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Aagang der
{mnd. agank 'Wassergang'; ndd. 'Wasserlauf, soweit er nicht verdämmt werden darf'}
'Strich Wassers in der Mitte von Bächen und Flüssen in der Breite von 6-12 Ellen, welchen die Uferbesitzer nicht verdämmen dürfen' de Königsader; et laevatee (jõe keskel); lv ūdensceļš
den Aagang offen lassen, sperren
Ueber Flüsse, welche nicht im Bereiche eines Grundeigenthümers sich befinden, dürfen daher keine Mühlendämme, noch Fischwehren geschlagen werden, sondern es soll derjenige, dem beide Ufer gehören, bei schiffbaren Flüssen in der Mitte einen Raum (Aagang, Königsader) von wenigstens zwölf schwedischen Ellen, bei anderen Flüssen und Bächen von sechs Ellen offen lassen.
vgl Betschewnik, Leinpfad

QUELLEN

???, 649 (1496)
dar de awganck isz; an der beke desz awganges; Reg: agank, awgang, awgank, nd. Wasserlauf, soweit er nicht verdämmt werden darf

Bunge 1838, 175
Ueber Flüsse, welche nicht im Bereiche eines Grundeigenthümers sich befinden, dürfen daher keine Mühlendämme, noch Fischwehren geschlagen werden, sondern es soll derjenige, dem beide Ufer gehören, bei schiffbaren Flüssen in der Mitte einen Raum (Aagang, Königsader) von wenigstens zwölf schwedischen Ellen, bei anderen Flüssen und Bächen von sechs Ellen offen lassen.

Gutzeit 1859, 2
Aagang Königsader: derjenige Strich Wassers in der Mitte von Bächen und Flüssen in der Breite von 6-12 Ellen, welchen die Uferbesitzer nicht verdämmen dürfen. den Aagang offen lassen, sperren. - Seit schwed. Zeit

Seemann von Jesersky 1913, 99
Königsader, tiefste Rinne im Flußbette

Masing 1926b, 41
Aagang „Strich Wassers in der Mitte von Bächen und Flüssen in der Breite von 6-12 Ellen, welchen die Uferbesitzer nicht verdämmen dürfen. (mnd. agank ′Wassergang′, zu mnd. a, ahe, ahd. aha, got. ahva ′Fluss′, lat. aqua; als Flussname Aa in Livland, Kurland und Norddeutschland, Ache in Süddeutschland

Masing DBWB, 2f.
Aagang, m (āgaŋ), Fahrwasser eines Flusses, tiefste Rinne im Flußbett. Über Flüsse, welche nicht im Bereiche eines Grundeigenthümers sich befinden, dürfen…keine Mühlendämme noch Fischwehren geschlagen werden, sondern es soll derjenige, dem beide Ufer gehören, bei schiffbaren Flüssen in der Mitte einen Raum (Aagang, Königsader) von wenigstens zwölf schwedischen Ellen, bei anderen Flüssen und Bächen von sechs Ellen offen lassen. Bunge, Privatr. I, 175, § 100 (1838). Der….in der Mitte des Flusses offen zu lassende Raum – der Aagang oder die Königsader – muss in Livland, da wo beide Ufer einherrig sind, zwölf schwedische Ellen bei grösseren, sechs Ellen bei kleineren Flüssen, breit sein. Broecker, LEC Privatr. 178/9 (1902). Aagang, Königsader, tiefster Rinne im Flußbette. SvJ 99 (1913).

aasen V [h]
‣ Varianten: asen
{ndd. aasig 'gehörig, sehr'}
‣ Belege: Estland
1. Vt de foppen, necken, hänseln; et narritama, tögama
Er wurde von allen geaast
vgl beaasen, veraasen
2. Vt 'übel zurichten' de quälen, plagen
‣ Synonyme: abaasen, herunteraasen
3. Vi 'schlecht sein' de plagen; et kehv olema, kiusama
das Wetter (es) wird wol noch asen bis zum Vollmond
4. Vi de vergeuden; et pillama, raiskama
Aase nicht so mit der Butter
Är aast mit′s Geld und mit seine Gesundheit

QUELLEN

Gutzeit 1859, 52
asen, 1) einen od. sich, quälen, plagen, übel zurichten. Gewöhlicher sind in demselben Sinne die Zw. abasen und herunterasen. 2) schlecht, asig sein. Das Wetter oder es wird wol noch asen bis zum Vollmond. 3) der Hund as′te im Garten umher, rannte und zerstörte

Gutzeit 1886, 61
asen, namentlich in Verbindung mit be, ver u. zu. - Die Bed. foppen fürt Sallmann an in 390c. 111

Boehm 1904, 101
Für recht harmlos gilt das derbe Wort Luder und das ihm sinnverwandte Aas, sie spielen im Verkehr mit den Füchsen eine gewisse Rolle: man treibt mit ihm sein „Schindluder“, man aast ihn, man bedarf sogar eines Burg- und Podrettluders, wie sich einstmals hohe Herren einen Prügelknaben oder einen Hofnarren hielten.

Boehm 1904, 100
aasen = foppen

Seemann von Jesersky 1913, 99
aasen w. foppen, hänseln. Mit etwas: vergeuden. Är aast mit′s Geld und mit seine Gesundheit; veraasen - verderben

Masing DBWB, 8
aasen, sw (ā́zən) 1. foppen, aufziehen, Schindluder treiben. Stud. u. Schülersp. Ich schlag vor, wir aasen die Lehrer, lernen nicht mehr, schwänzen. Worms, Überschw. 74. _ 2. vergeuden. Grdsd. Er aast mit´s Geld und mit seine Gesundheit. SvJ. 99 _ 3. schlecht, aasig sein. Das Wetter wird wohl noch aasen bis zum Vollmond. Gtz I, 52.

Flügge-Kroenberg 1971, 29
asen - verschwenden

Nottbeck 1987, 15
aasen - foppen, vergeuden / E. Er wurde von allen geaast. - Aase nicht so mit der Butter.


QUELLEN (Informanten)
Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland
aasen mit etwas

Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland


aasen - reizen. Stud. Ausdruck? WL 4,33 sedel 35: 2 mal in lett. Spr., 3 mal in estn. belegt


aasen - (stark) necken WL 1,26

aasig Adj
‣ Varianten: aasicht, asig
{ndd. aasig 'schmutzig, stinkend'}
‣ Belege: Estland, Kurland, Livland
1. unedel. 'schlecht, unangenehm' de miserabel; unangenehm; et vilets, kehv
ein asiger Weg
asige Unterhaltung
aasiger Kerl
aasige Geschichte
Das Wetter war aasig
2. unedel. de (sehr) stark; et tugev, piinav
aasiger Hunger
Ich habe aasige Kopfschmerzen.
3. unedel. 'schwierig, kompliziert' de verzwickt; et keeruline
aasige Sache!
4. unedel. 'über alles Maß, sehr' de äußerst, furchtbar; de tohutu(lt), kohutavalt
eine asig lange Predigt
ich asig gelangweilt haben
der Film war aasig schick

QUELLEN

Gutzeit 1886, 61
asig, schlecht, unangenehm. Ein asiger Weg, asige Unterhaltung, eine asig lange Predigt; sich asig gelangweilt haben

Seemann von Jesersky 1913, 99
aasig, o. sehr, groß, stark: aasiger Schmerz, Hunger; schlecht: aasiger Kerl; unangenehm: aasige Geschichte

Masing DBWB, 8f.
aasicht, adj. (ā́ziχt) aasig 1. (s.d.) {Grdsd}
˹aasig, adj. (ā́ziχ) 1. minderwertig, schlecht, übel, erbärmlich, unangenehm, ekelhaft. aasiges Wetter. Der Weg war a. Es war gestern a. kalt. Ein a.er Kerl. Das ist eine a.e Geschichte. eine sehr unerfreuliche Angelegenheit. 2. adv. außerordentlich, sehr. Schülersp. a. forsch, schick, stramm. Ich höre, daß die Kreuzworträtsel in drei Arten zerfallen, in haarige, in stramme und in schicke, die aasig stramm sind. Rig Rdsch. № 129, 13.VI.1931.
¤aasig „Das Wetter war aasig.” (J. Kolbe 27.IX.1838)

Flügge-Kroenberg 1971, 10
aasig Niederdeutsch: schmutzig, stinkend. Im Baltikum in manchen Redewendungen für schwierig, kompliziert. Zum Beispiel: „aasige Sache!“

Flügge-Kroenberg 1971, 29
asig - häßlich, „de asige Kerl“ als abschätzendes Urteil

Nottbeck 1987, 15
aasig - Superlativ für jedes Adjektiv / E.K.L. Der Film war aasig schick. - Ich habe aasige Kopfschmerzen.

abbritschen V [h]
‣ Varianten: abbrintschen
1. Vt unedel. 'kurz abfertigen' de abweisen; et tagasi lükkama
einen Brautwerber abbrintschen
2. Vi de abgewiesen werden
er ist abgebrintscht 'übel weggekommen, abgefahren'

QUELLEN

Gutzeit 1859, 3
abbrintschen was vorherg.

Sallmann 1880, 79, 84
abbritschen kurz abfertigen, abweisen
Bei vielen Zusammensetzungen mit an ergibt sich die Bedeutung: mit Unterbrechung eines größeren Wegs auf einen Augenblick bei jemandem vorsprechen, in Deutschland bei ähnlichen Wendungen mit vor wiedergegeben. So in anbritschen, andürfen, anfahren, anflitzen, angehn, anjagen, ankommen, anlaufen, anmögen, anmüßen, anreiten, anrennen, anschicken, anschießen, anschneien, ansein, ansollen, anspringen, anwollen u. a.

Gutzeit 1886, 4
abbrintschen (...), abweisen und abgewiesen werden, bei einer Brautwerbung.

Seemann von Jesersky 1913, 108
abbrintschen übel abfertigen

Masing DBWB, 24
†┌abbrintschen, sw. (ápbričən) abweisen, abgewiesen werden (bei einer Brautwerbung). Gtz. N 1886, 4; kurz abfertigen, abweisen Sallm. 79.

Abdecker der
‣ Belege: Riga
1. Stud. scherzh. de Apotheker; et apteeker
2. de Schinder; et nülgija

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 99
Abdecker o. Schinder

Masing 1924-1926, 407
Abdecker Apotheker. In Studentenkreisen entstanden. (Riga)

Masing DBWB, 29
Abdecker, m. (ápdek̅ər) (1. Schinder. Dafür meistens Schinder. 2.) scherzw. für Apotheker.

Abdrift die
‣ Varianten: Abtrift
'Abtreiben des Schiffes vom Kompasskurse' de Abdrift; et kõrvalekaldumine (kursist)

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 99
Abtrift, Abtreiben des Schiffes vom Kompaßkurse.

Masing DBWB, 32
Abdrift, f. (ápdrift), Abtreiben des Schiffes vom Kompaßkurse. S.v.J. 99.

aberst Konj
‣ Varianten: aberst, abersten, awersten
de aber; et aga

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 99
aberst(en), Joh. awerscht, Br. awersten, aber.

Abfall der
1. 'Kopf, Füße, Flügel und Innenteile eines Vogels'; 'Kopf, Füße und Innenteile eines Lamms' de Gänseabfall, Kiddik; et rupsid
Mit dem Abfall verfährt man so
zwei bis drei Abfalle [statt Abfälle]
2. 'Fallen im Wert' de Entwertung; et väärtuse langus
Der Abfall gedachter Münze wehret noch und verfällt in diesem 1666sten Jahre mehr und mehr 'die kleinen Münzen gingen gegen grobe Münzsorten wie 2:1, und wurden seitdem statt 15 rig. Mark 30 um einen harten Thaler willig gegeben'
3. de Senkung; et langus
Das Wasser nahm nach der Weide seinen Abfall

QUELLEN

Gutzeit 1859, 5
Abfall 1) von Gänsen, Lamm, oder gewöhnlicher: Gänseabfall, Lammsabfall, welche vgl. Mit dem A. verfährt man so, 158. Zwei bis drei Abfalle, st. Abfälle. Ebenda. - Bergm. 210 sagt, es werde nur von Gänsen und Enten gebraucht.
2) herabfallendes Schirmleder. Kibitka, die einen Abfall und eine lederne Decke hat. 172.1793.324.

Gutzeit 1886, 5
Abfall einer Münze, Entwertung, Fallen im Wert. Der A. gedachter Münze wehret noch und verfällt in diesem 1666sten Jahre mehr und mehr, 350. 6. J. 1666. Die kleinen Münzen gingen gegen grobe Münzsorten wie 2:1, und wurden seitdem statt 15 rig. Mark 30 um einen harten Thaler willig gegeben, ebda. - 3) Das Wasser nahm nach der Weide seinen A., 350. XXV. 1. Ungewöhnlich, doch in den Eisgangsberichten Späterer wörtlich wiederholt.

Seemann von Jesersky 1913, 99
Abfall Kopf, Füße, Flügel und Innenteile eines Vogels, Gänseabfall, Kiddik.

Masing DBWB, 41f.
Abfall, m. (ápfal) 1. Extremitäten und Eingeweide geschlachteter Tiere, bes. des Hausgeflügels, als Bestandteile gewisser Speisen. Gänseabfall in Schwarzsauer … Dann nimmt man die Füße, Flügel, Magen, Leber, Hals und Därme, welche man den Abfall nennt, … Mit. Kochb. 1841, 106/7. … Meist in Z[u]s[ammen]s[etzung]en: Gänse-a., Lamms-a.; vgl. Kidding und Herzschlag. _ 2. † herabfallendes Schirmleder eines Fuhrwerks … eine Kibitka, die … einen ledernen A. und eine lederne Decke hat, … Rig. Anz. 1793, 324. _ 3. der freie Weg des Ankerhakens im Uhrwerk (s.d.) von der Reche (s.d.) und Hebung (s.d.) zum Fall (s.d.). Eine Uhr hat ungleichen A. wenn sie nicht im Rhythmus –́ –́ , sondern  –́ oder –́ tickt. Uhrmacher.
¤ Abfall, „Wenn die Gans geschlachtet wird, fängt man das Blut auf … Dann nimmt man die Füße, Flügel, Magen, Leber, Hals und Därmem welche man der Abfall nennt”. Mit. Kochb[uch] 3 1854, 90.
¤ Abfall „ ... daß sein Schuldner … mit vielen Schulden beladen, und in Abfall seines Vermögens gerathen, …” (DSt Riga Statuta S. 26. ) DWb I, 36.
¤ Abfall „Die liegende Güter, als Häuser, Scheunen, Gärten sollen sie nicht in Abfall und Umbau kommen lassen, sondern in guter Dachung und wesentlichem Baue unterhalten …” (Eines Wohledlen Raths der Kaiserlichen Stadt Riga Vormünder-Ordnung. Riga. Müller 1798, S. 11). DWb I, 36
Abfall „Die liegende Gueter, alß Heuser, Scheunen, vnd Gärten, sollen sie nicht in abfal vnd vnbauw kommen lassen, sondern in gutter Dachung … vnterhalten …” (Napiersky, die Quellen des Rigischen Stadtrechts bis zum Jahr 1673. Riga 1876, S. 281).
¤ Abfall „Gänse-Abfall zu salzen. Wenn man viele Gänse auf einmal geschlachtet hat und den Abfall nicht allein frisch verbrauchen … kann, so weicht man ihn über Nacht ein, nimmt die Lebern … und salzt sie ein …” (LHWb 1843, 60)

abgebrüht Adj
ugs. 'gleichgültig gegen Tadel und Scheltworte' de unempfindlich, abgestumpft, dickfellig; et paksu nahaga
ein abgebrühter Kerl 'ausgemacht.'
ein abgebrühter Esel.
siehe auch abbrühen, Dickfell

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 99
abgebrüht dickfellig, unempfänglich gegen Tadel und Schande.

abgerackert Adj
de ganz ermüdet; et kurnatud

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 161
abgerackert ganz ermüdet (vgl. rackern)

abgetragen Adj
de erschöpft, ermüdet; et väsinud, kurnatud
In einem zierlichen Schaukelstuhl schlummerte Frau Martha Reimers ... Sie sah müde, abgetragen aus, im Schlaf fast um zehn Jahre älter

QUELLEN

Gutzeit 1859, 7
abgetragen, erschöpft, ermüdet.

Seemann von Jesersky 1913, 99

Abgunst die
{mnd. afgunst 'Mißgunst'}
‣ Belege: Pernau
de Mißgunst; et pahasoovlikkus

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 99
Abgunst w. Mißgunst.

