[BSS] Baltisaksa sõnastik

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Abweide die
de Abweiden
der Umbruch der Kleestoppel geschah nach einer Abweide, schon 8 Tage vor Johannis

QUELLEN

Gutzeit 1859, 23
Abweide, die. Der Umbruch der Kleestoppel geschah nach einer Abweide, 224.1825.38.

Masing DBWB, 160
Abweide, f. (ápw də, áp….) das Abweiden. Der Umbruch der … Klee-Stoppel geschah nach einer A., schon 8 Tage vor Johannis … Ökon. gem. Beil. z. Ostseeprov. bl. 1825, № 10, XXXVIII.

brechen V [h]
braken1, braken2, wraken
Vt

QUELLEN

Gutzeit 1859, 150
brechen 1) braken. 33 Tonnen gebrochene Häringe, in 222. 43ste. Hupel sagt: Flachs braken = brechen. 2) von Schiffen, Schiffbruch leiden. Wenn einSchiff bricht, 148. Vgl. Grimm unter brechen I. 5. 3) die sollen an ihren Halse brechen, 194, in R.R.d.J.E. 208; kommt er nicht, so bricht er 3 Wetten, 194, im ältesten und neuesten liefl. LR 169; wettet oder bricht ein Mann vor Gericht, 194, im neuen liefl. LR 171: im ältesten steht wettet allein. 4) die Wälle brechen. Wie der Feind die Wälle mit dem Geschütze begunte zu brechen, 194, Nyenstädt 51. 5) von den Stielen gebrochene Kirschen, d.h. Kirschen, deren Stiele abgebrochen sind; aus der Schale gebrochene Krebse, ausgemachte. In der Küche. 155 u. 158. 6) die Düna brach zuerst näher ihrem Ausflusse, 176. 1837. 62, statt: das Eis brach. 7) von den Gliedmaßen sagt man, dass sie (im Fieberfrost) brechen, d.h. man fühlt in ihnen ein Recken und Dehnen. Erinnert in dem Worte an das russ. lomat', aber nicht im Sinne.

Gutzeit 1886, 174
brechen 3) öfters ehemals st. büßen. So in 241. Kommt er nicht, so bricht (verbricht) er drei Wetten, das sind 60 Schillinge, 194. N.L.L.R. 169. - 8) ein Verbrechen begeben. Ein Bürger, der unter des Meisters Gericht bricht, soll daselbst nach hiesigem Stadt Recht gerichtet werden, 351. XXI. 1; wer von des Meisters Leuten bricht in der Stadt, der soll nach der Stadt Recht gerichtet werden, ebda; welcher Gesell dawider bricht, 245. In Grimms Wtb. nur eine alte Stelle aus d. Weisthümern. - 9) auseinanderbrechen. Beim Brechen einer Struse, 174. 1830. 407. - 1) Häringe. Beim Wraken der Häringe werden aus jeder Tonne 1 oder 2 Häringe auf ihre Güte untersucht und in der Mitte durchgebrochen. Diese durchbrochenen oder „gebrochenen“ Häringe oder „Bruchhäringe“ werden besonders in Tonnen verpackt u. sind ein Gefälle der Häringswraker, welche sie gewönlich zu einem billigen Preise verkaufen. - 10) Wir hatten nicht Kälte nicht Thauwetter: es hielt nicht, es brach nicht, d.h. nicht das eine, nicht das andre fand statt. - 11) vom Acker, ihn nach der Ernte pflügen, unterschieden vom Pflügen zur Sat. Ein Feld Klee im Herbste gebrochen, 224. 1825. 17; die um Johannis gebrochene Kleestoppel, ebda 18. vgl. Grimms Wtb. - 7) Mit überflüssigem sich. Sich Arm und Bein brechen; sich sein Bein brechen. Fiel vom Baugerüste und brach sich das rechte Bein, 361. 1883. 271.

Gutzeit 1886, 174
brechen, Flachs, braken. vgl. Brake, die. In Grimms Wtb. übersehen slaw. prati, russ. prat' (Flachs oder Hanf) brechen.

Gutzeit 1886, 174
brechen, sich erbrechen. Es ist schwer anzunemen, dass dies Wort (vomere) mit brechen (frangere) ein- und dasselbe ist; es scheint sich vielmehr wiederzufinden im russ. брезгую ich ekele mich.

Gutzeit 1898, 6
eine Serviette. Die Speise wird auf einer gebrochenen Serviette servirt. In rig. Kochbüchern s. I. 150.

Masing 1931, 22
den Wasserkringelteig auf der Breche bearbeiten.

Bruckling der
‣ Varianten: Bruchling

QUELLEN

Fischer 1778
als Gelée

Bergmann 1785, 55

Hupel 1795a, 35
[zitiert Fischer, kennt es nicht]

Gutzeit 1859, 155
Brucklingsbeere [zitiert Bg.]
Bruckling [zitiert Fischer]: Gallerte von Johannis- oder Strickberen.

Gutzeit 1886, 187
Bruchling (1724, Riga); Bruklingsbeere [-uck]: bekannt
Bruchling, der, 353.49, Strickbere. Nach d. lett. bruhklenes ? s. Brukling.

Kiparsky 1936, 81
[brúkliŋ] m. 'Brucklingsbeere, Preisselbeere (Vaccinium vitis idaea L.)' ‹ lett. brùklene, brùkline id. Hupel 35, Gutzeit I, 155; Nr. 86 184; 187 (seit dem J. 1724 für Riga belegt). - K. und LL. Vgl. opr. (Tilsit, Pogegen) Brucknisbeere 'Preisselbeere' ‹ lit. brùknės pl. id.

Brucklingsbeere die

QUELLEN

Gutzeit 1859, 155
nach Bg., Preißelbere. Bg. leitet ab von bruyère. Wenn nicht nach dem Lettischen bruklenes, so von Bruch.

Gutzeit 1886, 185, 187
Brucklingsbere, die, s. Bruklingbere.
Bruklingbere, Strickbere. Noch jetzt in vielen Familien ein geläufiger Ausdruck. Die Ableitung von Bruck ist unwahrscheinlich, die von lett. bruhklenes nicht zu bestreiten. Russisch брусника. Bruk gewönlich gesprochen wie Bruck.

