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allgemein Adj
1. 'der Gemeinschaft zugehörig' et ühine, ühis-
Rödung hauen und in (auf) allgemeinem Walde brennen
im allgemeinen Walde Sägestöcke hauen
allgemeine Heiden
2. et üldine
Allgemeinbefinden
Allgemeinzustand
Allgemeinleiden

QUELLEN

Gutzeit 1859, 29
allgemein, der Gemeinheit zugehörig. In diesem Sinne 185: Rodung hauen und in (auf) allgemeinem Walde brennen, S. 502; im allgemeinen Walde Sägestöcke hauen, S. 506; allgemeine Heiden, 193. 11. 325, nach Buddenbrock: der Gemeinheit zugehörige, von Wald entblößte Ländereien.

Gutzeit 1886, 29
allgemein bildet mit verschiedenen Hauptwörtern ganz gewönliche Verbindungen, dem general bei anderen Hauptwörtern entsprechend. Man hat Allgemeinbefinden, Allgemeinzustand, Allgemeinleiden u.a., st. allgemeines Befinden, allgemeiner Zustand u.s.w.

aufmuken V [h]
‣ Varianten: aufmucken, aufmunken
{ndd.; russ. зaмыкать 'mit dem Schlüssel öffnen'}
Vt 'mit dem Mukschlüssel, Dietrich, öffnen' de aufsperren; et lahti murdma, lahti muukima
die Schlösser [...] können nicht aufgemukt werden
vgl muken

QUELLEN

Gutzeit 1859, 59
aufmuken ein Schloss mit einem Mukschlüssel öffnen, gleichviel ob dies durch einen Dieb oder Schlösser geschieht. Ein Zimmer aufmucken, 172. 1799. 75. Schon von Gadebusch (151) angef., ebenso wie das folgende.

Sallmann 1880, 28
aufmuken mit dem Mukschlüssel, Dietrich, öffnen

Gutzeit 1886, 68
aufmuken ein Thürschloss. Eine Anmerkung in 175. 1858. XII. 202 sagt: „richtiger aufmunken; daher auch nicht Muk- sondern Munkschlüssel, d.h. Mönchsschlüssel. Denn die Mönche galten den neubekehrten Christen so gut wie die Heiden für Zauberer.“ Diese Ableitung von Munk Mönch ist ein Irrtum. Denn offenbar ist das Wort eins mit dem russ. мыкать, das in зaмыкать, mit dem Schlüssel öffnen, gewönlich ist. - Auch in Reval nach 390c. 86. - In Riga bei den Schlossern jetzt verdrängt durch aufsperren.

Eckhardt 1896, 31
aufmuken mit dem Dietrich öffnen. nur Baltikum

Kobolt 1990, 47
aufmuken schw. V. mit einem Nachschlüssel öffnen; s. muken

Goj

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 122
Goj 'Volk' Hebräisch Plur. gojim = Völker, Fremdstämmige, Heiden.

herbabbeln V [h]

[...] einen getauften Heiden, der [...] das auswendig gelernte Credo hergebabbelt hat
vgl babbeln