Kobolt 1990, 32
Abgunst Mißgunst. mnd. afgunst Mißgunst; plattd. Afgunst Neid; nhd. Abgunst veralt. für Mißgunst. Offenbar auf Pernau beschränkt.

abkatern V [h]
1. Vt de abladen, abnehmen (meist nur von schweren Gegenständen.)
vgl ankatern, aufkatern, katern, umkatern
2. Vt de abkarten
Das ist eine abgekartete Sache

QUELLEN

Gutzeit 1859, 9
abkatern abladen, abnehmen. Meist nur von schweren Dingen. Gew. Vgl. ankatern, aufkatern, katern

Sallmann 1880, 47
abkatern abladen

Seemann von Jesersky 1913, 99
abkatern abkarten, vorbereiten. Das ist eine abgekartete Sache.

Masing DBWB, 65
abkatern, sw. (ápkātərn) 1. abladen (meist von schweren Gegenständen); vgl. ankatern, aufkatern, katern, umkatern. Gtz. I, 9. Sallm. 79. _ 2. abkarten. Das ist eine abgekaterte Sache. SvJ 99.

abklappern V [h]
Vt unedel. de absuchen; et läbi käima (otsides)
Er hatte alle Geschäfte Rigas abgeklappert, aber doch nichts passendes gefunden
Ich hab' die ganze Kundschaft abgeklappert

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 99

Masing DBWB, 66
abklappern, sw. (ápklap̄ərn) viele Personen der Reihe nach auf{be}suchen, besuchen. Ich habe die ganze Kundschaft (Bekanntschaft) abgeklappert. SvJ99.


QUELLEN (Informanten)
Weinert, Paul: Riga
Er hatte alle Geschäfte Rigas abgeklappert, aber doch nichts passendes gefunden.

abklavieren V [h]
‣ Varianten: abclaviren, abklaviren
‣ Belege: Livland, Riga
Vt unedel. 'an den Fingern abzählen' de abfingern
Das kannst du dir doch wohl abklavieren!

QUELLEN

Gutzeit 1886, 4
abclaviren, etwas an den Fingern abzählen. Sich etwas abklaviren können. In Riga und Livland, in manchen Familien gew.

Westermann 1887, 387
abklavieren in Estland unbekannt

Seemann von Jesersky 1913, 99
abklavieren w. clarus: Finger. An den Fingern abzählen.

Masing DBWB, 68f.
abklavieren, sw. (ápklavīrən) abfingern, an den Fingern abzählen. Das kannst du dir doch wohl a.! Gtz. N 1886, 4. SvJ 99.

abknapsen V [h]
1. Vt unedel. 'eine pflichtgemäße Zahlung (Arbeitsleistung) herabsetzen, verkürzen.' et kärpima
Dann könnte man vielleicht etwas von den Gehorchsleitsungen oder der Geldpacht abknapsen
einem Angestellten etwas vom Lohn abknapsen
2. Vt unedel. 'unrechtmäßig abziehen' de absparen
sich etw. abknapsen
3. Vt veralt., unedel. de abtrumpfen
eine Person abknapsen 'ihr zurechtweisende Bemerkungen machen'
4. Vi veralt., unedel. de sterben; et surema
Er hat abgeknapst

QUELLEN

Gutzeit 1886, 9
abknapsen (–), einen, knapsen, abtrumpfen, ihm zurechtweisende Bemerkungen machen.

Gutzeit 1886, 9
abknapsen (ᴗ) bildl. f. sterben. Er hat abgeknapst.

Seemann von Jesersky 1913, 99
abknapsen o. absparen, unrechtmäßig abziehen.

Masing DBWB, 71
abknapsen, sw. (ápknapsən) 1. eine pflichtgemäße Zahlung (Arbeitsleistung) herabsetzen, verkürzen. Dann könnte man vielleicht etwas von den Gehorchsleitsungen oder der Geldpacht a. Grosberg, Meschw. 25. einem Angestellten etwas vom Lohn a. Hahn-Asuppen? _ 2. sich etw. a. absparen. Stryck. _ 3. † eine Person a., abtrumpfen, ihr zurechtweisende Bemerkungen machen. Gtz. N 1886, 9. _ 4. † sterben. Er hat abgeknapst. Gtz. N 1886, 9.

abkratzen V [h/s]
1. Vi unedel. de sterben; et surema
Der Küster empfing uns mit den Worten: „Diesen Winter kratzten alle Alten ab.”
Letzten Winter habe ich auch schon jeglaubt, ich muß abkratzen
Der ist schon längst abgekratzt
‣ Synonyme: abkreppen
2. Vt veralt., unedel. 'abzahlen, was man zusammengekratzt hatte'
3. Vr 'sich wund kratzen' de verkratzen

QUELLEN

Gutzeit 1859, 10
abkratzen 1) sich, st. sich die Füße abkratzen: kratz dich ab. Auch in Deutschland üblich. Vgl. Klencke, Gleim I. 53. - 2) sterben.

Sallmann 1880, 78, 124
abkratzen verkratzen
abkratzen kratzen, seltener abkratzen - sterben.

Gutzeit 1886, 9
abkratzen 3) abzalen, was man „zusammengekratzt“ hatte.

Seemann von Jesersky 1913, 99
abkratzen fortgehen: Kratz ab! sterben.

Masing DBWB, 77
abkratzen, sw. (ápkratsən) 1. ┌ sterben. Der Küster … empfing uns … mit den Worten: „Diesen Winter kratzten alle Alten ab.” Bienemann I, 120. Letzten Winter habe ich auch schon jeglaubt, ich muß abkratzen. Holm. Kerkh. 72. * 2. †┌ abzahlen, was man zusammengekratzt hatte. Gtz. N 1886, 9. _ 3. sich a. sich wund kratzen. Riga.


QUELLEN (Informanten)
Lange, Harald: Riga, Südlivland
abkratzen sterben. Der ist schon längst abgekratzt.

Ableger der
1. 'gepflanzter junger Trieb' de Setzling, Setzpflanze, Absenker; et istik
Ein Ableger gedeiht besser, wenn man ihn heimlich genommen, als wenn man ihn geschenkt bekommen hat
2. scherzh. 'Sohn' de Sprößling; et võsu
Der jüngste Ableger von Oberförster N. soll auch schon ein guter Schütze sein.
3. Buchb. 'Setzer, der die Typel nach ihrer Benutzung wieder in ihre Fächer einordnet'

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 99
Ableger gepflanzter junger Trieb, Setzling

Masing DBWB, 86
Ableger, m. (áplējər) 1. Setzer, der die Typel nach ihrer Benutzung wieder in ihre Fächer einordnet. Buchdr. _ 2. Setzpflanze, Absenker. Ein A. gedeiht besser, wenn man ihn heimlich genommen, als wenn man ihn geschenkt bekommen hat. Riga. _ 3. Übertragung des Worts in seiner 2. Bedeutung auf Personen (scherzw): Sprößling, Sohn. Der jüngste A. von Oberförster N. soll auch schon ein guter Schütze sein.

abluchsen V [h]
Vt ugs. 'von einem Widerwilligen durch List erlangen' de abschwatzen; et välja kavaldama
Wenn man´s nur richtig anfängt, kann man ihm alles abluchsen, so herzensgut ist er

QUELLEN

Sallmann 1880, 37
abluchsen s. luchsen

Seemann von Jesersky 1913, 99
abluchsen von einem Widerwilligen erlangen

Masing DBWB, 88
abluchsen, sw. (ápluksən) durch List erlangen, abschwatzen. Wenn man´s nur richtig anfängt, kann man ihm alles a., so herzensgut ist er. Stavenhagen, Salom 108.

abmarachen V [h]
‣ Varianten: abmaracheln, sich abmarackern
{ahd. marach 'Pferd, Mähre'}
‣ Belege: Südlivland, Dorpat, Riga, Pernau, Mitau, Illuxt, Hasenpoth (die erste Hälfte des 20. Jh.)
Vt, Vr ugs. '(jemand oder sich) aufs äußerste ermüden' de (sich) abstrapazieren, sich abrackern; et (end) ära vaevama
war nicht anzusehen, wie das Kind sich abmarachte

QUELLEN

Bergmann 1785, 2
abmarachen f. abmatten, abstrapazieren, sich abängstigen, abarbeiten, sich abmärgeln

Hupel 1795a, 3
abmarachen s. marachen

Gutzeit 1859, 12
abmarachen Jemand und sich, bis auf's Mark entkräften. Gew. Auch in Holstein, Meißen. Von Marag, Mark. Ton auf dem letzten, geschärften a.

Sallmann 1880, 48, 78
abmarachen aufs äußerste ermüden, tr. und intr., vom ahd. marak Mark. So auch in Holstein sich afmarachen sich abstrapazieren, in Meißen sich abmarachen, - Oder ist nach Analogie von sich abrackern, eig. wie ein Schinder sich quälen, an ahd. marach Pferd, Mähre - zu denken, wie man auch für schwere Arbeit, „Pferdearbeit“, für eine strenge Kur „Pferdekur“ sagt?
abmarachen sich abquälen

Eckardt 1904, 61
abmarachen s. murcheln

Seemann von Jesersky 1913, 99
abmarachen w. überanstrengen, ermüden

Masing 1926b, 48
abmarachen sich, sich abarbeiten, abquälen (Grimme, S. 148; Frischbier I., S. 9 und II, S. 50

Masing DBWB, 90
abmarachen, sw. (ápmarāx̅ən) sich abmarachen, sich abmühen, plagen. a., abmatten, abstrapazieren, sich abängstigen, abarbeiten, sich abmärgeln. Bergm. 2. …war nicht anzusehen, wie das Kind sich abmarachte. Rig. Rdsch. 1933, № 103.
┐┌abmarachern, abmarackern (ápmarāx̅ərn, ápmarak̅ərn) = abmarachen.

Kobolt 1990, 33
abmarachen refl. sich abrackern. westf. afmarakeln sich abquälen; lbg. afmarachen sich abmühen. In Pernau selten, aber nicht unbekannt.

abmogeln V [h]
‣ Belege: Dorpat, Fellin
1. Vt ugs. 'meuchlings töten' de abmeucheln; schlachten; et maha koksama, mõrvama
2. Vt de umbringen; et tapma

QUELLEN

Gutzeit 1859, 12
abmogeln, abmeucheln, od. tödten schlechtweg.

Sallmann 1880, 78
abmogeln meucheln

Seemann von Jesersky 1913, 99

Masing DBWB, 92
abmogeln, sw. (ápmōʒəln) 1. meucheln. Sallm. 78. S.v.J. 99. _ 2. umbringen, töten. v. Stryk. _ 3. schlachten, den Hals abdrehen. Dorp. Fell.

abpellen V [h]
Vt de abschälen; et koorima

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 99

Masing DBWB, 98
abpellen, sw. (áp̅el̅ən) abschälen. S.v.J. 99.

Abschauer der/die/das
‣ Varianten: Abschäuer, Abschur
‣ Belege: Riga
1. 'bedachter, aber offener Raum' de Abdach, Wetterdach, Regendach; et varjualune
Hofraum mit Abschnüren zur Bauer-Einfahrt bequemlich
ein Abschauer rund herum bezäunet und mit Krippen und Reddeln versehn
Abschauer für Reisende und Einkehrende
eine Abschauer zur Einfahrt
ein Krug mit einer Abschauer zur Bauern-Einfahrt
Hof mit einem gewölbtem Abschauer
gepflasterte Abscheuren
2. 'durch eine Seitenwand abgesonderte Stelle in einem Zimmer'
3. 'an eine Gebäudewand sich anlehnender Geräte- oder Wagenschuppen' de Schoppen, Hütte, Regenhütte, Verschlag; et kuur
wo sie (die Schweine) unter einem Abschauer leben
In einem … Hause sind … fünf … Zimmer mit … einem Stall auf 4 Pferde und einer Abschauer für einen Wagen zur Miethe zu haben

QUELLEN

Hupel 1795a, 4
Abschauer 1) ein Schoppen, eine Hütte, Regenhütte; 2) eine gesonderte Stelle in einem Zimmer; 3) ein Abdach

Gutzeit 1859, 15
Abschauer, der, in der ältern Sprache auch die und das, Abdach, Wetterdach, Regendach. Nach Hup. auch 2) eine abgesonderte Stelle in einem Zimmer, und 3) ein Schoppen, Hütte, Regenhütte. Das sehr gew. Wort, das bei Hoffm., nicht aber bei Grimm steht, ist, wie die Einrichtung, hier ein sehr altes. Die folgenden Beispiele werden vielleicht nicht unnütz sein. Eine Abschaur, 172. 1708. 224; Hofraum mit Abschnüren zur Bauer-Einfahrt bequemlich, 172. 1768. 9; ein Abschauer rund herum bezäunet und mit Krippen und Reddeln versehn, 172. 1786. 60; Abschauer für Reisende und Einkehrende, 172. 1780. 20; eine Abschauer zur Einfahrt, 172. 1781. 266; ein Krug mit einer Abschauer zur Bauern-Einfahrt, 172. 1781. 275; Hof mit einem gewölbtem Abschauer, 172. 1786. 101. In der Mh. auch Abschäuer: gepflasterte Abscheuren. 172. 1804. 61.

Hoheisel 1860, 31
Achauer, Abschauer, ein besonderer Behälter zum Aufbewahren von Holz, Vorräthen usw.

Sallmann 1880, 58
die durch eine Seitenwand abgetheilte Stelle eines Zimmers

Gutzeit 1886, 14
die abgetheilte Stelle im Zimmer, 390a. 411. In Estland, nicht in Livland!
Abschauer, die abgetheilte Stelle im Zimmer, 390c. 411. In Estland, nicht in Livland!

Westermann 1887, 387
in Estland: die durch eine Scherwand abgetheilte Hälfte eines Zimmers; in Kurland; kleine Scheune; in Livland ungebräuchlich

Seemann von Jesersky 1913, 99
Scheuer, Wetterdach

Masing 1926b, 56
Abschauer „bedachter, aber offener Raum; durch eine Scherwand abgeteilte Stelle eines Zimmers“ (R. Trögel „Friedr. Ludw. Jahn und die deutschen Mundarten“ in der Zeitschr. für deutsche Mundarten, Heft 1/2 1922, S. 70 abgeschauert, schwache Form neben abgeschoren in der Bedeutung von „durch Planken abgetrennt“...; mnd. schūr „Scheuer, Schuppen“ und scheren „zuteilen; abteilen“; Grimme, S. 159).

Mitzka 1927/1928, 172
Abschauer - rein hochdeutsch, vielleicht aus dem Nd. umgesetzt.

Masing DBWB, 113
Abschauer, m. im 18. Jh. auch n. und f. (ápšōər) 1. abgesonderte Stelle in einem Zimmer. Hupel Id. 4; durch eine Scherwand abgeteilte Stelle eines Zimmers. Sallm. 58; kleiner, als Schauer abgeteilter Raum, Verschlag. Stryck. _ 2. an eine Gebäudewand sich anlehnender Geräte- oder Wagenschuppen. Hahn-Asuppen?; kleiner, leichter Anbau aus Brettern. Stryck. In einem … Hause sind … fünf … Zimmer mit … einem Stall auf 4 Pferde und einer A. für einen Wagen zur Miethe zu haben. Rig. Anz. 1769, 130/1. _ 3. = Abdach (s.d.) … ein großer Hofraum und ein A. auf eine Menge Pferde. Mit. Intell. Bl. 17. III. 1808. Die Fuhrmannpferde standen im „A” – einem bedachten, … aber offenen Raum . im Wirtschaftshof. Bienemann I, 205. Hierher gehört vielleicht auch folgende, nicht ganz klare Stelle: Eine Amtsstube unterm Lubbendach mit etlichen Steigen auffzugehen, selbiges unter einen brettern A. V.B. Landv. 132 (1677/8). _ 4. In den Akten (des Zeitraums zwischen 1660 und 1710) wird der wandähnliche Abschluß zwischen dem Gemeinderaum und dem Altarraum mit den Worten „Schrankenwerk” oder „A” bezeichnet. Campe, Baugestaltung 23.
¤ Abschauer, „ … mit allen … Nebengebäuden, als Stallungen, … Badstube, Eiskeller, Riege, Abschauren …” (Rig. Anz. 1769, 51).

