraut 2). Von Tielemann in Livonas Bl. S. 37 erklärt: Confectbeutel.

Kreditverein der
‣ Varianten: Creditverein

QUELLEN

Gutzeit 1864, 172
Creditverein, Bankverein: die Vereinigung der Besitzer adlicher Güter in Livland zur Sicherung und Hebung ihres Credits. Ein dem C. verhaftetes Gut, 327. 14.;, die Pfandbriefe des C. sind alle von einerlei Würde, ebda. 17. — Wie in Deutschland.

Gutzeit 1886, 205
Creditverein, rigascher, zur Beleihung von städt. Häusern mit Pfandbriefen. Den Plan zur Errichtung eines „Creditvereins der Häuserbesitzer in Riga“ wurde 1819 durch den sinkenden Werth der Häuser veranlasst.

Landwert der
‣ Varianten: Landeswert

QUELLEN

Gutzeit 1882, 137
Landeswert, der in Thaler und Groschen veranschlagte Wert eines Hakens, gedachter und berechneter Werth eines Hakens. Der Grundherr hatte für 13 Thlr. 18 gr. Landeswerth Naturalabgaben und für 60 Thlr. 30 gr. Landeswerth Frohndienste zu erhalten, der Bauer den Betrag von 6 Thlr. 36 gr. Landeswerth zinsfrei, 355. I. 20; ein Thlr. Landeswerth oder Spezies gilt 90 gr., ebda. vgl. 154 I. 163. Der Landeswerth des 1873/74 verkauften Gesinde betrug 183,200 Thlr. 72 gr.; in Pacht verblieben Privatgesinde im Landeswerthe von 348,533 Thlr. 38 gr.; 1334 Privatgesinde mit einem Landeswerth von 27,608 Thlr. und einer Verkaufssumme von 3,936,690 Rbl., rig. Ztg. 1875. Der Credit pro Haken Landeswerthe und auf 9000 Rbl. normirt, rig. Ztg. 1881. 241, d. h. der Haken in Livland wird zu 9000 R. gerechnet und (vom livl. Creditverein) beliehen.

Gutzeit 1882, 146
Landwert, Thalerwert. Der Landwerth des Gutes N., 327. 83; für jeden Thaler Landwerthes, ebda.

Löwenthaler

QUELLEN

Gutzeit 1882, 193
Löwenthaler, Löwendaler, Lowendaler, Lauwendaler, im 17. Jahrh. Löwenthaler sollen über ihren Werth nicht angenommen werden, 349. XV. 1. J. 1648/50. Sie hatten einen Wert von 12 Mark. Zu Grimms Wtb.

Nachwrake die

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 274
Nachwrake, die. Im J. 1827 ward eine N. aller aus der Einfuhr des vorhergegangenen Jahres unverkauft gebliebenen Häringe angeordnet, v. Stein in 364. 113. Die Bo. d. rig. Rats von 1827 besagt: bei längerer Lagerung müssen alle (schon gewrakten) Heringe ohne Ausnahme in den Monaten Januar, Februar und März einer N. unterzogen werden und jede Tonne die Bezeichnung A. U. (Nachwrake), nebst Jahreszahl und der Märke befundener Qualität erhalten, 174. 1827. 160 und 172. 1827. 18. — Der Kommissionär begnügt sich nicht mit der öffentlichen Wrake, die schon gleich bei der Einfuhr den Werth der Waare zu bestimmen hat, sondern unterwirft sie, wenn er sie vom Zwischenhändler gekauft hat, zu seiner größeren Sicherung, einer nochmaligen sog. Nachwrake, rig. Schriftst. v. 1850. Die Waare von der Waage oder von der Nachwraake nehmen, 306. 41; die Bünde zur Nachwraake auf die Kosse stellen und öffnen, ebda 34; das Hinaustragen von Wraakflachsen zur Nachwraake, ebda 8; dem Privatwraaker bei der Nachwraake Hilfe leisten, ebda 35; die Ausschweifungen der privaten Nachwrake in der Erfindung immer neuer Märken, v. Stein in 364. 81; die öffentliche Auswraake und die private od. sog. Nachwraake, u. Stein in 364. 376. — Solche Hölzer einer Nachwracke durch das Amt unterwerfen, 448. 14.

