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arg Adj
de ärgerlich, böse, krank; et paha, haige
Er hat einen argen Finger.

QUELLEN

Gutzeit 1886, 57
arg, Arger, ärgern. Auffallender Weise wird im Grimmschen Wtb. nicht auf die Ähnlichkeit in Laut und Bedeutung mit franz. aigre und aigrir hingewiesen, auch nicht auf lat. agrius, griech. αριοζ, lett. aggr u. slaw. jarü (ярый).

Seemann von Jesersky 1913, 102
arg w. ärgerlich, böse, krank. Er hat einen argen Finger.

Berg der
de Hügel

QUELLEN

Hupel 1795a, 21
Berg, der, heißt bey uns jeder Hügel.

Possart 1846, 181
Berg heißt jeder Hügel.

Sallmann 1880, 116
auch von sehr geringen Erhöhungen, y.B. unter dem Berg wird von den Wohnungen in Katharinenthal gesagt, die unter den etwa 50 Fuß hohen Glint liegen. Man braucht die Bezeichnung selbst von Erhöhungen, die sind nicht über 10 Fuß erheben.

Gutzeit 1886, 130
In Livland auch kleinere Anhöhen. - Berg, schlechtweg, wurde ehemals oft der Kubsberg genannt. An ernanntem Tage sich des Ortes auf dem Berge enthalten, 174.1823.297 aus d. J. 1651. - Guts- u. Ortsnamen auf Berg tragen den Ton auf dem ersten Hauptwort. Krónenberg, Freúdenberg, Klíngenberg, Móritzberg, Hágensberg, Tórensberg, u.v.a.
Mit Bergen zusammengesetzte Namen haben d. Ton auf bergen. Hohenbérgen. Wenige. - Blaue Berge heißen mehrere Anhöhen in Kur-, Liv- u. Estland nahe Reval (die „hohen Häupter“) und bei Waiwara: die drei Blauberge, „weil sie dicht mit Bäumen bewaldet sind u. daher von Weitem ein blaues Ansehen haben. Von den Schiffern werden sie „die drei Brüder“ genannt. J.B.Fischer in 376 ... In Livland ist bekannt ein Blauberg im Wolmarschen, welcher noch heute eine abergläubische Verehrung genießen soll; auf Ösel ein Blauberg im Selburgschen Kurlands. Die Bezeichnung blau, vermutlich, wie schon J.B.Fischer angab, von der bläulichen Färbung, welche entfernte u. mit Nadelholz bewachsene Höhen in der Entfernung zeigen. Der Blauberg bei Wolmar heißt lettisch Sillekalns, die blauen Berge im Dondangenschen bei Schliterhof dagegen slihtern-Kalni.

Eckardt 1904, 67
-berg. Der Freigebigkeit der Bewohner des Flachlandes insgemein und unsrer Ostseeprovinzialen insbesondere, jede kleinste Bodenerhebung mit Berg, Kaln und Mäggi zu kennzeichnen, verdanken wir auch eine Reihe von Ortsnamen, die den Uneingeweihten zur Annahme verleiten könnte, unser gutes Riga trage einen alpinen Charakter - fehlt es uns doch nicht an Thorensberg, Hagensberg, den Lämmerbergen, Alexandershöhe, Rothenberg, Griesenberg und unsrem beliebten Basteiberg.


QUELLEN (Informanten)

der Berg - 'Gutshaus'. Ich gehe auf den Berg = 'Ich gehe zum Gutshaus' vom Estn. Kibbijarv / Kr. Dorpat

Borg

QUELLEN

Gutzeit 1859, 142
Ein hier bekanntes, aber nicht sehr gebräuchliches Wort. Auf Borg geben, nehmen, kaufen hört man zwar, aber gewöhnlicher ist: auf Rechnung od. Schuld.

Gutzeit 1886, 162
Auf Borg handeln, entgegen: mit barem Gelde, 349. XV. 5.

-burg

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 210f.
-burg Betonung in Ortsnamen s. Marienburg

Burg die

QUELLEN

Hupel 1795b, 226
Burg heißt oft der Hofraum zwischen Gebäuden, z.B. zwischen den umher stehenden Viehställen; daher sagt man, die Kühe gehen auf oder in der Burg frey herum, d.i. sie stehen nicht in Ställen angebunden.

Hupel 1796, I 171
Burg s. Viehgarten

Gutzeit 1859, 160
Burg Gehöftraum zwischen den Viehställen, Viehgarten. Das Vieh steht des Nachts in der Burg. Die Burg brücken lassen. Hofsviehställe und Burgen, 176. 1833. 34.

