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lassen
‣ Varianten: lan

siehe auch Halbdeutsch

QUELLEN

Krüger 1832, 334
lassen b) aus dem Lettischen.
Wem's ist das? kam tas irr. Von wurren ist er? no kurrenes. Laß er! laß er kommen! lai winsch. Besonders los, statt offen, oder auf bey Zusammensetzungen. Die Thür ist los, mach das Fenster nicht los, wallâ. Daraus folgte dann natürlich auch fest, statt zu. Ich habe alle Thüren fest gemacht (welches dem Tischler zukommt).

Gutzeit 1882, 133
lan (-), mhd. zusammengezogene Gestaltung für lan, lassen. Jetzt unbekannt. Was man nicht ändern kann, muß man wol geschehen lan, 195. Henning Chr. 215.

Gutzeit 1882, 149f.
lassen. Grimms Wtb. (Sp. 215. 5.)bezeichnet als urverwandt litau. leidmi, leisti; näher liegt lett. laist und estn. laskma.
Wer lässt ihn (auch) dahin gehen, das thun u. dgl.? d. h. weshalb geht er dahin, wer zwingt ihn dazu. Gew. — Einen in Stich lassen, in Grimms Wtb. Sp. 226: im Stich(e) lassen. — Sich nicht lassen können vor Flöhen, ihrer zu viel haben, vgl. Grimms Wtb. Sp. 227. 13d.
Lassen mit folg. Infinitiv bevorzugt in einigen Fällen den Gebefall, in and. den Accusativ. Lass mich wissen gilt für besser, selbst für allein richtig statt des hier gewönl.: Lass mir das wissen. Letzteres hat indessen seine volle Berechtigung, nach Grimms Wtb. II. 232. 233., welches sogar bemerkt (II. 7), dass bei den Zw. wissen, erfahren, merken, fühlen, empfinden die neuere Sprache den Gebefall mit Vorliebe gebraucht. Ebenso in: er lässt ihm (ihn) es fühlen, dass er sein Vorgesetzter ist. vgl. in Grimms Wtb. 233. Dagegen sprechen wir meist: lass es ihn nicht merken, ahnen, glauben, hören, lesen, sehen. Lassen Sie mir sagen, d. h. melden Sie mir (Grimms Wtb. II. 5a.);
1) lassen Sie ihn sagen, erlauben Sie, dass er sagt (was er weiß u. dgl.). Er lässt sich nichts sagen, erlaubt keinen Vorwurf, keine Bemerkung ihm gegenüber.
Zu Grimms Wtb. H. 2: das Zeug lässt die Farbe, verliert sie. Oft. Es lässt die Farbe, Stender. Der Kater ließ (bei der Balgerei) einige Hare, viel Pelz.
Die in Grimms Wtb. A. 14a angeführte Redeweise ist in Livland ungebräuchlich und auffallend. Das jugendliche Rollenfach läßt ihr nicht mehr (da sie alt geworden), 361. 1881, anstehen, stehen, gelingen. In Kurland häufiger und schon von Stender bemerkt: das lässt schön, garstig; doch auch in Hupels estn. Wtb.
Das läßt sich essen, ist genießbar. St. u. s. w.
Eins lassen, einen Wind fahren lassen. Man lässt das Blut durch einen Durchschlag oder Sieb, seiht. Gew.
Thu', was Du nicht lassen kannst! Wird einem gesagt, der von seinem Vorsatz nicht abweicht, etwas nicht unterlassen will. Auch: thu', wovon Du nicht lassen kannst. Zwei Redeweisen sind in Liv- und Kurland gewönlich, selbst im Munde Sprachgebildeter.
1) Lass er, lass sie, lass es, z. B. lass er arbeiten, lass sie kommen, lass es (das Mädchen) hereintreten. Das erste Beispiel dieser Art findet sich in Stender's lett. Gramm, v. 1765. S. 126: laß er (mag er) arbeiten, wie er wolle, laß er (es) gehen, wie er (es) wolle; dann in seiner Gramm, v. 1783. 194: laß er sich hüten, wie er will, oder er mag sich hüten, wie er wolle, so . . . Krüger (319. 334) erklärt laß er! laß er kommen! lai winsch nah! aus dem Lettischen; Kohl sagt, dass die Livländer (und Kurländer) statt „laß ihn“ kommen sprechen „laß er“ kommen, statt „laß ihn“ das machen, sprechen: „laß er“ das machen u. s. w. Dies sei dem Lettischen oder Russischen nachgebildet. — Diese Behauptungen sind einzuschränken. Man hört z. B. selten oder nie: lass er schlafen, sondern lass ihn schlafen, d. h. störe ihn nicht im Schlafe, wecke ihn nicht; ebenso durchweg: laß ihn schlafen gehen, spielen, saufen. Ferner besteht zwischen lass er und lass ihn ein sehr bemerkbarer Unterschied. Einem Diener, den man itzt, ruft man zu: Lassen Sie ihn (N. N.) kommen, d. h. man beauftragt ihn, den N. N. kommen zu lassen. Sagten wir: lass ihn kommen, so