Ör der/die

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 311
Ör, die auch der, falsch geschrieben Oer oder gar Oehr und Oehre; in älteren Zeiten Or und Ore. Bort so vorbud derad, dat neen scroder schal want ut sniden de elen bouen 4 ore, rig. Burspr.; also me tellet 32 ur vor de marc sulvers, 399. J. 1402; in einer rig. Rechg. des XV. Jahrh. (vgl. 166a. XV. 482): 1 ore, 6 ore; 1 stucke silvers macht in Lyfland IX soltinge; IV or machen in Lyfland 1 soltinge; in ortige 1 or, livl. Urk. 6, p. 336. Das Wort ein skandinawisches. Nach Skennäus bezeichent ora, aus german. ore, im Allgemeinen jedes Metall, dann eine Münze und einen Gewichtsteil des Münzpfundes. Ihre im glossar. suio. goth. sagt: Öre, Art kleiner Münze, 24 Penninge oder 3 Örtugos werthnummus a metallo aereo ita dictus; im gothländ. Recht geschrieben er; die Isländer sprechen auri, eyri (von ayr - aes), bei Ulfilas aiz, lat. aes — Cleasby - Bigfusson im isl. engl. dict. hat als altnordisch eyrir, engl. ore, Erz, Metall und hält das Wort für vermutlich entstanden aus lat. aurum. „Denn die ersten in Skandinawien bekannten Münzen waren römische und griechische, dann sächsische und englische. „Bedenken gegen Ihre's und Cleasbu's Annamen könnten darin liegen, dass die Münze Ör keine goldene war; dass sich altn. eyrir nur auf Silber bezieht oder, wie franz. airain, auf Erz überhaupt; dass das schwed. Öre sich schwerlich aus eyrir bilden konnte, sondern in nächster Beziehung zu angels. ora, u. engl, ore steht, lautlich auch, doch nicht begrifflich zu franz. or. Nach Cleasby bezeichnete altn. eyrir ursprünglich eine gewisse Münze: eine Unze Silbers oder dessen Betrag = ⅛ Mark; ein eyrir ist = 6 Pfennige = 3 Ertog; später Münze überhaupt. — In latein. Schriftstücken ora; bei den Letten soll d. Dreischillingsstück — Ör — gehießen haben, nach Nyenstädts Zeugniss, — wovon jedoch keine Beweise aufgefunden sind.
Der Legat Wilhelm von Modena befal 1225 sich nach dem gothländischen Münzfuß zu richten, nach welchem die Mark 8 Ör = 24 Artig od. Schilling = 192 Pfennig hielt. Schiller-Lübben im mnd. Wtb. S. 249 sagen: Oer, deren auf die gothländische Mark 8, im Anfange des 15. Jahrh. aber 48 auf die rigische Mark gingen. Zehn Pfennige hießen ein Oertug, 30 Pfennige eine Oere, 240 Pfennige oder 24 Oertug oder 8 Oere machten eine Mark. Auch 10 Scheffel Roggen hießen ein Oertug, 30 eine Oere, 240 eine Mark Roggen; von Gerste war ein öre 36, von Hafer 66 Scheffel. Brotze (166a. IX/X. 572) sagt: Die zu schwedischen Zeiten in Ehstland geschlagenen Oere dürfen wir zur Erläuterung der Oere zu bischöflichen Zeiten nicht anführen; denn sie richteten sich in Ansehung ihres Steigens und Fallens nach dem in Schweden gewöhnlichen Münzfuß und nach dem Werthe der dasigen Marken. Nach Brotze (350. XV. Bl. 140) gingen, wie eine Kämmereirechnung Rigas von 1405—1473 dartut, drei Artiger auf ein Oer; eine Mark hatte 36 Schillinge od. 48 Oere, also 3 Schillinge gleich 4 Oere und ein Schilling gleich 1⅓ Oer oder gleich 1 Oer und ein Artig. In dieser Kämmereirechnung wird übrigens nach Oeren nur bis zum J. 1447 gerechnet, später nach Schillingen, vgl. ebenda Brotze auf Bl. 164. Nach Brotze (174. 1812. 54) machten in derselben Zeit zwölf Oer einen Ferding. — Nach Buddenbrock (193. II. 2) galt in den frühesten Zeiten Livlands ein Oer ¹/12 Thaler Alberts. Derselbe sagt in 166a. VI. S. XV: „Oere“, deren gingen 48 auf eine Mark rigisch. Eine Oere muß beinahe 7 heutige Ferding gewesen sein; auf S. XVI sagt er: 1 Oer- ¹/48 Mark rigisch = ¹/12 Rthlr. Alb.
Noch jetzt zält man in Schweden nach Ören, deren 100 auf einen schwed. Reichsthaler gehen, vgl. Kupferör u. Auß.