Uustalu 1982, 155
[zitiert Gubert (17. Jh.]: An den Rigen soll man an der Nord-Ost-Seite ain Abschur halten (91); mnd. schūr n. u, schure f. 'Schutz. Schirm; konkr. Ort, der Schutz, Obdach gewährt, Scheune' (Schl.-L-). Ins Estnische übernommen: kuur 'Scheune, Scheuer, Schuppen' (Wiedemann).

abschlagen V [h]
‣ Belege: Estland, Livland, Kurland, Riga
1. Vt 'durch einen Schlag verletzen' de schlagen; et ära lööma
ich habe mir den Kopf abgeschlagen
ich schlug mir schrecklich das Bein, den Arm, den Fuß ab [Dies will nicht bedeuten, dass man sich durch einen Schlag oder Hieb den Körperteil abgetrennt habe. Diese sonderbare Bed. entsteht durch das pleonastisch verstärkende ab; denn abschlagen ist nichts als schlagen, durch ab verstärkt. - Nie sagt man: er hat mir den Kopf abgeschlagen. Ebenso sagt man: sich abschlagen, sich verletzen durch einen Fall, Schlag, Stoß. Sie hat sich tüchtig abgeschlagen. Ganz ebenso verhält sich die Redensart: sich den Kopf zerschlagen, wo ebenfalls kein eigentliches Zerschlagen gemeint ist. Dieses abschlagen steht übrigens nicht ganz vereinzelt da. So führt Grimm an: Die Gurgel, die Kehle vom Vogel abschneiden, was sonderbar genug ist, da Gurgel und Kehle nur durchschnitten werden. Noch sonderbarer sind die ebenfalls von Grimm angeführten Redensarten: sich den Hals abfallen und Vögel, Hühner abschneiden, st. schlachten]
ein Orfey geben dem Gesellen, der sie (das Weib) wiederum abgeschlagen
zwei Fleischerjungen, daß sie des Mahlers S. Jungen auf der Gassen abgeschlagen
einen mit dem Stock abschlagen
sich die Hand, den Kopf, durch einen Schlag, Stoß verletzen [Lange und Stender]
Man bedauert das arme Weib, welches sich schon zum dritten Mal beim Fallen den Kopf abgeschlagen [Riemenschneider in 175. 1858. Nr.5]
(Arithmetische Aufgabe): Wenn die Hagenshoffschen Einwohner täglich einmal auf dem Glatteise der Düna den Kopf sich abschlagen, wievielmal mehr müßten dann Diejenigen, welche das Sandausstreuen unterlassen haben, ihre Köpfe abschlagen?
er hat sich den Kopf, den Finger (?) abgeschlagen, abgestoßen 'statt: zerstoßen (?!), geschlagen' [Hoheisel erklärt diese Redeweise [...] für lettisch und bemerkt, es dürfe uns nicht Wunder nehmen, daß aus dem Lettischen herstammende Provincialismen und lettisch klingende Wörter auch in Estland vorkommen. Seine Annahme ist eine irrige]
siehe auch ab-2
2. Vt de zerschlagen
die Felder sind durch den Hagel ganz abgeschlagen
3. Vt
die Fackeln an keinem gefährlichen Orte abschlagen, sondern mit den Füßen austreten, gleichsam die Flamme ab von der Fackel
4. Vt
der Brantwein hat die Probe abgeschlagen 'hält, gibt keine Perlen mehr, wenn das Probeglas angeschlagen wird' [Wenn die Probe abgeschlagen, gibt der Brantwein mit dem vierten Theil Wasser sog. Halbbrand]
5. Vt
von jedem Schiffpfund soll nicht mehr als 12 3/4 Pfund abgeschlagen werden
den Käufern zum Besten soll von allen nach Riga kommenden Waaren nur 12 1/3 ℔ vom S℔ abgeschlagen und dekurtiret werden [russ. вычитать]
6. Vt de beschlagen
nach der Abwrakung jedes Fass mit einem Stempel abschlagen
7. Vt
den Abschnürfaden abschlagen 'den gehobenen und gespannten Abschnürfaden loslassen'
die Kante einer Bettdecke oder deren Mitte abschlagen 'mit der Kreide bestrichenen Abschnürfaden die Linien für die Stappnat bezeichnen'
8. Vt de abklappen, herabschlagen, herunterschlagen
das Verdeck eines Wagens abschlagen
Kibitka mit einem Verdecke zum Abschlagen
eine abzuschlagende Britschka
einen Tisch abschlagen 'abklappen'
einen Regenschirm abschlagen 'herab- oder herunterschlagen'
9. Vi de schlagen
wir wollen warten, bis alle Thurmuhren abgeschlagen haben
10. Vt
Heuschläge abschlagen und vor Ueberwachsung conserviren 'bedeutet dies: abmähen oder von Strauch befreien?'
11. Vt
nachdem die Stute gehörig gedeckt worden und abgeschlagen
12. Vt de abschäuern, abkleiden, abteilen
der Bodenraum bietet hinreichend Raum, um eine Bodenkammer für den „Ältesten“ (Sohn) „abzuschlagen“, um allerlei Sachen aufzubewaren
siehe auch Abschlag
13. Vt de abladen
die Fuhren auf- und abschlagen [spätere Stellen: die Wahren von den Fuhren abnehmen]
14. Vt de schlagen, bezeichnen
Bootsmasten wraken und mit dem publiken Zeichen abschlagen

QUELLEN

Riemenschneider 1858a, Sp. 74-75
Es wäre, wenn es darauf ankäme, nicht schwer, das hiesige Deutsch nach verschiedenen Stufen zu charakterisiren, welche durch gewisse stehende Redensarten sich sogleich kenntlich machen. Auf die unterste Stufe, bei welcher man aus einer Reihe verkehrt oder halb ausgesprochener Wörter nur mit Mühe den Sinn des Satzes errathen kann, folgt eine höhere, auf welcher man von Längde und Wärmde reden hört, wo man sich so selbig befindet, noch höher bedauert man das arme Kind, welches sich schon zum dritten Mal beim Fallen den Kopf abgeschlagen, noch höher geht man Licht fragen und legt den Leuchter auf den Tisch oder bleibt in einer Gesellschaft (so lange), bis man sich amüsirt; noch höher macht man das Fenster fest und die Thür los, ja selbst der Mund wird losgemacht und es gilt für eine Unbequemlichkeit, daß die Nase fest ist, noch höher schließt man jeden Satz mit würde und möchte, u.s.w. - Genug, schlechtes Deutsch kann man bei uns überall hören, von dem Undeutsch (oder Gesindedeutsch) und dem Halbdeutsch an bis zum Conversationsdeutsch und Salondeutsch: unten sind die Volkssprachen, oben die modernen Verkehrssprachen sehr bald herauszuhören.

Gutzeit 1859, 16f.
abschlagen, 1) schlagen, durch einen Schlag verletzen. Hier sind die den Ostseeprovinzen eigentümlichen Redeweisen anzuführen: ich habe mir den Kopf abgeschlagen; hier kann man sich den Kopf abschlagen; ich schlag mir schrecklich das Bein, den Arm, den Fuß ab. Dies will nicht bedeuten, dass man sich durch einen Schlag oder Hieb den Körpertheil abgetrennt habe, sondern dass man ihn verletzt habe. Diese sonderbare Bed. entsteht durch das pleonastisch verstärkende ab; denn abschlagen ist nichts als schlagen, durch ab verstärkt. — Nie sagt man: er hat mir den Kopf abgeschlagen, oder hat mir den Fuß abgeschlagen. Ebenso sagt man: sich abschlagen, sich verletzen durch einen Fall, Schlag, Stoß. Sie hat sich tüchtig abgeschlagen. Ganz ebenso verhält sich die Redensart: sich den Kopf zerschlagen, wo ebenfalls kein eigentliches Zerschlagen gemeint ist. Dieses abschlagen steht übrigens nicht ganz vereinzelt da. So führt Grimm an: Die Gurgel, die Kehle vom Vogel abschneiden, was sonderbar genug ist, da Gurgel und Kehle nur durchschnitten werden. Noch sonderbarer sind die ebenfalls von Grimm angeführten Redensarten: sich den Hals abfallen und Vögel, Hühner abschneiden, st. schlachten.
2) zerschlagen. Die Felder sind durch den Hagel ganz abgeschlagen.
3) Die Fackeln an keinem gefährlichen Orte abschlagen, sondern mit den Füßen austreten, gleichsam die Flamme ab von der Fackel, 90.
4) der Brantweinhat die Probe abgeschlagen, d. h. hält, gibt keine Probe mehr, zeigt keine Perlen mehr, wenn das Probeglas angeschlagen wird. Wenn die Probe abgeschlagen, gibt der Brantwein mit dem vierten Theil Wasser sog. Halbbrand.
5) von jedem Schiffpfund soll nicht mehr als 12 Pfund abgeschlagen werden, 149.
6) nach der Abwrakung jedes Fass mit einem Stempel abschlagen, beschlagen, 137.
7) den Abschnürfaden, den gehobenen und gespannten Abschnürfaden loslassen; die Kante einer Bettdecke oder deren Mitte abschlagen, mit dem Kreide bestrichenen Abschnürfaden die Linien für die Steppnat bezeichnen.
8) das Verdeck eines Wagens. Kibitka mit einem Verdecke zum Abschlagen 172. 1797. 422; eine abzuschlagende Britschka, 172. 1804. 580; einen Tisch abschlagen, abklappen. Schon bei Bg. 210; einen Regenschirm, herab- oder herunterschlagen.
9) Wir wollen warten, bis alle Thurmuhren abgeschlagen baben, geschlagen.
10) Heuschläge. Heuschläge abschlagen und vor Ueberwachsung conserviren, 193. II. 2. 1214. Bedeutet dies: abmähen oder von Strauch befreien?
11) von einer Stute. Nachdem die Stute gehörig gedeckt worden und abgeschlagen. 172. 1795. 119. —
13) abschäuern, abkleiden. S. Abschlag.

Hoheisel 1860, 24
abschlagen, abstoßen: Er hat sich den Kopf, den Finger abgeschlagen, abgestoßen st. zerschlagen, gestoßen (lettisch *).

Sallmann 1880, 110
Eigentümlich sind auch die durch Zusammensetzung mit an, ab gebildeten Redensarten, wonach sich einer den Kopf abschlägt, die Zehe abtritt, den Finger absticht, das Ohr abfällt, die Nase abstößt, die Hände abfriert, d. h. durch Anschlagen, Treten, Stechen, Fallen, Stoßen, Frieren verletzt, […]

Gutzeit 1886, 14f.
abschlagen, 1) schlagen. Ein Orfen geben dem Gesellen, der sie (das Weib) wiederum abgeschlagen. 349. XXV. 1. J. 1671/2; zwei Fleischerjungen, daß sie des Mahlers S. Jungen auf der Gassen abgeschlagen, ebda. 1665/6; einen, mit einem Stock, 365. J. 1666, schlagen. Sich die Hand, den Kopf, durch einen Schlag, Stoß verletzen, Lange und Stender. — Man bedauert das arme Weib, welches sich schon zum dritten Mal beim Fallen den Kopf abgeschlagen, Riemenschneider in 175. 1658. N 5. — Ein Eingesandt in rig. Ztg. 1884. 50 enthält ein Non plus ultra: „(Arithmetische Aufgabe). Wenn die Hagenshoffschen Einwohner täglich einmal auf dem Glatteise der Dünn den Kopf sich abschlagen, wieviel mal mehr müßten dann Diejenigen, welche das Sand ausstreuen unterlassen haben, ihre Köpfe abschlagen?“ Hoheisel (322. 24) erklärt die Redeweise: er hat sich den Kopf, den Finger (?) abgeschlagen, abgestoßen, statt: zerstoßen (?!), geschlagen für lettisch und bemerkt, es dürfe uns abschlägig — nicht Wunder nehmen, daß aus dem Lettischen herstammende Provincialismen und lettisch klingende Wörter auch in Estland vorkommen. Seine Annahme ist eine irrige. —
5) Den Käufern zum Besten soll von allen nach Riga kommenden Waaren nur 12 3/4 ℔. vom S℔. abgeschlagen und dekurtiret werden, 149, russ. вычитать. —
13) abschäuern, abteilen. Der Bodenraum bietet hinreichend Raum, um eine Bodenkammer für den „Ältesten“ (Sohn)„abzuschlagen“; im Vorhause ein Kammerchen abschlagen, um allerlei Sachen aufzubewaren. —
14) abladen. Die Fuhren auf- und abschlagen, 306. Spätere Stellen: die Wahren von den Fuhren abnehmen. —
15) schlagen, bezeichnen. Bootsmasten wraken und mit dem publiken Zeichen abschlagen, 283.

Eckhardt 1896, 31
sich den Kopf abschlagen

Eckardt 1904, 45, 48
Was weinst du Junge? - „Ich bin heruntergefallen.“ - Herunter? Von wo herunter? Der Knabe machte ein verdutztes Gesicht. „Auf der Diele, und da hab ich mir den Kopf abgeschlagen.“ - Den Kopf abgeschlagen? - Kein Wort mitleidigen Trostes kam über die Lippen des jungen Magisters. Er schmunzelte vergnügt und zog sein Notizbuch aus der Brusttasche hervor. _ Was hustest du denn so erbärmlich, Karl? _ „Ich - ich habe mich verschluckt, Herr Mezer!“ - Was? dich - verschluckt? Wieder ein Sonnenblick in des Magisters nebelgrauer Schulatmosphäre und wieder ward das Notizbuch um einen Schatz reicher.
Man schlägt sich in Riga so gut den Kopf ab wie in Pernau oder Reval, verschluckt sich hier wie dort ein paar Mal des Tages, ohne an seinem Wohlbefinden Schaden zu nehmen. In Riga so gut wie in Mitau oder am Embach setzt man sich con amore in den Fuhrmann oder auf den Fuhrmann und beide Teile sind es zufrieden. Mit all derlei Arten oder Unarten der Lebensführung, zu denen wir uns als gute Balten gemeinsam bekennen, haben wir es hier also nicht zu tun, wir belauschen dagegen unsre mit unverfälschtem Dünawasser getauften Mitbürger in ihrer harmlosen Unterhaltung und achten lediglich auf jeden Laut und jede Wendung, die auch uns Provinzlern ungewohnt und fremd ans Ohr klingen.

Seemann von Jesersky 1913, 99
verletzen: Ich habe mir den Kopf abgeschlagen. Hast du dich abgeschlagen?

Stegmann von Pritzwald 1952, 421
ich habe mir den Kopf abgeschlagen = gestoßen, geschlagen

Masing DBWB, 1178ff.
abschlagen, st. (ápslāʒən) 1. † verprügeln. Catrin Spillmansche, eine(n) spilman tapfer abgeschlagen – 36 Mk. Rig. Vogt. Rechn. 1625. … dann wan sie betroffen würden, schlugen des Teufels … Wächter sie mit einer … langen Peitschen … grimmig ab … Livl. Landger. akten. № 99, 4 (1692). 2. † zerschlagen. Die Felder sind durch den Hagel ganz abgeschlagen. Gtz. I, 17. _ 3. Fackeln a., sie durch Schlagen auf dem Boden löschen. Die Fackeln an keinem gefährlichen Orte a., sondern mit den Füßen austreten. Der Königl. Stadt Reval erneuerte Feuerordnung 1698 (nach Gtz. I, 17). _ 4. Eidotter a., sie nach dem Zerschlagen der Eierschalen in ein Gefäß gleiten lassen. Die Eidotter werden in einen Topf abgeschlagen, das Eiweiß zu Schaum geschlagen. Handschriftl. Rezept. Kurl. um 1850. _ 5. Holzgegenstände a., mit einem Schlageisen stempeln. Bootsmasten zu wraaken und … mit dem publiquen Zeichen abzuschlagen. Taxa Mwr. Riga. 1800, 9. _ 6. den Abschnürfaden a., den gehobenen und gespannten Faden loslassen; die Kante einer Bettdecke oder deren Mitte a., mit dem mit Kreide bestrichenen Abschnürfaden die Linien für die Steppnaht bezeichnen. Gtz. I, 17. _ 7. † (hinabklappen) Stiefelschäfte, Tischplatten, das Verdeck eines Fuhrwerks, einen Regenschirm a., hinabklappen. … ein par Stiefeln, welche nach englischer Art abgeschlagen sind. Rig. Anz. 1773, 80. Ein … engl. Wagen … , dessen Verdeck auch abzuschlagen ist. (Rig. Anz.) eb. da. 1781, 133. Eine wohlkonditionirte, … , abzuschlagende Pritschka … eb. da. 1804, 580. … eine … Mütze mit einer … Brehm zum A. Mit. Ztg. 25. II. 1794. _ 8. † Heuschläge a., abmähen. Wenn ein Gesinde wüste wird, … ,so muß das dazu gehörige Korn-Land allerdings ruhen, die Heuschläge aber jährlich abgeschlagen und für Üeberwachsung conserviret werden. Buddenbr. Landr. II, 1214 (1696). _ 9. zu Ende schlagen. Wir wollen warten, bis alle Thuruhren abgeschlagen haben. Gtz. I, 17. _ 10. abschäuern (s.d.) Der Bodenraum bietet hinreichend Raum, um eine Bodenkammer … abzuschlagen. Gtz. N 1886, 15. _ 11. † abladen. Die Fuhren auf- und abschlagen. Taxa und Ligger 1859 nach Gtz. N 1886, 15. _ 12. † abgießen. Wen daß fleisch ist halb gekocht, so schlegt man daß Waßer ab undt richtet eß zu mitt Wein … Kochbüchlein 71. _ 13. ┌ einen kalten (Bauern) a., (ejaculationem seminis efficere) sperma eicere. _ 14. coitum repellere … nachdem die Stute gehörig gedeckt und ageschlagen … Rig. Anz. 1795, 119. _ 15. † abziehen, abrechnen. … dasz in den Wagen weiterhin nicht mehr 1Lll vom Sll den Trembden abgeschlagen noch 6 Cent von dem Getreyde genommen werden solte … Bulm. AuU I, 156 (1712). (…?) … wozu und wie lange einige Lieszpfunde in der Wage abgeschlagen werden … eb. da 521 (1723). _ 16. der Branntwein hat die Probe abgeschlagen, hält, gibt keine Probe mehr, zeigt keine Perlen mehr, wenn das Probeglas angeschlagen wird. Wenn die Probe abgeschlagen, gibt der Branntwein mit dem vierten Teil Wasser sogen. Halbbrand. Gtz. I, 17. _ 17. sich a., durch einen Fall, Stoß oder Schlag verletzen. Er rannte im Dunkeln gegen einen Schrank und schlug sich tüchtig ab. Bevor eine Braut zum erstenmal in der Kirche aufgeboten wurde (von der Kanzel fiel), pflegten ihr die Freundinnen ein Kästchen zu schenken, in dem auf einem kleinen Kissen eine Miniaturkrücke und ein zierlicher Stäbchen (meist aus Elfenbein gedrechselt) lagen In Mitau wurde außerdem folgendes Verschen hinzugefügt: „Hold Liebchen, heut´ fällst du von der Kanzel herab; Leg´ unter das Kissen, sonst schlägst du dich ab!” Dieser Brauch erhielt sich bis zum Beginn des Weltkrieges lebendig. sich die Hand, den Kopf usw. a., verletzen. … bedauert man das arme Kind, welches sich schon zum dritten Mal beim Fallen den Kopf abgeschlagen. Inland 1858, 74. _ 18. part. abgeschlagen, ermattet, entkräftet: a. sein oder sich fühlen. Gtz. I, 17.