Schönfeldt 1960, 11
Vaccinium vitis idaea, Preißelbeere. Seit 1724 für Riga belegt. Hupel erklärt Bruckling als „Gelee von Johannis oder roten Heidelbeeren“. Aus dem Lettischen brùklene.

Docke

QUELLEN

Lindner 1762, 225
gebräuchlicher als Puppe, daher Dockmann, der unter der Docke steht, die Würde eines hiesigen Bürgers, ehe er in die Aeltestenbank gezogen wird, und an die Bürger in den Gilden das Wort führen muß, wobey er unter einer kleinen Puppe stehet, und daher den Namen hat.

Bergmann 1785, 80
die Puppe

Gutzeit 1864, 189f.
Dieses nd. Wort für Puppe ist dem jüngern Geschlecht kaum noch bekannt, außer etwa in der Redensart: geputzt wie eine Docke. Im vorigen Jahrh. war es nach der Angabe Lindners (320) in Riga gebräuchlicher als das jetzige Puppe. Erhalten hat es sich in den Docken der beiden Gildestuben Rigas. Die Docke der großen oder Mariengilde stellt, aus Eichenholz, zwischen 3 und 4 Fuß hoch, die Jungfrau Maria vor mit dem Jesuskinde auf den Armen, stehend auf einem halben Monde, mit dem linken Fuße den halbgeöffneten Mund eines liegenden Haupte verschließend; das schwarze Har, in Flechten am Nacken herabhängend, mit goldner Krone geziert; ein dunkelblaues, goldgebordetes, rot untergeschlagenes Gewand über einem anschließenden dunkelbräunlichen Kleide. vgl. 174. 1862. 7. Die erste namentliche Erwänung der Docke geschieht im J. 1602 (vgl. 335. 253). Bei ihr stand und steht bei ihr stand und steht bei Bürgerversammlungen der Wortführer der Bürgerschaft (Dockmann) und die Bürger (Dockenbrüder od. „die an der Docken“). In 274 finden sich folgende Ausdrücke. An der Docken etwas beibringen (vorbringen); etwas an die Docke tragen: der Bürgerschaft vortragen; die Brüder treten an der, bei der od. an die Docken; der Ältermann spricht: die da Brüder werden wollen, gelieben sich bei der Docken anzugeben; von der Docke etwas erbieten; N.N. wurde von der Docken aus der Brüderschaft zum Ältermann erwält, d.h. aus der gemeinen Brüderschaft, nicht aus der Ältestenbank; die Brüder treten an die Docken, die Kuchenbrüder (Küchenbrüder) aber in den Hof od. Kuchen; der Dockmann bleibt bei den Docken ein Jahr. - Auch Älteste u. der Ältermann treten in gewissen Fällen an die Docke. So heißt es in 274: die beiden Eltisten traten an die Docken, wenn sie vom Eltermann eingenommen (vernommen), was sie an die Docken tragen sollen; so in 335. 256: Zusage, die man mir (dem abgehenden Ältermann) durch die Eltesten H. u. K. öffentlich von der Docken antragen lassen; und ebda. 273: da habe ich mich (der Ältermann) auf die, so aus der Kammer (Brautkammer) gefordert wurden an die Docken, berufen, als K. u. O., welche eingezeuget: was ich referiert hätte, das hätten sie von der Gemeine an der Docken empfangen. Ebenso wie Älteste aus der Brautkammer an die Docke treten und daselbst von der Gemeine eine Mittheilung empfangen, die sie wiederum dem Ältermann und den Ältesten vortragen, so konnte sich auch der Ältermann aus der Brautkammer zur Docke begeben, daselbst, daselbst an die Bürger Worte richten od. Schreiben erlassen, und mit od. ohne erhaltne Erklärung sich wieder in die Kammer zurückbegeben. So heißt es in 349. XVII.: bei der Docke hat der wortführende Ältermann das Schreiben verlesen.
Zu der Zeit, als Hochzeiten auf der großen Gildestube stattfanden, „ging man bis an die Docke,“ und „saß nebenst der Docken“. vgl. 309: auch hatten die Anrichter (Drosten) und Giftenträger ihren Platz bei der Docke.
Bemerkenswert ist, dass ehedem in den Beugefällen die Form Docken st. Docke fast allein vorkommt.
Die Docke der kleinen oder Johannes-Gilde ist eine Gruppe von 3 einzelnen Gestalten. Die größte und zugleich mittelste stellt Johanes d. Täufer vor, ein geöffnetes Buch in d. Hand, ein kleines weißes Lamm rechts neben sich, das Haupt unbedeckt, der Leibrock dunkelbräunlich, goldgebordet, das Übergewand goldfarben, innen scharlachrot. Höhe der Gestalt etwa 3 Fuß. Zur Seite stahn die Jungfrau Maria mit goldner Krone, und Josef, beide etwa 1½ F. hoch und beide in dunkelgrünem, goldbordigem Rocke und goldfarbenem, innen scharlachrotem Obergewande.

Sallmann 1880, 30
Zusammengedrehtes Bündlein Garn oder Stroh, letzteres besonders für Dächer, um gegen das Eindringen des Regens zwischen die Fugen der Schindeln gesteckt zu werden, nd. eig. Puppe.

Gutzeit 1886, 213
englische, oder englische Puppe, in den 30. J. dieses Jahrh. ein Belustigungsspiel halberwachsener Mädchen in Riga. Nach Hinausgehen der anderen Spielgenossinnen legt sich eines der jungen Mädchen auf den Rücken, streckt die Beine in die Höhe, welche mit allerlei Kleidungsgegenständen zu etwas Ungestaltetem - einer Docke - bedeckt werden, während das Gesicht durch einen Hut nicht erkennbar gemacht wird. War die Verkleidung fertig, so traten die Uebrigen zurück ins Zimmer taten allerlei Fragen, erhielten aber nur stumme Bewegungen mit dem Kopf oder Füßen als Antwort, bis endlich das junge Mädchen plötzlich aufspringt, alles abschüttelt u. allgemeine Heiterkeit dadurch veranlasst.