Gutzeit 1886, 195
Burg In Dorpat die Bezeichnung mancher von Studenten bewonter Häuser, oder Haus, in dem mehre Studenten gemeinschaftlich wonen. So fürt 324 eine Hetzels (spr. Hezels-) burg u. Bailingsburg an. Einzelne dieser „Burgen“ erben sich fort u. fort in einer und derselben Landmannschaft u. dieselbe Landsmannschaft verschafft immer wieder neue Miether, rig. Ztg. 1861. 153. vgl. 465. 64. Bei anderen Häusern wird dem Namen des Besitzers die Endung ei, - Vogtei, Haus des Herrn Vogt -, nötigen Falls rei hinzugefügt, z.B. in der Struverei (Haus d. ehemal. Prof. Struve) wonen. Guts- und Ortsnamen mit Burg zusammengesetzt haben den Ton durchweg auf Burg: Lemburg, Kreuz-, Düna-, Sel-, Arens-, Ronne-, Schwane-, Salis- u. Jürgensburg- Eine Ausname macht Marienburg, teils Maríen-, teils Márjenburg gesprochen. In des deutschländischen Benennungen auf Burg legen wir dagegen den Ton auf das erste Wort: Láuen- u. Rátze-burg, obgleich man in Deutschland selbst Lauenbúrg hört.

Nottbeck 1987, 24
Burg Behausung mehrerer Studenten / E.K.L.R.
Wir hatten unsere Burg in der Sternstraße.


QUELLEN (Informanten)
Wender, Otto: Kattensack/Wierland, Reval, Dorpat
Burg Studentenbude

Georg

QUELLEN

Gutzeit 1877, 340
Georg. In den meisten Verbindungen hört man Georgen-, und nicht Georgs: der Georgensal im Winterpalais; Georgenfest, Georgenorden; das Georgenhospital in Riga. — Zuweilen auch: Georgens-.

Gutzeit 1877, 340
Georg, George, Georgi, bei den Landwirten der 23. April, der Georgstag. Im vorigen Jahrh. sprach und schrieb man St. Jürgen oder St. Jürgentag; bei Lange: Jürgentag. Der Baumfluß hat vor St. Jürgen wol 14 Tage anticipirt, 350. XVIII. In diesem Jahrh. vorzugsweise Georgi; erst neuerdings oft Georg und George. Die Stelle wird zu Georg frei, Pastor Walter in 361. 1879. 57; von George zu George; das Schießen des Wildes während der Hegezeit, d. h. vom George bis Jakobi, 174. 1821. 167.
Ein in der Landwirtschaft wichtiger Tag. Zu Georgi verlässt der Bauer sein Gesinde, zu Georgi wechselt das Gesinde (die Dienstboten) ihre Stellen; zu Georgi beginnen und enden Pachten und Pachtverträge. Ein Gut zu Georgi empfangen, übernemen u. dgl.

Pantenius 1880, 45
Georgi. „Georgi ums Jab“

Pantenius 1907, 50
Georgi - 23. April

Grosberg 1942, 21 ff.!, 313f,
St. Georgi (vgl. Jakobstag).
St. Georgi, der 23. April, ist einer der wichtigsten Tage im Kreislaufe des ländlichen Lebens, denn an diesem Tge beginnt das ökonomische Jahr; die Kontrakte und Abmachungen laufen in Livland von Georgi zu Georgi. An diesem Tage wechselt, seit in Livland Freizügigkeit besteht, das Gesinde sein Dienstverhältnis, laufen Pachtverträge ab und beginnen neue.

Haar das
‣ Varianten: Har

QUELLEN

Hupel 1795a, 86
Haar. Er hat ein Haar darin gefunden, Sprüchw. heißt er ist dadurch in Schaben, Nachtheil oder Verdruß gerathen. Verschreite Haare st. versengete, rügt Bergmann.

Gutzeit 1889a, 4
Har, vom Flachse, oder Flachshar(Flachsfaden) gebraucht Hupel in 444, als gleicher Bedeutung. Wol st. Harl.