Packneelchen das
‣ Varianten: Packaneelchen, Packenelchen, Packnel, Packnehlchen, Packnelchen, Paknelchen, Paknülchen

QUELLEN

Bergmann 1785, 52
Packaneelchen f. Pack, Packet, Reisebündel.

Petri 1802, 93
Packnēl Packnelchen, ein Paket, Pak, Reisebündel, jemandes wenige Habseligkeit

Gutzeit 1887b, 319
Packenelchen, das, kleines Gepäck. Gewönlich als Vz.: allerlei Bündelchen, oder Päckchen. Zuerst in 210 und geschrieben Packeneelchen; bei Hupel erklärt: Paket, Päckchen, Reisebündel, Habseligkeit, bewegliches Vermögen von geringem Werth. In 382c. 57 Packnelchen; in 390c. 127: Packnēlchen, Päckchen, Packetchen. Im brem. Wtb.: bakkeneel, in Schiller-Lübbens mnd. Wtb. Backeneel. Da wir in derselben Bed. Nälchen benutzen, so könnte in Packenelchen eine Zusammensetzung aus packen und Nälchen vermutet werden, wenn Nälchen auch in Deutschland begegnet; ist das nicht der Fall, so wird eine Entstellung aus franz. pacotille oder auchbagatelle anzunemen sein.

Seemann von Jesersky 1913, 152
Packnelchen, kleines Gepäck, Bündelchen.

Masing 1926b, 60
Packnelehen „kleines Gepäck, kleine Päckchen“ (mnd. packöl „Packen“ und backenēl „kleiner eiserner Topf“; Schumann, S. 18 Packeneten „Gepäck, Kram“; H. B. Grube a. a. O., S. 42Packeneelken „Gepäck“)

Vegesack 1935, 548
Packnelchen das Päckchen

Vegesack 1963, 255
Paknelchen Päckchen

Nottbeck 1987, 64
Packneelchen - Päckchen / E.K.L.R.
Ich erhielt ein geheimnisvolles Packneelchen.

Kobolt 1990, 192
Packnelchen, mit betontem, langen Vokal in zweiter Silbe, n Päckchen, Bündelchen.
mnd. packêl Packen; lüb. Packeneten Gepäck; pomm. Pakkeneelken kleines Gepäck.


QUELLEN (Informanten)
Kerkovius, Martha: Riga; Lemm, Robert von: Reval, Dorpat
Packnelchen Paketchen

Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland
Packnelchen, Packneelchen ? kleines Päckchen
Die Verkleinerungsform hat eine etwas wegwerfende Nuance.
„Na, was hast Du denn in Deinem Packnehlchen drin?“
„Nun nimm mal deine Packnehlchen zusammen und komm!“

Lange, Harald: Riga, Südlivland
Paknülchen Paknehlchen
Bündelchen = gebundenes Päckchen (wurde meist gebraucht, um was lächerlich zu machen)

Persele die

QUELLEN

Hupel 1795a, 170
Persele, die, d.i. Stück, Theil, einzelne Sache (vermuthlich das franz. Parzelle).

