[BSS] Baltisaksa sõnastik

Deutscheesti keel

EessõnaKasutusjuhisedLühendid@arvamused.ja.ettepanekud


Query: in

?! Küsitud kujul või valitud artikli osast otsitut ei leitud, kasutan laiendatud otsingut.
Leitud 30 artiklit

antummen V [h]
‣ Belege: Kurland, Livland, Riga
Vt 'andicken, sämig machen' et paksendama
Die Kljukwasoße mußt du antummen, sie ist plürrig.

DAZU:
siehe auch Tumm

QUELLEN

Gutzeit 1859, 47
antummen tummig machen. Eine Suppe mit etwas Mehl.

Sallmann 1880, 84
antummen eine Suppe, Sauce, leicht tummig machen.

Nottbeck 1987, 17
antummen, andicken, sämig machen. Die Kljukwasoße mußt du antummen, sie ist plürrig. K.L.R.

Kobolt 1990, 43
antummen schw. V. Binden oder andicken mit Mehl oder Kartoffelmehl, das zuvor mit kaltem Wasser angerührt wird.
Eigenständiges deutsch-balt. Wort, s. Tumm


QUELLEN (Informanten)
Germann, Irmtraut: Riga; Weiss, Lis-Marie: Reval; Tode, Wally: Libau, Riga
antummen mit Mehl eindicken

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga
antummen sämig machen

Arbuse die
{russ. арбуз 'Wassermelone'}
de Wassermelone; et arbuus
nichts stillt den Durst im Sommer besser als eine reife Arbuse

QUELLEN

Petri 1802, 91, 327
Von Gemüsen u. andern Gartengewächsen werden alle Arten gezeugt, selbst Melonen u. Arbusen ...
*Eine Art Wassermelonen, die sehr vollsaftig, von röthlichem Fleisch und von vortrefflichem Geschmacke sind.
Arbusen (Wassermelonen)

Nottbeck 1987, 18
Arbuse Wassermelone / E.K.L.
Nichts stillt den Durst im Sommer besser als eine reife Arbuse.

Kobolt 1990, 44
Arbuse mit Betonung auf der zweiten Silbe, russ. arbus 'Wassermelone'


QUELLEN (Informanten)
Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga; Hellmann, Monika: Riga
Arbuúse - russische Melone (vermittelt durch den Sohn Heinrich Hellmann)

das passt sich nichtpassen

QUELLEN (Informanten)

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga

Feglisschaufel

QUELLEN (Informanten)

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga
Feglisschaufel - Kehrblech. WL 5,45.

Gubbe die
‣ Belege: Lettland
'kleiner Heuhaufen'
vgl Sade, siehe auch Heuhaufen

QUELLEN

Lindner 1762, 229
(nicht als Stichwort): Kuje ist ein großes Maß aufgestapelt Heu, ein Schober, Stock, kleinere heißen in Preußen Kucksen, hier aben Gubben.

Bergmann 1785, 27
Gubben, Haufen, Kinderfr. 8 B. S. 80.

Hupel 1795a, 83f.
Gubbe, die (aus dem Lett.) ist ein kleiner Heu- oder Korn-Haufen unter freiem Himmel.

Gutzeit 1864, 293
Flusch, der, (ᵕ), Haufen Heu, sprechen Einige st. Gubbe.

Gutzeit 1877, 523, 533
Heuflatsche, die. Mit diesem Worte gibt Lange das Wort Heugubbe wieder, Heuhaufen, Heufime.
Heugubbe, die, von Bergmann u. Hupel erklärt kleiner Heuhaufen, von Lange Heuflatsche. s. Gubbe.

Sallmann 1880, 19

Gutzeit 1886, 65
aufgubben 'aufdocken'

Gutzeit 1874, 109
Kubbe, die, kleiner Heuhaufen. Das Heu wird in Windhaufen (Kubben in Livland. Saden in Estland genannt) zu 10—15 Lof gebracht und nachdem es hier vollkommen trocken geworden ist, in größere Feimen (Kujen) vereinigt, 190. 88. [Hueck, Darstellung der landw. Verhältnisse in Ehst-, Liv- und Kurland] — Die Aussprache in Lettland ist wol durchgängig Gubbe.

Seemann von Jesersky 1913, 123
Gubbe, lett. gubba, kleiner Haufen Heu etc.

Revaler Bote 1919-1930
Gubbe 1928, Nr. 157. [notiert zu Grosberg, Meschwalden, daß im Nordbaltikum Ausdrücke wie eine Zibbe Butter, Heu in Gubben, Paggel, Ahling fremd erscheinen.

Grosberg 1942, 102, 156, 318, 319
die Gubbe - kleiner Schober (so S. 318); kleiner Haufen (so S. 319). lettisch.
Nach der Mittagspause wird das gemähte Heu gespreitet und um Vespar zusammengezogen und in Gubben gelegt. [102]
.. könte es wohl Schlimmeres geben als einen nassen Herbst, wenn die Hocken und Gubben auf dem Felde verregnen und nicht eingeschobert werden können. [156]

Kiparsky 1936, 27, 85
im estn. Gebiet: Hackjalg, Sade
Gubbe [gubǝ] f. 'kleiner Heuhaufen' ‹ lett. guba 'Haufe' zu gubt 'einsinken, zusammenfallen'). Hupel 83-84, Gutzeit I, 523. - Sallmann N. 19 führt das bd. Wort fälschlich unter den estn. Bestandteilen an: es kommt, wie Gutzeit II, 109 bezeugt, nur in EL., nicht in E. vor, und zwar in der Form Kubbe f., die deutlich auf eine Übernahme des lett. Wortes durch Vermittlung der Esten weist. Der älteste Beleg stammt nach Masing WbA. aus Lemsal, J. 1672.

HWbGA 1936, 202
Gubbe 'Heu- bzw. Getreideschober' (lett.)