Gutzeit 1889b, 492
Har, das. Er hat ein Har darin gefunden, ist in Schaden und Verdruss graten, Hupel. Oder: hat eine üble Erfarung dabeigemacht. In Grimms Wtb.: hat gegen etwas einen Widerwillen od. Bedenien. — Har auf den Zänen haben, d. h. derb u. kräftig in seinen Worten od. Antworten sein, kräftig sich zu vertheidigen wissen. In Grimms Wtb. Sp. 17b. ein starker, ganzer Mann sein. — Auf ein Har, aufs genauste, ganz u. gar. Er gleicht ihm auf ein Har. In Grimms Wtb. dafür (Sp.20. d.): auf das Har. In and. Bed. in 194. Nyenstädt: dass sich keiner auf ein Har leides solle zu besorgen haben. In Pabst 379. I. 3. 246 erklärt: auch nur im Geringsten. Ob hier „auf“ richtig gelesen u. nicht vielmehr „auch“? Mit auch würde sich die Stelle auflösen in: auch nicht ein Har Leides, d. h. nicht das Geringste. Nicht ein Har Leides einem zufügen, zu besorgen haben sind hier noch jetzt gew. Ausdrucksweisen, die ich in Grimms Wtb. vermisse. — Um ein Har, beinahe. Um ein Har wäre ich ertrunken, d. h. wenig fehlte u. ich wäre ertrunken, vgl. Grimms Wtb. Sp. 21. e. am Ende; die Beispiele aus Daheim u. Göthe sind theils nicht deutlich, theils nicht richtig erklärt.
Ich habe jetzt neues Har, sagt ein Pferdebesitzer, d. h. Pferde von neuer (andrer) Farbe, neue Farbe von Pferden. Gew. Das zujährige Haar des Viehes, Stender I, das Fellhar vom Jahr vorher. In dieser Bed. von Farbe kommt Har schon bei Gubert (328. 163. J. 1649) vor: Von allerley Haar findet man gute und böse Pferde.

haarig Adj

DAZU:
haariger Kerl (id)

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 124
haarig stark, groß, gefährlich.

Grosberg 1942, 48
haariger Kerl: Der Viehpfleger ist ein haariger Kerl, der sich mitunter besäuft und ... immer etwas mit den Mädchen vorhat.

Stegmann von Pritzwald 1951, 182f.
Zur Gefühlsbetontheit der baltendeutschen Rede gehört ferner die Ausnutzung aller Verstärkungsmöglichkeiten: „Ist Ihre Tochter schon konfirmiert?“ - „Pfui nein!“ (Auch „pfuich, nein!“ mit lautlicher Verstärkung des Hauchtones). „Pfui“ ist also nicht Blasphemie, sondern energische Verneinung. Ähnlich etwa: „Hotz, ist das ein Wetter heute!“ („hotz“, „chotz“ aus gehauchtem p(h)otz in potz tausend, potz Blitz). Statt des Superlativs mit dem farblosen „sehr“ wählt man gern superlativische Doppelungen: „herzlich, herzlich willkommen“, „ein ganz, ganz klein bißchen“. Oder Steigerungen durch besondere Syntagmen: „Es war haarig nett!“, „Er war doll schmantig“ („schmantig“ von frz. „charmant“ unter Anlehnung an Schmant „Sahne“). Oder Komposita: „dreidammlig“ = sehr dammlig, „Doppelknot“ = ganz Angebildeter

Stegmann von Pritzwald 1952, 421
haarig nett

Nottbeck 1987, 36
haarig - soviel wie „unheimlich“ (Neudeutsch“ / E.K.L.R.
Das war haarig schick, haarig schön, haarig frech.

Kobolt 1990, 121
haarig Adj., Adv. besonders in der Schülersprache für: sehr, ungemein, äußerst, z.B.: haarig verwickelt. Das Adjektiv hinter dem Adverb darf fehlen, wobei dieses dann selbst eine adjektivische Funktion annimmt, z.B.: Das ist eine haarige Sache!
plattd. harig, arig, orich, orig in der Bedeutung: erheblich, tüchtig, merkwürdig, verzwickt, z.B.: orich warm, 'narigen Wind; nhd. haarig schlimm, böse, gefährlich, schwierig (frühes 19. Jh.).


QUELLEN
Linde, W.: Riga
haarig schön - sehr schön

Hag

QUELLEN

Gutzeit 1892b, 24
Hagen, Hain. In Grimms Wtb. ist nicht hingewiesen auf slaw. gaj, russ. гай u.s.w., Hain, Gebüsch; bei hegen nicht auf sz. hàjiti, poln. gajić. Bei diesem Übereinstimmen der deutschen und slawischen Wörter dürfte es zweifelhaft sein, dass Hag und Hain zur deutschen Wurzel hag, hacken gehört. - Das von Miklosich im etym. Wtb. unter gaj angefürte mundartlich russ. sagatj, welches er mit claudere erklärt, gehör wol nicht zu gaj, sondrn zu gatj Faschinen- oder Dammweg, wovon russ. sagatitj mit Faschinen belegen oder füllen.