Eckhardt 1896, 31
Schutzheiliger einer Gilde, hölzernes Standbild.

Seemann von Jesersky 1913, 111
Puppe, Figur. In der großen Gilde die Docke der Jungfrau Maria, in der kleinen des St. Johannis. Bei ihr steht in den Bürgerversammlungen der Dockmann, der Sprecher der Bürgerschaft gegenüber der Ältestenbank.

DRWB II, 1011f.
(1) Bund (als Zählmaß)); 2) nd. Puppe, davon übtr. in Riga Muttergottesbild. An einem solchen war dort Standplatz des Wortführers der großgildischen Bürgerschaft, daher auch Docke-Bürgerschaft(Versammlung). 1603 M.Liv. IV 253; 1606 M.Liv IV 256; 1613 Stieda-Mettig 38,8; Gutzeit; M.Liv IV p.197 Anm.; (3)Mutterschwein)

Ehrgierigkeit die

QUELLEN

Gutzeit 1886, 228
Ehrgierigkeit. Luther in der Glosse zu 1 Johannis 11. 16 fugt: hoffärtig Leben ist Ehrgierigkeit, Gewalt, Lob und oben ausfahren. In Gadebusch (325) unter Hoffart.

Ellernbruch der

QUELLEN

Gutzeit 1864, 254
Ellernbruch. Außerhalb der alten Ringmauer Rigas, in der Gegend des Ratstalles befand sich ehedem ein Ellernbruch, der zuerst in einer alten Kämmereirechg. v. 1405/6, u. noch in der Mitte des 17ten Jahrh. erwänt wird. Hier hatten die feilen Dirnen ihren Sitz, so heißt es in 350. XXIV. 1: Die losen Weiber sollen anders nirgends wohnen innerhalb noch außer der Stadt, denn in ihrem Convent in dem Erlenbruche (1502). — Von diesem Ellernbruche hatte der ehemalige Eltern- oder Ellerturm seinen Namen, bei dem jetzigen Ratsstall. s. 349. XXII. 3. — Eines andern Ellernbruchs (Ellerbrockes) hinter S. Johannis belegen geschieht in der Wolmarschen Absprache Erwänung.

Gutzeit 1886, 244
Ellernbruch, im alten Riga, erwänt zuerst als alnea palus in 466. I. 126. beim J. 1329. Mit Bruch gab man später palus wieder.

erglauben

QUELLEN

Gutzeit 1886, 249
erglauben. Gadebusch (325) sagt: Luther in d. Vorrede auf die Offenbarung St. Johannis bemerkt, die heilige christliche Kirche will nicht ersehen, „sonder ergläiubet sein,“ Sanctitas ecclesiae christianae non videndo sed credendo cognosci vel intelligi vult. Erglauben etwas, mit Überwindung aller Zweifel glauben, vgl. dazu die zweifelhaft erklärte Stelle aus Paracelsus in Grimms Wtb.

Gartenbeere die
‣ Varianten: Gartenbere

QUELLEN

Gutzeit 1892b, 22
Gartenbere. Gartenbeeren, die in einem Garten gezogenen Beeren: Johannis-, Stachel-, Himbeeren, im Gegensatz zu Wald-, Heide- und Morastbeeren, 390c. 121.

Hospitalgut

QUELLEN

Hupel 1774-1782, III 380
Hospitalgut. Das Pastorat (St. Johannis / Oesel) ist eigentlich ein Hospitalgut... Es ist blos für diejenigen Kranken bestimmt, die mit Scorbut und der venerischen Krankheit behaftet sind.

Bunge 1851, §77u
So werden namentlich auch einige Stadtgüter, desgl. andere Landgüter genannt, deren Einkünfte zunächst zu milden Stiftungen verwendet werden.

Gutzeit 1889b, 546
Hospitalgüter, 154. I. 157. So werden namentlich einige Stadtgüter, desgleichen Landgüter genannt, deren Einkünfte zunächst zu milden Stiftungen verwendet werden.

Hungerkummer

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 551
Hungerkummer, ein Volksfest und Obstmarkt zu Riga, der am 1., 3. und 5. Montag nach Christi Verklärung (6. August alten St.) abgehalten wird. Ursprünglich wol ein Dank- und Erinnerungsfest an die schrecklichen Kriegs-, Hunger- und Seuchenjahre zu Anfang des 17. Jahrh. — Ein in seiner Zusammensetzung auffallender Ausdruck, vgl. 451. 1875. S. 58 und rig. Ztg. 1875. Nr. 227. Außerdem Sonntag in 174. 1826. 268—269.
Unser Hungerkummerfest, heißt es in 174. 1823. 297 u. f., ein Markt von Obst, Pfefferkuchen und Getränken, des Nachmittags am ersten Montag nachdem 6. August, und dann zweimal nach 14 Tagen. — Die erste Erwänung des Marktes findet statt 1651: Da am genannten Tage die Marienmesse oder wie man es nennt, der Hungerkummer einfällt, als will EE. Rath hiemit allen und Jeden, die sich solches Marktes oder Hungerkummers in Kaufen, Verkaufen und Stutzen (stutzen — tauschen) gebrauchen—, geboten haben, an ernanntem Tage sich des Ortes auf dem Berge zu enthalten. (Berg ist der Kubs- oder Hungerkummerberg auf dem Grunde der jetzigen Esplanade.) — Die Entstehungszeit des Festes reicht bis hinter 1637 zurück. Es antworteten nämlich die Eingepfarrten von Neuermülen und Dünamünde 1637 auf eine an sie gestellte Frage, „daß der Prediger predige zu Dünamünde auf Laurentii (d. i. l0.August)und zu Neuermülen auf Hungerkummer. „Zu dieser Zeit war demnach die Benennung Hungerkummer so sehr in den Sprachgebrauch gedrungen, dass man von Hungerkummer wie von Johannis, Ostern oder Weihnachten sprechen konnte.


