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Fimmel der

QUELLEN

Gutzeit 1886, 268f.
Fimmel, der, männlicher Hanf, Västling, Väßling, in Kur. u. Livland Paß-Hanf, russ. замáшка u. пóсколь, lett. paskannas u. pusskannas bei Stender, paskanneepi u. pusskanneepi bei Lange. — „Die weiblichen Pflanzen des Hanfs nennt man, sagt C. Ph. Funke in s. Naturgeschichte u. Technologie, Braunschweig 1805, Fimmel (von femella das Weibchen), auch Bästling; die männlichen hingegen heißen schlechtweg Hanf. Allein die gemeinen Landwirthe verwechseln diese Namen u. nennen den männlichen Hanf Fimmel, den weiblichen aber Hanf, ohne weitere Bestimmung“. Diese Ansicht von der Entstehung des W. Fimmel aus femella hat bei den Sprachforschern eine Bestätigung erhalten durch das von Stalder für die Schweiz verzeichnete Mäsch oder Muschel, den langen, Samen tragenden (od. weiblichen) Hanf. Darauf hin heißt es in Grimms Wtb., dass der Namen Fimmel u. Mäschel verdreht sei, indem Fimmel cannabis femella auf den männlichen, Mäschel cannabis mascula auf den weiblichen angewandt worden, „weil der sinnlichen Anschauung die stärkere Pflanze männlich, die schwächere weiblich erschien“. „Die Naturforscher stellen das richtige Verhältniß her, ihre Benennungen lauten daher den „volksmäßigen“ ganz entgegengesetzt.“ Diese Angaben unterliegen folgenden Bedenken. 1) Die älteren Botaniker u. die neueren sprechen nie von C. femella u. C. mascula, sondern von C. foemina u. C. mas. Unwahrscheinlich ist daher, dass Mäschel aus mascula,Fimmel aus femella entstanden, beide Wörter hätten sich bilden müssen nus mas u. foemina — was doch weiter abliegt.
2) ein Teil der älteren u. bedeutendsten Botaniker bezeichnet mit c. foemina den männlichen ein andrer den weiblichen Hanf. So spricht Cesalpini (gest. 1602) von der c. foemina seu fertilis, ›Jean Bauhin in s. historia plantar univers., Ebroduni 1651, von der c. foemina sive sterilis. Man kann also nicht behaupten, dass bei d. Worte Fimmel eine Verdrehung der „ursprünglichen“ Bed. stattfindet.
3) die Grundleger der englischen Pflanzenkunde, R. Morison († 1633) und J. Ray († 1705) sprechen wie Cesalpini von der c. foemina seu fertilis, verstehen also unter c. foemina nicht den Fimmel, sondern den eigentlich sog. Hanf. Wie sollte nun auch das engl, fimble aus femella, oder richtiger aus foemina entstanden sein?
4) Mäsch u. Mäschel erinnert an russ. замашка (Fimmel). Will man sagen, dass das ein Zufälliges Anlauten ist, so kann dasselbe auch für mas behauptet werden.
Obgleich das Wort Fimmel erst von Maler 1561 verzeichnet wird, so scheint es doch viel älter zu sein und mit einem anderen Ausdrucke des Landbaus Fime, Feime, Feme, in den ältesten Belegen Fimba u. Finba, Haufen (von Garben) zusammenzuhängen, oder, mit anderen Worten, eine Weiterbildung von Fime —Fimba zu sein, welches Schottel (1671) deutet: separatio ad certum aliquid actum. Dieser Begriff liegt nun gerade in dem Zw. fimmeln: den Fimmel von dem eigentlich sogenannten (weiblichen) Hanf durch Ausziehen sondern. Dies Ausziehen oder Auszupfen liegt ebenso in dem Begriff des holl. fijmelen od. femelen, d. h. utpluizen, unser ausplusern od. ausplusern od. ausplusern. — So wie engl. fimble — Fimmel der ältesten Wortgestaltung von Fimme, nämlich Fimba entspricht, so entsprechen