Malewa die
‣ Varianten: Malwa

QUELLEN

Gutzeit 1882, 204f.
Malva oder Malewa, die. Zuerst in Heinrich von Lettland beim 1. 1205: als man diese Gerüchte hörte, ward die gesamte Malewa froh (IX. 3); und wie etliche riefen, daß die Malewa folge (XIX. 9); und es folgten die Esten in großer Malewa und wollten sie (die auf dem Rückzuge Befindlichen) im Rücken angreifen (XX. 2); und liefen alle zu den Waffen und schrieen, daß eine große Malewa der Heiden wider uns komme (XXIII. 7). In diesen 4 Stellen Heinrichs von L. ist die Bedeutung dieselbe und unzweifelhaft: Kriegs- oder Heerhaufe. — In späteren Zeugnissen bezeichnet Malewa einen Kriegszug. So in Urk. von 1288; (Urkbuch III. 86): quod homines Nostri . . . parazi erunt ad expeditiones et malvas exercendos, quae vulgo reise, herevarde et malowe appellantur. Und ebenso in einer Menge andrer Urkunden: prout Estones ... in Malvam et in expeditionem sequentur (J. 1346); de malvia tenenda (J. 1348); pro expeditionibus et malweis faciendis obligati (J. 1350). — Die in den latein. Texten begegnende Ausdrucksweiae malvam tenere wiederholt sich, obgleich den Sinn des Wortes verdunkelnd, bei unseren deutschen Geschichtschreibern. So bei Arndt (179. II. 220): der rositensche Vogt ward mit einigen Völkern befehligt, die Malve zu halten. Gadebusch (325) bemerkt dazu: „Malve oder Malewa bedeutet ein Heer. „Arndt (179) I. 40. 121. 122 und 150; Wieland juristisches Handbuch S. 714 in den Wörtern Malberg und Mallus, Halthaus im Worte Mal. — Ebenso in 352. XXXV. 75. Verh. zu Wolmar 1558: zu Roß und zu Fuß sich aufmachen, an einen geeigneten Ort zur Malve kommen und die Grenze bewachen. Brotze erklärt: Malve, expeditio bellica; und ebda. 86: indeß muß man die Malve an den Orten halten, wo es sich gebüret.
Zutreffend erklärt Bunge (399. IV) Malva, Malve, Malvea, Malvia, Malowe und Malawe mit 1) Heerhaufen, Kriegsheer, und nicht zutreffend mit 2) entsprechend dem alten Reise, expeditio, in der doppelten Bedeutung als Heeresfolge (Kriegsdienst) und Kriegsdienstpflichtigkeit.
Die unsichere Auffassung, des fremden, unverstandenen Wortes, die Ähnlichkeit von dessen erster Hälfte mit dem deutschen Mal in Malstatt und ebenso mit ahd. Maliga und Malie Schlachtfeld, scheint bei unseren Geschichtschreibern die Bed. des Wortes diesen deutschen Wörtern genähert zu haben. Denn in denjenigen Zeugnissen, welche von aufgebotenen Kriegern sprechen, welche „an einen geigneten Ort zur Malve kommen sollen“, wird man lebhaft errinnert an Malstatt: festgesetzte Stelle zu einer Versammlung, zu einem Treffen.
Über den Ursprung dieses nicht deutschen Wortes sind verschiedene Deutungen verlautbart. E. Pabst hat in s. Ausgabe Heinrichs von L. in Malewa ein altestnisches Wort vermutet, Leo Meyer in einem am 17. Jan. 1876 in d. gel. estn. Ges. gehaltenen Vortrag, auf Grund einer Angabe des Dr. Weste, ein wirklich estnisches Wort gesehen, „da es auch in einem alten Werroschen Volksliede, einem Kriegsliede, erhalten ist“. Ein Schluss, wie der zwischen den Anführungszeichen, könnte auch erlauben, das Wort für ein lateinisches auszugeben, da es in lateinischen Texten vorkommt. Es findet sich aber in der ganzen estnischen Sprache kein einziges Wort, welches, ohne Gewaltthätigkeit, in Laut und Bedeutung mit Malewa zusammengebracht werden könnte. Auch ist nicht zu übersehen, dass Malewa einweibliches Hauptwort ist. Dieser Umstand,ebenso wie lautliche vollkommene Übereinstimmung, könnte dazu veranlassen,in Malewa oder Malwa russ. Молва, zusehen, welches altslaw. (млъва) Tumult, im alten Russich aber Aufruhr, Aufstand (Erhebung der Volksmasse) bezeichnet. Doch wie käme ein russisches Wort zu Heinrich von Lettland? Die livische Sprache gibt für das Wort nicht den mindesten Anhalt.

Gutzeit 1894, 26
Malewa. Im Wörterschatz II. 205 ist dies Wort zurückgefürt auf slaw. млъва (russ. молва) und die Frage gestellt, wie ein russisches Wort zu Heinrich dem Letten gekommen sei? Die Antwort dürfte in demselben Umstände zu finden sein, aus welchem die lettischen Ausdrücke Pagasts und Pastal hervorgegangen sind, d. h. wie diese Wörter nicht aus dem Russischen, sondern als selbständige Bildungen des mit dem Slawischen nahe verwandten Lettisch. Diese Anname kann noch eine Stütze finden in der Bedeutung, welche von der des russischen молва abweicht, derjenigen des slaw. млъва dagegen sich sehr nähert.