QUELLEN (Informanten)
Lange, Harald: Riga, Südlivland
Hungerkummer - Fest auf dem Jakobsplatz in Riga, Erntefest???

Johann der

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 564
Johann, früher oft st. Johanni oder Johannis. Von Johann bis Michael, 349. XXII. 1. Ebenso: Johanns statt Johannis.

Masing 1924-1926, 409
3) Johann (nur in der Redensart: „Wo ist dein Diener (Johann)?", die man Kindern gegenüber anwendet, wenn sie eine Tür geöffnet und nicht wieder geschlossen haben, und im Kindervers: „Johann, spann an, 3 Katzen voran.“ Vgl. Klenz S. 15). [= Diener]


QUELLEN (Informanten)
Stael von Holstein, Marie Louise Baronesse: Gut Samm (Wierland), Reval
Johann 'Teewagen', WL 5,31

Johanni

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 564
Johanni, Johannestag. In früheren Zeiten sprach und schrieb man in Riga Johanni; auch jetzt spricht man fast durchweg Johanni st. Johannestag, man schreibt aber: Johannis. Von Michäli 1619 bis Johanni 16 0, 349. XXI. 3.; von Johanni 1620 bis Johanni 1621, ebda. — Johanni bildet einen wichtigen Zeitabschnitt des Jahres von derselben Bedeutung wie Weihnachten. Man spricht: vor, zu, um, bis, nach Johanni; vor Johanni, behaupten Landwirte, kann es alle Tage regnen. — Früher sprach man: auf Johanni und auf Michäli, 248. Dies auf ist jetzt ungebräuchlich.

Masing 1926b, 40
Johanni „Fest Joh. des Täufers am 24. Juni“ (mnd. St. Joh. to lichten, to middensomere; Frischbier I, 317 Johann).

Grosberg 1942, 106f., 118ff.
[Johanni, Johannisabend] Mitten in die Heuzeit fällt das livländische Fest der Blumen, Kräuter und Gesänge - Johanni. Zu diesem Feste werden umfassende Vorbereitungen getroffen, .. ist doch Johanni das Fest der Feste in Alt-Livland. [Das Brauchtum wird in den nächsten Seiten eingehend geschildert.]

Habicht 1956, 291
Johanni, zu Beginn der Heuzeit

Johannisbruder der

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 564
Johannisbruder. Solche lustige Johannisbrüder, die Johannis feuern, sagt Lange; er gibt das Wort wieder mit lett. jahna behrni, Johanniskinder.

Johannisgilde die
‣ Varianten: Johannesgilde

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 564
Johannis- u. Johannesgilde in Riga, die sog. kleine oder Handwerkergilde. Von den Gildestuben Rigas war in der alten Zeit die kleine dem Johannes, die große der Maria geweiht oder hatten wenigstens Johannes und Maria zu ihren Schutzpatronen; vielleicht befanden sich daselbst Kapellen auf den Namen derselben. Schragen der St. Johannisgilde zu Riga, 23l.

Johanniskind das
‣ Varianten: Johannikind

QUELLEN

Bergmann 1785, 33
Johannskinder, sind Junge Landleute die mit Blumen umkränzet in der Johannis Nacht sich zu vergnügen pflegen.

Hupel 1795a, 101
Johanniskinder heißen in Lettland die jungen Bauersleute welche in der Johannisnacht mit Blumen umgränzt sich zu vergnügen pflegen. In einigen Gegenden wird alsdann um ein Feuer getanzt, oder eine leere Theertonne auf eine Stange gesezt und angezündet, welches man ein Johannisfeuer nennt.

Gutzeit 1889b, 565
Johanniskind. Johanniskinder. Johannskinder bei Bergmann, heißen in Lettland die jungen Bauerleute, welche in der Johannisnacht mit Blumen umkränzt sich zu vergnügen pflegen, Bergmann; in einigen Gegenden, fügt Hupel hinzu, wird alsdann um ein Feuer getanzt, oder eine leere Theertonne auf eine Stange gesetzt und angezündet, welches man ein Johannisfeuer nennt. — Wahrscheinlich eine Wiedergabe des lett. jahna behrni.

Kirchenstand der

QUELLEN

Gutzeit 1874, 37
Kirchenstand, der, Stand, fester Platz in einer Kirche. Die Stadt Worms erhielt (in Dorpat) einen K., 180. III. 2. 652; Niemanden einen K. vergönnen, 180. IV. 1. 93. vgl. Grimms Wtb. Einen K. anordnen, zum Besten einer Sammlung, 172, 1799. b. 12.

Gutzeit 1892b
Kirchenstand, der, Kirchencollecte. Gesuchum einen K. für eine durch Feuer zerstörte Stadt, Publica v. 1682; für die Johannis-, für die Petrikirche; für einen bekehrten Juden, ebda. — Die im Wörterschatz gegebenen Belege sind alle in dieser Bedeutung aufzufassen.

Kirchgemeinen

QUELLEN

Sallmann 1880, 124
Kirchgemeinen. Dieselben werden, wenigstens in der Stadt, ohne Zusetzung einer Partikel nach den betr. Kirchen genannt: Domgemeine, St. Nicolai-, St. Olai-, Karls-, St. Johannis-, St Michaelisgemeine.

Kleestoppel

QUELLEN

Gutzeit 1874, 18
Kleestoppel. Kleestoppeln, besonders zweijährige, sind vor dem Saatjahre zu stürzen, 168. 28; die um Johannis gebrochene Kleestoppel, 224. 1825. 18. Statt Kleestoppelfeld.