Masing DBWB, 120
abschlagen, Ferner gehört es sich, daß de Teig zuerst in der Backschüssel (Mulde) abgechlagen wird, bis er sich schält, dann wirkt man ihn auf einem mit Mehl besträuten Backbrette aus, wobei man ihn tüchtig klopft, um das Gähren zu befördern, und setzt ihn dann, leicht gedeckt, einer mäßigen Wärme aus. Mit. Kochb. 1876, 298.
¤ abschlagen, Nim junge hüner, wen sie halb gesotten, schlage den meinsten Teil davon ab, … (Kochbüchlein 73).
¤ Probe abschlagen, Um die Stärke des aus den Röhren fließenden Strahls zu rechter Zeit mäßigen und das Feuer darnach dämpfen zu können; auch ziemlich genau zu bestimmen, wie vielen Branntwein man erhalten werde, muß der aus den Röhren laufende Branntwein öfters probirt werden. Dies geschieht, wenn man ein kleines Gläschen … vor dem Auslauf hält und halb voll laufen läßt … (157). Wenn man nun dieses, oben mit dem Finger zugehaltene, Gläschen einmal schüttelt oder anschlägt; so sieht man gleich, ob es Probe hält, das heißt, ob Perlen entstehen. Hiebey muß man sich merken, daß auch der erste stärkeste Spiritus … keine Probe hält; und so lange muß er auch am stärkesten laufen; darauf …. hält er Probe, und muß derweilen mittelmäßig (nämlich eines Strohhalmes dick) laufen: dann aber hört erbald auf, Probe au halten, oder, nach der Kunstsprache: er hat die Probe abgeschlagen, das heißt, er hält keine Perlen mehr, wenn es angeschlagen wird; das Feuer muß alsdann sogleich sehr ermäßigt, und das im Vorlagefaß vorhandenes Quantum gemessen werden, um ungefähr zu wissen, wie viel man noch dazu könne laufen lassen, und wie viel guten Branntwein man überhaupt zu bekommen Hoffnung habe: … (Hupel, Oek. Handb. II, 156/7, Fußnote 82).
¤ abschlagen, sich, Wenn ein Fisch blau gekocht werden soll, muß man dafür sorgen, daß er im Wasser bleibe, nicht trocken gebracht werde, und sich den zarten Schleim nicht abschlage, vermöge dessen er nur blau werden kann. (LKWb 1817, 204).

Nottbeck 1987, 16
Ich habe mir den Kopf am Fenster abgeschlagen - gestoßen /E. K. L. R.


QUELLEN (Informanten)
Weinert, Paul: Riga
durch Stoß verletzt: Ich habe mich abgeschlagen.

abschurren V [h/s]
1. Vt 'das Schuhwerk abnutzen' de abscheuern, abwetzen (nicht ganz dasselbe was abschlurren); et läbi kulutama (jalanõusid)
Stiefel, Schuhe abschurren
2. Vi 'mit scharrendem Geräusch abrutschen' de abgleiten
der Schlitten schurrte ab
3. Vt 'mit den Füßen abreiben'
vgl abschaufeln

QUELLEN

Gutzeit 1859, 18
abschurren. 1) schurrend abgleiten. Der Schlitten schurrte ab. 2) Stiefel, Schuhe, durch Schurren abnutzen. Nicht ganz dasselbe, was abschlurren.

Gutzeit 1886, 16
abschurren, 3) mit den Füßen abreiben, vgl. abschaufeln.

Seemann von Jesersky 1913, 99

Masing DBWB, 129
abschurren, sw. (ápšur̅ən) 1. mit scharrendem Geräusch abrutschen. Der Schlitten schurrte an. Gtz. I, 18. _ 2. Schuhwerk durch Schurren abnutzen. eb. da. _ 3. mit den Füßen abschurren, abnutzen. Gtz. N 1886, 16. SvJ99.

Kobolt 1990, 34
abschurren abwetzen, das Schuhwerk abnutzen; sterben. plattd. schurren; pr. abschurren, afschorre sterben; nhd. schurren die Füße nachschleifen

abstinken V [s]
Vi ugs. 'sich entfernen' de verschwinden, sich packen; et silmist kaduma
stink ab!
da bin ich abgestunken 'ich habe mich heimlich entfernt'

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 100

Masing DBWB, 144
abstinken, st. (ápštiŋkən, -štiŋkŋ) sich entfernen, verschwinden. Stink ab! Pack dich!

abtrumpfen V [h]
1. Vi 'die Trumpfe abziehen, abspielen' et trumpi välja käima
trumpf doch ab!
2. Vi 'rückhaltlos die Wahrheit sagen' et tõtt välja ütlema

QUELLEN

Gutzeit 1859, 23
abtrumpfen, A. d. g. B. die Trumpfe abziehen, abspielen. Trumpf doch ab!

Seemann von Jesersky 1913, 100

Masing DBWB, 155
abtrumpfen, sw. (áptrumfən) die Trumpfe abspielen. Trumpf doch ab! Gtz. I, 23. Wir fangen an, ich trumpf gleich ab, un er – er sticht mein Kör mit Treff … Kör is doch Trumpf! KGKupffer LL 115/6.

id ab und zu
1. de zuweilen, ab und an, hin und wieder; et vahetevahel
2. selten. de hin und zurück, ein und aus; et edasi-tagasi
die ab und zu gingen
sich kleiner Fahrzeuge zum Ab- und Zusegeln bedienen
siehe auch ab-2

QUELLEN

Gutzeit 1859, 2
ab und zu Bed.: zuweilen; nie: auf und ab oder hin und her. Die Bed.: hin und zurück, hinein und hinaus hat es aber bei ältern livl. Schr., (und auch in den Wörtern ab- und zuführen, Ab- und Zufuhr). So Brandis Chr. 131: in derselben Haven und Stremen ab- und zureisen (lassen); Nyenstädt Chr. 115: Die ab und zu gingen, wo wir jetzt sagen: ein und aus; ebenda 93: frei Geleite ab und zu.

Gutzeit 1886, 2
ab und zu. Sich kleiner Fahrzeuge zum Ab- und Zusegeln bedienen, 70.

Seemann von Jesersky 1913, 100
ab und zu R. ab und an, hin und wieder, bisweilen

achter Präp
‣ Varianten: after
de hinter
meinem Sohne gebe ich mein Haus, mit den Steinhäusern und aller Zubehörung achter und forn

QUELLEN

Gutzeit 1859, 25
achter, Nw. Niederdeutsche Form für after, die in mehren Zusammensetzungen schon veraltet ist, in mehren noch vorkommt.

Sallmann 1880, 28
achter hinter

Gutzeit 1886, 23
achter. Meinem Sohne gebe ich mein Haus, mit den Steinhäusern und aller Zubehörung achter und forn, 350. XIV. 5.

Seemann von Jesersky 1913, 100
achter, after, w. hinter

Masing 1926b, 27

adieu Interj
‣ Varianten: atje, atjes, adjos
de auf Wiedersehen! (verbreitetster Abschiedsgruß in dieser Bedeutung), lebe (lebt) wohl!; et hüvasti!, jumalaga!
adje sagen 'sich empfehlen'
„Nu, denn ist's gut, Jonas,“ sagte die Krause beruhigt, „Adjes auch!“ Sie reichte ihm die Hand hin.
siehe auch Interjektionen

QUELLEN

Bergmann 1785, 2
adje sagen, für: sich empfehlen

Seemann von Jesersky 1913, 100, 102
adjos!
atje(s) w. adieu

Kobolt 1990, 36
adieu verbreitetster Abschiedsgruß in dieser Bedeutung: Auf Wiedersehen!
plattd. adjüs, adjö, adje; pomm. adjis; nhd. adieu veralt., landsch. für: lebe (lebt) wohl!

id Adolf blitz!
de hau' zu!; et las käia!, põruta!

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 100
Adolf blitz! hau' zu!

Advokat der
‣ Varianten: Avkat
de Rechtsanwalt; et advokaat

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 103
Avkat, Advokat

Kobolt 1990, 36
Advokat m. Rechtasanwalt. lbg. Afkat; nhd. Advokat veralt., landsch. für: Rechtsanwalt

Agurtschiken pl
de Gurken; et kurgid

DAZU:
Überschlagen und Kreisen des Papierdrachens in der Luft

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 100
Agurtschiken огурцы Gurken. Überschlagen und Kreisen des Papierdrachens in der Luft.

Ahling der
{mnd. halung, haling; lett. ãliņš, ãliņgiš 'Eis-, Netzwuhne'}
‣ Belege: Lettland
'offenes Loch im Eis' de Wuhne; et jääauk

QUELLEN

Bergmann 1785, 2
[ahling Wuhne im Eise]

Hupel 1795a, 5
Ahling (Lett.), Wuhne im Eise

Seemann von Jesersky 1913, 100
Ahling let. ahlingis, Wake. Loch im Eise zum Wasserschöpfen

Revaler Bote 1919-1930, 1928/157
[34.0097-12: Rosenberg in Revaler Bote 1928, Nr. 157]: notiert zu Grosberg,. Meschw., daß im Nordbaltikum Ausdrücke wie eine Zibbe Butter, Heu in Gubben, Paggel, Ahling fremd seien.

Sehwers 1936, 21
Alingis „Eiswuhne“ stammt aus nd. haling „Wuhne“. Frischbein in seinem Preuß. Wb. I, 296 und II, 472 führt die hd. Form Holung in der Bedeutung „große Wake im Eise, aus der das eingelassene Netz geholt, d.h. gezogen wird“ an. Bei den baltischen Deutschen scheint die nd. Form haling gegen Ausgang des 18. Jhs. nicht mehr im Gebrauch gewesen zu sein, da Gustav Bergmann 1785 in seiner „Sammlung livländischer Provinzialwörter“ S. 2. „ahling für Wuhne im Eise anführt. Das Fehlen des anlautenden h bezeugt, daß das Wort aus dem Lett. stammt, wo bei der Herübernahme des Wortes aus dem Nd. ins Lett. das anlautende h abgefallen ist. Auch Hupel 1795 in seinem Idiotikon... S. 5 bezeichnet das Wort als einen Lettizismus. „Ahling (Lett.), Wuhne im Eise“. Wie das oben gezeigt ist, so ist das urspr. ein nd. Wort, das ins Lett. entlehnt worden ist, worauf wieder eine Rückentlehnung aus dem Lett. in die baltisch-deutsche Umgangssprache stattgefunden hat. In der gegenwärtigen baltisch-dt. Umg. ist das Wort unbekannt.

Kiparsky 1936, 79
Ahling [āliŋ] m. 'Wuhne' ‹ lett. ãliņš, ãliņgiš 'Eis, Netzwuhne'. Schon bei BERGMANN 2; heute in K. und LL. (z.B. bei GROSBERG Meschwalden S. 235 und JESERSKY 100.

HWbGA 1936, 202
Ahling lett. alingis ‹ mnd. haling, ... Holung

Grosberg 1942, 303, 320
Loch im Eis: „im Ahling tunken“

Teuchert 1944 , 376
auf dem Fischlande, am Haff ind in der Dramburger Gegend begegnet Hälung, Häling als Bezeichnung des größeren Ausziehlochs.


QUELLEN (Informanten)

WL 3,4: offenes Loch im Eis. 1) Wuhne, die, Mundartlich auch in Nord- und Mitteldeutschland; 2) Wake, die: Niederdeutsch, J. Renners Livl. Historien: „Leth vele wake int is houwen.“; 3) Ahling, der. Nur in Lettland. ‹ lett. alingis. Schon bei Bergm. (1785); Seemann von Jesersky (S. 100) Grosberg Meschwalden 225.


WL 3,4: der u. das Ahling - gehauenes Loch im Eis. ‹ lett. 32x belegt.
Aale (?), vgl. Ahling Gehauenes Loch im Eis. WL 3,4. 1x belegt.


im lett. Sprachgebiet belegt.

ahoi Interj
‣ Varianten: hoi
Seem. 'höre!; komm!' de hoi! (Schifferruf); et ahoi!
ahoi! [die zweite Silbe betont]

QUELLEN

Gutzeit 1859, 27
ahoi, zuweilen st. hoi. Zweisylbig, und die zweite betont.

Seemann von Jesersky 1913, 100
ahoi! Schifferruf: höre! komm!

akkrat Adj
‣ Varianten: accuratus
de richtig, genau

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 100
akkrat, accuratus, richtig, genau

alberieren V [h]
‣ Belege: Estland, Kurland, Livland
Vi 'Albernheiten treiben; albern sein' de albern; et veiderdama
selbst beim Essen alberierten die Kinder

QUELLEN

Gutzeit 1886, 26
alberiren, albern, Albernheiten treiben, 390c. 25 und 58.

Seemann von Jesersky 1913, 100
alberieren, sich albern betragen

Revaler Bote 1919-1930, 1928/157
[Rosenberg in RB]

Kentmann 1978, 238

Nottbeck 1987, 16
alberieren selbst beim Essen alberierten die Kinder E.K.L.

Kobolt 1990, 37
alberieren albern sein, albern. nhd. albern. Balt. Ableitung mit der beliebten Endung -ieren


QUELLEN (Informanten)
Koskull, Josi von: Tergeln bei Windau

all2 Adv
de gleich, bereits, schon; et juba
das ist all gewesen 'das ist schon gewesen'
die Zeit ist all um
‣ Synonyme: allschon

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 100
all, w. schon, das ist all gewesen. Die Zeit ist all um.

allander Pron
'je eins übers andere'
allander Tage, Woche etc.

QUELLEN

Gutzeit 1859, 28
allander. Die folgenden Verbindungen sind gewöhnlich.

Seemann von Jesersky 1913, 100
allander. je eins übers andere, Tage, Woche etc.

alle Adv
de aus, zu Ende; et otsas
mein Geld ist alle
da war's mit seiner Weisheit alle

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 100
alle, aus, zu Ende, mein Geld ist alle, da war's mit seiner Weisheit alle

allein Adv
de ununterbrochen, nur
so allein sprach sie 'nur in diesem oder solchem Sinne'
sie schlugen sich, dass es allein knallte 'dass man nichts als Knall hörte'
laufends allein
stramm allein
sachtens allein
furstens ?? allein

DAZU:
allein wie ein Finger (id) 'fingerallein'
allein sein 'einen Rausch, eine „Tabakspfeife“ haben' [Riga. 1879]

QUELLEN

Gutzeit 1859, 29
allein. Häufig in folgenden Redensarten. So allein sprach sie, d. h. nur in diesem oder solchem Sinne; sie schlugen sich, dass es allein knallte, d. h. dass man nichts als Knall hörte.