könnte das für denselben Diener beleidigend sein. Zu demselben Diener aber kann sehrwohl gesagt werden: lass er (N. N.) kommen, wenn die Erlaubniss, Aufforderung ausgedrückt werden soll, zu kommen. — „Lass“ ist wiederzugeben mit „mag“, wobei indess zu bemerken, dass das Fürwort (er sie es) dem lass folgen muss, dem mag besser vorausgeht: lass er kommen und er mag kommen! Abweichend von dem Lettischen kann das Fürwort hinter lass nicht fehlen, im Lettischen sehr wohl: lai nahk, lai strahdà, lass er kommen, lass er arbeiten. Drittens folgt unserem lass stets der Infinitiv, im Lettischen vorzugsweise die 3. Person der Einzal, z. B. lai nahk, lai strahdà, wie im russischen пускай он ѣдетъ, пущай онъ приѣдетъ, пусть они черпаютъ. Eine Wiedergabe des lett. oder russ. wäre also nicht lass er kommen, lass er arbeiten, lass er kommt, lass er arbeitet. Die angenommene Uebernahme bleibt somit schwer erklärbar; hat sie stattgefunden, so jedenfalls nur aus dem Lettischen. — Nichts zu thun mit diesem Lass er hat ein andres lass er, lass sie: lass er das sein, d. h. lass das bleiben, lass er die Finger davon (rühre nicht daran); ebensowenig die Redeweisen; lass stehen, lass sehen, was du kannst, lass (es) gehen wie es geht, lass sie das thun, lass es beim Alten bleiben, lass sie (die Kinder) doch spielen. In Göthe's Mitschuldigen (3. 9): ei, lass' er sich den Kopf mit warmen Tüchern reiben!
2) Lass mit folgendem Nenn- statt des Klagefalls (Lass den Teufel Dir kund thun, Schillers Macbeth). Der älteste mir bekannte Beleg in der Inschrift von 1649 am rigischen Waisenhause (vgl. 174. 1868. №5): Laß doch der Stand bedrängter Waisen, Mein Leser, Dir zu Herzen gehen. — Hier fällt laß zusammen mit: mag, wie in der gew. Ausdrucksweise: Lass der Eins rechts, der Andere links gehen! d. h. mag der Eine rechts, der Andere links gehen, was liegt daran? Das Alter dieses Beleges thut dar, dass „lass der“ durchaus keine russische oder lettische Construction ist, wie man gemeint und auch zu finden geglaubt hat in der Uebersetzung eines russischen Gedichts (396. 1860. 283):
„Laß der Herr nur kommen“, denket / Still der Alte, „er wird zwischen uns entscheiden“; / „Laß der Herr nur kommen“, trösten / Sich die Bauern, „lehren wird er / Schon die schlauen Feldvermesser!“
Und noch ein Mal ebda:
Es schreien Groß' und Kleine / Durch einander, fast mit Zanken: / — „Laß der Herr, der Herr nur kommen!“
Beispiele liefert auch Stender in s. lett. Gramm, v. 1765 und 1783: laß ein anderer besser hüten (oder: ein anderer mag besser hüten); laß der Wachtkerl gehen (lai waktineeks eet). Wie im Lettischen ist auch im Russischen diese Construction gewönlich (пусть придётъ господинъ), aber auch schon dem Altlateinischen eigen. So heißt es in Plautus (als Drohung): sine herus adveniat, lass (der) den Herrn nur kommen, d. i. ich will es ihm schon klagen. Der Unterschied zwischen dem Lettischen und livländischen Deutschen einerseits und dem Russischen und Lateinischen anderseits besteht darin, dass dem lass dort ein Infinitiv, hier eine 3. Person des Indicativs oder Conjunctivs folgt. Erinnert man sich noch des latein. licet, welches ähnlich und gern wie lett. lai und unser lass gebraucht wird, so könnte man glauben, dass zwischen dem Lettischen und dem Deutschen eine Übereinstimmung, keineswegs aber eine Entlehnung stattfindet.
Eine dritte Redeweise, welche vorzugsweise Kurland anzugehören scheint, gebraucht ebenfalls lassen im Sinne von mögen. Stender führt auf: Laß (es) sein, daß ich arm bin, d. h. ich will zugeben, es mag sein, daß —. Laß (es) sein, wie es wolle. Es entspricht dem lett. lai, das aber nur lass! (Imperativ von lassen) bezeichnet. In Riga ist, um ein Zugeständniss auszudrücken, gewönlicher: mag sein! f. es mag sein. Mag sein, dass ich Schuld habe, wo mag zusammenfällt mit „kann“ sein, dass ich Schuld habe, während in der Redeweise: kann sein, dass er kommt, für kann nicht mag stehen kann.