Harl der

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 489
Harl, der, gesprochen Harrl, die Faser des Lein- u. Hanfstengels, Stengelfaden des Leins oder Hanfes. Ein seit langem im rig. Flachs- u. Hanfhandel gebräuchliches Wort, das indessen nur in Lange's Wtb. angedeutet ist (das Häärle von Flachs), in Hupels Wörterbüchern sich nicht findet; er hat dafür Flachshaar. Wir haben Harl vermutlich aus dem nd. übernommen; es begegnet auch im Englischen. Das brem. Wörterbuch hat es nur von Flachs, u. erklärt harl, ein Härlein vom Flachse; es sei die Kleinerung von Haar. Diese Annahme ist indessen zu bezweifeln, da eine Kleinerung mit el dem Norddeutschen fremd ist.
Flachs von festem, gesundem, starkem Harl; dieser Flachs ist stark und sanft von Harl, fällt schwächer von Harl. Springt der Harl (des geweichten Flachses) von dem Schehben los, 169. 515; wenn Harl und Schehben sich gut von einander ablösen, ebda. Kronflachs muss von starkem, gesundem Harl sein, 133. Der livländische ordinäre Dreibandflachs kann schwächer von Harl sein, ebda. Die Instr. 381 schreibt: RigaerReinhanf muss von nicht zu kurzem, festenstarken Harl sein, der bei der Handprobenicht reißt; der Rigaer Ausschußhanf mussstark von Harl sein; Rigaer Paßhanf kann einen schwächeren Harl haben, doch darf derfelbe nicht mürbe sein; der Harl des Wrackhanfs darf nicht verrottet sein. — Die Instr. v. 1843: drujaner Hanf übertrifft die polnischen Sorten an feinem Harl; der Hanf, Wintergut genannt, zeichnet sich vorteilhaft vom Sommergut aus, dass er im Winter gehechelt n. bearbeitet und in Folge dessen bleicher von Farbe und weicher von Harl ist; Strusen Reinhanf muss lang u. stark von Harl oder Faden sein. — Drujaner Paßhanf muss z. Th. dieselben Eigenschaften haben, wie Drujaner Reinhanf, doch sieht man hier nicht so genau auf Farbe u. Länge des Harles. In dieser Instr. v. 1843 auch zu lesen: schwächeres Harl. — Ungewönliche Ausdrucksweisen (schlechte Übersetzung!) finden sich in 174. 1354. 198/199: der Flachs erwies sich als Harl und Samen schlecht, st. der Flachs war schlecht und der Leinsamen ebenso; Flachs- und Hanfharl kamen gar nicht zum Verkauf, st. einfach Flachs u. Hanf; man erhielt einen Flachsertrag von 3½ Korn, u. an Harl 25 Pud für den Tschetwerik, d. h. 3½ Korn Samen und 25 Pud Flachs.

Gutzeit 1892b, 24
Harl. Sie mussten gestehen, daß dieser Rositisch Flachß rein, und fein von Harlen, auch dahero mehr wehrt were, als sonst gemein Rositisch Guth, 365. 1680. vgl. Wörterschatz.

Harm der

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 493
Harm, der, gespr. Harrm und Harem, wird zuweilen im Scherz gebraucht zur Bezeichnung eines Pissjungen. Harm, komm her! Es ist das Wort Harn, Piss, welches Wort in derselben Weise benutzt wird.

hart Adj

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 494
hart. In Grimms Wtb. heißt es, dass über Herkunft u. ursprüngliche Bed. verschiedene Ansichten geäußert worden, am Wahrscheinlichsten die Zusammenstellung mit altindischem kart, schneiden, zerspalten ist. Näher dürfte die Zusammenstellung mit franz. hardi, u. dem russ. твёрдый, hart, u. гордый, stolz sein. — Hart, von Farben. Hartes Blau, Rot, Gelb u. s. w., nicht hell. — Harte Eier, hartgekochte, entgegen den weichen. Harter Bodem, oder, wie bei uns genandt, Drösche, 329. 5; die Eggen, so zum harten Boden oder Drösche gebraucht werden, 329. 4.

Gutzeit 1898, 13
hart, für laut. Hart reden ist so viel, als laut reden. Ist nur in Livland gebräuchlich. Nach Gadebusch in 325.

Ojansuu 1906, 90
[zitiert Arvelius, Beyträge zur Phraseologie]: hart reden: Laut sprechen. Red' doch nicht so laut [?] die Leute hörens ja. [a.d.Estn.]

