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Malewa die
‣ Varianten: Malwa

QUELLEN

Gutzeit 1882, 204f.
Malva oder Malewa, die. Zuerst in Heinrich von Lettland beim 1. 1205: als man diese Gerüchte hörte, ward die gesamte Malewa froh (IX. 3); und wie etliche riefen, daß die Malewa folge (XIX. 9); und es folgten die Esten in großer Malewa und wollten sie (die auf dem Rückzuge Befindlichen) im Rücken angreifen (XX. 2); und liefen alle zu den Waffen und schrieen, daß eine große Malewa der Heiden wider uns komme (XXIII. 7). In diesen 4 Stellen Heinrichs von L. ist die Bedeutung dieselbe und unzweifelhaft: Kriegs- oder Heerhaufe. — In späteren Zeugnissen bezeichnet Malewa einen Kriegszug. So in Urk. von 1288; (Urkbuch III. 86): quod homines Nostri . . . parazi erunt ad expeditiones et malvas exercendos, quae vulgo reise, herevarde et malowe appellantur. Und ebenso in einer Menge andrer Urkunden: prout Estones ... in Malvam et in expeditionem sequentur (J. 1346); de malvia tenenda (J. 1348); pro expeditionibus et malweis faciendis obligati (J. 1350). — Die in den latein. Texten begegnende Ausdrucksweiae malvam tenere wiederholt sich, obgleich den Sinn des Wortes verdunkelnd, bei unseren deutschen Geschichtschreibern. So bei Arndt (179. II. 220): der rositensche Vogt ward mit einigen Völkern befehligt, die Malve zu halten. Gadebusch (325) bemerkt dazu: „Malve oder Malewa bedeutet ein Heer. „Arndt (179) I. 40. 121. 122 und 150; Wieland juristisches Handbuch S. 714 in den Wörtern Malberg und Mallus, Halthaus im Worte Mal. — Ebenso in 352. XXXV. 75. Verh. zu Wolmar 1558: zu Roß und zu Fuß sich aufmachen, an einen geeigneten Ort zur Malve kommen und die Grenze bewachen. Brotze erklärt: Malve, expeditio bellica; und ebda. 86: indeß muß man die Malve an den Orten halten, wo es sich gebüret.
Zutreffend erklärt Bunge (399. IV) Malva, Malve, Malvea, Malvia, Malowe und Malawe mit 1) Heerhaufen, Kriegsheer, und nicht zutreffend mit 2) entsprechend dem alten Reise, expeditio, in der doppelten Bedeutung als Heeresfolge (Kriegsdienst) und Kriegsdienstpflichtigkeit.
Die unsichere Auffassung, des fremden, unverstandenen Wortes, die Ähnlichkeit von dessen erster Hälfte mit dem deutschen Mal in Malstatt und ebenso mit ahd. Maliga und Malie Schlachtfeld, scheint bei unseren Geschichtschreibern die Bed. des Wortes diesen deutschen Wörtern genähert zu haben. Denn in denjenigen Zeugnissen, welche von aufgebotenen Kriegern sprechen, welche „an einen geigneten Ort zur Malve kommen sollen“, wird man lebhaft errinnert an Malstatt: festgesetzte Stelle zu einer Versammlung, zu einem Treffen.
Über den Ursprung dieses nicht deutschen Wortes sind verschiedene Deutungen verlautbart. E. Pabst hat in s. Ausgabe Heinrichs von L. in Malewa ein altestnisches Wort vermutet, Leo Meyer in einem am 17. Jan. 1876 in d. gel. estn. Ges. gehaltenen Vortrag, auf Grund einer Angabe des Dr. Weste, ein wirklich estnisches Wort gesehen, „da es auch in einem alten Werroschen Volksliede, einem Kriegsliede, erhalten ist“. Ein Schluss, wie der zwischen den Anführungszeichen, könnte auch erlauben, das Wort für ein lateinisches auszugeben, da es in lateinischen Texten vorkommt. Es findet sich aber in der ganzen estnischen Sprache kein einziges Wort, welches, ohne Gewaltthätigkeit, in Laut und Bedeutung mit Malewa zusammengebracht werden könnte. Auch ist nicht zu übersehen, dass Malewa einweibliches Hauptwort ist. Dieser Umstand,ebenso wie lautliche vollkommene Übereinstimmung, könnte dazu veranlassen,in Malewa oder Malwa russ. Молва, zusehen, welches altslaw. (млъва) Tumult, im alten Russich aber Aufruhr, Aufstand (Erhebung der Volksmasse) bezeichnet. Doch wie käme ein russisches Wort zu Heinrich von Lettland? Die livische Sprache gibt für das Wort nicht den mindesten Anhalt.

Gutzeit 1894, 26
Malewa. Im Wörterschatz II. 205 ist dies Wort zurückgefürt auf slaw. млъва (russ. молва) und die Frage gestellt, wie ein russisches Wort zu Heinrich dem Letten gekommen sei? Die Antwort dürfte in demselben Umstände zu finden sein, aus welchem die lettischen Ausdrücke Pagasts und Pastal hervorgegangen sind, d. h. wie diese Wörter nicht aus dem Russischen, sondern als selbständige Bildungen des mit dem Slawischen nahe verwandten Lettisch. Diese Anname kann noch eine Stütze finden in der Bedeutung, welche von der des russischen молва abweicht, derjenigen des slaw. млъва dagegen sich sehr nähert.

Kiparsky 1936, 54f.
malewa, malwa, malvia, malve, malvea, malawe, malowe f. 'Heerhaufen, Kriegsheer', auch 'Heerfahrt' ‹ estn. maleva, malv 'Heer' (das erstere aus alten Quellen wiederbelebt, das letztere nur in der Poesie erhalten). - So OJANSUU Virittäjä 1909, S. 129 f., der das estn. Wort zu finn. *malen, *mālen (vgl. die Ableitung maleksia 'herumschlendern, -streifen') bzw. als maleva*majaeleva zu majaella 'sich aufhalten, Quartier nehmen' stellt. Seiner Ansicht nach ist die erste Zusammenstellung doch ansprechender. Dass das bd. Wort wirklich jedenfalls teilweise aus dem Estn. stammt, unterliegt keinem Zweifel, da an den ältesten Belegstellen (bei HEINRICH VON LETTLAND IX. 3; XIX. 9; XX. 2; XXIII. 7) Esten erwähnt werden: et sequuti sunt Estones in malewa magna ... - Die nächstältesten Belege stammen aber aus Goldingen (J. 1253; UB. I, 1, 220; J. 1290; UB. I, 1, 668) und im 13.-16. Jh. ist das Wort im ganzen Baltikum verbreitet (noch im 18. Jh. gebraucht es ARNDT Liefl. Cht. I, 40 u.a.), so dass man an eine doppelte Entlehnung zu denken geneigt ist. Da das Wort dem Lett. und Liv. vollkommen fehlt und im Estn. nur rudimentär erhalten war (was bei der ehemaligen politischen Abhängigkeit und Wehrlosigkeit dieser Völker nur zu gut begreiflich ist), kann man hier keine bestimmte Behauptung aufstellen, ich glaube aber, dass ein entsprechender Ausdruck im Liv. sicher vorhanden gewesen und von da ins Südbd. eingedrungen war.
Vgl. GUTZEIT II, 204-205 und N94 26, der das bd. Wort mit Unrecht aus dem Russ. bzw. Lett. ableitet.

Arbusow 1951, 148
malewa H. IX 3, XIX 9, XX 2, XXIII 7, 'Heerhaufe, Aufgebot' estnisch, im 13.-16. Jh. im balt. Deutsch.


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