[BSS] Baltisaksa sõnastik

Deutscheesti keel

EessõnaKasutusjuhisedLühendid@arvamused.ja.ettepanekud


Query: in

?! Küsitud kujul või valitud artikli osast otsitut ei leitud, kasutan laiendatud otsingut.
Leitud 31 artiklit

P

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 318
Unterscheidet sich die deutsche Sprache nun der griechischen und slawischen darin, dass sie anlautendes B dem anlautenden P vorzieht, in dem Maße, dass deutsche Wörter mit ersterem ebenso zahlreich sind, wie griechische und slawische selten und dass echt deutsche Wörter mit anlautendem P ebenso unhäufig sind, wie griechische und slawische mit B; so tritt doch bei uns die Tatsache in sichtbare Erscheinung, dass anlautendes P verschiedenen echtdeutschen Wörtern allein eigen ist und dass uns diese Wörter, welche für Deutschland in Grimms Wtb. allein oder teils mit B, teils mit P verzeichnet stehen, bei uns ausschließlich, oder doch in verschwindenden Nusnamen, mit P vorkommen. Wörter wie Bams, Bans, Bansen, Bampel, bamsen, Bappe (Brei), Barchent, bardauz, Bastele, batzig, Baute, bauten, Bausback, bausbackig, Belz, Belzer, Bobo und Boböchen, Buckel, bucklig, Budel (Hund), Burzelbaum, burzeln kennen wir daher nur mit P und eine Schreibung oder ein Sprechen mit B erscheint uns nicht allein seltsam, sondern verrat den P mit B Verwechselnden Sachsen. In einigen Fallen — vgl. Paudel — ist P jetzt allein vertreten, da doch Gadebusch vorzugsweise Budel anfürt; in einigen treten B und P gleichwertig auf. So in ba und pa, blärren u. plärren; wir hören auch Pusch und Busch, Pausch u. Bausch, Pallen und Ballen (der Hand) — doch in beschränktem und etwas abweichendem Sinn. Dieselbe Erscheinung tritt in einigen Fremdwörtern auf, deren eigentliche Lautung dem Sprechenden unbekannt ist, beispielsweise in Bulwan und Pullwan, Bresenning und Presenning. vgl. Britsche - Pritsche und britschen - Pritschen. In allen diesen Hinsichten stimmt unser Deutsch mit dem heutigen Hochdeutsch überein, selbst in aus der Fremde stammenden Wörtern, wie Pokal, franz. bocal, russ. бокалъ, und unterscheidet sich daher ganz von dem Gothischen, Althochdeutschen, Altnordischen, Altsächsischen u. s. w., in welchen germanischen Sprachzweigen anlautendes P fast stets oder ausnamslos den fremden Ursprung des Wortes bekundet. Zu behaupten aber, dass anlautendes P nur in nicht-deutschen Wörtern oder vielleicht nur in einigen uralten begegnet, wie Grimms Grammatik angibt, heißt zu weit gehen und widerlegt sich schon durch das P, welches statt B in oberdeutschen und sächsischen Gebieten vorkommt. — Berücksichtigt man die oben geschehene Andeutung, dass die deutsche Sprache anlautendes B, die slawische anlautendes P vorzieht, so erhält man einen Fingerzeig beispielsweise für das Wort Bole (dickes Breit). In Grimms Wtb. wird es auf bolen werfen zurückgeleitet. Man kann eher denken an russ. полѣнo Holzscheit und an russ. полъ Fußboden. Полъ ist der ganze Fußboden, Bole ein Teil desselben; Dile enthält beide Bedeutungen: ein Brett und ein Fußboden; dilen ist gleich bolen, einen Fußboden, einen полъ machen.
Inlautend ist pp einigen Wörtern fremd, in denen es in Deutschland gewönlich ist, z. B. in bappeln, wofür stets babbeln gesprochen wird. Auch Rabusche st. Rappuse ist zu erwänen.

