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bleiben V [s]
Vi
siehe auch Halbdeutsch

QUELLEN

Bergmann 1785, 9f.
bleiben anstatt werden: so sagt man fälschlich „die Suppe bleibt kalt“.

Hupel 1795a, 26
bleiben st. werden, z.B. er blieb gestern krank st. er wurde oder befiel krank; eben so: er wird bald Officier bleiben. pöb.

Gutzeit 1859, 136
bleiben In Livland häufig st. werden. Es bezeichnet 1) ein Eintreten in einen Zustand und ein zeitweiliges Verharren in demselben. Er blieb krank, befiel; er blieb ohnmächtig, wurde; es blieb elf, als er kam, es war oder wurde elf; es bleiben bald 8 Tage, dass; es waren 14 Tage geblieben, dass; ich blieb oder bin zu Fastnachten 30 Jahre geblieben, geworden. Ferner: Schwarzmann, Bettler, Hahnrei, Schweinchen bleiben, in den ebenso genannten Kartenspielen. Wer wird Hahnrei bleiben? Wer ist es geblieben? - Die Suppe blieb kalt, wurde, Bg. 2) etwas Beginnendes, Werdendes, in der Zukunft Statthabendes. Dahin gehören Redensarten wie: er wird bald Officier bleiben, st. werden; er blieb arm, wurde arm; er blieb General, wurde. In dieser Bed.m jetzt wenigstens, unedel; in erster nicht.
Unser bleiben entspricht dem dänischen blive, worüber Grimm unter bleiben 3a und d verglichen werden kann. Aber auch dem französ. rester, z.B. il resta interdit; dem russischen ostatsa und dem lettischen palikt. Schon Gadebusch, und nach ihm Bg. und Hupel machen auf diesen eigentümlichen Gebrauch unseres bleiben aufmerksam. - Bemerkenswert sind noch folgende, gew. Redensarten. Wohnen bleiben, seine Wohnung behalten; staunen bleiben, staunen; er wird da warten bleiben, st. warten. Im Hochd. hat man: stehen bleiben, stecken, sitzen, hängen bleiben.

Sallmann 1880, 116
bleiben = werden: er ist dumm geblieben, d.h. geworden. So auch dän. blive, frz. rester, lett. palikt, ruß. ostatsa.

Gutzeit 1886, 152
bleiben Lindner (320) sagt: „Der Gebrauch des Wortes bleiben für werden u. blieb st. ward, z.B. er blieb nach Hause gerufen, er blieb geschlagen, er blieb Offizier, st. er ward od. wurde. Bleiben bedeutet ein Werden od. Entstehen einer Sache, welche währet. Er blieb krank, ist gut deutsch, wenn es ausdrücken soll, die Krankheit dauerte fort, aber nicht ein jetzt gerade erst geschehendes oder vergangenes Werden einer Sache, ohne Bestimmung der Währung. Der Vater bleibt böse, kann gesagt werden, wenn sein Zorn fortdauert, nicht aber, wenn es sein jetziges Erzürnen andeuten soll, da ich dann sprechen muß: er wird böse. Nach diesem prüfe man dergleichen Redensarten, ob sie dem reinen Sprachgebrauch gemäß sind oder nicht. Das Wort bleiben in dem Verstande von werden kommt aus dem Plattdeutschen“. - Der heutige Gebrauch des Wortes beweist, wie der niederdeutsche Einfluss in der hiesigen Sprache allmälig dem Hochdeutschen weicht; die von Lindner vermerkten Ausdrucksweisen sind jetzt unüblich; die von Hupel angefürten nur noch Ungebildeten. Auch die jetzt noch begegnenden verschwinden. Bemerkenswert ist, dass die jüdische Bevölkerung durchweg krank bleiben spricht für krank befallen.
In Kartenspielen. Nicht blos in Liv-, Est- und Kurland, sondern auch in Petersburg. So übersetzt Meyer von Waldeck (423. 48): als ich mehrere Male hintereinander „Durak“ geblieben war.
So bleibet die Gerste rein: sonsten bleiben lange Schwänze am Gersten, und wird nicht blancken, 329. 35.
Wo blieb ich? fragt ein Lesender, der unterbrochen wurde u. die Stelle wieder aufsucht, st. wo blieb ich stehen.
Starr bleiben. In dieser Angelegenheit ließen sich verschiedene Stimmen in der Zeitung vernehmen. Seitdem ist alles wieder stumm geblieben, 174. 1860. Nr. 7, still (geworden). - Bestehen bleiben, st. stehen bleiben. Die Ältesten bleiben vor dem Rath bestehen, 275. 90. s. bestehen. - Schlafen bleiben. Bleib' schlafen! st. bleib' im Bett. - Sich gleich bleiben. Das bleibt sich gleich, ist einerlei; es bleibt sich gleich, ob man --. d.h. ist einerlei od. gleich; es bleibt sich alles gleich oder eins, ob --. Die Erscheinungen bleiben sich gleich, 372. II. 189, bleiben unverändert dieselben.

Sallmann 1887, 465
bleiben in der Bedeutung „sein, werden“: todt, gesund bleiben.

Ojansuu 1906, 89
[zitiert Arvelius, Für Geist und Herz]
Bleiben. „Ein rechtes favorit Wort der ehstnischen Deutschen, denn bey ihnen bleibt viel, was sonst nur einen kurzen Übergang hat. Y.E. Kälte, Nässe, Krankheit, Schlaf u.d.gl., daher man sich oft sehr lügenhaft ausdrückt: „Ziehen sie doch einen Pelz an, gewiss sie bleiben kalt. Eleganter sagt man auch wohl: Sie werden kalt haben. „Gehen sie nicht in die Draussen, sie bleiben nass, sie bleiben krank“ u.s.w. Wenn der Schlaf eine bleibende Sache seyn soll, so bleibt man nicht schlafen, sondern man bleibt beschlafen. Da muss nun ein Deutscher nothwendig allen mitgebrachten Ideen entsagen, wenn er ohne Lachen hören soll, dass ein Frauenzimmer erzählt: Ich setzte mich auf den Stuhl und blieb beschlafen“ ... [Vgl. estn. jäma, tulema].

Seemann von Jesersky 1913, 106
blieb - wurde: da blieb är beese, falsch.

Westren-Doll 1921, 179
16) Für sterben sagt man im Dithmarschen Platt „tot bleiben“. Als in Fellin der Postkerl eins vom Pferde vor den Kopf kriegte, „blieb er tot“.

Stegmann von Pritzwald 1952, 415
bleiben halbdeutsche Gewohnheit: blieb Abend

Wistinghausen 1954, 18, 59
Blieb plötzlich weiß wie Schnee
Pastor bleiben = Pastor werden. [estn. Halbdeutsch]

Kobolt 1990, 67
bleiben st. V. selten und verpönt für: werden, z.B.: Er blieb krank.
Früher im Baltikum oft, so auch dän., franz.


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