Gutzeit 1887b, 338
Persele, die, Stück, Teil, einzelne Sache. Nach 396. 1864. IX. 1. 15 vom schwed. persedel Stück, Abtrag von einem Produkt, einer Waare. Die richtige Ableitung ist von franz. parcelle, welche schon von Hupel vermutet ward. Zuerst vielleicht in Urk. von 1410: so neme also dann parcele van gude; dann in Monum. IV. 273. J. 1541: und belaveden idt do, dat sse idt wolden schryfftliken ouergeven jarlinges van persselen tho persselen; dann in 335. 45. J. 1548 partzele; ebda 91: Parzehle, d. h. Stücke oder Handelsartikel. Dies seind. die ersten Parselen deiner Kaufmannswaaren, 352. XVIII; was an Tallich unde was sonsten an klenen Perselen ut gegeuen, 406. J. 1589. Persehlen in 194. Ä. L. R. 178 u. a. a. Stellen. Waaren Perseel für Perseel anzeigen, 117; die aufgeladenen Perseelen, ebda; Perseelen, womit ein jeder Roßdienstreuter versehen sein soll: Westen, Strümpfe u. s. w.; kleine Perselen in etzlichen 5 L. њ. bestehend (Flachs), 365. J. 1666; alle kleinen Perselen, ebda oft. Die Apotheker sollen sich in Verkauffung dieser Persehlen (Apothekerwaren) 308; ein solches in 3 Perseelen bestehendes Meisterstück, 67, d. h. in 3 Gegenständen; außbenommen den dreien oberzelten perselen, 309. b. J. 1593, Bekleidungsgegenstände; jedoch mügen aller stende Personen ausserhalb den dreien perselen, als Sammitten, Maschen u. Dammaschen Assuken, Menteln und Kleinröckchen, gemachte Kleider vertragen, aber keine newe machen lassen, ebda, in ders. Bed.; daß inner (innerhalb eines) kurtzen Zeit-Verlauffs sie entweder doppelt an Perseelen oder der Würde bezahlen müssen, 193. II. 1. 361. J. 1666. Buddenbrock sagt dazu (Ebda 363): Perseelen heißt hier soviel als die Gattung der Sache selbst, die sie geliehen hatten; und Würde ist soviel, als der Werth der Sache, den sie (die Wucherer) doppelt nahmen. Specification der Perseelen, womit ein jeder Roßdienst-Reuter versehen seyn soll, 193. II. 1. 1478. J. 1697. Unter der Ausfuhr d. J. 1624 befanden sich 6 Perselen Bücher nach Lübeck, 174. 1825. 260; durch einen Fuhrmann sind mir 2 Perselen abgeliefert, 172. 1826. 52; anher gebrachte Waaren-Persehlen. 172. 1799. Die sog. Arbeitsperselen, 396. 1864. IX. 1. 21, sind landwirtschaftliche, von Gesindeinhabern zu leistende Pferde- und Fußtage, meist für Pastorate ohne Bauerland, — eine Reallast des Bauerlandes. Die Gerechtigkeiten sind 1) das Priesterkorn u. 2) die kleinen Gerechtigkeitsabgaben oder Nebenperselen, die in Hühnern, Flachs, Holz, Geld, Fischen, landwirtschaftlichen Arbeitstagen (Arbeitsperselen) bestehen, ebda 14 und 15; die Gerechtigkeiten (das Priesterkorn und die Perselen), ebda. 16. — In 274. 189 werden broke (Brüche) erklärt mit „Strafgelder oder Strafperselen“ — was wol unangebracht ist. Ungewönlich in 466. III. 59. J. 1498 auf einzelne Gebäude oder Gebäuderäumlichkeiten bezogen: desse bawenboschr. parsele, de Diderick Girn waren vorleudt. „Als Parselen werden mehre der Stadt Riga gehörige Unbewegschaften bezeichnet,“ ebda in d. Worterklärung.

Quark der
‣ Varianten: Quarg

QUELLEN

Hupel 1795a, 183
Quarg, der, heißt sowohl Koth als Nichtswürdigkeit (aber niemals Käse)

Sallmann 1880, 38
Quark Kleinigkeit, Sache ohne Werth; eig. = Koth.

Gutzeit 1890, 414
Quarg (ᴗ) der, f. Quark

Gutzeit 1890, 414
Quark (ᴗ), der, Käseabsatz von geronnener Milch. Hupel unterscheidet von Quark das Wort Quarg, u. erklärt Quarg mit „Koth oder Nichtswürdigkeit, z. B. das ist wahrer Quarg. Aber niemals bedeutet es Käse.“ Wahrscheinlich lautete ihm Quarg wie Quarch. Stender kennt das Wort nur in d. Bedeutung von Dreck, Kot; diese Bedeutung wie die von etwas Nichtswertem, Unbedeutendem ist mir aus den 20.Jahren wohl bekannt; die von Käsematte erst aus den letzten 2 oder 3 Jahrzehenden. Ebenso lange wie Quark (Dreck, Unbedeutendes) sind hier die Beiwörter quark und quarkig gebräuchlich.
Das Wort wird für als wahrscheinlich dem Slawischen entstammend angesehen. Hat das deutsche Wort keinen nachzuweisenden Stamm, so ist dasselbe mit dem slawischen der Fall. Dass Quark erst im 15. Jahrh. sich bezeugen lässt, ist kein Beweis gegen die Deutschheit des Wortes; dasselbe zeigt sich bei vielen anderen Wörtern. Und auch das slawische Wort zeigt sich „altslawisch“ nur in einer jungen russischen Quelle (Miklosich etymol. Wtb) — ist also für altslawisch nicht anzuerkennen. Einen Ausschluss für Quark sowol wie für slaw. twaróg — (wenn dieses nicht aus türkisch tarok Käse entlehnt sein sollte) — bietet vielleicht das engl, curd, curds (u — o) Quark. Da deutsches Qu nicht selten mit k und tw (dw) wechselt, so stellt curd, curds gewissermaßen ein Mittelding dar zwischen Quark und twarog - tvorog; und das Stammwort wäre zu entdecken in engl. curd gerinnen machen, gerinnen.
Die Bed. Dreck lässt sich schwer aus Quark — Käsematte herleiten. Denn diese hat mit Kot od. Dreck keine Ähnlichkeit und konnte auch, weil beliebt und geschätzt, nicht als Dreck oder Kot angesehen oder missachtet werden.