Gutzeit 1889a, 57
lassen. Lass Madamm selbst auf den Markt gehen wenn sie unzufrieden mit meinen Einkaufen ist, lass Hugo allein gehen, lass Guste ins Theater gehen (Diese Wendungen sind im Wörterschatz ausgelassen).
Wie bei uns, kommt lassen auch in Preußen vor. Frischbier (476) fürt an: Lass er man, mag er doch! Laß er man kommen! Laß ihn man reden! Laß er das nicht noch einmal thun! Laß er doch gehen! — die letzte Wendung wäre selbst hier ungewöhnlich.
Im Wörterschatz II. 2. 150 felt nach den Worten: Eine Wiedergabe des lett. oder russ. wäre also nicht lass er kommen, lass er arbeiten — das Wort sondern, so dass es dort heißen müsste: nicht lass er kommen, lass er arbeiten, sondern lass er kommt lass er arbeitet.

Gutzeit 1892b, 31
lassen. Sophie soll nicht weg, wir lassen sie nicht! rig. Tagebl. 1890. 264, aus d. Ende d. 18. Jahrh.

Gutzeit 1898, 20
lassen, einem etwas. N. mag ein unangenemer Mensch sein, er ist aber ein schöner Mann, das muß man ihm lassen, d. h. das muß man zugeben, das kann man ihm nicht absprechen, nicht nemen. Gew.