Gutzeit 1887b, 318
P, ein Zeichen, im Masten- und Hanfhandel. Mit Voransetznng der Buchstaben P, 99; der Buchstabe P ist auf den Brettern der Passhanfbünde eingebrannt.

pa Adj

DAZU:
siehe auch Interjektionen

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 318
pa, ein Ausruf des Ablenens oder Staunens, wie ba. Grimms Wtb. meint, aus d. Italienischen oder Französischen (pah) herübergenommen. Ist auch das Wort erst seit Lessing in der Schriftsprache zu finden, so ist das kein Beweis für eine solche Anname. Denn die Schriftsprache hielt und halt noch heute für gut, einige volksübliche Ausdrücke zu meiden; daher auch keine Verzeichnung derselben in den Wörterbüchern. So felt denn selbst franz, ba, oder pah in den älteren franz. Wörterbüchern. Das g in deutschem pa(h) kann Verhochdeutschung das b in dem älteren ba sein.

päh Interj
‣ Varianten: päch, pfäh, pfäch

vgl Interjektionen

QUELLEN (Informanten)

Lemm, Robert von: Reval, Dorpat
päh! (pfäh! pfäch!) Interjektion des Ekels
auch Bezeichnung für unartig: Du bist ganz päh!

pai Adj

Er machte pai-pai 'liebkoste, streichelte'

DAZU:
siehe auch Anrede

QUELLEN

Petri 1802, 84
Culla oder Kulla, ein Schmeichelwort wie pai, aus dem Ehstnischen, etwa, mein Goldchen, Zuckerchen!

Possart 1846, 182
pai (esthn.), d.h. lieb, theuer.

Gutzeit 1887b, 321
pai (einsylbig), estn. u. lett., 1) lieb, teuer. Du bist ein pai Kind, Hupel. Bei Sallmann (390c. 18): Paikind, Liebkind, st. pai od. lieb Kind. In 411 paij, estn. pai, Kinderwort, das namentlich bei bittender Anrede schmeichelnd hinzugesetzt wird: paij kundsin, paij memmin. — 2) lieb, gut. Mama ist pai, Papa bä. — 3) pai machen, streicheln, mit Geberden bitten. Bei Hupel: das Kind macht pai, streichelt, liebkoset, bittet durch Geberden. Bei Bergmann (210): ruhig machen, streicheln. — Ausdrücke der Kinderstube, von denen in Riga jetzt nur die Bed. 1 und 2 vorkommen.

Eckhardt 1896, 28
pai 'artig' (Kindersprache)

Eckardt 1904, 70f.
Sicher bietet der Nordlivländer, mehr noch der Estländer, in seiner Anlehnung an das Volksidiom dem Südlivländer und Rigenser gleiche Gelegenheit, dazu große Augen zu machen oder vielmehr die Ohren zu spitzen, wenn er etwa von koljen (umziehen), tilksen (tröpfeln), versolkern (verunreinigen), verlagguniren (zerbrechen) oder gar von Pulmajürri und Pulkajunker redet. „Wai Papping“, was heißt denn das nur alles? hat jener auf der Zunge, und dieser denkt bei den scheuen Blicken des andern - „pai Kullachen“, deutsch scheint er nicht recht zu verstehen. - Immerhin halten sich die Anleihen, die wir hüben wie drüben bei den Landessprachen machen, in bescheidenen Grenzen, wenn wir sie z.B. mit den überreichen Anklängen an das Plattdeutsche vergleichen, wofür uns Sallmann in seinen lexikalischen Beiträgen interessante Belege liefert.

Ojansuu 1906, 88, 92
[zitiert Arvelius, Für Geist und Herz]:
pai. „Ein ehstnisches Schmäuchelwort, heisst: liebe, oder lieber. Die Aufnahme solcher Wörter scheint zu beweisen, dass die deutsche Sprache dem hiesigen Deutschen für seine Neigung nicht reich genug sey.“
Pai machen, pai! pai! kosend streicheln; Paikind Liebkind (pai lieb, teuer); paien liebkosend streicheln = estn. pai indecl. gut, lieb, pai herra lieber Herr, ole üks p. laps sei ein gutes Kind, pai tegema streicheln.