Masing 1926b, 50
hart lachen, reden (nordbalt., jetzt wohl nicht mehr üblich. M.H.Arvelius verzeichnet in seinen schon erwähnten „Beyträgen zur Phraseologie“, S. 19 hart reden 'laut sprechen'. Kügelgen „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“, Düsseldorf und Leipzig 1907, S. 272 Roller lachte hart) 'laut lachen, sprechen' (mnd. harde 'hart, heftig, sehr').

hasig Adj

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 495
hasig, furchtsam wie ein Hase. Gew.


QUELLEN (Informanten)

hasig, furchtsam, WL 4,40. 2 mal im lett. Spr. belegt.

hedig Adj

QUELLEN

Sallmann 1880, 32, 75
heden, hedig aus Werg, wergartig
hedig hedeartig, wergartig

Gutzeit 1889b, 504
hedig, und, seltener, hedicht, Hede ähnlich. Schon Hupel und gew. Nichts heedigtes an dem Reinhanf befinden, 142; littauisch Rakitzer darf nicht fuchsroth, brandfleckig, schäbig oder hedig sein, 132. Vom Kopfhar, sagt man, es sei hedig, d. h. trocken, glanzlos, hedeähnlich.

her

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 511
her, fehlt oft in der älteren Sprache, ebenso wie jetzt, vor: ab, an, auf, ein u. a. Aufkommen st. heraufkommen, abbringen, st. herabbringen u. s. w. Schon im nd. gewönlich. vgl. aus 1) und ein 1). — Die Verbindungen: herab, heran, herauf, heraus, herein u. s. w. werden stets gesprochen: herrab, herran, herrauf (herr—rab, herr—ran, herr—rauf) u. s. w. vgl. hin.

Kobolt 1990, 125
her häufig von hin nicht genau geschieden, wobei der Gebrauch von her überwiegt, z.B.: Wir kamen an den See, schwammen herüber, fanden eine Scheune und gingen herein. Die gleiche Beobachtung läßt sich für verschiedene norddeutsche Mundarten machen.

Herd der

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 514
Herd. Eigen Herd und Roocks gehabt haben, 241. In and. Schragen: eigen Heerd und Rauch.

Masing 1931, 23
Herd ein Herd Brot 'ein Ofen voll Brot'

Herr der

QUELLEN

Sallmann 1880, 54, 55, 122
Herr. die Herren - die landischen Gutsbesitzer.
Herr bezeichnet mit Wahrung seiner urspr. Bedeutung besonders den Haus- und Gutsherrn, ebenso Frau die Herrin, denn es gibt keine Bauerfrau.
die Herren als Bezeichnung für die adlichen Gutsbesitzer.

Gutzeit 1889a, 8
Herr. Grimms Wtb. schweigt von lat. herus und griech ήρος, lat heros. Walafrid Strabo, Zeitgenosse Karls d. Gr., erklärt in s. Werke: de ecclesiasticarum rerum exordiis et incrementis die Art, wie griech. und lat Wörter in die deutsche Sprache drangen, wie z. B. Kirche von κύριος, Herr von heros, Kelch von κύλιξ u. s. w. — Sllllmann (in 390c. 54, 55. und 122) bemerkt, dass Herr sich auf den Haus- u. Gutsherrn beziehe, die Herren insbesondere die adelichen Gutsbesitzer bezeichne.

Gutzeit 1889b, 515f.
Herr. Tielemann in 349. VI. 1 sagt: wenn in alten Handschriften, wo von Bürgern die Rede ist, bei Namen der Beisatz Herr ist, so sind es Mitglieder des Raths, da dieser Titel nur den Mitgliedern des Raths ertheilt wurde. Wann nach dem Willen Gottes ein Herr stirbet, 349. V. J. 1616; daß wir (der Rat) bei der Wahl des Diedrich Zimmermann zum Herrn des Raths dasjenige beobachtet haben, 349. VIII. 2, d. h. zum Ratsherrn; die Herren von Rige, 174. 1834. 81 aus d. J. 1456. vgl. Grimms Wb. 3c.
Der Herr von Ösel, von Kurland, oft statt Bischof in 369a. vgl. Grimms Wtb. 3c. Ebenso; der Herr von Riga, ehemals: der Erzbischof. Unses Heren van Rige sinen schrineren. In einer rig. Urk. v. 1468.
Ein selbst Herr. Diese Zetteln sollen sie mechtigen vor dem Richter, und ein selbst Herr darf sich nicht mächtigen lassen, 194. R. R. d. J. E. 169. — In and. Bed. wol die Sulfheren des alten Riga: Meister, selbständiger Handwerker. vgl. 347. I. 2. 161.