Gutzeit 1886, 28
allein sein, einen Rausch, eine „Tabakspfeife“ haben. Riga. 1879.

Seemann von Jesersky 1913, 101
allein, ununterbrochen, nur: laufends allein, stramm allein, sachtens allein, furstens allein.

Kiparsky 1936, 192
allein wie ein Finger, s. fingerallein

id alle Jubeljahre
'ganz selten' et haruharva
Du schreibst mir ja nur alle Jubeljahre

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 129
Jubeljahr, alle 'sehr selten'


QUELLEN (Informanten)
Schönfeldt, Sigrid: Riga

allens Pron, Adv
1. Pron de alles; et kõik
allens eins
2. Adv de ganz; et täiesti, täitsa
es ist allens gleich od. einerlei

QUELLEN

Gutzeit 1859, 29
allens st. alles. Im niedern Mittelstande gew. Es ist allens gleich od. einerlei.

Seemann von Jesersky 1913, 101
allens, w. alles, ganz, allens eins.

allmeintag Adv
'ständig, wiederkehrend, ein Tag wie der andere' et päevast päeva

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 101
allmeintag, w. ständig, wiederkehrend, ein Tag wie der andere

alt Adj
‣ Varianten: oll, olt
alte Bude, alte Kalesche, alte Kratsche, alte Nudel, alte Pfeife, alter Einschnitt, alter Knacker, alter Teepott, alter Ziegenbock, alte Schachtel, altes Weib, alte Trulle, alte Ziege
1. de verdorben
altes Fleisch
das Fleisch ist alt, wird im Sommer bald alt
Fleisch vor dem Altwerden schützen [man gebraucht dies Wort auch von geräucherten Strömlingen, Milch, Butter, Käse, jedoch seltener; sehr häufig von Eiern]
ein altes Ei ist zufällig in den Teig gekommen
unter 5 Eiern, die man auf dem Markte kauft, findet sich gewiss ein altes
die Milch hat einen alten Geschmack 'eigentümlich unangenehm durch beginnende Verderbniss'
alte Butter [schon bei St.]
2.
Alt-Georgi 'Georgi alten Styls'
Alt-Jakobi
Alt-Johanni [der Gegensatz ist Neu-Georgi, Neu-Johanni]
3. 'nach dem Alten, wie es bisher Gebrauch war'
Sehr gew. jetzt und in ältern Verordnungen, in denen man häufig nachm alten findet
altem nach
nach altem Gebrauch
nach dem Alten
dem Alten zuwider 'dem alten Herkommen oder Gebrauche entgegen'
4. de altbacken
altes Brod 'altbackenes Brot'
5.
die älteste Karte 'höchste' [hier und da]
6.
Bohnen im alten Mist säen
7.
altes Haus 'Student in den letzten Halbjahren' [Gew.]
8.
nur nicht übereilt, und die Alte geschlossen 'die Birkhenne als Mutter der Jungen'
9. 'älter: mit größerer Erfahrung im Dienst'
Älterer Rath in der Gouvernementsverwaltung
älterer Secretär 'Obersecretär, älter im Dienst' [Wendungen nach dem russ.]
älterer Lehrer 'Oberlehrer'
älterer und jüngerer Gehilfe, Sekretär, Geschäftsführer etc. [offizielle Bezeichnung für die betr. Beamten von höherem oder niederem Rang]

DAZU:
alter Mensch muß krepieren, junger Mensch sich veramüsieren (id)
siehe auch alte baltische Tänze

QUELLEN

Gutzeit 1859, 30
alt. 1) Häufig im Sinne von verdorben. Altes Fleisch, das Fleisch ist alt, wird im Sommer bald alt; Fleisch vor dem Altwerden schützen. Man benutzt dies Wort auch von geräucherten Strömlingen, Milch, Butter, Käse, jedoch seltener; sehr häufig von Eiern; ein altes Ei ist zufällig in den Teig gekommen; unter 5 Eiern, die man auf dem Markte kauft, findet sich gewiss ein altes. Die Milch hat einen alten Geschmack, d. h. eigentümlich unangenehm durch beginnende Verderbniss. — Schon St. hat: alte Butter.
2) bemerkenswert in den Verbindungen wie Alt-Georgi. Alt-Jakobi, Alt-Johanni, st. Georgi alten Styls. Der Gegensatz ist Neu-Georgi, Neu-Johanni.
3) nach dem Alten, wie es bisher Gebrauch war. Sehr gew. jetzt und in ältern Verordnungen, in denen man häufig nachm alten findet. —
4) altes Brod, st. des hier unbekannten: altbackenes.
5) Die älteste Karte, höchste. Hier und da.

Sallmann 1880, 114
Aelterer und jüngerer Gehilfe, Sekretär, Geschäftsführer etc., offizielle Bezeichnung für die betr. Beamten von höherem oder niederem Rang.
altes Weib eine Art hausbackener Kuchen.

Gutzeit 1886, 30
alt. 3) Dem Alten nach, d. h. wie bisher üblich war, 251 u. 295; altem nach, 265, nach altem Gebrauch; nach dem Alten, 275. Dem Alten zuwider, 349. XV. 4, d. h. dem alten Herkommen oder Gebrauche entgegen. —
6) Bohnen im allen Mist säen. 328. 124
7) Altes Haus, Student in den letzten Halbjahren, 324. Gew.
8) Nur nicht übereilt, und die Alte geschlossen, 333. 71, d. h. die Birkhenne als Mutter der Jungen. —
9) Älterer Rath in der Gouvernements-Verwaltung; älterer Secretär st. des früher üblichen Wortes: Obersecretär, älter im Dienst. Wendungen nach dem russ. Ebenso älterer Lehrer st. Oberlehrer. [gestrichen?]

Seemann von Jesersky 1913, 152
oll, olt, o.w. alt

Älteste der
‣ Varianten: Elster, Eltester, Eltister
1. 'Mitglied der Ältestenbank (in den Bürgerschaften Rigas)'
2. 'Aufseher bei Fronarbeiten' et kubjas
Elster Dreiling
ein gut empfohlener Älteste (Starosch) kann sich melden
‣ Synonyme: Starosch, Wagger

QUELLEN

Provinzialrecht II
Ständerecht [Zahlenangaben zu einzelnen Städten] [01.2095]
Dorpat: Ständerecht §1099 Anm.: Die Bewohner von Dorpat, die weder zur großen, noch zur kleinen Gilde gehören, wählen, mit genehmigung des Rathes, aus ihrer Mitte zwei Älteste, den einen für die Russen, den anderen aber für die Esthen. Diese Ältesten sind verpflichtet, die Rechte und Interessen ihrer Mitbürger in allen Fällen wahrnehmen, wo es sich um die Vertheilung der städtischen Abgaben und anderer Leistungen handelt [01.2096]

Gutzeit 1859, 30
Älteste der, ein Ältester, in Riga. Ältester einer Gilde, der Schwarzhäupter, beim Rathe. Gesprochen wird das Wort, ebenso wie die folgenden, zusammengezogen: Älste, Älster. [Auf Gütern: Bauerälteste, Gutsälteste???] Auf den Wunsch meines Ältesten, 176. 1837.38

Sallmann 1880, 54
Älteste Schwarzhäupterbrüder mit ihrem -haus, ihrem erkorenen Aeltesten und den Hauptleuten

Gutzeit 1886, 31
Älteste 1) in den Bürgerschaften Rigas, Mitglied der Ältestenbank. Früher auch: Eltister. - 2) im Erzstifte Riga zählte der Stiftsrath 12 Glieder, welche Älteste im Rathe hießen. vgl. 347. 1.2.391.
Beleg 1677: Elster Dreiling Rig. Stadtbl. 1883
3) auf Gütern. Ein gut empfohlener Älteste (Starosch) kann sich melden auf dem Gute Linden, rig. Zt. 1874. 296. - Die Aussprache schon seit langem wie Elster und daher auch so geschrieben zu finden. Elster Dreiling, 477. 307.
Auch die Constabler im schwed. Riga hatten Älteste. Elster die Constapel. 477. 307

Hahn 1911, 55
Älteste = Wagger. Der „Elteste“ ist nicht zu verwechseln mit dem [-] oft vorkommenden „die Eltesten“; unter diesen sind keine Beamten, sondern meist alte, angesehene Bauern gemeint.
Beaufsichtigung der Fronarbeiter; berichtet dem Disponenten oder Arrendator; führt Kerbstock [ausführlich über Tätigkeiten]

Seemann von Jesersky 1913, 115
Elster, Ältester der Gilden oder Schwarzhäupter

Bosse 1933, VI
Älteste bäuerlicher Beamter, Vorsteher einer Wacke

DRWB I, 521

Ältestenbank die
‣ Varianten: Aeltestenbank
1. 'Versammlung der Ältesten der großen oder kleinen Gilde' et vanematekogu
2. 'Sitzungszimmer der Ältesten'

QUELLEN

Provinzialrecht II
Kurland, Ständerecht §1136: Mitau: 2 Ältermänner + 22 Älteste; Libau: 1 Älterm. + 10 Älteste der Kaufleute; 1 Älterm. + 11 Älteste der Handwerker; Windau: 2 Älterm. + 10 Älteste; Goldingen: 2 Älterm. + 12 Älteste; Bauske: 2 Älterm. + 10 Älteste; Friedrichstadt: 2 Älterm. Hasenpoth: 1 Älterm. + 2 Älteste + 2 Beisitzer; Grobin (?) 2 Älterm. + 4 Älteste; Pilten 1 Älterm. + 2 Älteste; Jakobsstadt 3 Älterm.; Tuckum 1 Älterm. + 4 Stadtälteste [01.2089]
Riga: Ständerecht §1083: „Die Städt. Gilden, die kleine und die große, haben, und zwar jede von ihnen, behufs der Verwaltung ihrer gemeinsamen Angelegenheiten und zur Wahrnehmung der Interessen der Korporationen, ihre Aeltestenbank“ (Riga); §1089: „Die Ältestenbank der großen Gilde besteht aus einem Ältermanne, welcher darin den Vorsitz führt, und 39 Ältesten. (Riga) §1090: Die Ältestenbank der kleinen Gilde besteht aus einem Ältermanne, welcher darin den Vorsitz führt, und 28 Ältesten.“ (Riga) [01.2090]
Reval: Ständerecht §1111 „In Reval zerfällt sowohl die große Gile, als auch die kleine ... in die Ältestenbank und in die zu ihrem Person nicht gehörigen Bürger oder die sog. Jüngsten. §1112: je Gilde: 4 Ältermänner und sämtliche Gildeälteste [01.2091]

Gutzeit 1859, 30
Ältestenbank gespr. Älstenbank. Die Ältestenbank großer, kleiner Gilde, in Riga, Dorpat. Auch das Zimmer, in dem die Ältesten ihre Sitzungen halten.

Gutzeit 1886, 31
Ältestenbank früher auch Ältesten-Bänke (als Einzal), z.B. 292. III. 16. - 1) Gesammtheit der Ältesten. Soll die Ältestenbank ein rechtmäßiger Ausschuß sein, so müssen die Eltesten von der ganzen Gemeine der großen Gilde ausgeschossen und erwählet sein, 349. IV. 11; vier tüchtige Männer wählen, zwo aus der Eltesten Bank und zwo aus den gemeinen Brüdern, 349. IV. 2. - Die Ältestenbank großer Gilde in ´Riga zählt 40 Mitglieder, die Ältestenbank kleiner Gilde 30. Die beiden Ältestenbänke folgten dem Sarge. Die beiden Ältestenbänke zusammenrufen lassen, 349. XX. 5. J. 1675. - Die Bürgerschaft kleiner Gilde hat einen Sprecher, Dockmann, und 30 Vorsteher, Älteste, die unter Dem Namen Ältestenbank einen Ausschuß bilden, 231. - Nachdem der Dockmann die Namen der 3 Bürger und Brüder, auf welche die meisten Stimmen gefallen, der Ältestenbank angezeigt hatte, wurde von letzterer der Rath nach der Gilde eingeladen, um daselbst mit der Ältestenbank gemeinschaftlich aus den von der Bürgerschaft vorgeschlagenen Candidaten die allendliche Wahl des Dockmanes vorzunehmen, rig. Zeitung 1869. 229. - Den abgetretenen Ältestenbänken (d.h. der Ältestenbank großer und kleiner Gilde) wird bekannt gemacht, daß sie wieder vortreten können. Und so werden denn die Ältestenbänke abgelassen, 422. 214. - 2) Das Zimmer, in dem die Ältesten ihre Sitzungen halten und das sich gegenwärtig über der alten Brautkammer der großen Gildestube befindet. Daher spricht man: in der Ältestenbank zusammenkommen.

DRWB I, 530
Ältestenbank 1) Versammlung der Ältesten einer Gilde. 1724 Reval StR II8. 2) Sitzungszimmer der Ältesten. Gutzeit (einige Belege)

Wittram 1973, 46
Ältestenbank Körperschaft der Älterleute u. Ältesten, seit 16. Jh.

Seemann von Jesersky 1913, 101
Ältestenbank Versammlung der Ältesten der Großen oder Kleinen Gilde

Altstadt die
et vanalinn; lv vecpilsēta

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 101
Altstadt Häuser und Speicher an einem Platz, der von der Weber- und Gr. Schmiedestr. und Plitangstr. Zugang hat.

Ambare die
‣ Varianten: Ambar, Ambarre, Anbare
{russ. aмбap 'Speicher'}
'Scheune, Warenschauer im Hafen' de Speicher, Vorratshaus; et ait
Während dieser Periode (wurde) ebenso ein neues Gebäude für das Ambaren-, Wach- und Brand-Commando (errichtet).
Capitain Fr. Schwanck, Schiff 'Elvine', welcher am 9. Juli bon hier (=Riga) nach Lübeck abzugehen gedenkt, hat eine bequem eingerichtete Cajüte und empfiehlt dieselbs den resp. Reisenden. Das Schiff liegt bei den Ambaren.
‣ Synonyme: Magazin, Scheune

QUELLEN

Hupel 1795a, 6
Ambare s. Anbare. Anbare, die (Russ.) d.i. Magazin, Speicher, Vorrathshaus, sonderlich Waarenlager der Kaufleute. Einige sagen unrichtig, Ambare

Rig. Zeitung 1838
Capitain Fr. Schwanck, Schiff 'Elvine', welcher am 9. Juli bon hier (=Riga) nach Lübeck abzugehen gedenkt, hat eine bequem eingerichtete Cajüte und empfiehlt dieselbs den resp. Reisenden. Das Schiff liegt bei den Ambaren. [Nr. 76, Anzeigenteil]

Possart 1846, 181
Anbarre, die (russ.), d.h. Magazin, Speicher, Waarenlager. -

Gutzeit 1859, 31
Ambare, die. Scheune. Dieses aus Russland zu uns gelangte Wort wird in Riga gebraucht, welche für die Abladung der mit den Strusen herunterkommenden Erzeugnisse bestimmt sind. In den ältern rig. Verordnungen für die Handelsämter findet es sich noch nicht, und steht dafür Scheune an der Düna, Dünascheune, Hempf- und Flachsscheune. Hanf-, Flachs-, Oel-, Talg- u.s.w. Scheume sind aber auch jetzt die gewöhnlichen Ausdrücke, welche der Handelsstand benutzt, die es im Russ. hat. In dieser weitern von: Speicher, Ablegescheune kommt es auch ab und zu in den rig. Anzeigen vor, z.B. 1805, 707: zwei Kron-Ambaren außerhalb der Petersburger Pforte.
Das Wort wird zur Zeit seines Aufkommens immer mit einem m geschrieben. Nach der Schreibung des russischen Wortes findet man aber auch Anbare, Anbarre und Ambarre gesprochen und geschrieben.
Mit diesem Worte bilden verschiedene Hauptwörter Zusammensetzungen. So Ambaren-Capitän, Ambaren-Feuerlöschanstalten, Ambaren-Torfe, u.s.w.

Sallmann 1880, 13
Ambare Scheune, Waarenschauer im Hafen (a.d. Russ.)

Rig. Almanach 1882, 41
die Ambaren - die Speicher im Hafen v. Riga. Während dieser Periode (es ist von den Jahren 1854-66 die Rede, in denen Hernmarck Ältester der großen Gilde und Ratsherr ist) .. (wurde) ebenso ein neues Gebäude für das Ambaren-, Wach- und Brand-Commando (errichtet).