Suolahti 1910, 117
pai (Ehstn.) heisst 1) lieb, theuer z.B. du bist ein pai Kind! 2) die Liebkosung, so sagt man das Kind macht pai d.i. es streichelt, liebkoset, bittet durch Geberden. (Hupel)
Nach Gutzeit kommt das Wort jetzt in Riga in der Bed. 'lieb, teuer, gut' vor. Aus estn. pai 'gut, lieb'; daraus auch nach Thomsen a.a.O. S. 272 das lett. paij entlehnt.

Seemann von Jesersky 1913, 153
pai, let. paj, Kinderwort, lieb, gut.

Nottbeck 1987, 63
pai (ndl.) - streicheln, gut tun / E.K.L.
Wenn pai gemacht wurde, verging kindliches Leid.

Kobolt 1990, 190
pai Adj., Adv. (meist indeklinabel) folgsam, lieb, gut, z.B.: Die Kleine war die ganze Zeit sehr pai.
estn. pai lieb, gut; russ. pai artig, folgsam.


QUELLEN (Informanten)

ein pai Kind 'ein artiges Kind' Pernau um 1920, Dorpat um 1930.

Lange, Harald: Riga, Südlivland
pai, pai machen (Kindersprache) streicheln, liebkosen.


pai lieb, teuer; s. paien.

Pal
‣ Varianten: Pahl

Pan der

QUELLEN

Pantenius 1907, 103
der Pan

Pel

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 334
Pele, Pôl, Tragring auf dem Kopfe d. Frauen; Kopfbinde als Schmuck u. Putz, eine Kopftracht des unverheiraten Frauenzimmers überhaupt, Schiller-Lübben's mnd. Wtb. Da das Wort nur aus Pommern u. Rügen bezeugt ist, so kann an slawischen Ursprung denken. Russisch pelena ist Windel od. Wickeltuch, pleniza Halsschmuck u. Zopfbändchen, pel pelj Verzirung, Stickerei u.a.

per Präp

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 335
per, abgekürzt zu pr., 1) in der kaufmännischen Sprache wie in Deutschlandstatt für, das ital. per. 2) wie pro. Per Mann tranken wir eine Flasche; die Adelsbewilligungen per Haken, J. Eckardt in 404. 1873. 2. Ebenso häufig wird gesprochen: pro Mann d. h. Jeder, pro Haken, d. h. vom Haken. 3) das lat. per, franz. par, vermittelst, mit, durch. Per Ban, per Dampfschiff, per Post reisen: die Eisenban, ein Dampfschiff, die Post benutzen. Die Bestellung kann per Postkarte an die Adresse A. Th., Schluck, geschehen, rig. Ztg. 1887. 106; die Mittel hoffe ich per Collecte zu beschaffen, rig. Ztg. 1888, durch eine Collecte, mittelst einer Collecte. 4) in d. Bed. von über, das lat. per Herrn 8. in A. per Wenden.— In allen Bedeutungen überflüssig und ersetzbar durch deutsche Wörter.

Seemann von Jesersky 1913, 154
per, mit per du anreden: duzen, per Sie: itzen; per Knift, Komuff, schimpfen.

pf

QUELLEN

Gutzeit 1859, 27
Äffel, statt Äpfel, führt Hupel als selten und pöbelhaft an.