herr′sch Adj
‣ Varianten: herrisch

Herz das

QUELLEN

Gutzeit 1889a, 10
Herz „Wahrscheinlich hängt die Grundbedeutung des Wortes mit sanskr. kûrd springen, griech. κραδάω schwinge, wanke, zittere zusammen,“ bemerkt Grimms Wtb., und fürt als urverwandt lit. szirdis, aber, auffallender Weise nicht slaw сердце an. Welches Wort kann aber mit Herz, mnd. Herze, ndl. herte und s. w. besser übereinstimmen, als gerade сердце? Dieses wird für eine Kleinerung vou Sserdo angesehen, das mit seinem d wiederum dem d und t in den griechischen, lateinischen u germanischen Wörtern entspricht, das deutsche H in Herz entspricht dem slaw Ss in Sserdze, wie in Herbst — серпень. — Mit der Wurzel Sserdo wird teils sserdze, teils ssereda - ssreda Mitte zusammengebracht. Wenn nun die Benennungen eines Gegenstandes oft genug Bezeichnungen einer ins Auge fallenden Eigenschaft sind, so konnte, besser vielleicht als in sanskr. kûrd springen, die Wurzel der Wörter Herz, cor, καρδία, сердце in slaw. sserdo - ssreda gefunden werden: Herz, cor u. s. w. waren ein in der Mitte des Leibes belegener Körperteil. Eben daraus ließe sich erklären, weshalb cor, καρδία u. franz coeur ebenso wol Herz als Magen bedeuten, eben daraus auch die übertragenen Bedeutungen von Herz u coeur als etwas in der Mitte, im Innern Befindliches: Herz eines Landes, Mark eines Baumes u. ebenso russ. сердечко Kerngehäuse, сердечник Bolzen, Kernstange, Kern, Herz (eines Taues) u. a. Es soll mit dem Erwänten keineswegs gesagt sein, dass den Wörtern cor, καρδία, Herz eine slaw Wurzel zu Grunde liege, sondern, dass die Wurzel sich im Slawischen erhalten, in den anderen Sprachen sich verloren hat — ähnlich wie in Rebhun. Von Reb-Rep ist in den german. Sprachzweigen keine Bedeutung mehr auffindbar, in den slawichen als „bunt“ überall vorhanden. — Den Zusammenhang zwischen Herz u сердце hielt schon Minister A. S. Schischkow in seinen Forschungen über die Sprache (1828) u. als Wurzelbedeutung die von Mitte, Inneres für offenbar. Das lett. sirds hat außer Herz nur die Bed von Mut; lett. serde heißt aber Mark im Baum. Bei den lett. Wörtern ist eine Wurzel von der Bedeutung Mitte nicht erkennbar — Herz und сердце liefern ein Beispiel, wie verschiedene Sprachen dasselbe Wort auf von einander ganz verschiedene Bedeutungen hinleiten. Herzen ist zärtlich tun, slaw. sserditi böse machen, ärgern.
Einem ans Herz gewachsen sein, sehr zugetan, ihm sehr lieb sein.
Bei Repschlägern. Eine Schöde von 5 Daumen dicke und 16 Faden lang, von 4 Dochten kabelweise ohne Herz zu schlagen, Schragen d. rig. Repschläger v. 1665. In Grimms Wtb. 8) als ein Wort der Schifffahrt.
[Essbares Herz, die Muschel cardium edule, la bucarde sourdon, 395. X. 212.]
Ebenso unwahrscheinlich ist die Erklärung von dem Brechen des Herzens in Grimms Wtb. II. 343. 6: das Herz bricht weil man annahm, daß es in Banden (!!) hänge (vgl. Herzbendel) oder daß es bersten könne. Das Brechen des Herzens ist in uneigentlicher Bedeutung gebraucht, etwa ebenso wie die Ausdrucksweisen tue Kniee brechen nur, das Auge bricht u. a.
Grimms Wtb. (Sp. 1210. c.) sagt Krankheiten, wie das Leid, stoßen, drücken das Herz ab: man glaubte, daß das Herz sich aus den Bändern (vgl. Herzbendel), an denen es hänge, gewaltsam löse. — Diese Erklärung hatte etwas für sich, wenn der Ausdruck Herzbendel (d. i. Herzbeutel) ein allgemein bekannter und nicht ganz veralteter wäre; und wenn man sich das Herz überhaupt an Bändern hängend dachte. Die Verbindung von Herz mit stoßen und besonders abdrucken ist aber so allgemein bekannt und üblich, durch ganz Deutschland und ebenso hier, wo man von Herzbendel und dem Hängen des Herzens in Bändern nichts ahnt oder weiß, dass abstoßen und abdrucken nur bildlich gedeutet werden können. Das Herz wird abgedrückt heißt also nur es wird gedrückt, man fült sich bedrückt fült Beklemmung. Die eigentliche und die uneigentliche Bedeutung von drücken offenbart sich in dem gewönlichen Ausspruch kleine Kinder drücken die Kniee, große das Herz ab.