Konsistorialbezirke

QUELLEN

BKG 1832, 110f.
Konsistorialbezirke: [Schema!] im 17. Jh. schon: Einteilung der Bezirke in Propstbezirke oder Sprengel.
1914 Kurland - Livland - Estland
1890 Kurland - Oesel + Riga + Livland - Reval-Estland - Petersburg
(1832) 1795: Kurland - Oesel + Riga + Livland - Reval - Estland - Narva

BKG 1832, 119
Konsistorialbezirke (Estland) 19. Jh.
45 Kirchspiele Kons.: Domkirche Reval, Sprengel Ost-Harrien = 6 Kirchspiele; Sprengel West-Harrien = 5 Kirchspiele; Sprengel Allentacken = 4 Kirchspiele; Sprengel Wierland = 6 Kirchspiele; Sprengel Jerwen = 7 Kirchspiele; Sprengel Land-Wiek = 5 Kirchspiele; Sprengel Strand-Wiek = 6 Kirchspiele; Sprengel Insular-Wiek = 5 Kirchspiele.

BKG 1832, 119f.
Konsistorialbezirke (Kurland) 19. Jh.
99 Kirchspiele bzw. Gemeinde. Kons.: 4 in Mitau; Sprengel Selburg = 15 Kirchspiele; Sprengel Bauske = 14 Kirchspiele; Sprengel Doblen = 16 Kirchspiele; Sprengel Goldingen = 13 Kirchspiele; Sprengel Pilten = 14 Kirchspiele; Sprengel Grobin (?)= 14 Kirchspiele; Sprengel Kandau = 9 Kirchspiele.
auch evang. Gemeinde in Litauen, Weißrußland, Poln. Livland

BKG 1832, 119
Konsistorialbezirke (Livland) 19. Jh.
107 Kirchspiele Kons.: St. Jakobi / Riga, Universitätskirche/Dorpat; St. Johannis / Dorpat; St. Nicolai / Pernau; Sprengel Riga = 18 Kirchspiele; Sprengel Wolmar = 13 Kirchspiele; Sprengel Wenden = 17 Kirchspiele; Sprengel Walk = 12 Kirchspiele; Sprengel Dorpat = 8 Kirchspiele; Sprengel Werro = 17 Kirchspiele; Sprengel Pernau = 9 Kirchspiele; Sprengel Fellin = 9 Kirchspiele.

BKG 1832, 120
Konsistorialbezirke (Oesel, Reval, Riga) 19. Jh.
Oesel = 14 Kirchspiele; Riga = 9 Kirchspiele (davon 4 im Patrimonialgebiet); Reval = 5 Gemeinde.

Korn das
‣ Varianten: Kornus

QUELLEN

Bergmann 1785, 39
Korn, gebraucht man oft fälschlich für Getreide.

Hupel 1795a, 123
Korn, das, wird oft st. Getraide gesagt. Ein Loof jeglichen Korns heißt 1 Loof Roggen, eben so viel Gerste und Haber. Aber durch Korn blos den Roggen zu bezeochnen, ist hier ungewöhnlich. Inzwischen sagt Bergm. man gebrauche Korn oft fälschlich für Getraide.

Krüger 1832, 335
10) Auch folgende Versehen sind gar nicht selten in den feineren Cirkeln: ebend, Zwirnd, balde, herummer, gereiner, blesirt (statt blessirt), sich parade machen (statt parat machen), Storchenschnabel, Seilentänzer, sich erkündigen (statt erkundigen), Finger (an den Füßen, statt zehe), sich befreuen (statt erfreuen), sich belassen (statt überlassen), Kirschkörner (statt Kerne) u. dgl.

Gutzeit 1874, 79
Korn, das, 1) der gewönl. Ausdruck für Getreide, nicht aber für Roggen allein, Bergmann und Hupel. Ein Lof jeglichen Korns heißt: ein Lof Roggen, ebensoviel Hafer u. Gerste, Hupel. Vier Korn über die Sat, das fünfte Korn (ärnten). Die Letten reinigen häufiger als die Esten das Korn mittelst Wurfschaufeln von der Spreu, 190. 87; auf Reddeln oder Richter ist am Besten das Korn auszuschlagen, 329. 34. Abschur (Abscheuer), daß man aufs wenigste eine Rige Korn unterführen könne, 328. 91. Korn für Getreide, schon in 349. XV. 1. J. 1623. —
2) der Same verschiedener Früchte, st. Kern. So : Apfelkorn, Birnkorn, Kirschkorn, Johannis- u. Stachelberkorn; st. Pflaumenkorn gew. Pflaumenstein, dessen Inneres Kern, ebenso wie bei Kirschen, Abrikosen u. Pfirsichen, vgl. Grimms Wtb. 1.d. Wie wir Korn st. Kern sprechen, heißt in Süddeutschland Kern st. Korn, Getraide. Oft der Korn st. das Korn (Samenkorn). — In der Vz.: Apfelkörner, Kirschkörner. —
3) an den Pferdezähnen. Bei einem Krippenbeißer ist das Korn an den Förderzähnen allezeit abgeschlissen. Gadebusch (325). —
4) Kornbranntwein. In Grimms Wtb. nach Freytag (Soll und Haben). Hier seit Langem gew. Im Scherz auch: Kornus(spr. Kórr-nuss). Cornus, gemeiner Brantwein, 324; „Kornus“, baltische vulgär-humoristische Bezeichnung für Branntwein, 370. II. 3. 130.

Gutzeit 1889a, 43
Korn, allgemein übliche Bezeichnung der Vielfältigkeit in Feldfruchtärnten. Vom Sommerroggen verspricht der Verfasser das 12te Korn, 176. 1833. 162, d h. das Zwölffache der Einsat oder zwölffaltige Frucht. — Sagen Sie mir lieber, wieviel Korn haben Sie vom Sommergetreide? — „Sechs Hafer, fünf Gerste,“ Balt. Novell. I. 48, d. h. das Sechs-, das Fünffache der Einsat. Die Ernte so schlecht, dass ich nicht einmal das Korn zurückbekam, d. h. das Satkorn, das Ausgesäete, es wurde vom (an) Hafer das fünfte Korn (oder fünf Korn) geärntet, russ. овёсъ родился самъ пять.

Seemann von Jesersky 1913, 138
Korn(us) o. Kornbrantwein.

Kobolt 1990, 156
Korn n Kleinigkeit, Bißchen, z.B.: Hast du etwas bekommen? - Kein Korn!
Br.Wb. Koorn, z.B.: Nig een Koorn, in der Bedeutung: Nicht das allergeringste; pomm. Koorn die kleinsten Teile, z.B.: Nig een Koorn, in der Bedeutung: Nicht das geringste.
Das Wort ist nur aus Pernau bekannt.