Kiparsky 1936, 54f.
malewa, malwa, malvia, malve, malvea, malawe, malowe f. 'Heerhaufen, Kriegsheer', auch 'Heerfahrt' ‹ estn. maleva, malv 'Heer' (das erstere aus alten Quellen wiederbelebt, das letztere nur in der Poesie erhalten). - So OJANSUU Virittäjä 1909, S. 129 f., der das estn. Wort zu finn. *malen, *mālen (vgl. die Ableitung maleksia 'herumschlendern, -streifen') bzw. als maleva*majaeleva zu majaella 'sich aufhalten, Quartier nehmen' stellt. Seiner Ansicht nach ist die erste Zusammenstellung doch ansprechender. Dass das bd. Wort wirklich jedenfalls teilweise aus dem Estn. stammt, unterliegt keinem Zweifel, da an den ältesten Belegstellen (bei HEINRICH VON LETTLAND IX. 3; XIX. 9; XX. 2; XXIII. 7) Esten erwähnt werden: et sequuti sunt Estones in malewa magna ... - Die nächstältesten Belege stammen aber aus Goldingen (J. 1253; UB. I, 1, 220; J. 1290; UB. I, 1, 668) und im 13.-16. Jh. ist das Wort im ganzen Baltikum verbreitet (noch im 18. Jh. gebraucht es ARNDT Liefl. Cht. I, 40 u.a.), so dass man an eine doppelte Entlehnung zu denken geneigt ist. Da das Wort dem Lett. und Liv. vollkommen fehlt und im Estn. nur rudimentär erhalten war (was bei der ehemaligen politischen Abhängigkeit und Wehrlosigkeit dieser Völker nur zu gut begreiflich ist), kann man hier keine bestimmte Behauptung aufstellen, ich glaube aber, dass ein entsprechender Ausdruck im Liv. sicher vorhanden gewesen und von da ins Südbd. eingedrungen war.
Vgl. GUTZEIT II, 204-205 und N94 26, der das bd. Wort mit Unrecht aus dem Russ. bzw. Lett. ableitet.

Arbusow 1951, 148
malewa H. IX 3, XIX 9, XX 2, XXIII 7, 'Heerhaufe, Aufgebot' estnisch, im 13.-16. Jh. im balt. Deutsch.

muken
‣ Varianten: mucken, munken
de aufsperren; et lahti murdma, lahti muukima
‣ Synonyme: aufmuken

QUELLEN

Bergmann 1785, 48
muken, aufmuken, f. aufbrechen. Mukschlüssel, der Diebs- oder Nachschlüssel: eigentlich der Hakenschlüssel. [Dietrich ist der Hauptschlüssel passe-par-tout, den der Hauswirt hat.]

Hupel 1795a, 157
muken oder aufmuken ein Schloß, heißt dasselbe ohne den eigentlich Schlüssel losmachen aufbrechen.

Westermann 1887, 387
muken mit dem Nachschlüssel öffnen.

Gutzeit 1887b, 253
mucken. Außer d. gew. Bed. noch zuweilen, doch selten, st. muken. Vielleicht steht hier ck für k.

Gutzeit 1887b, 254f.
muken, ein Schloss, öffnen durch einen Mukschlüssel, aufsperren (in der neueren Sprache der Schlosser). Bergmann und Hupel erklären ein Schloss muken oder aufmuken, dasselbe ohne den eigentlichen Schlüssel losmachen, aufbrechen. Ein „Aufbrechen“ ist es aber nicht. In 175. 1858. 202 wird behauptet, dass es richtiger wäre, munken und aufmunken zu schreiben. Baumgärtel (445. 15) sagt: lett. muhks Mönch, lit. munkas. Gegen Pott. I. 16, der muhku dselse, muhkeht hiervon ableitet, ist zu bemerken, das seine derartige Bildung des Zeitworts sehr ungewönlich sein würde. Unser muken fällt schwerlich mit Munch (Mönch) od. lett. muhks (Mönch) zusammen, sondern steht in Verwandtschaft mit russ. мыкать, das allein für sich nur in der Bed. von hecheln vorkommt, aber gew. ist in замыкать-замкнуть zu- oder verschließen, замокъ Schloss, und отмыкать-отомкнуть aufschließen. Das lett. muhkeht könnte das russ. мыкать, sein, ist aber wahrscheinlicher das hierortige muken. Hierauf deutet 1) dass muken durch ganz Kur-, Liv- u. Estland vorkommt; 2) dass litauisch das Wort nicht begegnet; 3) dass das lett. muhku dselse zwar an muhkis Mönch anlehnt, doch offenbar nur dem deutschen Handwerksausdruck Muk-Schlüssel nachgebildet ist, russ. отмычка. Unser muken kommt zwar hochd. nicht vor; in muken ist indessen das sonst geschärfte u gedehnt und muken daher nichts anderes als hochd. mucken, welches ebenso wie munken als Grundbedeutung hat ein heimliches und verstecktes Verfaren. Wollte man mucken, muken, munken mit Mönch zusammenbringen, so müsste für Mönch eine Wortbildung Muk od. Muck nachgewiesen werden u. zugleich f. mucken, muken, munken ein Zeitwort manchen, welches die Bed. von muken hätte. Das ist aber nicht möglich, und ebenso wenig, dass hier zu Lande aus Mönch ein Zw. muken sich gebildet haben sollte in der Bed. von ein Schloss aufsperren.