Vegesack 1963, 113
die Gubben (Mehrzahl)


QUELLEN (Informanten)
Hellmann, Auguste: Riga
Gubbe für Wacke, WL 4,21


die Gubbe - Heuhaufen (-stapel), aber auch nur Haufen, Stapel. ‹ lett. guba. WL 3,19.
Vielfach 'Heugubbe' für Heuhaufen angegeben. So auch: Roggen-, Stroh-, Kartoffelgubbe usw. Vereinzelt 'Gubbe' als Getreidehocke belegt. Im lett. Spr. fast durchgehend belegt, im estn. nur 12 x.


Gubbe 'Heuhaufen' Wenden, Lettland; Riga; Walk (Livland)
Gubben 'kleiner Schober, in dem das Heu liegt; auch: kleine Haufen Heu. ' Riga, Hagensberg.

Käfterchen das
'ein ganz kleines Zimmer'
Er wohnte in einem Käfterchen unter der Treppe
‣ Synonyme: Besenkammer

QUELLEN (Informanten)

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga; Hellmann, Auguste: Riga
Käfterchen ein ganz kleines Zimmer. „Er wohnte in einem Käfterchen unter der Treppe.“ Vergleichbar: Er wohnte in der Besenkammer. (Vermittelt vom Enkel Heinrich Hellmann)

Kerzenhütchen das
'ein Handgriff, an dem vorne ein etwas größerer Fingerhut befestigt war'

QUELLEN (Informanten)

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga; Hellmann, Auguste: Riga
Kerzenhütchen ein Handgriff, an dem vorne ein etwas größerer Fingerhut befestigt war. Die kurze Variante wurde für die Kerzen am Adventskranz benutzt, die 1m lange Version war für die Lichter am Weihnachtsbaum benutzt. Die Kerze hiess LICHT. Angezündet wurden die Lichter mit einem Spitzki. (vermittelt vom Enkel Heinrich Hellmann)

Killekalle das

QUELLEN

Gutzeit 1874, 31
Killekalle, das, leres Geklatsch. Das ist nichts als Killekalle, d. h. Klatscherei ohne Grund. Gew. In Riga erschien 1858 von Harzer eine Kille-Kalle-Polka. - Am ganzen Niederrhein heißt kalle reden, plaudern, holl. kallen. Dem Deutschen ist von den Letten Rigas nachgebildet kilkala (bei Ulmann) Zank, Hader.

Seemann von Jesersky 1913, 134
Killekalle, Gerede, Zwistigkeit.


QUELLEN (Informanten)
Hellmann, Ernst, Dr. med.: Riga
Killekalle, was dem westdeutschen Begriff Pillepalle entspricht. Meint: wenig schwere, harmlose Tätigkeit. Etwa: „Kannst du bitte mal schnell den Autoreifen für mich wechseln? Das ist für dich doch Killekalle.” (vermittelt durch den Enkel Heinrich Hellmann)

kodderig Adj
‣ Varianten: kodderich, koddrig, kodrig

QUELLEN

Gutzeit 1874, 69f.
kodderig. 1) zerlumpt. Koddriger Rock, koddriger Mensch. 2) lumpig. Koddriger Mensch, Lump; koddriges Vergnügen, koddrige Theatervorstellung, koddriges Amt. Koddriges Kleidungsstück, unansehnliches, schlecht. Mit solch' koddrigem Kleide kann ich doch nicht auf den Ball! — 3) koddrig zu Mut. Mir ist koddrig (zu Mut), schwach, schlecht, auch: übel. Dies koddrig erinnert an estn. kiddur u. pödderik, die „kränklich“ bedeuten. — Grimms Wtb. führt kodderig unter Köder, 1570. 1. 6 an, doch in anderen hier unbekannten Bedeutungen. Man spricht z. B. hier nicht von einem koddrigen Gewissen; auch hat koddrig nie die Bed. von schmutzig.

Sallmann 1880, 35, 50
kodderig schmutzig, zerlumpt, unansehnlich, übel: „Mir ist kodderig zu Muth“, d. i. mir ist übel.
kodderig zerflickt, lappig

Masing 1926b, 55
kodd(e)rig 'zerlumpt; übel' (mnd. kodden „ausbessern, flicken“, oltkodder „Altflicker“; Frischbier I, S. 400); auf die Frage: „Wie geht's?“ wird (südbalt.) manchmal geantwortet: koddrig und lustig (Frischbier I, S. 400).
ebd. 26 (Gramm.)
ebd. 11: „es geht ihm koddrig“; „koddrig und lustig“ - opr. + bd., Riga.

Masing 1933, 63
kodd(e)rig jämmerlich, lumpig

Vegesack 1935, 276
koddrig schlecht

Stegmann von Pritzwald 1952, 413
kodderig übel

Vegesack 1963, 62
kodrig

Nottbeck 1987, 45
koddrig (ndt.) - ungemütlich, übel, schäbig / E.K.L.R.
Sie sind koddrig eingerichtet. - Mir ist koddrig zumute.

Kobolt 1990, 154
kodd(e)rig Adj., Adv. schäbig; flau zu Mute; gesundheitlich in schlechter Fassung
westf. kodderig schmutzig, unsauber; ku(e)derig schlecht von gesundheit; ostpr. kodd(e)rig unwohl, zerlumpt; nhd. kodd(e)rig niederd. für: schlecht, schäbig; unverschämt, frech, übel.


QUELLEN (Informanten)
Kerkovius, Martha: Riga
koddrig 'verwahrloste zerrissene Kleidung'
Man sagte aber auch: „Mir ist koddrig zu Mut.“

Lemm, Robert von: Reval, Dorpat
koddrig, zerkoddert 'zerlumpt, zerzaust, unwohl'
er war koddrig gekleidet; heute fühle ich mich koddrig.

Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland
kŏddrig 'schlecht, schäbig'
„Wie geht es dir?“ - „Na, ziemlich koddrig!“ „Ich fühle mich noch recht koddrig“.
„Wie geht es dir?“ - „Koddrig und lustig“ = wechselnd.
Von der Kleidung: „er ist doch recht abgekoddert“. „dein Rock ist ja ganz zerkoddert“.
die Kodderschnauze - freches Maulwerk. „Halte deine Kodderschnauze“

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga
kodderig verbraucht, schlecht, übel.


koddrig 'schäbig' Reval 1935
koddrig 'nachlässig' Fellin 1925
kodderich 'nachlässig' schusselich, Reval 1900
koddrig 'körperlich elend, übel'


mir ist koddrig zu Mute s. G. Hauptmann, „Die Ratten“

Krude

QUELLEN

???
Krude Livonas Blumenkranz (hg. v. G.T.Telemann) [Bd.1] Riga+Dorpat 1818, S. 145 ff. [UB Hamburg]
Mackensen 1765, Winkelmann ... 165. „Was bedeutet das Wort Krud in der alten Hand...disten?“ Kleine in nord. Miscellanen mangelhaft ... Livl. Ritterwelt [?] „gemalen und gebracken krücke“
1502 Krautbeutel
Krud = Konfekt ? 1577 Rezept für borstkrudt (Brustkraut) (dieses abgedruckt)

Kümmelkäse der
'hausgemachter Frischkäse mit Kümmel' et sõir

QUELLEN (Informanten)

Hellmann, Auguste: Riga
Hier etwas aus der Küche meiner Großmutter Auguste Hellmann. Sie stellte Kümmelkäse selber her. Bestandteile waren Speisequark und Kümmel. Beides gut verrührt stand tagelang auf einer weniger warmen Stelle auf der „Pliete“. Dort stand er so lange, bis er anfing heftig zu riechen, ein Geruch wie Babywindeln!!! Aber der Kümmelkäse schmeckte gut! Er war aber eine heftige Geruchsbelästigung für alle! (vermittelt vom Enkel Heinrich Hellmann)

Lichterstock der
'Stab, an dessen Ende eine Kerze befestigt war um die Lichter am Tannenbaum zu entzünden'

QUELLEN (Informanten)

Hellmann, Auguste: Riga; Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga
Lichterstock Stab, an dessen Ende eine Kerze befestigt war um die Lichter am Tannenbaum zu entzünden (vermittelt vom Enkel Heinrich Hellmann)

Moin
‣ Varianten: Moien, Moiens

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 149
Moien(s), Guten Morgen!

Sass 1963, 83
Karin springt nach hastigem Abschied auf, bleibt auf der hinteren Plattform stehen. Wir winken.
„Moin!“ ruft Karin handwedelnd, kehrt sich nochmal zu uns um, plinkert mit den Augen, hebt die Brauen, schraubt den Hals hoch und höher - genau wie Danka einst! Karin! Nein, wer hätte das von ihr erwartet!

Nottbeck 1987, 59
Moin(s) - Guten Morgen! / E.K.L.R.
Moin oder Moins war ein Gruß zu jeder Tageszeit.

Kobolt 1990, 181
Moin, Moien (zweisilbig), Moins, Moinz guten Morgen!
nachlässige Aussprache, im balt. Raum verbreitet.


QUELLEN (Informanten)
Hellmann, Ernst, Dr. med.: Riga
Moinz! (Grußformel zu jeder Tageszeit, vergleichbar mit dem norddeutschen, niederdeutschen Moin, entstanden aus „mojen Dag“ für „guten Tag“)

Kerkovius, Martha: Riga
moins - burschikoser Gruß.
Die Kinder grüßten sich meist so.

passen V
Vr

DAZU:
das passt sich nicht (id)

QUELLEN

Sass 1963, 126
Damen fuhren ohnehin kaum je mit einem Zweispänner, weil sich das für Damen nicht paßte.
„Wieso nicht?“ fragte Marlene.
„Wieso? Nu, weil es sich eben nicht paßte.“


QUELLEN (Informanten)
Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga

Pergel

QUELLEN

Bergmann 1785, 53
Pergel [in der Schweiz bedeutete Pergel einen Kienbaum] ein langer Lichtspahn von Kien- oder Birkenholz.

Hupel 1795a, 170
Pergel, der, ist ein Lichtspan von Kien- oder Birkenholz. (Dabey meldet Bergm., daß Perge in der Schweiz einen Kienbaum bedeute.)

Sallmann 1880, 20
Pergel, m. Kienspan, Schindel, vielleicht zusammenzustellen mit Schweiz. Pergel - Kienbaum (perg).

Pantenius 1880, 57, 81
der Pergel Kienspahn

Gutzeit 1887b, 335f.
Pergel, der, zuweilen das, Leucht- od. Lichtspan, Kienspleiße. Gadebusch (325) sagt: Pergel ist ein langer schmaler Spahn aus Kien- oder Erlenholz, den man in Livland in Bauerhütten statt des Lichts brennt; nach Hupel: ein Lichtspan von Kien- od. Birkenholz. In Preußen bezeichnet Pergel (nach 476) einen Kienspahn zum Anzünden des Feuers; Sallmann (390 c. 20) erklärt: Kienspahn und Schindel.
Die Herkunft des Wortes betreffend, so bemerkte Bergmann irrtümlich, dass Pergel in der Schweiz einen Kienbaum bedeute; der Kienbaum, die Kifer, Före, pinus sylvestris, heißt aber Perge, Berge, Ferge, Ferche — deutliche Lautungsänderungen von Fare, Före und Forche u. a. — Frischbier weist auf lit. pihrksznis glühende Asche, lett. prauls Feuerbrand — in diesen Wörtern ist Pergel nicht zu erkennen. Das Finnische u. Estnische gewärt allein Handhabe: finn. päre und estn. peerg.
Hat er den Pergel, wie man es hierzu Lande heisset, zerhauen, 195. Eichh. hist. lett. 593; für Licht und Pergel auf der Kanzellei (des rig. Rats), 350. XV. Kämmereirechg. v. 1639; der Pergel, taeda, 353. 27; Pergel reißen, 330. 16; das Pergel, 176. 1832. 47; Pergel, Kienspahn, 176. 1834. 176; Pergel trocknen. D. Pergeltrocknen verursachte d. Feuerschaden. — Wie ein Pergel ausgetrocknet sein durch Krankheit. Pergel spleißen, spalten, machen. — Der Kienspahn als Beleuchtungsmaterial ist (in den Bauerhöfen nahe Riga) vollständig durch Petroleum-Lampen und Talg- od. Stearinkerzen verdrängt, Paulson, Beitrag zur Kenntniß der Lepra, Dorp. Diss. u. 1886. S. 21.