Gutzeit 1889b, 521
Herz. Zu der Abstammung vgl. russ.сердце.
Im Kartenspiel, coeur. Davon Herzkönig, Herzdame, Herzbube, Herzass, Herzzehn. Unedel ist Herzenkönig u. s. w. Herz ist die einzige deutsche Benennung, welche sich neben der entsprechenden französischen erhalten hat, und oft genug, doch nicht von wirklichen Spielern, benutzt wird. Für die übrigen französischen Bezeichnungen carreau, pique und trèfle fehlen hier entsprechende deutsche.
Das Herz fällt einem auf die Seite, d. h. man fühlt sich flau. — Giese, dem aus diesem Spiegel (d. i. bei diesen ihm vorgehaltenen Punkten) Herz und Muth einfiel, 349. VII. 4.
Bäume, die das Herz auf einer Seite haben, taugen nichts, d. i. Mark. Zu Grnnms Wtb. II. 3; bei Wagenschoss und Fassholz darf das Herz des Baumes sich an der inneren gespaltenen Fläche zeigen, 448. 7.
Herz oder Kröbs im Apfel, Herzpol, 319. 333. Zu Grimms Wtb. II. 3.

heuig Adj

QUELLEN

Gutzeit 1889a, 11
heuig, voll Heu, Hupel in 444.

Heure
Hure

hier Adv

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 524
hier. Das was von Hilligen Flachs auf hier gebracht wird, 316. 44; da von selbigem fast gar nichts mehr auf hier kommt, ebda. Zu Grimms Wtb. 7). Oft in der Handelssprache.

Honig der/das

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 544
Honig. Man spricht: Honig ausbrechen, abnehmen, ausschneiden. Soll keiner das Honig ausbrechen, 192. II. 197; den Honig abnehmen, 351. XXI. 3. 27, die Bienenstöcke schneiden.

Hord

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 545
Hord, im liefl. Ritterrechte c. 132, ist ein Scheiterhaufen, bemerkt Gadebusch (325). vgl. Grimms Wtb. unter Horde 1).

Hore die
‣ Varianten: Hure

Horn

QUELLEN

Gutzeit 1889a, 17
Horn. Einem Ehemann Hörner aufsetzen, in Grimms Wtb. setzen. Die Erklärung in Grimms Wtb. aus einem alten römischen Gebrauch erscheint wenig glaublich. Eher zu einem Rindvieh machen, cornutus! — Etwas auf seine eigenen Hörner nemen, auf sich od auf eigene Verantwortung.

Gutzeit 1889b, 545
Horn. Sich die Hörner abstoßen, was sonst: sich die Hörner ablaufen oder abrennen. Er hat seine vollen Hörner noch nicht abgestoßen, die Wildheit liebt oder hängt ihm noch an, St. I.
Wie er gesehen, daß es in Liefland Korne gebrannt hat, 194. Nyenst. 61, heiß her ging?


QUELLEN (Informanten)

Horn Beule DWA 13 Riga-2

Hort der

QUELLEN

Gutzeit 1877, 546
Hort, der. Verwandt mit diesem Worte sind wol auch hortus und городъ.

hung

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 551
hung [...]. Ein hung [...] ist 11 Mark 30 ß; in 349. XXVII. 1. J. 1614—17 öfters das Zeichen für hungarische Gulden. Davor gegeben 3 hung [...] ist 35 Mark 18 ß, ebda.; abgewettet mit 5 hung [...] ist 59 Mark 6 ß, ebda.

Hure
‣ Varianten: Heure, Hore

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 523, 545, 552
Heure, die, im Scherz u. vertraulich f. Hure. Ein Heu'rchen, ein Hurchen.
Hore, die, früher st. Hure.
Hure, im Scherz Heure und Hoire.