Seemann von Jesersky 1913, 160
Quark, wertloses Zeug, Unsinn, aber auch Käseteile der Milch.

Kobolt 1990, 215
Quark m Quatsch, Unsinn
Br.Wb. Quark nichtswürdige Sache; pomm. Quark Dreck, Ding von keinem Werte.

Rakitscher
‣ Varianten: Rakitzer

vgl Badstuben-Geschnitten

QUELLEN

Gutzeit 1887a, 4
Rakitscher (Rakitzer) Band. Für ein S.℔ Flachs in Rakitscher Band zu binden, 276. J. 1770. vgl. d. folg.
Rakitscher (Rakitzer) Flachs. Drujaner Rakitzer Flachs muß weiß oder silbergrau, lang von Hart und ganz rein von Schauen und Hede sein, nicht mißfarbig oder steckig; sonst würde er verwrackt, d. h. für Wrak erkannt und Badstuben geschnitten oder Risten Dreiband daraus gemacht. Er kommt in Bündelchen von 16—20 ℔. auf verschiedene Art gebunden vor, entweder oben mit 4 Köpfen oder Knocken oder ohne Köpfe, blos in der Mitte mit 2 Bänden von gedrehtem Flachs zusammengebunden, 142. Der Drujaner Rakitscher Flachs- Croon, aller littauisch- und curisch Rakitscher Flachs-Croon, und der geflochtene Rakitscher Flachs- Croon gehören zur ersten Sorte Flachs, 316. 44; Drujaner Rakitscher Wrack, der littauische und curische Rakitscher Wrack gehören zur zweiten Sorte, ebda 45; der littauische und curische Dreibands-Flachs oder littauisch Rakitscher Dreiband gehört zur dritten Sorte, ebda 46. Die Haupt- oder Kronsorten von Flachs sind 1) Drujaner Rakitzer; 2) Tiesenhausen Rakitzer; 3)littauisch Rakitzer und 4) Rein Marienburger Flachs, 133. Drujaner Rakitzer Wrack, 118. J. 1806; Drujaner Rakitzer Dreibund nach den Badstuben oder Wrakscheunen bringen, ebda. Der Drujaner Rakitscher kommt aus Druja, Sebesch u. angrenzenden Gegenden. Blos der Schwanz des Gebundes ist frei, den Kopf unterbindet man mit Flachsseilen und noch mit dünnen Schnüren. Was von diesem Flachs ausfällt, heißt Badstubengeschnitten und wird nach dem Braken in Riga umgebunden. Diese Gebunde haben die Form des Ristendreibandes und des rosietischen Flachses, aber der Braker gibt ihm noch über den Spiegel einen Einschnitt, 395. VI. 256; der litthauische Rakitscher steht oft mit dem Drujaner Rakitscher in gleichem Werth; man bindet ihn wie diesen, doch nicht mit so feinem Halsbande am Kopfe. Der Ausfall desselben heißt Badstubenpaternoster, ebda 257.

Tagesarbeit die

QUELLEN

Gutzeit 1892a, 4
Tagesarbeit. Soviel T. büßen, als selbigen Werth austragen kann, 193, II. 2. 1976. Nach Buddenbrock ebda: 12½ Tage zu Pferde.

Taler

QUELLEN

Hupel 1795a, 237
Taler f. Albertsgeld.