Gutzeit 1887b, 340f.
Pf. Grimms Wtb. fasst sich über diesen Doppelbuchstaben gar zu kurz und verweist auf Teil I. 1050 u. III. 1212; mehr gibt Grimms Grammatik I. 131 und 396.
Die Sprachforscher werfen auf alle Pf-Wörter, wie auf die P-Wörter, den Verdacht fremden Ursprungs, obgleich hier u. da alle Versuche, dies darzutun,in Stich lassen, bei manchen geradezu Voreingenommenheit, selbst Willkür mitspielen. Verfüre man in derselben Weise mit anderen, als deutsch geltenden Ausdrücken, auch sie könnten für fremd erkannt werden.
Bei vielen Wörtern hat die von Alters her gebräuchliche Schreibung mit Pf statt F den Verdacht bestärkt. Man darf jedoch nicht vergessen, dass die frühere Verwendung des anlautenden Pf oder gar Ph (!) statt F auf nichts sich stützte als auf Willkürlichkeit; es war ein gelehrtes od. gelehrt sein sollendes Tun. Die Schreibenden benutzten vollkommen nach Gutdünken in demselben Worte Pf, Ph, F und selbst V, oder wenigstens die Einen vorzugsweise Pf od. Ph, andere F od. V; Haben aber dadurch die Meinung von einem aus P verschobenen Pf veranlasst unb selbst dazu gefürt, F für einen Doppelbuchstaben auszugeben u. zu behaupten (vgl. Grimms Gram. I. 396 u. f.), „dass ff = phph, pf eigentlich pph u. der Anlaut ph sich schon frühe in den noch härteren Triphthong pf verwandelt habe.“ Demgegenüber kann behauptet werden, dass f ein einfacher Buchstabe, ph ein ganz undeutscher, überhaupt nicht auszusprechender u. aus ihm nie das dreilautige (!) pf hervorgegangen ist; endlich dass Pf, ebenso wie Ph, häufig genug undeutsche Schreibung für F ist. So in Pfarre, Pfat, Pfand, Pfeit, Pfennig, pflegen, Pflicht, Pflock, pflücken, Pflug, Phluog, Pforte, pfragen und Pfragner. Ausfallen kann, dass fitzen (mit Nuten schlagen), nnl. vitsen, und die daher kommenden: Fitzer, Fitzfatz, Fitzrute, nicht mit Pf geschrieben werden. Grimms Wtb. gibt über die Entstehung dieser Wörter sehr unbefriedigende Vermutungen; man könnte sie sehr wol mit peitschen zusammenbringen, dessen Stammwort Peitsche zuerst als picze begegnet, das von böhmisch, polnisch bitsch hergeleitet wird. Dass Peitsche aus slaw. bitsch hervorgegangen, diese Anname lässt fragen 1) wie sofort bei Übername des slaw. Wortes dessen b in p verwandelt wurde, obgleich die Beibehaltung des b selbstverständlich gewesen wäre, und 2) wie das slaw. i sofort in ei übergegangen ist, welchem Übergange doch auch kein Grund vorlag. Es kann schließlich bemerkt werden 1) dass das französische, dem Keltischen entstammt sein sollende fouet u. fouetter in den Buchstaben mit Peitsche und peitschen recht sehr übereinstimmt: im Französischen anlautend F, im Deutschen P; die Endung et u. etter entsprechend deutschem ts u. tsen (tsch u. tschen). 2) dass engl, beat zusammenfällt mit slaw. bitj, und engl. switch Rute, switch mit Ruten schlagen, sich wie ein Mittelding zwischen Peitsche u. slaw. bitsch, aber auch unserem Fitsch und Fitschefatsche (in Grimms Wtb. Fitzfatz)ausnimmt.
Bei uns, und wol auch im größten Teil Deutschlands, lässt die gewönliche Sprechweise pf nur als In- und Auslaut hören; uns ist anlautendes pf ganz fremd und einzig und allein aus der Büchersprache in die Sprache der Gebildeten gelangt; wir eignen ihn uns an, wenn wir richtig (?) u. gut (?) sprechen wollen. Unsere F-Aussprache ist bei einigen Wörtern auf nd. Einfluss zurückgefürt worden, wie z. B. bei fu st. pfu; wird in anderen als Folge von Nachlässigkeit im Sprechen angesehen, z. B. in Fand statt Pfand, Fund statt Pfund, Ferd (Fehrt) statt Pferd u. a. Letzteres könnte jedoch nur für diejenigen Fälle Geltung beanspruchen, in welchen tatsächlich od. wahrscheinlich p zu pf verschoben wäre, und ein wirkliches pf anlauten sollte; in den meisten Fällen ist aber die pf-Schreibung, und somit auch die pf-Aussprache, nur als hergebrachter Missbrauch anzusehen; es hat keine Verschiebung von P in Pf stattgefunden, sondern es ist in Stelle von fremdem P deutsches F getreten, wie etwa lettisches P für deutsches F. In nicht wenigen Fällen ist Pf geradezu ein falscher Buchstabe. So in Pfletz, pfletschen, pflispern, Pflitsch, Pflitz, Pflocke statt Fletz, fletschen u. s. w. — Eigentümlich scheint anlautendes Pf nur einigen süddeutschen und schweiz. Mundarten zu sein; dem Griechischen, Lateinischen u. Romanischen ist es fremd, ebenso auch dem Slawischen. Der Russe nennt daher unser Pfund фунтъ, der Pole unser Pfand fant, unser Pfarre (Pfarrkirche) fara. Die Behauptung (Grimms Wtb. unter F Sp. 1212), dass Pf unsere Sprache „belebt,“ wird schwerlich überzeugen; es ist ein Laut, nicht angenehm zu hören und für das Sprechen sogar schwierig.