Gutzeit 1886, 32
Ambáre. Scheunen auf der Lastadie (doch wol zur Aufnahme der Strusenwaren) werden schon früh erwänt, werden aber nicht Ambaren genannte. 1601 z.B. werden sie angezündet und abgebrannt. - Ungewönlich und nach dem Russischen in der folgenden Stelle. Aus einer im dritten Stock eines Hauses befindlichen Ambare fiel der Kaufmann S., 174. 1855. S. 46.

Eckhardt 1896, 26
Ambare - Getreidespeicher, Fremdwort a.d. Russ., aber „dem dt. Sprachgeist anbequemt“

Eckardt 1904, 63
Die Ware wird teils verhöckert, teils in größeren Partien verkauft und wandert in die eigens zu diesem Zweck erbauten Speicher - die „Ambaren“. Dem russischen Ausdruck „Ambare“ (eigentlich Scheune) begegnen wir schon 1805 in den Rigaschen Stadtblättern

Seemann von Jesersky 1913, 101
Ambare - Speicher, im Besondern auf der Lastadie bei der Karlsschleuse

Kiparsky 1936, 144
Ambare [ambárə] f. 'Scheune, Warenschauer im Hafen' ‹ r. aмбápъ 'Lagerhaus, -raum, Speicher'. GUTZEIT I, 31., N86 40, SALLMANN N. 10, JESERSKY 101. Belegt seit 1779 und heute wohl nur in den Hafenstädten bekannt

Kobolt 1990, 38
Ambar(r)e, f Ambar m, mit Betonung auf der zweiten Silbe, Speicher. russ. ambar Speicher, Lagerraum


QUELLEN (Informanten)

der Ambar 'ein großer Speicher' Riga, Hagensberg ?

an-2 Präf
1. de (an etwas: mit Auslassung von Wand, Leib usw.)
vgl anbacken1, anbekommen, anbrennen, anfahren
2. de heran-
vgl ankommen, angehen
3. de an der (die) Reihe (zum Fragen durch den Lehrer)
vgl ankommen, anmögen, ansein, anwollen
4. de (bezeichnet einen Beginn)
Korn anschneiden
Bastmatten (in die der Flachs gepackt ist) bewahren den Flachs in ungünstigem Wetter vor Annässung
vgl anschneiden
5. de (sich durch eine Tätigkeit eine schlimme Folge zuziehen) (sich im Dativ)
vgl anbaden, anessen, antrinken
6. de (mit Unterbrechung eines größeren Wegs auf einen Augenblick bei jemandem vorsprechen)
vgl anbritschen, andürfen, anfahren, anflitzen, angehen, anjagen, ankommen, anlaufen, anmögen, anmüssen, anreiten, anrennen, anschicken, anschließen, anschneien, ansein, ansollen, anspringen, anwollen
7. de auf-
vgl angeben
8. de zu-
vgl ankochen, anstowen
9. de (verstärkend)
10. de (pleonastisch, d. h. semantisch überflüssig in vielen Verben)
vgl andenken, anbefestigen, anhalten, anmieten, anerben, anliefern
11.
da fing sie an zu weinen an; kam er an den Rechten an [als Vorsilbe des Verbums wird nach demselben häufig wiederholt]

QUELLEN

Sallmann 1880, 84
an Bei vielen Zusammensetzungen mit an ergibt sich die Bedeutung: mit Unterbrechung eines größeren Wegs auf einen Augenblick bei jemandem vorsprechen, in Deutschland bei ähnlichen Wendungen mit vor wiedergegeben. So in anbritschen, andürfen, anfahren, anflitzen, angehn, anjagen, ankommen, anlaufen, anmögen, anmüßen, anreiten, anrennen, anschicken, anschließen, anschneien, ansein, ansollen, anspringen, anwollen u.a.
In noch anderer Bedeutung kommt eine elliptische Zusammensetzung mit an in gewissen Schülerausdrücken vor, bei denen zu ergänzen ist: zum Fragen durch den Lehrer, an die Antwort; so in ankommen, anmögen, ansein, anwollen u. ä.

Gutzeit 1886, 37f.
an- in Verbindung mit Zeitwörtern, wird gebraucht 1) überflüssig, z.B. in andenken, anbefestigen, anhalten, anmiethen, anerben, anliefern u.a.; 2) zur Bezeichnung einer schlimmen Folge z.B. in anbaden, anessen, antrinken u.a.; - 3) mit Auslassung (von Wand, Leib und dgl.), wie daran, z.B. anbacken, anbekommen, anbrennen, anfahren u.a. - 4) für heran. 5) verstärkend und 6) einen Beginn anzeigend, vgl. 390c 81. und 133. So z.B. in: Korn anschneiden; der Flachs war schön aufgegangen. Die Erklärung in Grimms Wrb. 2. d. ist gekünstelt. - 7) zur Andeutung von etwas Anfangendem, nicht Vollständigen. vgl. anbederben. Bastmatten (in die der Flachs gepackt ist) bewahren den Flachs in ungünstigem Wetter vor Annässung, 397.1879.287. - 8) in älteren Schriften oft für ein und mit ein abwechselnd, z.B. in anfassen st. einfassen, anstechen statt einstechen, Anbringung, Anweisung; ebenso für auf, z.B. in angeben f. aufgeben; endlich für zu, in ankochen und anstowen f. kurz zukochen, zustowen. -

Boehm 1904, Sp. 100
Überhaupt macht die Dörptsche Burschensprache einen sehr ausgiebigen Gebrauch von zusammengesetzten Zeitwörtern, die nicht wenig dazu beitragen, ihr eine eigenartige, oft sehr lebhafte Färbung zu geben. Man vergleiche die Reihe: sich andonnern (Donner = Rausch; er hat einen Heidendonner), andudeln, anduseln, ansaufen, ansaugen, antrinken, ankneipen, anknüllen, anpicheln (Kluge: picheln), anreißen, anzechen, die doch alle nach dem Satze: „lieb Kind hat viele Namen“ nur einer Tätigkeit gelten:

Seemann von Jesersky 1913, 101
an da fing sie an zu weinen an; kam er an den Rechten an. Die so sprechen, merken es meist selbst nicht und gestehen es daher nicht zu.

anbiegen V [h]
Vt 'sich daran machen, zuwenden'

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 101
anbiegen sich daran machen, zuwenden

andem Adv
‣ Varianten: an däm
'wichtig, wahr'
das ist nich an däm

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 101
andem w. wichtig, wahr; das ist nich an däm.

anders Adv
de sonst; et muidu
Hol' selber, anders kriegst du nich

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 101
anders sonst. Hol' selber, anders kriegst du nich

anderst Adv
anders
'außerdem, sonst' de sonst; et muidu
ich muss das tun, anderst wird ein Unglück geschehen

QUELLEN

Sallmann 1880, 28
anderst plattd.

Gutzeit 1886, 39
anderst außerdem, sonst, 390c 28. ich muss das tun, anderst wird ein Unglück geschehen.

Seemann von Jesersky 1913, 101
anderst, o. anders

Name Andreas

siehe auch Andreasabend, Katharina

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 101
Andreas s. Katharina

Andreasabend der
'Abend vor dem Andreastage' et andresepäevaeelne õhtu
vgl Andreastag

DAZU:
Andreasabend [An demselben Abend ergehen sich auf der Hauptverkehrsader Rigas abenteuer- und scherzlustige Jünglinge und Frauenzimmer leichtfertiger oder mehr als zweifelhafter Gattung. Ein Volksglauben, dass der Apostel Andreas Ehen begünstige und stifte, liegt dem Gebrauche nicht zu Grunde, da er hier zu Lande nicht bestanden hat. Das, was am Andreasabende Gebrauch geworden, ist es erst seit etwa 25 Jahren. Durch wen es aufgekommen, aufgebracht ist, harrt noch der Aufhellung.]

QUELLEN

Gutzeit 1886, 40
Andreasabend, Abend vor dem Andreastage. An demselben ergehen sich auf der Hauptverkehrsader Rigas abenteuer- und scherzlustige Jünglinge und Frauenzimmer leichtfertiger oder mehr als zweifelhafter Gattung. Ein Volksglauben, dass der Apostel Andreas Ehen begünstige und stifte, liegt dem Gebrauche nicht zu Grunde, da er hier zu Lande nicht bestanden hat. Das, was am Andreasabende Gebrauch geworden, ist es erst seit etwa 25 Jahren. Durch wen es aufgekommen, aufgebracht ist, harrt noch der Aufhellung.

Seemann von Jesersky 1913, 101
Andreasabend, Am 30. November von 9. Uhr abends ab fragten die unverheirateten die in den Straßen Begegnenden des anderen Geschlechts um den Vornamen, der dann als Namen des oder der Zukünftigen galt. Auch diese Sitte wurde um 1880 pöpelhaft, sodaß die bessere Gesellschaft sich fern hält.

andrechseln V [h]
1. Vt 'unrechtmäßig etwas zuschieben' de andrehen (einem etwas aufbinden); et kaela määrima (kellelegi midagi)
was drechseln Sie mir an? 'was erzählen Sie von mir?'
2. Vt de schwängern; et titte tegema (kellelegi)
einem Frauenzimmer ein Kind andrechseln 'sie schwängern'

QUELLEN

Gutzeit 1886, 40
andrechseln, 1) einem etwas aufbinden. Was drechseln Sie mir an? d. h. was erzälen Sie von mir? — 2) einem Frauenzimmer ein Kind, sie schwängern.

Seemann von Jesersky 1913, 101
andrechseln, andrehen, unrechtmäßig etwas zuschieben.

andudeln V [h]
Vr 'sich betrinken' de ansausen, sich betrinken; et end vinti võtma, end purju jooma (kergelt)

QUELLEN

Gutzeit 1859, 30
andudeln, sich, ansausen

Sallmann 1880, 83
sich andudeln sich einen leichten Rausch zulegen

Boehm 1904, Sp. 100

Seemann von Jesersky 1913, 101
andudeln betrinken, dudeldick betrinken

angeben V [h]
1. Vt de aufgeben; et loobuma
sofern die Wittwe das Handwerk angiebet 'nicht weiter fortsetzt'
2. Vt 'Unfug begehen' de anrichten; et pahandust tegema
Kinder, was habt ihr wieder angegeben!
Was geben die nicht alles an - sie geben an wie Verrückte
Der hat schöne Sachen angegeben
3. Vr de werben, anhalten (um ein Mädchen zur Ehe); et kosima
er hat sich bei Fräulein N. angegeben

QUELLEN

Gutzeit 1859, 37
angeben In den frühern rig. Anz. sehr gew. für aufgeben. einen Budenhandel, 172. 1775. 371; den Betrieb der Rechtssachen, ebenda 1786. 337. Noch zu finden ebenda, 1821, 32. Jetzt wol selten.

Gutzeit 1886, 41
angeben sich, bei Deutschen und Littauen: anhalten (um ein Mädchen zur Ehe) auch nach Riga gedrungen. Er hat sich bei Fräulein N. angegeben. — Sofern die Wittwe das Handwerk angiebet, 255, aufgibt? nicht weiter fortsetzt?

Eckardt 1904, 59
angeben (gew.) für sich Ausschreitungen erlauben: Was geben die nicht alles an - sie geben an wie Verrückte

Seemann von Jesersky 1913, 101
angeben, anrichten, begehen Unfug. Kinder, was habt ihr angegeben. Der hat schöne Sachen angegeben.

Kobolt 1990, 39
angeben anrichten, Unfug begehen. Kinder, was habt ihr wieder angegeben! Pomm. angewen 'anfangen', z.B. Dull Tüg angewen; Elb. angeben 'außer sich geraten vor Gram, auch vor Lust'; pr. angeben, angewe 'Streiche machen'; nhd. alltagsspr. angeben 'Tollheiten treiben'

angekommen Adj
de leicht angefault; et kergelt riknenud
dat Flēsch ös angekåme 'riecht faul'
das Fleich ist (leicht) angekommen 'etwas verdorben'
die Citronen, Äpfel sind (etwas) angekommen 'zeigen leichte Fäulnis oder faule Flecke'
der Wein, das Bier ist angekommen 'leicht verdorben'
ein angekommener Zahn 'leicht brandig'
angekommen schmecken 'ranzig schmecken'
angekommenes Frauenzimmer 'nicht frisch, etwas alterhaft. s. galstrig' [von unverheirateten Frauenzimmern]
angekommenes Holz 'leicht von Fäule angegriffen' [in Deutschland dafür: angegangen]
siehe auch ankommen

QUELLEN

Gutzeit 1859, 38
angekommen, leicht verdorben. Das Fleisch ist angekommen, ist leicht angekommen: etwas verdorben; die Citronen, Äpfel sind (etwas) angekommen: zeigen leichte Fäulniss oder faule Flecke; der Wein, das Bier ist angekommen, leicht verdorben. In Aachen hat man einen sinnverwandten Ausdruck: schmeckig, und im Hochd. anrüchig. Jenes bezieht sich aber nur auf den Geschmack, dieses auf den Geruch; unser angekommen auf leichte Verderbniss überhaupt. Daher auch ein angekommener Zahn, leicht brandig.

Sallmann 1880, 28, 83
angekommen 'leicht verdorben'
plattdeutsche Entlehnung

Gutzeit 1886, 45
ankommen. 4) dem K. kommt die Notdurft an, 333. 44. — 5) leicht verderben. In Grimms Wtb.: angehen u. anbrechen. Das Fleisch kommt um die Knochen am Leichtesten an, 328. 240; der Kürbis ist angekommen, angefault; der Apfel kommt an, fault; das Fleisch kommt an, ist angekommen, Lange und Stender. Angekommen, von unverheirateten Frauenzimmern, nicht frisch, etwas alterhaft. s. galstrig. — Von Hölzern, leicht von Fäule angegriffen, in Deutschland dafür: angegangen. — 6) als Schülerausdruck, zum Gefragtwerden durch den Lehrer. Bei der großen Menge Schüler kommt man selten an, d. h. an die Reihe oder „aufgerufen“ zu werden. Auch in 390c. 84.— 8) von einem Kleidungsstück, Handschuhen, Stiefeln, an die Hand, an den Fuß kommen, 390c. 82. — 9) von Thieren, an das weibliche Thier zur Begattung, 390c. 82.

Seemann von Jesersky 1913, 101
angekommen leicht verdorben, in Fäulnis übergehend

Masing 1926b, 65
angekommen 'leicht angefault, von Esswaren' (Frischbier I, S. 27) dat Flēsch ös angekåme 'riecht faul'


QUELLEN (Informanten)
Tode, Wally: Libau, Riga
angekommen leicht angefault

Meder, Lydia: Riga
angekommen schmecken - ranzig schmecken. WL 3,9

angeriffen Adj
'betrunken' de betrunken, angereift

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 101
angeriffen betrunken, auch angereift

angesäuselt Adj
'leicht betrunken'

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913
angesäuselt leicht betrunken

ängstlich Adj
de gefährlich; et ohtlik
da ist es ängstlich zu gehen
das ist ein ängstlicher Weg

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 102
ängstlich da ist es ängstlich zu gehen; das ist ein ängstlicher Weg.

Angströhre die
de Zylinderhut; et silinder (peakate)

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 102
Angströhre Zylinderhut

anken V [h]
‣ Varianten: ankern
{mnd. anken 'seufzen, stöhnen'}
‣ Belege: Estland, Kurland
Vi de ächzen, stöhnen, jammern; et hädaldama, halama
dann kommt der große Moment, da der Bauer ankend und stöhnend in die Tasche greift, den Beutel hervorholt und einen, zwei oder auch drei Rubel Herrn F. in die Hand drückt.

DAZU:
anken und janken 'ächzen und stöhnen'

QUELLEN

Bergmann 1785, 3
anken, ächzen, wehklagen, jammern

Gutzeit 1859, 39
anken Das sehr gewöhnliche, schon von Bg. und Hup.angeführte Wort muss in Deutschland sehr selten gehört werden; denn nur wenige Wörterbücher führen es auf. Ein Lautwort, wie stönen und wimmern, steht es wol in keinem Zusammenhang mit eng, Angst, angi, αγχειν. Kranke anken, wenn ein tiefes Leiden sie quält, ihnen Unruhe verursacht. Es ist verschieden von stönen, welches sich bei uns nur auf tiefe dumpfe, schwere Wehlaute bezieht, und mögte am Nächsten dem ächzen kommen. Balzac lässt den verscheidenden Goriot die Schmerztöne wimmern: heun! hâan! mit welchen er wahrscheinlich das Anken wiedergeben wollte. - Der Kranke ankte die ganze nacht; hat nicht geankt, hat ohne Anken die Nacht zugebracht; sein Anken ist nicht mehr zu ertragen.
Ursprünglich nur von dem Stönen uns Ächzen der Kranken gebraucht, hat es auch die übertragene Bedeutung. Diese Frau ankt und klönt um nichts und wieder nichts. Dieser Geizhals ankt über seine schlechten Umstände.