Krone

QUELLEN

Hupel 1795a, 129
Krone, die, heißt oft der Beherrscher, dessen Angelegenheiten u.d.g. daher Kronsgut, Krons-Hen.

Gutzeit 1874, 98
Krone. 1) Stat, Staatsverwaltung, Reichsschatz. In Zusammensetzungen stets Krons, nie Kron! Das letztere ist hier und da von einigen richtiger sprechen wollenden benutzt worden, obgleich Krons vollkommen berechtigt ist und bei uns zugleich eine etwaige Verwechselung mit Kron (von Waren) verhütet. Wir unterscheiden nämlich: Kronbalken und Kronsbalken; jene sind Balken vorzüglichster Gattung, diese der hohen Krone gehörige; Kronflachs und Kronsflachs, Krongut und Kronssgut, Kronasche und Kronsasche u. s. w. — Oft: hohe Krone. Ein der hohen Krone schuldiges Baudarlehn, 172. 1788. 194. Wir bezahlen an die Krone unsere Schuß- und Balkengelder in dieser eingebildeten Münze, 182. II. Die Krone darf nichts verlieren, der Reichsschatz, russ. Kasna. Mit einer Forderung gegen die Krone auftreten. —
2) Das Zeichen einer Krone bezeichnet die Ware als vorzüglichste, als Krone oder Kron. In Pernau bezeichnet bei Häringen P und das Zeichen einer Krone: Kron; WP und ein Kreuz bezeichnet die Wracken; WW mit beigefügtem P die Wrackswracken, 172. 1778. 218. Als Wrakzeichen wird (in Riga) auf den Tonnen der Kronheringe eine Krone eingebrannt.
Daher 3) vorzüglichste Ware, Kron oder Kronware. Ein Stück Holz für eine Crohne erkennen, 99. Drei Schock Faßholz Kronen, 172. 1778. 66; Eichenholzstücke als Krohnen wraacken, 100. Brussen Kronen und Wracken, 172. 1794. 357. — Die Häringe nach Crohnen, Wracken und Wrackswracken sortiren, 106; Häringe, es mögen Kronen, Wracken u. Wrackswracken sein, 276. Von Asche, für doppelt Schlüssel oder Crohne erkennen, 109. Bei allen Pottaschen, die für Crohnen gewrackt sind, 169. —
4) Die sog. Kronen auf dem Krautmarkt werden von hier sog. Hauslaub gemacht, Wendt in 174. 1841. 210. —
5) als Brautkrone bei den Protestanten unbekannt; statt derselben wie in Norddeutschland ein Brautkranz. Bei den Russen trägt die Braut einen Brautkranz mit Orangenblüten (nicht Myrthen!), und werden in der Kirche bei der Trauung 2 der Kirche gehörende und dort aufbewahrte Kronen (russ. Wenétz) benutzt, welche von den Marschallen über den Häuptern der Brautleute gehalten, dann für einige Augenblicke aufgesetzt werden, — was der Kopfputz der Braut aber niemals eigentlich gestattet. —
6) ehemals: Kronleuchter, in Kirchen, vgl. Lichtkrone u. Krongießer. In der Kirche fand sich eine Krone von Messing, 406; hiervon ist eine Krone zu S. Johannis Kirchen gemachet, ebda. J. 1582; Tabor schenkte 1697 der Johanniskirche in Dorpat eine Krone, die in Stockholm verfertiget worden, 180. III. 2. 783. Im Inhaltsverzeichnisse zu 180 als Kirchenkrone aufgeführt. Vor dem hilligen Crutze dar unse Krone hengett, 379. I. 4. 384. —
7) auf der Krone des Schweifes (von einem Hunde) einen weißen Fleck haben, 172. 1765. 398. —
8) Einem eins auf die Krone geben, f. Kopf. Gew. Zu Grimms Wtb. Sp. 2378. 7)

Sallmann 1880, 69
Krone, die hohe Krone Bezeichnung für die Staatsregierung. Die hiervon abgeleiteten Zusammensetzungen haben s als Zwischenlaut. Sie sind außerordentlich zahlreich. Es gibt Kronsabgaben, -ämter, -arrenden, -bauern, -beamten, -christen die ihr kirchliches Verhalten nach den ausgesprochenen oder stillen Wünschen der Machthaber richten,-dienste, -eigentum, -feiertage, -feste, -gelder, -güter, -holz, -gymnasien, -kassen, -kleider (der Zögling eines weibl. Instituts in Petersburg antwortete einer hochgestellten fürstlichen Persönlichkeit, die sich wegen Abtreten seiner Schleppe entschuldigte: „Schadet nichts, Kais. Hoheit, es ist ein Kronskleid“, -kosten „er reist auf Kr."), -pastorate, -ruderer, -schulen, -Studenten die auf Staatskosten studieren. Man würde in Deutschland sagen „Staatsämter, Staatsbeamten, Staatsbehörden etc.“

Gutzeit 1889a, 48
Krone. Einem durch die K. faren, ihn tüchtig vornemen, durch den Sinn faren, ihm starke Vorwürfe machen.
Die schwedische Krone, s. Licent. —
In d. Bed. von Kronleuchter. Ene Krone myt eynem Marien bilde in der sunnen, mydden in der karken hengende, myt soven lichten, 466. III. 41. J. 1506;to boluchtende de krone in der graven broder kerken hengende, ebda 161. J. 1510.

HWbGA 1936, 202
Krone '[kaiserl. od. kgl.] Regierung' altes dt. Erbstück im Bd.

Kobolt 1990, 162
Krone f zaristische Regierung, russischer Staat
nhd. Krone Regierung

Kobolt 1990, 162
Krone f Münze der Republik Estland, einer deutschen Mark vergleichbar
mnd. krone eine Münze; nhd. Krone Münzeinheit; auch dän., isländ., norw., schwed., tschech.