Sallmann 1880, 55
Thaler jetzt in Estland veraltete Bezeichnung für ein Stück Land von bestimmtem Steuerertrag

Gutzeit 1892a, 17f.
Thaler. Die Abkürzung für die verschiednen Thaler (Thaler Alberts, Th. courant, Th. Schillinge) war: Rthlr., RD. und Thlr. vgl. 349. XIV. 7.
Ein Ortsthaler. Item noch dem wachtmeyster gedan 1 Ort Daler = 1 Mr. 18 sch., 174. 1888. 202. J. 1582; Anno 88 . . . dem secklytaryen . . . vor afschrift . . . geuen 1 daler, dem gesellen 1 ortsdaler, yst 7 mark 18 schillinge, ebda. Der Taler galt demnach 6 Mk., der Ortsthaler nur 1 Mk. 18 Schill. — vgl. Kupferthaler.
Ein Herrn oder schwed. Thaler, 350. XV. J. 1622. vgl. Herrenthaler. Thaler courant oder Courantthaler nach Hupel (182. II) von verschiednem Werthe: 64 oder 52 Weißen. Ein Thaler pernauisch Courant ist 60 Weißen.
In Bezug auf sein Verhältniss zu Landwert und Arbeitsleistung. Durch die königl. Erlasse v. 7. Febr. 1687 u. 30. Juni 1688 ward der Thaler eingeführt: 22½ Pferde- oder 30 Fußarbeitstage wurden gleich einer Tonne Roggen oder Gerste, und 2 Tonnen Hafer zu einem Thaler Species (zu 90 Groschen) geschätzt; das Land wurde je nach der Güte nach Thaler u. Groschen geschätzt. So ist denn der Tagelohn eines Arbeiters zu Fuß auf 3 gl. schwed., der eines Arbeiters sammt Pferd auf 4 gl. angenommen. Für einen Thaler Landes leistet der Bauerwirth dem Hofe 30 Arbeitstage eines Fußgängers oder 22½ Tage eines Arbeiters sammt Pferde, rig. Ztg. 1864. — Bei Umrechnung der Gerechtigkeiten (Naturallieferungen an den Hof) wurde 1687) das Lof Hafer zu ¼ Thlr., das L℔. Butter zu ⅚ Thlr. angenommen, rig. Ztg. 1864. 274. Ein Stück Bauerland, dessen Bodenrente (1687) zu 80 Thl. angenommen war, ist ein Haken. Von jedem Haken hat der Bauer 6 Thl. 36 gl. zinsfrei, d. h. hat für dieselben dem Herrn nichts zu leisten; für 36 Thl. 72 gl. hat er Gehorch zu leisten; für 27 Thl. 54 gl. Hilfsgehorch (unbestimmte Dienste); für 9 Thl. 18 gl. Gerechtigkeit (Naturalabgaben) zu liefern, rig. Ztg. 1864. 274. Die Taxobjecte beschränken sich auf die Thaler, d. h. auf das Bauerland, rig. Ztg. 1864. 227; der Thaler Bauerland in Livland repräsentirt keine Bodenfläche, sondern einen Werth, rig. Ztg. 1864. 228. vgl. Landthaler. — Der Thaler Landes ist ursprünglich, seit 1687, die Bodenrente eines Bauerhakens, in schwedischen Thalern veranschlagt. 80 Thlr. machten die 1687 ausgemittelte Bodenrente eines ganzen Hakens, 40 Thlr. die eines halben Hakens u. s. w. Ein ¼ Häkner hat daher ein Landstück von 20 Thlr. Wert. Ein Thaler zählt 90 Groschen. Gegenwärtig ist die Thaler-Rente eines Hakens auf das 5—lOfache gestiegen. Heutzutage versteht der Sprachgebrauch unter Thaler und Groschen nicht mehr die im J. 1687 angenommene Bodenrente,sondern das Grundcapital, welches durch diese Rente repräsentirt wird. Man spricht daher von Thalern und Groschen Landes und versteht darunter bonitirte und abgeschätzte Grundstücke, für welche ein mal diese Rente ausmittelt und angenommen war, rig. Ztg. 1864. 272. Ein Thaler Landes, d. h. eigentlich der 80. Teil der Bodenrente eines Hakens, ist gegenwärtig 100—250Rbl. im Durchschnitt wert. — In 390c. 55 heißt es: Thaler jetzt in Estland veraltete Bezeichnung für ein Stück Land von bestimmtem Steuerbetrag.

Wert der

QUELLEN

Hupel 1795a, 260
Weert, der, vom Bier st. Hähnchen oder Kufenbier. Einige schreiben Wehrt oder Werth.


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