auch die Gestaltungen des Zw. fimmeln (den Hanf ausraufen), nämlich femeln, femmele, feimele u. fommelo bei Frischbier (476) denselben bei Berghaus (479) angefürten fammeln, fimmeln, fommeln u. fummeln in der Bed. von unordentlich zusammenraffen (vgl. Grimms Wtb. unter fummeln I. 4), den Zeitwortsgestaltungen von fimmeln aber ebenso die Hnuptwortsgestaltungen von Fimmel: Femel, Femmel, Feimel und diese wieder dem Feine, Feime und Fime. Will u. kann man nun Fummel(s. d.) nicht mit femina oder femella zusammenbringen, so liegt noch weniger Grund vor, dies mit Fummel zu tun, um so weniger, als die oben verzeichneten Bedenken dem sich entgegenstellen. Es scheint demnach, dass fimmeln nichts anderes ist als fameln, fammeln, femeln, fommeln u. fummeln, d. h. zusammenraffen od. zusammengreifen, to hope fummelen, d. h. zu Häuf od. zusammenraffen od. legen, und Fummel, Femel, Femmel, Feimel das in Haufen Zusammengegrissene od. Zusammengelegte. Die Anwendung von Fimmel auf Hopfen ist eine spätere u. bezieht sich auf das Abrupfen der Zapfen des Hopfens, nicht auf das Ausraufen der männlichen Pflanzen.
Gubert (328) kennt den Ausdruck Fimmel nicht. Sowol 1649 als 1688 spricht er von Paßhanf, den er von dem „anderen“ unterscheidet u. sagt: den Paß-Hanff muß man zeitiger ausziehen, daß der andere besser wachse, — ganz entsprechend, wie im größten Theil Deutschlands nur der männliche Hanf besondere Bezeichnungen erhält, der weibliche schlechtweg Hanf heißt. Nur in einigen Gegenden Deutschlands spricht man von Hanfhahn u. Hanfhenne, von Gelp- u. Sathanf. Die estnische Sprache kennt die Ausdrücke Vater- u. Mutterhanf (essa- u. emma-kannepi); die russische замашка und машёрка od. машерня. Möglich, dass die Naturforscher erreichen werden, dem Worte Fimmel beim Volke die Bedeutung von weiblichem Hanf zu verleihen. Dann müsste aber auch das Zw. fimmeln aufgegeben werden. Die Sprach- u. Naturforscher täten indessen besser, den Kampf gegen Fimmel als Bezeichnung des männlichen Hanfs aufzugeben, solange die Herkunft des Wortes aus femina nur unwahrscheinliche Mutmaßung ist, welche sich darauf stützt, dass man zur Erklärung des nicht offen daliegenden Fimmel das lautlich sich annähernde femella, heranzog. Indem man dies tat, war die Anname, dass die Landwirte den Ausdruck Fimmel falsch anwenden oder verdrehen, notwendige Folge.

Fimmelhopfen

QUELLEN

Gutzeit 1886, 270
Fimmelhopfen. Dies Wort felt in Grimms Wtb., wird indessen bezeugt in naturgeschichtlichen Werken: Fimmel- oder Feinelhopfen, tauber oder Nesselhopfen, d. h. der Hopfen mit männlichen Blüten, und Laufer- oder Zapfenhopfen, der mit weiblichen Blüten. Augenscheinlich ist die Verwendung von Fimmel für den Hopfen entlehnt derjenigen beim Hanf. Es mangelt dazu die Berechtigung. Denn wenn auch eine männliche und eine weibliche Pflanze da ist, welche Gaspard Bauhin (geb. 1560, gest. 1624) als lupulus mas und lupulus foemina (die befruchtende männliche Pflanze) unterscheidet, so sind doch beide Pflanzen an Stärke und Aussehen einander gleich und ein eigentliches Fimmeln, d. h. Sondern oder Ausrupfen der männlichen Pflanze findet nicht statt. Der Ausdruck Fimmelhopfen ist augenscheinlichein von neueren Gelehrten gemachter, aber — schlecht gemachter.


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