Gutzeit 1894, 29
Pergel, der, zuweilen in der Bed. von Splittholz. Kärtchen sind Fischfallen, welche aus etwa 9' langen Pergeln hergestellt werden. Die senkrecht neben einander in den Seegrund hineingetriebenen Pergeln bilden zwei omegaförmige Behälter von circa 3½' Breite. Zwischen beiden Behältern läuft eine ebenfalls von Pergeln hergestellte Wand, Dünaztg. 1892. 289. vgl. Kartitze und Wörterschatz.

Eckhardt 1896, 28
Pergel (a. d. Estn.) Kienspan

Pantenius 1907, 99
der Pergel Kienspan
in einem an der Wand angebrachten Ring steckt ein brennender Kienspan.

Hahn 1911, 147
Pergel (Beleg 1666: Amtsordnung 1666) „Keine Pergel in den Emptern von Dannen Und Grenzen zu machen.

Seemann von Jesersky 1913, 154
Pergel, Holzspahn.

Sehwers 1918, 24
Pergel (zum Leuchten)

Mitzka 1923, 17
Pergel Span

Masing 1926b, 13, 18
Pergel „Kienspan zum Anzünden des Feuers“ (bd. auch in weiterer Bedeutung; lit. pirksznis „glühende Asche“, lett. prauls „Feuerbrand“).
preussische Einzelwörter und Wendungen(Kurni, paien, Pastel, Pergel) etc. sind z. B. im ganzen Baltikuminschliesslich Estland üblich; Eckhardt a. a. O. hält sie irrtüm­licherweise für Lehnworte aus dem Estnischen). Es scheint,dass diese Worte von Kurland aus nordwärts gewandert sind.

Kiparsky 1936, 60
Pergel [pərjəl] m. 'Span' ‹ estn. peerg 'Kienspan' + liv. pirg 'Pergel, Kienspan' + liv. pīrgal 'Splitter, abgebrochenes Pergelstückchen'.
Nach SALLMANN V. 12; N. 20 und SUOLAHTI 119 ist bd. Pergel von dem estn. perg mit einem deutschen Suffixe gebildet. Gegen den ersten Teil der Behauptung spricht vor allem die grosse Verbreitung des bd. Wortes (bereits 1488 in der Pagast zu tylen; GU. I, 540; heute im ganzen Baltikum), (über Jummel vgl. 86f.). Das Suffix -el ist im Bd. überhaupt wenig gebräuchlich, was schon durch die nd. Grundlage des Bd. bedingt ist. Doe Quelle wird im liv. pīrgal 'Splitter, abgebrochenes Pergelstückchen' (vgl. finn. pirkale 'Splitter') zu suchen sein. Das kurl. bd. verpergeln 'verprügeln' scheint darauf hinzudeuten, dass unter Pergel auch ein stärkeres Holzstück als ein Span, verstanden wurde, und das stimmt mit der Bed. des finn. pirkale überein, wie aus dem Zitat bei LÖNNROT hervorgeht: „pärepruun laahkot halaistaan ensin pirkaleiksi ja nämät sitten päreiksi" (= die Schindelholzklötze werden zunächst zu pirkale und diese dann zu päre [= Schindeln, Spänen] gespalten). Über irer vgl. S. 59.
MASING NdE. 13 und 18 stellt bd. Pergel mit opr. Pergel m. 'Kienspan zum Anzünden des Feuers' (FRISCHBIER II, 132 nach PIERSON Apr. Monatsschr. VIII, 367) zusammen. In den heutigen Mdaa Ostpreussens kommt aber das Wort, nach den Sammlungen des Preussischen Wörterbuches, nicht vor, und wäre auch, wenn es vorkäme, aus dem Germanischen, Litauischen und Polnischen unerklärlich. Es könnte sich nur um Übernahme des dem Bd. handeln, was vielleicht auf literarischem Wege möglich war (vgl. die Erwähnung von pergelen in einem Briefe des Dorpater Rates an Danzig aus d. J. 1459; UB. I, 11, 663). Am wahrscheinlichsten handelt es sich aber um einen Gedächtnisfehler PIERSONS (siehe oben S. 22).

Kiparsky 1936, 17
zum Gebrauch bei Pantenius: in späteren Werken vermieden.

Grosberg 1942, 23, 52, 317
Pergel Kienspäne
Pergelholz
Die Pergel hat der Nachtwächter aus gradsplissigen, kienigen Kieferklötzen zu fertigen, zu trocknen und zu bündeln.
... in der Spinnstube brennen aus Sparsamkeitsgründen Pergel. ... Die Pergel geben ein schwaches Licht, aber viel Rauch.

Sehwers 1953, 269
Pergel (zitiert Mancelius (17. Jh.) „Jung, zünd Pergel an“)

Hahn 1964, 162, 171
der (das?) Pergel Kienspan
Für Licht wurde weder in den Bauerngesinden, noch in den Herbergen und Herrschaftlichen Küchen und Leutestuben etwas ausgegeben, es wurden und werden noch bis jetzt (1859) - die herrschaftlichen Wohngebäude ausgenommen - "Pergeln", d.h. Kienspäne, gebrannt.
Rund um die Wand saßen Weiber und Mädchen, die beim Schein zahlreicher Pergel (Kienspäne) die Gämse ihre Federn und ihres zarten Flaumes beraubten, dieses der Güte nach in verschiedene Bast- und Pergelkörbe sondernd. ... bewegten sich im rauchenden Pergellichte, das hell geschüttelt wurde, als ... in der Stube erschien.