Pfn

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 352
Pfn, nicht begegnend. Bairisch pfnechen ist, entgegen der nach Curtius vertretenen Angaben in Grimms Wtb., wol nicht urverwandt mit gr. πνεϊν, sondern, wie pfnüchen, pfnuchen u.a. ein Laut malendes Wort.

pft Interj

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 354
pft, Lautmalend, für einen Blasehauch; in Grimms Wtb. ft. Kaum (war das Wort) ausgesprochen, so waren schon da, pft! wie ein Schatten an der Wand, 321. 108.

pfu Interj

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 354
pfu, ist hier unbekannt, wenn es nicht unser fu = pfui sein sollte. In diesem Sinne kommt phu (st. pfui) schon in 335. 2S0. J. 15 vor. Grimms Wörtb. meint, pfu sei wol aus pfuch verkürzt worden und zunächst vom Pfuchen (Pfauchen) der Katzen gebraucht. Es ist aber vermutlich nichts anderes als eine Gestaltung für pfui oder fu, und pfuch eine Verbreiterung von pfu, eine Zerdenung des u. Dasselbe ist bei uns gewönlich, da wir fuich st. fui sprechen und fuch st. fu, fäch (ᴗ) st. fä, und fich für fi.

Ph

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 355f.
Ph. Soll ahd. u. mhd. — pf sein, erklärt Grimms Wtb., auch hier u. da nhd. statt pf gebraucht worden sein. Ferner soll es (Grimms Gramm. I. 131) sehr frühe sich in den noch härteren Triphthong pf verwandelt haben. Diese Behauptung gründet sich auf die Schreibung in alten Schriftzeugnissen. Dieselbe ist jedoch zu willkürlich, um irgendwie als Stütze zu dienen; es hat mehr Wahrscheinlichkeit, dass nhd. und mhd. ph entweder für pf oder für f geschrieben wurde. Denn unzweifelhaft ist ph ein ganz undeutscher, im Deutschen wie in jeder anderen Sprache unaussprechbarer Doppelbuchstabe, der durch Einfluss des Lateinischen ins Deutsche geraten, und offenbar nur deswegen in ahd. und mhd. Zeugnissen statt pf od. f benutzt worden ist. In sofern versteht sich die Angabe (Grimms Gramm. 132), dass in manchen Wörtern ph früher wie pf, in anderen wie f gesprochen worden, geradezu von selbst. Nicht aber ist anzunemen, dass ph jemals eine weichere Lautung als pf besessen, dass f eigentlich ph, pf eigentlich pph gewesen, dass der Anlaut ph (Grimms Gr. I. 184) zwischen goth. p und f schwanke und ff als phph anzusesehen sei. Nur in, dem Lateinischen und Französischen entnommenen Wörtern rechtfertigt sich der Gebrauch des ph, und zwar dadurch, weil es in diesen fremden Sprachen Geltung hat; in neuhochdeutschen sollte es ganz aufgegeben worden und ist es z. Th. schon. So in Adolf, Rudolf, Westfalen statt der früheren Adolph, Rudolph und Westphalen. Unrichtig wird dagegen noch Philibert st. Filibert geschrieben. Polen und Russen geben ph mit f wieder: Flegma, — Phlegma (Schleim), filar Pfeiler; фазъ Phase, фантазiя Phantasie, филологъ Philolog. Deutsche Ungestalten sind phau (pa), phu (pu od. fu) und Epheu.