Gutzeit 1887b, 254
munken, aufmunken. Gadebusch (325) verweist auf Frisch im Worte mouchard und auf seine — bisher nicht aufgefundenen — observationes variae X. 561. Das Wort hängt ebenso wenig wie muken-mucken zusammen mit Mönch. Kein deutscher Sprachzweig zeigt eine Wortbildung Munk für Mönch. Munken ist also entweder eine geennte Wortgestalt f. muken, wie z. B. Munke und Münke st. Mücke, oder ein Wort für sich, welches im hd. als munken sehr häufig ist und auf ein heimliches und verstecktes Tun sich bezieht. Als Wort kann ich es, ebenso wie Munker und Munkschlüssel, nur aus Gadebusch belegen.

Kiparsky 1936, 98f.
muken [mūkən], munken [muŋkən] 'mit Hilfe eines Nachschlüssels öffnen, aufbrechen', Muk-, Munkschlüssel 'Nachschlüssel', mukbar 'aufsperrbar'. Vielleicht aus lett. mũķêt 'muken', mũķis 'Mukeisen, Dietrich' und estn. muukima, munkima 'mit dem Nachschlüssel öffnen',muukraud, munkraud 'Dietrich, Nachschlüssel', das zu lett. mũks, mũķis, estn. munk 'Mönch' gehören kann. Die Mönche galten den Neubekehrten Christen und den Heiden für Zauberer. Das seit 1785 belegte Wort kommt in E. L. K. vor. Vgl. BERGMANN 48, GUTZEIT II, 254-255; 259; N.86 68; N.94 27; SALLMANN N. 86.

Kobolt 1990, 184
muken schw. V. ein Schloß mit Nachschlüssel öffnen, aufbrechen.
mnd. munkelen heimlich im Gange sein, tun oder sprechen; Br.Wb. mukken heimlich ausdem Wege räumen; lbg. munkeln heimlich sprechen, geheim tun, geheim oder verdächtig scheinen.

Mukschlüssel
‣ Varianten: Muckschlüssel

QUELLEN

Hupel 1795a, 157
Mukschlüssel, der, heißt 1) der Hakenschlüssel des Schlössers, 2) ein Diebs- oder Nachschlüssel. Gadeb. schreibt Muckschlüssel.

Gutzeit 1887b, 253
Muckschlüssel, Muckschlüssel. Der Dietrich oder Muckschlüssel, 353. 97.

Gutzeit 1887b, 255
Mukschlüssel. Ein Dietrich oder Muckschlüssel, 172. 1795. 56; russ. отмычка, lett. muhkuseri oder muhku dselse. In 175. 1858. 12. 202 wird behauptet: nicht Muk-, sondern Munkschlüssel, d. h. Mönchsschlüssel; denn die Mönche galten den neubekehrten Christen so gut wie den Heiden für Zauberer. Hupel erklärt: 1)Hakenschlüssel des Schlössers; 2) Diebs- oder Flachschlüssel. Der Dietrich ist nach Bergmann der Hauptschlüssel, passe-partout den der Hauswirt hat. — Gadebusch schreibt Muckschlüssel.

Gutzeit 1887b, 259
Munkschlüssel, nach Gadebusch clavis adulterina, in Livland st. Nachschlüssel. Nur aus Gadebusch zu belegen.

Kobolt 1990, 184
Mukschlüssel m Nachschlüssel. s. muken


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