Nottbeck 1987, 66
Pergel (let.) - Holzspan, Holzschindel / E.L.R. gesp. Kleinholz / K.
Mit Pergeln wurde das Dach gedeckt.

Kobolt 1990, 197
Pergel m Lichtspan, Kienspan, schon 1488 (Livl. Güterurkunden)
vgl. estn. peerg, piirg (Lichtspan; vgl. schweiz. Perge Kienbaum; pr. Pergel Kienspan; lit. pirksznis glühende Asche.


QUELLEN (Informanten)
Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga
der Pergel Anheizholz

Hedenström, Bernd von: Riga
das (der?) Pergel - der Spahn oder Spohn.

Kerkovius, Martha: Riga; Puhze, Magdalene: Libau
Pergel - Span


Pergel 'Sägespäne' WL 6,43.

Pindeljude der

QUELLEN

Nottbeck 1987, 68
Pindeljude - jüdischer Händler / K.R.
Im ländlichen Bereich Kurlands war er eine bekannt Erscheinung.


QUELLEN (Informanten)
Lange, Harald: Riga, Südlivland
der Pindeljude bekannte Erscheinung auf dem Lande, kam regelmässig Häute aufkaufen.

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga; Hellmann, Monika: Riga
Pindeljude - Lumpensammler, bei uns in Niedersachsen ist der Begriff Plünnenjude noch im Sprachgebrauch. (vermittelt durch den Sohn Heinrich Hellmann)

Speilzahn der

QUELLEN

Masing 1926b, 14, 17f., 80
opr. + bd.
wohl kaum vor dem 17. o. 18. Jh. nach Kurland eingedrungen.
Speilzahn „Spötter“(Kurland). (zu mnd. spilen „auseinander sperren“; Frischbier II, S. 349 Speilzahn, plīd. Spiltän „einer, der die Zähne speilt, fletscht; Spötter, Witzling“).


QUELLEN (Informanten)
Karol, Erich: Riga
Speilzahn 'jemand, der zum Narren gehalten wird'

Rosenhagen, Hildegard: Libau
Speilzahn Eckzahn

Reim, Olga: Dorpat, Reval
Speilzahn 'zum Besohlen der Stiefel'

Rentz, Elsa: Riga
Speilzahn Witzemacher

Hehn, Bernd von: Druweln, Kreis Wenden
Speilzahn, der 'scharfzüngiger gehässiger Mensch'

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga
Speilzahn 'Eck- oder Reißzahn' (3. Zahn im Oberkiefer)

Spergel die

QUELLEN (Informanten)

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga
die Spergel (pl.) Rabitz. Quadrat (ca 1m) Geflecht aus ca 3 sm x 0,5 cm gespaltenen Kiefernlatten als Putzträger auf Mauern.


Spergel 'Holzspan zum Flurmachen'

Spülstein der
‣ Belege: Riga (20. Jh.)
'großes Waschbecken in der Küche'

QUELLEN (Informanten)

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga; Hellmann, Monika: Riga
Spülstein sagten alle in unserer Familie zum großen Waschbecken in unserer Küche. In einem Niedersachsen-Haus sah ich mal einen solchen Spül-Stein, von dem wohl der Name abstammte. Er war groß und flach mit nur einem kleinen Rand. Er war aus einem Steinklotz herausgearbeitet. (vermittelt durch den Sohn Heinrich Hellmann)

Zeisig

QUELLEN

Fischer 1778, 99
Zeisig, Zeisichen, in Livland Zieschen ... lett. Zitskens.“

Livona 1818 , 61
Livona's Blumenkranz 1818 [UB Hamburg]: Gedicht a.d.J. 1654 abgedruckt.
"... Leve My / Wick Dy / Myn Zibbing un myn Zeisken“*
Ziesken heißt nach dem Plattdeutschen so viel als Zeisig.

Stegmann von Pritzwald 1952, 413
1654 „Myn Engelken, myn Zisken“*
* Zieschen, nicht Zeisig, wie Mitzka nach Tillmann übersetzt, sondern Soucischen (niederl. soecysjo) „kleines ...istchen [zu bezweifeln!]

Zies-chen

QUELLEN

Hupel 1795a, 234
„Süßchen, das, ist eine dünne Bratwurst (vielleicht vom franz. saucisse)."

Sallmann 1880, 133
Zis-chen kleine Bratwürstchen, Abkürzung von Saucischen.

Seemann von Jesersky 1913, 187
Zieschen - Saucisse, Quellwürstchen

Masing 1926b, 68
Zies-chen „kleine Koch- oder Bratwürstchen“ (Schumann, S. 14 Zieschen; Frischbier II, S. 496 Zīske, Zīskewurst. Aus. frz. saucisse.

Stegmann von Pritzwald 1952, 413
1654 „Myn Engelken, myn Zisken“*
*„Zieschen“, nicht Zeisig“, wie Mitzka nach Tillmann übersetzt, sondern Soucischen (niederl. soecysja) „kleines Würstchen“
[zu bezweifeln]


Zieschen - dünne Bratwurst
A. Graf, D. Ortsnamen des Kreises Pritzwalk, Pritzwalk 1957. S. 49: nd. ziske, altmärkisch, mecklbg. zieske = kleine, dünne Wurst. „hd. Zieschen 'dünne Bratwurst' ist vom Harz ostwärts bis ins Baltikum bekannt“

Graf 1958, 10
Wiener Würstel heißen Zies-chen, in Anlehnung an franz. saucisse, russ. sosiska. Der Mostrich ist im allgemeinen unbekannt; man verwendet in der Regel den südrussischen Senf.