QUELLEN (Informanten)
Lange, Harald: Riga, Südlivland
die Krone die Staatsgewalt, Staatsbesitz
Das gehört der Krone.

Krongießer der
‣ Varianten: Kronengießer

QUELLEN

Gutzeit 1874, 99
Krongießer. In Riga bestand ein Amt der Kupfer- u. Messerschmiede, Schwertfeger und Krongießer, deren Schrägen von 1688 ist. vgl. 236. Dem Krohngießer die Sprühen anbetrauen, 90. J. 1698. Aus dieser berechneten Weite und der gefundenen Stücke Dickte hat der Krohngießer herausgefunden, daß die Glocken gewogen haben müssen Schiffpfund... , 174. 1871. S. 29, aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. Hat dem Kronengießer (dem Kronen getter) gegeben für de Kronne (Kronleuchter) zu gießen, die in S. Johannis Kirchen hänget, 20 Thaler, 406. K. 1583. Erklärung, daß ich nicht Glockengießer, sondern „Kron- u. Glockengießermeister“ bin; die Krongießerei schließt schon an sich die Gürtlerei ein, rig. Ztg. 1873.

Sallmann 1880, 124
Krongießer Glockengießer, eig. der die Kronleuchter gießt.

Gutzeit 1889a, 48
Kronengießer. Wenn er aber ein Kranengießer, der fall gießen einen Leuchter Armb, den man an eine Wandt gebraucht, und einen teßmerser, zum Dritten einen gropen, und das diese drey Stucke unsträflich erfunden worden, 256. J. 1683. Ebenda: Krongießer.
Krongießer. Gerdt Meyer Crongießer, 477. 125; Jochim Walter Krongießer, ebda 131.

Lichtkrone die

QUELLEN

Gutzeit 1882, 170
Lichtkrone. Zu St. Johannis eine Lichtkron heruntergeworfen, 334. IV: Kronleuchter.

Rechtstage

QUELLEN

Sallmann 1880, 70
offenbares Meer - offene See

Gutzeit 1887a, 16
Rechtstag, offenbarer, öffentliche Rechtstagssitzung, des Rigaschen Rats. Der Auflaß oder Auftrag eines Immobils darf nur an einem der sog. offenbaren Rechtstage stattfinden, welche eigens zu diesem Zweck in Riga viermal jährlich, vor Weihnachten, Ostern, Johannis u. Michaelis, an drei auf einander folgenden Freitagen, bei offenen Gerichtstüren gehalten werden und ein Überbleibsel der alten ungebotenen Gerichte sind, 154. I. 254. Ganz verschieden von den offenbaren Gerichtstagen des Vogteigerichts. Die Benennung kommt zum ersten Mal im rig. Landbuche (s. ds.) beim J. 1612 vor; in der Procuratoren-Ordnung v. 1598 werden sie die auf Quartalen gehaltenen öffentlichen Gerichte genannt; früher noch heißen sie offene Rechtstage, apen rechtdage beim J. 1498. vgl. L. Napiersky in d. rig. Erbebüchern. Seit Mitte 1879 finden statt der bis zu dieser Zeit 12 Mal im Jahr stattgehabten Rechtstage, wegen übermäßiger Häufung der Geschäfte, die offenbaren Rechtstage statt allwöchentlich an jedem Freitage.

Gutzeit 1887b, 307
offenbare Rechtstage, beim rig. Rat, öffentliche, bei offenen Türen, wo der Eintritt Jedermann freisteht. Sie finden 4 Mal jährlich statt, vor Weihnachten, Ostern, Johanni und Michaeli, an 3 aufeinander folgenden Freitagen, „bei offenen Gerichtstüren; sie sind ein Überbleibsel der alten ungebotenen Gerichte, vgl. 154. I. 254. Seit 1881 werden Besitzlichkeiten nicht mehr an den offenbaren Rechtslagen, sondern, wie es in den Bekanntmachungen heißt, in öffentlicher Rechtstagssitzung des Raths aufgetragen. — Offenbarer Notarius, st. öffentlicher, 240.

Strickbeere

QUELLEN

Frische 1766, 221
Strickbeere, welches die Liefländer Strikbeere aussprechen.

Lange 1772-1777, I/305
Strickbeere Heidebeern, in Liefl. Strickbeern genannt.e

Hupel 1774-1782, II/514
Strickbeere, Vaccinum maxim. Vitis idaea, lett. Bruhklenes, ehstn. Poolkad, Pohlakad, dörptsch Pallako marjad, wächst in sandigen Wäldern auf einem den Buchsbaum ähnlichen Strauche, mit etwas länglichen Blättern. Wir haben 2 Arten: 1) die mit kleinen Beeren, welche man isset und zu Muhß kocht; 2) die mit größeren Beeren, deren Strauch auch etwas größer wächst, diese werden nicht genossen, Schweine sollen sie gern fressen...

Fischer 1778, 223
Strickbeere, Preiselbeere. Vaccinum Vitis Idea

Hupel 1795a, 230
Strickbeere, die, st. Preußelbeere (Vaccinum vitis idea) Lange sagt Heidebeere. Gemeiniglich wird sie Strihkbeere ausgesprochen.

Nemnich 1795, II/1540
Strickbeere

Pistohlkors 1797, 181
Strickbeere Vaccinum Vitis Idaea, die Preußelbeere; liefl. Strickbeere

Wehren 1812, 5
Strickbeere Strickbirn Mooß

Possart 1846, 182
Strickbeere, d.h. Preißelbeere.

Gutzeit 1859, 94, 155
die Strickberen bähnen in einem gehörig warmen Ofen eine Nacht hindurch und heißen dann gebackene.
Bruckling [zitiert Fischer]: Gallerte von Johannis- oder Strickberen.

Mitauisches Kochbuch 1876, XIII
Strickbeere Preisselbeere

Sallmann 1880, 28, 41, 116
Strickbeere
Strīkbeere Preiselbeere, Vaccinum Vitis Idaea.
Strīkbeere Preißel- oder Kronsbeere (Vaccinum Vitis Idaea).