pi Interj
‣ Varianten: pih

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 356
pi oder pih, Hetzruf, Zuruf an Hunds, wenn man sie hetzt auf ein anderes Thier. In Gerstäcker's Schriften kommt öfters in ders. Bed. pih vor. Auch lettisch pihj oder pij Zuruf an Hunde, wenn man sie hetzt, 411. Man kann an franz. pille! pack an! denken, worauf auch russ. пиль fass an! leiten könnte, vgl. pü und pien.

pih Interj

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 357
pih, s. pi.

pik

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 357

Gutzeit 1892b, 36
vgl. Wörterschatz. Daß das Gut (der Hanf) nicht eben sonderlich pik, oder das allerbeste Gut, jedennoch aber Reinhanf gewesen, zumahlen die Wrak drüber ergangen, 365.1681; bliebe dabey, das Guth (der Flachs) sey so pik, alß eins in der Stadt, 365.1677.

Pil

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 357
wird von Miklosich (etymolog. Wtb. S. 431) als nhd. und bair. angegeben in d. Bed. von Spundloch. Dazu verpeilen, alt verpilen; lat. oppilare verstopfen. Unter pilika, piljka (S. 246) Fassstöpsel, Spundloch, zapilkati verpeilen sagt er: das nur dem nsl. bekannte Wort ist deutschen Ursprungs; es lässt ein pîl vermuten.

pli Interj

siehe auch Interjektionen

QUELLEN

Kobolt 1990, 205
pli! milit. Kommando: Feuer!
russ.pli!

Pön die

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 379
Pön, die. Der Herrmeister verlieh der Stadt die Brüche und Pöne, die Wedde genannt, 179. II. 158. J. 1480.

Pop der
‣ Varianten: Pope

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 379
Pop, oder, oft st. Pope, russ. Geistlicher. In derselben Weise wie Russ st. Russe u. a.
Pop, der, Wesfall Popen, Bezeichnung der Klötzchen im Kurnispiel, 390c. 127. Im Lettischen popa ein russischer Kegel, 411, schwerlich russ. бабка, sondern Pope = Puppe.

Seemann von Jesersky 1913, 158
Pop, R. Pap, Pfaffe.

Masing 1924-1926, 411
Pōp(e) - griech.-orthod. Geistlicher
2) Pōp(e) (auch der Bedeutung nach = russ. pŏp.)

Kiparsky 1936, 174
Pop [pōp] m. 'das aufrechtstehende Klötzchen im Kurnispiel' ‹ r. попъ id. E.L.K. GUTZEIT II, 379, SALLMANN N. 127. Vgl. [Kurni].

pr

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 385
pr oder prr, Zuruf an Pferde, wenn sie still stehen sollen. Hier wie in ganz Russland. In einem gewissen Widerspruch mit dem im Wörterschatz d. d. Spr. Zivi. (Nachträge) unter br, brr Angefürten steht die Angabe Frischbiers(476), dass pr, prr in Preußen vorkommt.
Als er W. erblickte, rief er seinen drey Eseln ein Prr! zu, stieg schnell von seinem Karren und bot seine Hülfe an, Kotzebue in : Geschichte für meine Tochter von Bouilly, Leipzig 1811. I. 67.