Sallmann 1880, 28, 114
anken 'seufzen, stöhnen'
anken und janken ächzen und stöhnen

Gutzeit 1886, 44
anken In 390c. 114: anken und janken, ächzen und stönen. Anken im brem. Wtb. = ächzen, stönen.

Seemann von Jesersky 1913, 102
anken plattdeutsche Entlehnung

Masing 1926b, 49
anken stöhnen (mnd. anken; Grimme S. 161)

Grosberg 1942, 309
dann kommt der große Moment, da der Bauer ankend und stöhnend in die Tasche greift, den Beutel hervorholt und einen, zwei oder auch drei Rubel Herrn F. in die Hand drückt.

Stegmann von Pritzwald 1952, 413
ankern [sic!] 'stöhnen'

Nottbeck 1987, 17
anken mit Anken und Stöhnen entschlossen sie sich aufzubrechen

Kobolt 1990, 40
anken stöhnen, jammern. mnd. anken 'seufzen, stöhnen'; westf. anken 'ächzen, stöhnen; Br. Wb. anken; Siev. anken stöhnen, ächzen.


QUELLEN (Informanten)
Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland
anken - jammern, seufzen. Häufig in der Verbindung: „anken und stöhnen“

Ankerneek der
‣ Varianten: Ankernek, Ankerniek
{lett. enkurneeks Eckhardt 1896, 28}
'Dünalotse'

QUELLEN

Gadebusch 1780b, 211
Ankerneken, ein Wort, welches in der rigischen Handelsordnung § 39, Nr. 5 vorkommt.

Gutzeit 1859, 40
Ankernek Ankerneken sind in Riga Leute, die sich mit dem Flößen von Holz abgeben. Es besteht in Riga ein besonderes Ankerneken-Amt, und eine besondere Verordnung für dasselbe (116). Man schreibt gewöhnlich wie im Lettischen Ankerneek: ein deutsches Wort mit lettischer Endung.

Eckhardt 1896, 28
Ankerneek a. d. Lett.

Eckardt 1904, 64
Bei dem bösen Drunter und Drüber, im eigentlichen Sinne des Wortes, wo sich die wild gewordenen Balken wie Kraut und Rüben ineinander mengen, unter und übereinander verschieben, habeern n dann die „Ankerneeken“ alle Hände voll zu tun, um, soweit solches erreichbar ist, aus dem Gewirr notdürftig wieder ins Gleis zu kommen. Die „Ankerneeken“ mit ihrem „Ankerneekenamt“ und allem, was dem zugehörig ist, stellen sich, sprachlich genommen, als ein eigenartiges, deutsch-lettisches Zwittergeschlecht dar, dem in seiner weitgreifenden Berufssphäre keine unwichtige Rolle im Rigaer Verkehrsleben zugefallen ist. Stilvoll und beyeichnend für die nationale Verbrüderung, die durch den Namen der Innung angedeutet wird, heißt seit Jahr und Tag eine ihrer bewährtesten Firmen. „Strauch und Kruhming“.

Seemann von Jesersky 1913, 102
Ankerneek let., enkurneeks. Empfänger und Beförderer der Flösse durch Festlegen bei der Ankunft und darauf Abfertigung an ihrem Bestimmungsort. Amt.

Maltz 1955, 34
die Ankerneeken - lett. Flusslotsen

Pantenius 1959, 21
die Ankerneeken stam[m]ten von lettischen zu Riga gehörenden Dünafischern ab. Für Ihre Vorrechte musten sie dem Rigaschen Rat verschiedene Dienstleistungen ableisten, z. B. Bergung und Suche nach Ertrunkenen, bei Eisgang und Überschwemmungen usw.


QUELLEN (Informanten)
Weinert, Paul: Riga
Die Ankernieken waren ursprünglich lettische Dünafischer, die seit Jahrhunderten zu Riga gehörten. Sie lebten am Ufer der Düna in Überdüna, auf den Rigaschen Dünaholmen, in der Moskauer Vorstadt am Dünaufer. Sie waren verpflichtet dem Rat beim Eisgang, Überschwemmungen, bei Schiffshavarien auf der Düna bei der Suche nach Ertrunkenen Hilfe zu leisten. Es waren sehr anständige an harte Arbeit gewöhnte Menschen. Sie bauten im Winter die Stossschlittenbahn auf dem Dünaeise nach Hagensberg. Sie beförderten gegen Entgelt Personen auf Stossschlitten. Sie trugen Schlittschuhe und stiessen die Schlitten in rasender Fahrt hinüber und herüber.

Annemarie die
'Kanone auf der Pfannkuchenbastion'

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 102
Annemarie Kanone auf der Pfannkuchenbastion „Annemarie hect ik, bis Reuermühlen schect ik“

anner Pron
ander
de andere; et teine, muu

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 102
anner, w. der andere

anpumpeln V [h]
Vt 'warm ankleiden'

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 102
anpumpeln warm ankleiden

anpurren V [h]
1. Vt de antreiben; et tagant torkima
2. Vt 'jemand hart anfahren' de anschnauzen; et kärkima (kellegi peale)

QUELLEN

Hupel 1795a, 7
anpurren d.i. reitzen, anhetzen; auch hart anfahren. pöb.

Gutzeit 1859, 42
anpurren 1) antreiben. Gew. 2) nach Hupel, Jemand hart anfahren. - Grimm leitet das Wort, welches nur in niederdeutschen Gegenden vernommen wird, aus dem französischen poindre. Man könnte an porro, πορρω denken. Wir benutzen das von Fischart gebrauchte einfache Wort auch häufig, aber nicht in der Gestalt von burren, sondern purren. - die Ableitung des Wortes s. bei Grimm unter burren.

Sallmann 1880, 83
anpurren antreiben

Gutzeit 1886, 47
anpurren 2) auch in 390c. 82 wie in Hupel: mit strengen Worten anfahren, anschnauzen; außerdem im Sinne von antreiben, ebda 83 und: anbohren, ebda 84.

Westermann 1887, 367
anpurren nd. antreiben

Seemann von Jesersky 1913, 102
anpurren w. anreizen, aufmuntern

Mitzka 1923, 16
anpurren reizen

anschmieren V [h]
1. Vt, Vr 'betrügerisch anbringen oder verkaufen' de schminken; et pähe määrima; kaela määrima
sich einem od. einer Gesellschaft anschmieren 'sich anschmeißen'
2. Vr 'sich betrinken' et purju jooma
sich an-, beschmieren 'sich betrinken'
‣ Synonyme: beschmieren

QUELLEN

Gutzeit 1886, 49
anschmieren, einem eine Ware. Im Grimmschen Wtb. erklärt: aufdringen, im Hoffmannschen: durch freundliche Überredung durch Verkauf aufhängen (!). Bei uns: betriegerisch anbringen oder verkaufen. - Sich einem od. einer Gesellschaft, sich anschmeißen. s. anquetschen.

Seemann von Jesersky 1913, 102
anschmieren durch Anpreisen Schlechtes aufdrängen


QUELLEN (Informanten)
Haberfeld, E.: Libau
sich anschmieren, sich beschmieren 'sich betrinken'

ansetzen V [h]
1. Vt de freihalten, spenden, bewirten; et välja tegema, kostitama
er setzte ihm an 'hielt ihn frei mit Getränk und Speisen'
Der Mensch ließ uns den ganzen Abend sitzen ohne an das Essen zu denken, und nicht einmal Limonade hat er uns angesetzt
2. Vt de aufsetzen; et keema panema; tõmbama panema
Wasser oder den Wasserkessel ansetzen 'ans od. aufs Feuer setzen zum Kochen'
den Thee ansetzen 'mit kochendem Wasser übergießen, um ihn ziehen zu lassen'
soll ich schon ansetzen?
3. Vi de sich ansetzen, anbrennen; et kokku minema; kinni jääma (keedunõu või panni põhja külge)
Milch setzt im Kochen an 'brennt an; bildet eine Schicht an der Wandung des Kochgeschirrs, wie insbesondere die Milch von hochträchtigen Kühen'
man lässt den Pudding braun ansetzen
man lässt d. Fleisch auf gelindem Feuer verdeckt anziehen, bis es unten recht braun angesetzt hat
Dies alles schwitzt man in Bouillonfett, bis es anfängt, sich anzusetzen
man rührt das Angesetzte vom Boden los
das was sich an den Boden des Geschirrs angesetzt hat
4. Vi 'Ansatz zu Früchten bekommen'
Gurken, Kürbisse, Äpfel, (nämlich ihre Blüten) setzen an
die Apfelbäume haben stark, schwach angesetzt
5. Vi
von Meerschaumköpfen, wenn sie eingeraucht werden, sagt man: sie setzen an, sie setzen schön an, sie wollen nicht ansetzen

DAZU:
es worauf ansetzen 'anlegen'
wir wollen es (nicht) darauf ansetzen
er setzte es darauf an, Prügel zu bekommen
kann man es wol darauf ansetzen dass […]

QUELLEN

Gutzeit 1859, 45
ansetzen 1) frei halten, setzen. Er setzte ihm an: hielt ihn frei mit Getränk und Speisen.
2) häufig st. ans Feuer setzen, ansetzen. Soll ich schon ansetzen?;
3) für: sich ansetzen. Man lässt den Pudding braun ansetzen, 155; man lässt d. Fleisch auf gelindem Feuer verdeckt anziehen, bis es unten recht braun angesetzt hat, 155. Häufig findet man es auch mit: sich. Dies alles schwitzt man in Bouillonfett, bis es anfängt, sich anzusetzen, 155; man rührt das Angesetzte vom Boden los, 155: das was sich an den Boden des Geschirrs angesetzt hat.
4) von Meerschaumköpfen, wenn sie eingeraucht werden, sagt man: sie setzen an, sie setzen schön an, sie wollen nicht ansetzen.
5) zl. und sich, von Eiern, wenn sie etwas bebrütet sind.

Sallmann 1880, 82, 84
ansetzen studentisch, zum Besten geben: „eine Portion ansetzen“.
ansetzen den Thee, mit kochendem Waßer übergießen, um ihn ziehen zu laßen; Teig, zum Gären hinstellen. Gr. W. will in diesem Fall ergänzen „ans Feuer, an die Sonne“.

Gutzeit 1886, 50
ansetzen 1) setzen, geben lassen. Der Mensch ließ uns den ganzen Abend sitzen ohne an das Essen zu denken, und nicht einmal Limonade hat er uns angesetzt, 361. 1884. J. B. 50. 198. In 390c. 82 als studentisch angefürt und erklärt: zum Besten geben. „Eine Portion ansetzen“. In Riga ist gewönlicher setzen. Und nicht gerade studentisch.
2) Wasser oder den Wasserkessel, ans od. aufs Feuer setzen zum Kochen. In 390c. 84: den Thee, mit kochendem Wasser übergießen, um ihn ziehen zu lassen. -
7) Gurken, Kürbisse, Äpfel, (nämlich ihre Blüten) setzen an, d.h. bekommen den Ansatz zu Früchten; die Apfelbäume haben stark, schwach angesetzt. Gew. In Grimms Wtb.: die Pflanze setzt an, treibt. Das ist hier unbekannt. -
8) sich ansetzen lassen. Der König hat sich mit 3 Galleyen beim Holm auf der Düna ansetzen lassen, 334, sich hinfaren, aussetzen, landen lassen. -
3) Milch setzt im Kochen an, brennt an. Die Milch setzt an (im Kochen), bildet eine Schicht an der Wandung des Kochgeschirrs, wie insbesondere die Milch von hochträchtigen Kühen. -
6) es worauf ansetzen. In Grimms Wtb. I. 460 aus Herder und Lenz mit 2 Beispielen belegt und erklärt: anlegen. In Hoffmann's Wtb. felend und wie es scheint, in Deutschland wenig gebraucht. Hier gew., und teils in der in Grimms Wtb. angefürten Bed., teils in: es worauf ankommen lassen. Wir wollen es (nicht) darauf ansetzen; er setzte es darauf an, Prügel zu bekommen; kann man es wol darauf ansetzen dass -.

Seemann von Jesersky 1913, 102
ansetzen spenden. Är hät ein Dutzend Bairisch angesetzt

Nottbeck 1987, 17
ansetzen einen ausgeben /E.L.R. Ich habe ihm einen Schnaps angesetzt.

Kobolt 1990, 42
ansetzen schw. V. freihalten, bewirten. Im balt. Deutsch häufig, Ursprung unklar.

anstreichen V [h]
1. Vt Küche. de bestreichen
Dies alles muß in einer nassen und mit kalter Butter angestrichenen Serviette 4 Stunden kochen
2. Vt Stud. 'Anweisung geben, anzeigen, wie etwas zu machen sei'
einem etwas anstreichen
3. Vt Schüler. 'jmdm. den Hof machen' et külge lööma
er hat eine, der er anstreicht
4. Vt de vergelten; et kätte maksma
das werde ich ihm anstreichen

QUELLEN

Gutzeit 1886, 51
anstreichen 1) in der Küche, st. bestreichen. Dies alles muß in einer nassen und mit kalter Butter angestrichenen Serviette 4 Stunden kochen, 158. 255. - 2) einem etwas, Anweisung geben, anzeigen, wie etwas zu machen sei. Dörpt. Stud. Ausdruck. 1859. - 3) einer, ihr den Hof machen. Er hat eine, der er anstreicht. In Schülerkreisen Rigas. vgl. Anstrich. - Bildlich: Prediger L. Lemcken, der nicht allein den Tumult tacite, sondern auch neulich in seiner Jonas-Predigt denselben mit schönen u. sonderlichen Farbenangestrichen u. damit bald einen neuen Lärm angerichtet hätte, 174. 1885. 156. J. 1588.

Gutzeit 1892b, 2f.
anstreichen Beschlossen, dem Magister Rivius die Sache weiter anzustreichen, Dünazeitung 1891. 135 aus dem J. 1590, weiter zu treiben, schärfer zu nemen.

Seemann von Jesersky 1913, 102
anstreichen vergelten. Das werde ich ihm anstreichen.

anzeppern V [h]
Vi, Vr 'Streit suchen, beginnen' de sich reiben
an jemand anzeppern

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 102
anzeppern an jemand sich reiben


QUELLEN (Informanten)

anzeppern 'an..? hängen bleiben' Riga
'Händel machen' Riga
s. anzeppern 'Händel machen' Riga

Schwarzbach, Paul: Riga
(sich) anzeppern 'Streit suchen, beginnen' WL 5,26

id Anton giess!
'haue!'

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 102
Anton giess! haue! (für Grapchen).

id Anton stech den Degen ein!
'beruhige dich!' et rahune maha!

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 102
Anton stech den Degen ein Beruhige dich

Antuka
{franz. en tout cas 'auf jeden Fall'}
'Regen- und Sonnenschirm'

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 102
Antuka en-tont-cas, Regen- und Sonnenschirm

Anweisung die
'Einweisung in einen Besitz'
bei der Anweisung gegenwärtig sein

QUELLEN

Gutzeit 1886, 53
Anweisung Einweisung in einen Besitz. Bei der Anweisung gegenwärtig sein, 192. V. 287 u. f. (Hilchens Landr. v. 1599)

Seemann von Jesersky 1913, 102
Anweisung Um 1860 wurden wegen Mangels an staatlichem Kleingeld von den Handeltreibenden Kuponartige Kleingeldzettel ausgegeben.

apfeldwatsch Adj
‣ Varianten: affendwatsch, appeldwatsch
'nicht recht klug, einer der albern schwatzt' de albern, dumm; et tobu, ullike

QUELLEN

Lindner 1762, 220f.
Apfeldwatsch, nicht recht klug, einer der albern schwatzt. Dieses Ausdrucks Ursprung ist ungewiß, wo es nicht vielmehr Affen- und plattdeutsch apendwatsch heißen soll. Im Richey findet man indessen auch niedersächsisch Appeldwaljes, ein alberner Tölpel. Einige wollen es von den Aepfeln herleiten; wie diese im Herabfallen vom Baum zu kullern oder sich zu wälzen pflegen: so stellten sich solche alberne Leute auch im Taumeln, u.s.f. Ein Mann von Stande, der in der Nationalsprache des Landes sowohl als auswärtigen bewandert, und ein Liebhaber der Philologie zum Zeitvertreibe seiner schon hohen, doch noch muntern Jahre ist, hat mir, als einem Fremdlinge, einige Anmerkungen zu dieser Materie zukommen lassen, die meinen besondern Dank verdienen. Er hält obiges Wort für eins, das so albern in seiner Zusammensetzung, als der Bedeutung nach, ist, aus dem lettischen aplam, albern, welches er von απλωζ simplex, einfältig, herleitet, und dem deutschen dwatsch, also auf gewisse Art vox hybrida. Der Hamburgische Gebrauch dieses Wortes hindert mich noch, es vom einheimischen Boden herzunehmen. Sonst ist es eine bekannte richtige Meinung, daß sehr viele lettische Wörter vom Griechischen, Lateinischen und Französischen entspringen; durch was für Umgang, Handel, Wandrungen und Pflanzungen der Völker, ob durch die Einführung des Christenthums von den Mönchen, oder schon vorher, ist eine theils zu unbestimmliche, theils hier zu weitläufige Frage, die aber wohl von einem in den dazu erforderten Sprachen erfahrnen Manne mehrerer Ausführung werth wäre, ausser dem, was Hartknoch in seiner preuß. Chronick darinn mit dem Litthauischen versuchet hat.