Nottbeck 1987, 102
Zieschen (fra.) - Saucissechen, Würstchen / E.K.L.R. Es gab Zieschen, Kartoffelsalat und Bier.

Kobolt 1990, 292
Zießchen n Wiener Würstchen, franz. saucisse; plattd. Ziseken; lüneburgisch Ziseken Wost - kleine Bratwurst; ostpr. Zi(e)s(e)ke - luftgetrocknete, kleine Harwurst; pomm. Ziseken Wust - zarte Wurst; lüb. Zieschen.


QUELLEN (Informanten)

'baltische Wurstart'. Livland bis 1939, Estland um 1930, Riga bis 1939, Mitau bis 1939, Dorpat um 1930, Walk um 1920, Werro um 1920, Reval bis 1939, Tuckum bis 1903, Wenden bis 1912, Krs. Bauske um 1920, Pernau um 1910, Fellin bis 1938, Libau um 1930, Mitau um 1930, Kurland um 1930, Lettland bis 1939.


Zieschen (Quellwurst), 'balt. Wurstart'
Riga ~1930, Werro ~1935, Reval ~ 1920, Dorpat ~1910, Libau ~1920, Oesel ~1910, Arensburg ~1910, Rasik ~1900, Fellin ~1920, Walk ~1900, Schaulen ~1930, Doblen ~1920, Goldingen ~1920, Nissin, Kr. Harjen ~1900, Werro ~1930, Mitau ~1920, Wierland ~1910, Wiek ~1930, Zobeln ~1925, Talsen ~1920, Rakvere ~1930, Merjama ~1930, Bauske ~1925.


Zies'chen (Wiener Würstchen) 'balt. Wurstart'
Riga 1913-39


Zieschen (entstanden aus dem Russischen: sosiski, das wiederum aus dem franz. saucisse) 'Wiener Würstchen'. Riga um 1930.


Das Zieschen 'eine Art Wiener Würstchen, aber kürzer'. Im Werroschen um 1930.


Zies'chen (Wiener Würstchen) - 'balt. Wurstart'. Riga 1913-39.

Alroe, Gertrud: Riga; Weiss, Lis-Marie: Reval
Wienerwürstchen. Auch Sies'chen (mit hartem Anlaut). Aus dem Franz. „saucisse“ - Würstchen.

Vietinghoff-Scheel, Robert von: Groß-Jungfernhof Kreis Riga
Ziec-chen (baltisch) - Würstchen (hochdeutsch)

Tode, (Jo)hanna: Riga
Aber keine „Brat„würstchen, sondern gebrühte, wie Frankfurter Würstchen.

Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland
bekannt (der oben stehenden Berichtigung stimme ich zu).

zurgeln
‣ Varianten: zurjeln

vgl hervorzurgeln

QUELLEN

Nottbeck 1987, 103
zurjeln - nörgeln, ärgern, piesacken, ziehen / E.K.L.R.
Ständig zurjelten sie an ihr herum.

Kobolt 1990, 294
zurgeln schw. V. reißen, necken.
mnd. tergen zerren, reizen, necken; alltagsspr. zerge(l)n necken, aufstacheln, reizen (seit 1500); Danzig zergen; Elbing zerrgen; ostpr. zärgen reißen, zerren, zergen ärgern; nhd. zergen.


QUELLEN (Informanten)
Kirschfeldt, Johannes: Riga
zurgeln WL 8,30 1. zerren, reißen, zügeln; 2. zurechtweisen, herumnörgeln; 3. necken, ärgern, reizen; 4. zurückziehen (stud.) (Kirschf.)


zurgeln necken, piesacken, WL 1,26. Im ganzen Baltikum.
zurgeln 'reizen' Dorpat.

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga
zurgeln zerren.

Sivers, Hedwig von: Soosar bei Fellin
zurgeln beständig ermahnen.


zurgeln reizen, ärgern, vgl. zergeln, nurgeln, zerren, zergen. WL 4,33.
Im lett. Sprachbereich ca 20 mal, im estn. ca 15 mal belegt.

Tschirke
‣ Varianten: Tschirk

QUELLEN

Mitzka 1923, 19
Tschirke Spottname für jüngere Schüler

Masing 1926b, 13
Schirke, Tschirke „Heimchen; kleiner, schwächlicher Mensch“ (südbalt. Tschirke etwa in der zweiten Bedeutung; lit. zirke „Heimchen“).


QUELLEN (Informanten)
Sticinsky, Gertrud: Riga
Tschirk kleiner Wicht o.ä.

Hellmann, Auguste: Riga
Tschirke kleiner Nichtsnutz


der Tschirke (auch ohne 'e') - kleiner Bengel, WL 5,24, aus dem Lett. čirke
Auch für weibliche Wesen anwendbar: die Tschirke. In Riga oft (ca 40-50%), im übrigen lett. Sprachbereich nur vereinzelt belegt, im estn. außer 2-3mal gar nicht. 6mal in der Bedeutung 'Grille' (3mal in Libau), 2mal als 'Tannenzapfen' belegt.
ca 5mal im estn. Sprachbereich (bes. Dorpat), die Tschirken = 'Mehlklößchen in Milchsuppe' belegt.


Tschirke 'Lausebengel' Riga.
Tschirke 'kleiner Bengel' Riga
der Tschirke 'kleiner Junge', WL 4,48, auch: der Tschirk. 2mal im lett. Spr. belegt.
Tschirke 'Knirps' Riga
Tschirke 'verächtliche Bezeichnung für kleine Demlak (?)' Riga

Tschuprinchen
‣ Varianten: Tschuprienchen, Schipprinchen

‣ Synonyme: Tschuprine

QUELLEN

Gutzeit 1887a, 109, 167
Schepperinchen, das, Har(zopf) an der Stirn, toupet, von russ. чуприна. Auch Tschuprinchen.