Eckardt 1904, 57f.
„Lass er“ -
Mit besonderem Eifer hat Gutzeit in seinem Wörterbuch das „laß er“ in der Bedeutung „mag er“ oder „möge er“ unter die Lupe genommen.
„Laß doch der Stand bedrängter Waisen, / Mein Leser, dir zu Herzen gehen“ -
finden wir aus der Inschrift vom J. 1649 am Rigaschen Waisenhause als ältesten Beleg für Riga angeführt, es folgen Zitate aus Stender's lettischer Grammatik v. J. 1665, aus Krüger, Kohl und andern mehr, bis auf Frischbier (in Bezug auf die gleiche Redewendung in Preußen), und das Resultat der Erörterungen läuft darauf hinaus, daß, entgegen der gangbaren Annahme, die Ausdrucksweise weder dem Lettischen noch dem Russischen entnommen oder nachgebildet sei. Ich kann mich nicht zur Anschauung Gutzeits bekennen. Der Einwand, daß wir im lettischen „lai winsch nahk“ und im russischen „пускай он ѣдетъ“ die dritte Person der Einzahl, statt des im Deutschen beliebten Infinitivs, angewandt sehen, wiedt meines Erachtens keineswegs schwer genug, um hier eine Anlehnung an die fremdsprachliche Form für gesucht oder gar ausgeschlossen zu halten. Vielmehr erscheint sie durchaus wahrscheinlich, da wir sonst in deutschen Idiomen nirgend dem „laß er“ begegnen, auch in Nordlivland nicht, wo die Wendung dem Estnischen gleichfalls fremd ist. Frischbier als Gewährsmann für einen Winkel Ostpreußens ist jedengalls von geringem Belang. Hier dürften leicht Einflüsse des litauisch-slavischen Idioms mit hineingespielt haben, bei dem wir wohl eine gleiche Ausdrucksweise wie im Lettischen und Russischen annehmen dürfen. Auch steht ihm ein andrer guter Preuße gegenüber, der, wenn auch nicht speziell Sprachforscher, doch überaus vertraut ist mit den Dialekten seiner Heimat und nicht ansteht, das „laß er“ kurzweg als „Russizismus“ zu bezeichnen. Es ist das kein Geringerer als Fürst Bismarck, der uns in seinen „Gedanken und Erinnerungen“ Bd. II S. 138 die nette Anekdote von Gortschakow bringt, der auf die Frage hin, was etwa Kaiser Wilhelm ihm wohl schenken dürfte, wie es an zitierter Stelle heißt, zur Antwort gab: „Laß er mir (Russizismus) eine tüchtige Dose geben mit guten Steinen“ (avec des grosses bonnes pierres).
Bei uns käme jedenfalls nur eine Anlehnung an das Lettische in Frage, da das weit zurückliegende Datum oben angeführter Inschrift den Einfluß des russischen Idioms ausschließt. Jedenfalls ist das „laß er“ in Riga, auch in Kreisen, in denen man ein gewähltes Deutsch hört, durchaus gang und gäbe. Laß er morgen zu mir kommen, laß er seine Papiere mitnehmen, laß er selbst den Preis bestimmen, laß er hübsch bescheiden bleiben u. s. f.

Seemann von Jesersky 1913, 143
laß er, mag er, möge er, laß er meinswegen kommen, laß er sich zum Teufel scheren, mit gewogen bleiben.

Wistinghausen 1954, 9
lass bringt - möge bringen:
Lass bringt dies kleine Buch ... für jeden was.
(Erklärung: Lass bringt - typische Wendung: möge ... bringen). estn. Halbdeutsch.

Wistinghausen 1954, 18, 28, 44
lassen - verschiedener Gebrauch!
„Doch sie ließ weiter mit Geplärr“ (estn. Halbdeutsch: sie fuhr fort (zu heulen)
„Wesenbergisch ließ man nich hinter deutsche Grenz.“ = schwatzte (Halbdeutsch).
„Wenn ich ... Polka loeß mit ihr“ (Halbdeutsch) = tanzte.

Nottbeck 1987, 53
lassen - falsches Deutsch sprechen, zechen / E.K.L.
Der läßt, als hätte er nie Deutsch gelernt. - Wir haben die Nacht durchgelassen.


QUELLEN (Informanten)
Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland
lassen: 1) „er lässt“ = er spricht Halbdeutsch
2) über die Stränge schlagen


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