Klinge 1882, 358
Strickbeere Preisselbeere, bei uns Strickbeere Vaccinum Vitis idaea

Gutzeit 1886, 103, 187
die Strickbeeren müsseneine Nacht im warmen Ofen bähnen.
Bruklingbere, Strickbere. Noch jetzt in vielen Familien ein geläufiger Ausdruck. Die Ableitung von Bruch ist unwahrscheinlich, die von lett. bruhklenes nicht zu bestreiten. Russisch брусника. Bruk gewönlich gesprochen wie Bruck.

Gutzeit 1887b, 389
Preiselbere, stets Preißelbere gesprochen, doch ungebräuchlich u. dafür Strickbere.

Kupffer 1911, 308

Seemann von Jesersky 1913, 176
Strickbeere Vaccinum Vitis Idaea, rote Heidelbeere, Preißelbeere, .

Masing 1926b, 43
Strickbeere „Preisselbeere, Vaccinium vitis idaea“ (zu mnd. striken „streichen“. Hupel, S. 230: „Gemeiniglich wird sie Strihkbeere ausgesprochen.“ In manchen Gegenden Deutschlands werden noch gegenwärtig die Schwarzbeeren (Heidelbeeren, Vaccinium myrtillus) nicht mit der Hand einzeln abgelesen, sondern mit einem hölzernen Kamm abgestreift, abgestrichen).

Taube 1944, 86
Strickbeeren

Graf 1958, 9
Eine in deutschen Gauen fast unbekannte Beere ist die Moosbeere, balt. Kransbeere, d.h. Kranichbeere. In Mecklenburg, Hannover, Braunschweig heiße die Preiselbeere Kronsbeere, die wiederum balt. Strickbeere heißt.

Pantenius 1959, 34
Strickbeeren (Mehrzahl) Preisselbeeren

Schönfeldt 1960, 11
Strickbeere Vaccinum vitis idaea, Preißelbeere. Zuerst weiße, dann scharlachrote, glänzende, kugelige Beere, herbsaurer Geschmack, mehlig. Mnd. strīken - streichen; die Beeren wurden nicht einzeln mit der Hand abgelesen, sondern mit einem hölzernen Kamm „abgestrichen“. Hupel und Sallmann betonen die Aussprache „Strīk“.

Vegesack 1963, 175
Strickbeere Preisselbeere

Sass 1963, 32
Heute ist Taufe. Haustaufe, natürlich, wie üblich.
Draußen sind die Vorbereitungen zum Empfang des Pastors und der auswärtigen Gäste beendet: die Haustür mit Girlanden aus blankem Strickbeerkraut und blühendem Jasmin umwunden, der Hof leergefegt, die Wege bis hinunter zur Birkenallee frisch geharkt. Selbst der Düngerhaufen hinterm Stall gibt sich festlich gepreßt in wohltuender Symmetrie.

Kentmann 1978, 69, 66, 239
Strickbeeren Preißelbeeren
Strickbeermus Preißelbeermus
Strickbeere Preiselbeere

Uustalu 1982, 155
[zitiert Gubert, 17. Jh.] Im vollen Monde Streich-Beeren sammlen (28); mnd. strīkbeere 'Preisselbeere' (Schl.-L.) Strickbeere war im Baltisch-Deutschen noch im 19. Jh. gebräuchlich. Im Text ist k zu h „verschoben“, wie das sonst mit dem nd. k infolge der II. Lautverschiebung im Hd. geschehen war. Die Entwicklung i › ei war im Frnhd. allgemein.

Nottbeck 1987, 88
Strickbeere - Preisselbeere / E.K.L.R.
Zum Hasenbraten gab es Strickbeersalat.

Kobolt 1990, 263
Strickbeere f Preiselbeere, Rußwurm: Strikbeere, 1648 bei Gutslaff: Streichbeer
mnd. striken in gerader Linie leicht fortbewegen; plattd. striken streichen; schwed. stryka; mnd. striken streichen, abstreifen.
Noch um 1930 wurden die Beeren stellenweise nicht gepflückt, sondern mit einem groben Kamm abgestreift.


QUELLEN (Informanten)
Hoheisel, Hedwig: Libau, Mitau; Meyer, Rudolf: Riga
Strickbeere, die, Strichbeere - Preißelbeere WL 1,18

Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland
(bekannt)

Tode, (Jo)hanna: Riga; Weiss, Lis-Marie: Reval
Strickbeere - Preiselbeere (allgemein)

Vietinghoff-Scheel, Robert von: Groß-Jungfernhof Kreis Riga
Strickbeere (baltisch) Preiselbeere (hochdeutsch)


Strickbeere Preißelbeere Bauske, Wolmar

Woche die

DAZU:
Schwarze Woche (id)

QUELLEN

Hupel 1795a, 267
Wochen hört man häufig st. Wochenbette. - Aus der Landwirthschaft ist eine besondere Wochen-Zählung anzumerken, nemlich sie geschicht von Johannis rückwärts gegen Georgen-Tag, so daß die Georgen-Woche die 9te aber die Johannis-Woche die erste heißt. Daher sagt man z.B. er hat den Haber in der 6sten, und die Gerste in der 5ten Woche gesäet, nemlich vor Johannis-Tag. Dies ist die gewöhnlichste Art. Andere zählen von Jacobi rückwärts, oder noch auf andere Art.

Hupel 1795b, 234
Woche Des Wochs hört man oft st. wöchentlich, z.B. er geht des Wochs einmal in die Badstube.

Sallmann 1880, 132
in die Wochen kommen, in den Wochen sein von der Niederkunft einer Wöchnerin.

Sass 1963, 61
... die wadenlosen Beine in dunkelbraunen längs gerippten Strümpfen, die Füße in derben Halbschuhen immer etwas einwärts gestellt. Sie ist gerade „Woche“ und hat für Ordnung zu sorgen.Sie darf vorn vor der Klasse stehen, während wir anderen in den Bänken hocken und still sein sollen.


QUELLEN (Informanten)
Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland; Tode, (Jo)hanna: Riga
[zu Sallmann] unbekannt


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