Gutzeit 1898, 119, 167
Schipprinchen, Harbusch, poln. czapryna, russ. чупринъ. Daß Berndt (163) es mit mhd. schaperûn zusammenbringen will, da dieses doch offenbar kein deutsches Wort ist, ist nicht begreiflich; noch weniger aber, daß Grimms Wtb. diese Anname ohne Gegenbemerkung wiedergibt. Das mhd. schaperûn ist das franz. chaperon.
Schuprinchen (i betont), das, richtiger Tschuprinchen, bei uns nach russ. чупринa. Schopf, wie чупринъ hauptsächlich das Har am Vorderkopf, und so auch bei uns. Gebrauch nur im Scherz. Auch: Schepperinchen. vgl. Schipprinchen.

Masing 1926b, 14
Schuprinchen [opr.] „Stirnschopf“(südbalt. „Tschuprinchen“; poln. czupryna, lit. czupryna).

Wiget 1927, 173
[zu Masing]: unabhängig entlehnz.

Rautenfeld 1932, 89
das Tschuprinchen 'Schöpfchen, Haarschopf'
(ein kleines Mädchen erzählt): „Sie hat mein Haar in die Höhe gebürstet und dann mit einem Stiefelband oben auf dem Kopf zusammengebunden, und in dies 'Tschuprinchen' habe ich dann von oben die schönen Entenfedern hineingesteckt, so daß sie wie ein wunderhübscher Knubbel in die Höhe standen.

HWbGA 1936, 2,202
Tschuprienchen 'Haarschopf'


QUELLEN (Informanten)
Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland
das Tschuprinchen 'emporstehendes, etwa mit einem Schleifchen zusammengebundenes Haarschöpfchen bei kleinen Mädchen'. Ableitung vom russ. Tschub masc. = Schopf.
[zu Rautenfeld]; NB! das Wort ist gewiß vom russischen tschub = Schopf abzuleiten.

Hellmann, Auguste: Riga; Stoll, Martha: Riga; Weitzel, Etta: Riga
Tschuprinchen 'ein Büschelchen, Häufchen' „Streich dein Haar ordentlich unter den Hut; ein Tschuprienchen guckt noch vor.“


Tschuprinchen 'Haarbüschel' Riga

Tülle die
‣ Varianten: Dille, Tille

QUELLEN

Hupel 1795a, 238
Tille, die, heißt 1) eine Art von Trichter z.B. am Leuchter, 2) eine hohle Röhre, 3) die Schnauze an der Gie0kanne, 4) das Bekannte Gartengewächs Till oder Tille.

Seemann von Jesersky 1913, 111
Dille, Tille, Metalleinsatz im Leuchter in dem das Licht steckt.


QUELLEN (Informanten)
Engelhardt, Hans Dieter von: Dorpat
Tülle Metallhülse

Loeber, Dietrich: Riga, Reval, Goldingen
Tülle die Schanze einer Kanne.

Busch, Paul: Mitau
Tülle Futteral

Seuberlich, Karl: Bauske, Riga
Tülle Schraubverbindungsstück für Rohre,

Weinert, Paul: Riga
Tülle Zwischenstückaus Messing bei Angelstock.

Hellmann, Auguste: Riga
Tülle der das Licht haltende Teil eines Leuchters.

Tumm der

QUELLEN

Bergmann 1785, 71
tumme f. Grützschleim. Gerstenschleim. Crême de riz, d'orge.

Hupel 1795a, 242
Tumm, der, oder die Tumme, heißt 1) Grützschleim z.B. Gersten- oder Habertumm; 2) eine dicklig gemachte Brühe; 3) die Zuthat wodurch eine Brühe dicklig gemacht wird, nemlich Ey, geröstetes Mehl, Reibbrod: so sagt man: lege etwas Tumm in die Suppe! davon haben wir auch das Beywort tummig oder wie Lange schreibt tummicht, st. dicklig.

HWbGA 1936, 202
Haferschleim (estn./liv.)

Sallmann 1880, 19
Tumm Hafer- oder Gerstenschleim, davon Tummsuppe.
tummen, abtummen - sämig machen; Adj. tummig, tumm (estn. tume unklar, dumpf, trübe, dunkel)

Gutzeit 1887a, 83
s. Sam

Eckhardt 1896, 31
Haferschleim. Nur Baltikum.

Kiparsky 1936, 115
Tumm [tum] m. 'Haferschleim, Gerstenschleim' ‹ estn. tumm 'Schleim von Hafer oder Gerste'+ lett. tume 'Tumm, Grundsuppe'.
Nach SUOLAHTI 126 aus dem Estn., wo tumm zu tume 'unklar, dunkel, trübe, glanzlos, dunkelfarbig, dumpf' gehören sollte; nach GUTZEIT I, 346 aus dem Lett. - Wegen der Verbreitung des bd. Wortes über das ganze Baltikum möchte man mit einer doppelten Entlehnung rechnen, deren Ausgangspunkt wohl im Süden zu suchen ist, da lett. tume in lett. tumêt 'dick, schleimig, tummig werden', lit. tumėti 'dick werden, gerinnen' eine Etymologie besitzt (nach MÜHLENBACH-ENDZELIN zu lit. tum(s)tas 'Haufe'). Da ältere Belege fehlen, kann das nicht nachgewiesen werden. Über die Zusammensetzungen Haber-, Gersten-, Mehltumm, ab-, antummen, tummig siehe GUTZEIT I, 346; 466; II, 228; N. 86, 19 und SALLMANN V.31; N. 19. - Das Adj. tummig kommt nach den Sammlungen der Preuss. Wb. auch in Memel vor, wo es am ehesten aus dem Kurischen übernommen worden ist.

Sass 1963, 69
Damals gingen jahrelange Schulfreundschaften um einen Schluck Gerstentumm in die Brüche, wurden andere geschlossen für ein Butterbrot.

Kobolt 1990, 275
Tumm m Haferschleim, Grützschleim
lett tume Haferschleim; estn. tumm Haferschleim; liv. t'um Hafergrütze.