Kobolt 1990, 210
pr! Interj., Zuruf an ein Pferd: stehen!
pr. burr zurückhaltender Zuruf an Zugtiere.

Prä
‣ Varianten: Preh

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 158
Preh, w. prä, Vorrecht.

pss

QUELLEN

Gutzeit 1890, 400
pss, was pst. Beide s werden scharf gezogen; zwischenlautend ist i ; das Wort klingt aber ganz anders als piss. In derselben Weise und Anwendung auch ßt (ungefär ßit lautend), auch mit zwischenlautendem i, u. üblicher als pss od. pst.

pu Interj

QUELLEN

Gutzeit 1890, 400
pu, Laut der Verwunderung oder des Erstaunens, hu od. huh). Pu, wie schrecklich! Pu, welche Zerstörung! In Grimms Wtb. von puh unterschieden und in abweichender Bedeutung.

Interj

DAZU:
siehe auch Interjektionen

QUELLEN

Gutzeit 1890, 400
, Ausruf der Verwunderung, halbgesprochen, halbgeblasen und gedehnt; auch bei Verhönung. Pshaw, they are no great shakes (Püh, es ist nicht viel an ihnen), 382 c. 59. — Oft zerdehnt zu pü—ü.

Pud das
{russ. пудъ 'Gewichtsmass = 40 russ. Pfund' Sallmann 1880, 12; Kiparsky 1936, 177}

QUELLEN

Hupel 1795a, 181
Pud, das, (Russ.) ist ein Gewicht von 40 Pfunden. Fischer schreibt der heutigen Aussprache gemäß, Pudd.

Sallmann 1880, 12, 15
Pud, m. Gewicht von 40 ruß. zweite Termin.Pfund, als neutr. gebraucht.
Von Pud wird in Zusammensetzung mit Zahlen das adj. -pudig gebildet: vierzig-, fünfzig-, hundertpudig.

Gutzeit 1890, 401
Pud. In einer Bo. von 1724 wird es mit Stein übersetzt, 350. XVII. VI. 267—273. Miklosich (etymol. Wtb.) sagt: aus dem Deutschen. Das dürfte zu bezweifeln sein. Man berücksichtige slaw. спудъ Getreidemaß, Scheffel und lett. pohds Lispfund.

Eckhardt 1896, 27
Pud n. a.d. Russ., aber „im deutschen Gewande“.

Vegesack 1935, 160
das Pud - altes russisches Gewicht

Kiparsky 1936, 177
Pud [pūt] n. 'Gewichtsmass = 40 russ. Pfund' ‹ r. пудъ id. E.L.K. HUPEL 181, GUTZEIT II, 401, SALLMANN V. 9; N. 12; 15.

Grosberg 1942, 47, 317
Pud = 16,38 kg

Kobolt 1990, 212
Pud n Gewicht von 16,38 kg (40 russische Pfund)
russ. pud.

Pug
Pugge

puh Interj

vgl Interjektionen

QUELLEN

???, 719
puh! Die Esthländische Interjection (S. 373) heißt nicht „Puh“ sondern „Uich!“

Pun

QUELLEN

Sallmann 1880, 18
Pun das auf Morasten über dem Eis gemähte Schilfgras oder das vom Meere ausgeworfene Sehilf- und Binsenwerk, das dem Vieh als Streu dient.

Pup der

QUELLEN

Gutzeit 1890, 407
Pup, der, nach Gadebusch (325)crepitus ventris. Ebenso (Pûp) in 476. Wir sprechen jetzt: Pupps.

pur Adj
‣ Varianten: puhr

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 160
puhr purus, rein. Der reine puhre Sand, purer Neid.


© Eesti Keele Instituut    a-ü sõnastike koondleht     veebiliides    @ veebihaldur