Masing 1924-1926, 414
6) Hure (neben dem Simplex auch vielfach Komposita: „Blott-, Grabenhure, Hurstück.“

hurra Interj
‣ Varianten: hurrah

QUELLEN

Gutzeit 1889a, 19
hurrá(h) Grimms Wtb. steht es für eine Erweiterung von hurr an wie heia von hei und übergeht das übereinstimmende russ. ура, welches die Russen Iwan des Schrecklichen bei der Erstürmung Kasans gebraucht haben sollen. Da das Wort erst seit d. Befreiungskriegen aufgekommen, so ist die Entstehung aus d. Russischen allem wahrscheinlich. Die Betonung der ersten Silbe ist eine deutsche, die richtige fällt aus die zweite und ist daher auch hurrá nicht mit héi — a zusammenzustellen. Eine Schreibung hurra od. hurrah ist zu beseitigen u. hurra zu schreiben.

Pärg der
‣ Varianten: Pärk, Perg, Perk
de Kranz; et pärg

QUELLEN

Hupel 1781-1791, 559
Pärg Kopfbinde

Gutzeit 1887b, 326f.
Pärg (spr. Pärk), der, auch Perg und Perk geschrieben, estnisch, von Hupel [Id. 166f.] erklärt Kopfschmuck, welchen die estnischen Dirnen um ihre bloßen Haare tragen, das Kopfband, sonderlich wenn es breit u. hoch ist. In der Neuen Bildergallerie XIII. 184, Berlin 1805: ein Stück zusammengerollte, mit Taffent, Atlas od. Stoff überzogene, und mit Spitzen, Tressen od. Borden umnähte Pappe, die die Mädchen um das Kopfhaar tragen; dieser Kopfschmuck, Perk, sieht einem Kaskett ähnlich; ist oben auf dem Wirbel offen, vorn nach der Stirn zu hoch wie ein Schild, hinten etwas niedriger und eingebogen. — Häufig auch nur ein hölzerner Reifen ums Haupthar. — Jetzt ist der Perg verschwunden, bemerkt Bertram in 470. IV. 91. vgl. 166a. XII. 560. Eine ganz ähnliche Kopftracht ist der russische Kokoschnik, welcher ebenfalls vor dem Cultureinflusse zurückweicht.

Ojansuu 1906, 88
[zitiert Arvelius, Für Geist und Herz]:
Perk. Eine Ehrentracht, gleichsam der Cranz der ehstnischen Bauer-Dirnen. So bald die Tugend eines Bauer-Mädgens mehr als verdächtig ist, darf sie den Perk nicht mehr tragen, sondern muss die Haube ansetzen..." [Perk = estn. pärg (perg) Kranz, Kopfband, eine kronartige Kopfbedeckung der jungen Mädchen.]

Kiparsky 1936, 57
Pärg, Perk, Pärk [perk] m. 'Kopfschmuck der estn. Mädchen' ‹ estn. pärg 'Kranz, Kopfband, eine kronartige Kopfbedeckung der jungen Mädchen' (zu lapp. bargedet 'flechten'; Setälä Suomen Suku I, 125). - Hupel 166, Gutzeit II, 326-327, Ojansuu 88, Suolahti 117-118.
Heute sind Wort und Sache nur der ältesten Generation in E. und EL. bekannt.

Perg
‣ Varianten: Pärg

Sarg

QUELLEN

Gutzeit 1887a, 86
Sarg. 1622 werden abermals alle erhobene Särge in Riga verboten, 350. XVIII. 3. Erhoben?

Torg der
{russ. торгъ}

QUELLEN

Hupel 1795a, 239
Torg, der, (Russ.) bedeutet überhaupt zwar den Handel, wird aber hier nur für ein öffentliches Ausbieten entweder zum Meistbote, oder für den niedrigsten Preis, gebraucht. Zuweilen hört man dafür Beretorg

Ewers 1831, 237
Torg, der, Versteigerung.

Possart 1846, 182
Torg (russ.), der, d.h. Handel, wird hier für ein öffentliches Ausbieten zum Meistgebote, oder für den niedrigsten Preis gebraucht.

Gutzeit 1864, 143
Bot und Überbot Torg und Peretorg).

Sallmann 1880, 12
Torg gerichtlicher Termin zum An- und Ausbot Peretorg der zweite Termin.

Seemann von Jesersky 1913, 179
Torg, Handel, Versteigerung.

Kiparsky 1936, 185
Torg [torχ] m. 'öffentliche Versteigerung' ‹ r. торгъ id. E.L.K. HUPEL 239, SALLMANN V, 9; B. 12.


QUELLEN (Informanten)
Schröder, Hans von
Torg Handel, Versteigerung; russ.


Torg, der, (russ., ähnl. schwed.) 1. Auktion, Handel, Markt; 2. Staatl. Ausschreibung; WL 6,16.


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