Tumm - s. Gerstentumm I 346, Habersäm I 466, Habertumm I 466, Mehltumm II 228, mildern (a. 1805) II 239.


QUELLEN (Informanten)
Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga
der Tumm - Haferschleim


'Haferschleim: Bei Magenverstimmungen bekam man Tumm mit einem Löffel voll Bucksbeersaft'
Im Werroschen um 1914.


'Haferschleim'. Reval, Mitau 1914, Mitau um 1930, Riga 1913-39, Kurland um 1930. Riga um 1928, Reval, Wenden, Weissenstein um 1930, Wesenberg um 1930, Modohn um 1920, Arensburg um 1935, Mesothen, Libau um 1925, Dorpat um 1910, Riga um 1914, Pernau, Nissin, Doblen, Fellin, Sassmacken, Werro, Wierland.
Riga ~1910, Kurland (Gut Rawen) ~1938, Windau ~1935, Ligat ~1935, Riga vor 1914, Pernigel ~1910, Libau ~1925, Mitau ~1935, Dorpat ~1930, Narva ~1930, Krähnholen ~1935, Pernau ~1930, Wenden ~1925, Hasenpoth ~1935, Ubja ~1935, Goldingen ~1930, Werro ~1930, Bauske ~1930


der Tum 'Haferschleim'. Zobeln, Riga, Dorpat um 1910, Bauske, Hördel, Fellin.

tummig Adj
‣ Varianten: tummicht, tümmig

siehe auch abtummen

QUELLEN

Lange 1772-1777, I/522
tummig (tummicht) 'glatt, schleimig

Mitauisches Kochbuch 1876, 12, 63
tummig 'sämig'

Sallmann 1880, 76
tummig von Suppen und Würzbrühen, sämig.

Kobolt 1990, 276
tummig Adj., Adv. angedickt, gebunden, trübe


QUELLEN (Informanten)
Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga
tummig sämig

Tode, Wally: Libau, Riga
tummig 'sämig'


tümmig sämig zu Haferschleim, Reval.
tummig sämig zu Haferschleim, Mitau 1914.
tümmig sämig (feine Soße wird vertummt), Mitau um 1930.
tümmig 'sämig', Riga nach 1909/1913-39/um 1930, Reval um 1920, Libau um 1930, Dorpat um 1910, Werro um 1915/1930, Fellin um 1925, Nordlivland, Talsen um 1935, Südlivland um 1920, Landwieck vor 1939, Mitau 1910, Goldingen um 1910/1930, Lübde/Livl., Tuckum, Wesenberg, Kurland, Wierland vor 1918, Insel Oesel um 1905/um 1935, Pernigel um 1900/1930, Pernau um 1935, Windau um 1900/1925, Wiek, Zobeln, Weissenstein um 1930, Modohn 1906-1939, Arensburg um 1935, Mesothen, Nissin, Doblen, Mitau um 1930, Wolmar um 1910; Estland um 1935, Bauske um 1930, Walk um 1920, Virginehlen um 1930, Ligat um 1935, Sinothen um 1925, Oberkurland um 1925, Tuckum um 1925, Wenden um 1935, Fennern um 1925, Pilten um 1925, Hasenpoth um 1930, Narwa um 1935.
tummig 'undurchsichtig', 'neblig', 'trübe' Reval, Dorpat, Wierland vor 1918, Pernigel um 1900, Mitau.
tummig 'verhangen, sämig' (z.B. Himmel) Ligat um 1930, Riga um 1935.
tummig 'lehmig, trübe' (z.B. Frühjahrswasser) Wolmar um 1900, Dorpat um 1910, Fellin um 1910, Riga 1935, Reval um 1915.

verlossen Adj
de unordentlich; verlumpt
das Zimmer ist verlossen
ein verlossener Landstreicher
‣ Synonyme: verlaust
siehe auch verlausen

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 183
verlossen, verlumpt.


QUELLEN (Informanten)
Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga; Hellmann, Monika: Riga
verlossen Dieses Wort gebrauchten meine Eltern immer, wenn unsere Zimmer nicht aufgeräumt waren. Auch ein Landstreicher, der mal bei uns auftauchte war verlossen im Sinne von verlaust. (vermittelt durch den Sohn Heinrich Hellmann)

verpusamentieren
‣ Varianten: verpusementieren

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 183
verpusamentieren, verderben, verprassen.


QUELLEN (Informanten)
Schnackenburg, Gert von: Riga, Kreis Wenden; Riesenkampff, Günther: Riga, Reval
verpusementieren WL 6,25 (Nicht sehr bekannt)
1. genau erklären;
2. verzieren (verposamentieren c. Posament - Troddel)
3. „verpusa/ementieren, -tuckeln“, verbrauchen, verzehren, vergeuden;
4. verhauen, e. Denkzettel geben (Schnack., Ries.)

Burgis, Else: Riga; Thomson, Hilde: Dorpat, Reval
5. flirten

Spliet, Herbert: Riga; Kroehl Veronika: Riga
6. verwickeln

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga
7. einen verlöten (Schnaps)

Rose, Helmut: Riga
8. probieren

Meding, Edith.: Riga
9. sich erholen

Bartels, Gertrud: Riga
10. vorlegen

Rudloff, Werner: Walk, Laudohn
11. verwechseln

Busch, Paul: Mitau
12. mit etw. versehen

Claaßen, Eleonore (Elly): Kurland
13. einordnen

Ropp, Harald Baron von der: Neu-Rahden bei Bauske
14. sich lustig machen

Hoffmann, Otto: Südlivland, Reval
15. auspolstern

Schröder, Hans von
verpusementieren verderben, verprassen.

verwimmsen

QUELLEN (Informanten)

Hellmann, Ernst-Theodor, Dr.: Riga
verwimmsen den Hintern verhauen, WL 3,12.


© Eesti Keele Instituut    a-ü sõnastike koondleht     veebiliides    @ veebihaldur