Gutzeit 1859, 48
apfeldwatsch ganz albern und dumm. Ein sehr gewöhnliches Wort und verstärktes dwatsch. Bg. meint, es müsse affendwatsch heißen. Hupel führt appeldwatsch an.

Gutzeit 1886, 53f.
apfeldwatsch Schon Lindner (320) erklärt: der albern schwatzt, nicht recht klug, u. fügt hinzu, er wisse das Wort nicht zu erklären; es solle vielleicht heißen affendwatsch, plattd. apendwatsch. vgl. appeldwatsch. In 480. 220/221 dagegen sagt er: „Im Richey findet man indessen auch niedersächsisch Appeldwaljes, ein alberner Tölpel. Einige wollen es von den Aepfeln herleiten; wie diese im Herabfallen vom Baum zu kullern oder sich zu wälzen pflegen: so stellten sich solche alberne Leute auch im Taumeln, u.s.f. Ein Mann von Stande, der in der Nationalsprache des Landes sowohl als auswärtigen bewandert, ... hält obiges Wort für eins, das so albern in seiner Zusammensetzung, als der Bedeutung nach, ist, aus dem lettischen aplam, albern, welches er von απλωζ simplex, einfältig, herleitet, und dem deutschen dwatsch. Der Hamburgische Gebrauch dieses Wortes hindert mich noch, es vom einheimischen Boden herzunehmen.“

Seemann von Jesersky 1913, 102
apfeldwatsch w. albern, dumm

Apfelfest das
'Fest der Apfelweihe am 6. August in Bolderaa bei Dünamünde'
Denn als das Apfelfest in Riga ohne schlimme Folgen vorüber war, ...

QUELLEN

Gutzeit 1859, 49
Apfelfest das sog. Apfelfest in Bolderaa, Fest der Apfelweihe am 6. August alten Styls.

Sallmann 1880, 58
Apfelfest rußisches Fest der Apfelweihe am 6. August a. St.

Gutzeit 1886, 54
Apfelfest Fest der Apfelweihe, ist ein Obstfest, im Wesentlichen ein Obstmarkt im Flecken Bolderaa bei der Festung Dünamünde nördlich von Riga. Am 6. August n. St., dem Tage von Christi Verklärung, werden in allen russischen Kirchen die Erstlinge der Obstfrüchte (natschátki plodów) gesegnet mit den Worten: даръ духа святаго u.s.w. (Gottes Segen) und unter Besprengung (oкропленіе) mit Weihwasser; der Genuss des, wenn auch unreifen Obstes, wird von da an für erlaubt und unschädlich angesehen. - Der Ausdruck ist insofern nicht zutreffend, weil nicht blos Äpfel, sondern auch Birnen zur Einsegnung in (u. an) die Kirchen getragen werden; zutreffend, und wol aus dem Grunde üblich geworden, weil Äpfel hier zu Lande das vorherrschende Obst sind. Dass der Tag der Einsegnung zu einem Feste wird, hat seinen Anlass in dem Umstande, dass die Festungskirche in Dünamünde der Verklärung Christi geweiht ist; dem Kirchenfeste, welches Viele aus dem Orte nicht blos, sondern auch aus Riga heranzieht, hat sich ein eben deswegen gewinnreicher Obstmarkt angeschlossen. Die Zeit, wann dieser entstanden, ist noch unbekannt; erwänt wird er schon zu Anfang dieses Jahrhunderts. - Auf den ersten Montag nach dem Apfelfeste fällt der erste Hungerkummer in Riga, dem je nach 14 Tagen der zweite u. dritte folgen. - Das russische Apfelfest entspricht dem rigaschen Hungerkummer, wie die Peterpaulsfeier (29. Juni) und Mariaschutz und Fürbitte (1. October) dem Johanni- und Michaelistage. Der Unterschied zwischen Apfelfest und Hungerkummer besteht darin, dass jenem eine kirchliche Feier in der Ortskirche vorangeht, diesem sie fehlt u. dass letzterer sich 2 Mal wiederholt. Blasius (Reise durch das europäische Russland I. 208) spricht von einem „Apfelfeste“ in der Stadt Ustjug u. wundert sich darüber, da in jenem Norden Russlands Obstbau nicht stattfindet. Die Erklärung liegt darin, dass die Weihe der Früchte von der griechischen Kirche für alle Gegenden festgesetzt ist. - Gewönlich spricht man Apfelfest, selten Äpfelfest. Beim Umschlagen des am Äpfelfeste aus der Bolder-Aa rückkehrenden Bootes, Sonntag 1n 174. 1824. 89, d.h. am Tage des Apfelfestes, am 6. August.

Seemann von Jesersky 1913, 102
Apfelfest Fest an der Apfelweihe am 6./19. August (Christi Verklärung) in Bolderaa bei Dünamünde. Darin fuhr früher viel Volk, das sich stark betrank.

Appelboom der
de Apfelbaum; et õunapuu
Was kraufste auf Appelboom! (id) 'Misch dich nicht in Sachen, die du nicht verstehst.'

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 102
Appel w. Apfel. „Was kraufste auf Appelboom!“ (Misch dich nicht in Sachen, die du nicht verstehst)

arg Adj
de ärgerlich, böse, krank; et paha, haige
Er hat einen argen Finger.

QUELLEN

Gutzeit 1886, 57
arg, Arger, ärgern. Auffallender Weise wird im Grimmschen Wtb. nicht auf die Ähnlichkeit in Laut und Bedeutung mit franz. aigre und aigrir hingewiesen, auch nicht auf lat. agrius, griech. αριοζ, lett. aggr u. slaw. jarü (ярый).

Seemann von Jesersky 1913, 102
arg w. ärgerlich, böse, krank. Er hat einen argen Finger.

Artikelgebrauch

siehe auch Halbdeutsch

DAZU:
siehe auch ein2

QUELLEN

Hupel 1795a, 47
de st. der, die, das, z.B. de Pferd, rührt aus dem Plattd. her, ist aber jetzt pöb.

Krüger 1832, 335
11) Daumfach, st. Dompfaff (der Vogel), ermindern (ermuntern, aus der Ohnmacht, der ganz schlechte Artikel de für alle Geschlechter Sing. und Plural, stehends, stehens, (stehend), liegens, reitens, - zum Schakane, schakaniren, prabbiren (probiren), von neiens (von neuem), bluttendig, in einem Blute, durch'n Stirn sehen, ... sind mehr oder weniger ein Prärogativ der gemeinen Classen.

Seemann von Jesersky 1913, 111
de - der, die, das, dem, den.

Gutzeit 1864, 182ff.
der. I. Hinweisendes. 1) an dein sein. In bessern Kreisen gilt: es ist an dem st. verhalt sich so für unedel, und zieht man : in dém vor. vgl. Grimm II. 967. β.
2) dém sein u. dér ihr, im Sinne von: dem od. der gehörig. Das ist dem sein Buch, der ihr Tuch, dem seins, der ihres, dem seine Bücher, der ihre Tücher. — Stärker hinweisend als sein u. ihr schlechtweg und auch keine Unbestimmtheit zulassend, die bei einfachem sein u. ihr stattfinden kann. — Ganz entsprechend ist: diesem sein, dieser ihr, u. jenem sein. vgl. II. 1. c.
II. Geschlechtswort.
1) Wegfall desselben.
a. Bei Superlativen wird, nach Grimm II. 987. 23, das Geschlechtsw. gew. beibehalten; doch hätten Neuere angefangen, sich darüber hinwegzusetzen, namentlich Göthe. — Hier nicht selten in ganz gew. Sprechweise. Feinster Flachs wir verkauft zu; schönsten Schnaps gewinnt man; geringste Gefahr läuft man; unnützeste Sorge. Daher erscheinen unserm Ohr mehre der aus Göthe angezog. Stellen nicht auffällig, während andre wöl in der That gewungen sind.
b. Bei regirten Genitiven, s. Grimm 989. c. Früher wie im nd. gew. Mit Bewilligung Elterleute u. Eltisten , 274; auf Ersuchen Eltermanns u. Eltesten, 349. IV. 11.; bei Verlust Wicht u. Wage. 349. IV. 1; bei Verborung sechs Ferdinge, ebda., nd. by verböring VI. Ferding. -
Als Genitiv wird von Grimm 1002. e. auch angesehn: wir gingen zu Müllers; Schwabens sind geistreiche Leute. Wahrscheinlicher ist das s Zeichen der Vielz., wie in Mädchens, Kinderchens, da man z. B. sagt: die 3 Müllers sind bei uns gewesen, d. h. die 3 Brüder od. Schwestern, die Schulzens, d. h. die Geschwister S.
c. Bei Benutzung des besitzigen Fürworts st. des Genitivs. Die Erklärung, heißt es in Grimm Gramm. 3. 351, des schon im mhd. vorkommenden, heute in d. Schriftsprache geächteten, (doch z. B. in Lessing zu findenden!), unter dem Volke weit verbreiteten Redegebrauchs: des Vaters sein Buch, der Mutter ihr Kleid, ist nicht deutlich. In Oberdeutschland wird sogar der vorausgehende Genitiv in den Dativ umgesetzt: dem Vater sein Buch, in der Mutter ihrem Bett, dem Göthe sein Gedicht; endlich: das ist ihnen ihr Rock. — In den russ. Ostseeprovinzen ist dieser Redegebrauch gäng u. gebe. Man geht aber noch einen Schritt weiter u. setzt das erste Hauptwort in den Nominativ — buchstäblich wie im Türkischen, heißt es in 175. 1354. ll4 —, was sich schon im nd. nachweisen lässt. [183] So findet sich 335. 148. (J. 1569): den 8. Nov. ßinth der hertzog ßzu curlhandt Ihre f. gn. gesanntenn tho Radthuße geweßen; ebda. 166 (J. 1570): der Herzog ßzu Curlandt Ire f. gn. geßantene bogerdenn. In der hochd. Zeit gewärt eine Kämmereirechnung v. 1650: (des) David sein(em) Fuhrmann 2 Thl. (gegeben), d. h. dem Fuhrm. des (Einspännigers) David. Ganz gew. sprechen wir: Göthe sein Gedicht, in Mutter ihrem Bett, mein Bruder sein Zimmer, mein Knecht seine Stiefeln; das sind meine, deine Schwestern ihre Kleider, seine, ihre Kinder ihr Spielzeug. Geht ein Vorwort voraus, so heißt es selbst: an meinen Schwestern ihren Kleidern ist viel zu verändern; durch meine Brüder ihre Schuld.
d. Häufig in d. Sprache der Dienstboten, in d. Anrede od. Mittheilung über die Herrschaft. Ein Kommender fragt das Dienstmädchen, ob der Herr od. die Frau zu Hause sein u. erhält zur Antwort: Frau, Herr, Fräulein, Jungherr ist oder sind eben ausgegangen; es wird Herrn Hofrat od. Frau Hofrätin sehr leid thun, dass .. . Was wünschen Fräulein? Was befehlen gnädige Frau? Fräulein, Jungherr befahl mir. — Dieser Redegebrauch trifft zusammen mit dem Untergebner gegenüber Hoch- u. Höchstgestellten: Majestät, Durchlaucht befahlen od. befahl. — Aber auch im Gespräch mit Dienstboten. Bei alte Frau, bei alte Herr war das anders; zu alte Herr kamen Viele.
e. Häufig im vertraul. Gespräch. Wer ist gekommen? Alte Müller! — Bertram in balt. Skizzen: hier, sagte alte Riegel.— Im Gespräch mit Kindern u. Thieren. Gib Mäulchen, gib Mundchen, gib Kußchen, Händechen, zeig Zähnecken; einem Hündchen: gib Pfotchen! Kommt Hundechen. kommt Katzenchen. Hierin gibt man wol einem lett. Einflüsse, nach.
f. Oft bei Nennung von Straßen und Thoren. Ich ging Sandpfortskasernenstraße zur Post; ich ging Karlspforte ein und Jacobspforte hinaus. Man erklärt diese Sprechweise für undeutsch. Man schreibt und spricht aber z. B. in Aachen: Vor Adelbertsthor, was selbst bei uns unstatthaft wäre.
g. Bei Kloster, Schloss, Burg, wird das Geschlechtswort manchmal ausgelassen, heißt es in Grimm 1008. — Hier seit jeher: auf, zu, in, unter Schloss Kokenhusen u.s.w., nicht aber: aus, zu, unter Gut Kroppenhof.
h. Ortsnamen bleiben wie Ländernamen bekanntlich ohne Geschlechtsw. vgl. Grimm Wörterb. 1007. 43 u. Gramm. 3. 422. — Alle unsre ältesten (plattd.) und ältern (hochd.) Schriftsachen weisen Beispiele des Gegentheils auf, nicht allein vor Städten, sondern auch vor versch. Gegenden u. Landgütern. Der Gebrauch des Geschlechtsw. war sehr allgemein, beginnt in den ersten Zeiten Riga's u. Livlands, u. hört erst Ende des vorigen Jahrh. auf. Na der Plesskow, in de Musschow, ut dem Bikeren (Bickern bei Riga), na der Schuien (Schujen in Livland) u.s.w. Ebenso in Kurland, wozu die Erlasse Kettlers eine Menge Beispiele liefern: bei der Illuxten, zwischen der Lautzen, zum Buschhof, auf der Ekau u. s. w.; aber auch: unter Ellern u. s. w. — Am Längsten erhielt sich der Gebrauch des Geschlechtsw. bei Olai, da z. B. B.-M. Shievelbein und Brotze noch in der 2ten Hälfte des 18. Jahrh. ganz gew. die Olei u. die Oleie, in der Olei schreiben; u. bei Pernau, von dem noch zu eben der Zeit B.-M. Zange in s. Beschreibung der Stadt n. Hupcl in s. topogr. Nachr. die alte u. die neue Pernau unterscheiden. Bis in die neueste Zeit aber hört man: die Bolderaa (Flecken) n. die Dünamünde (Festung), obgleich jeht Bolderaa u. D. schlechtweg durchdringen. Mülgraben u. Neuermülen, Güter bei Riga, heißen schon seit längerer Zeit nicht mehr der M. u. die N.
Dieser Gebrauch des Geschlechtsw. ist im nd. gewönlich, u. ging aus diesem in unser hochd. über. Hier u. da erklärt er sich auch daraus, dass manche Örtlichkeiten Livlands ihren Namen von den vorüberfließenden Flüsschen erhielten. Schon Hupel in 182 macht darauf aufmerksam, dass Schlösser u. Güter häufig ihren Namen von dem daselbst befindlichen Bache haben; auch Seßwegen habe vermutlich s. Namen vom Bach Zehswaine oder Zehsweine. Unrichtig ist aber anzunehmen, dass alle die vielen Örtlichkeiten Liv- u. namentlich Lettlands, welche gleiche Namen mit den nahe befindlichen Flüsschen haben — und dies kommt in ähnlicher Allgemeinheit in ganz Europa nicht vor! — von diesen Flüssen ihren Namen herleiten. Bei vielen wird nie zu entscheiden sein, ob die Benennung des Baches od. des dabei liegenden Gesindes oder Guts ursprünglicher ist; bei einigen kann kein Zweifel stattfinden, z.B. bei Embek (Pernau), Podel od. Walk, Bolderaa u. Mülgraben; bei einigen ist die Annahme nur wahrscheinlich, wie bei Riga, da die frühesten Nachrichten von keinem Flüsschen Rige, sondern nur von einem See u. Berg, vielleicht sogar Ort [184] Rige erzälen, und die in alter Zeit gew. Verbindung: Stadt van (der) od. tho (der)Rige nicht gedeutet werden darf: Stadt von oder zum Rigefluss. Gleichnamige Orts - u. Flussnamen sind in Livland aber folgende: Schlok od. Schlock. In einer alten Urk. heißt es: that wather, dat de slok het (jetzt Aa); Bebberbek am Bebberbach, Bersón an der Bersone, Laudohn, Kujen an d. Kuje, Tirsen an d. Tirse, Rujen an d. Ruje, Waidau an d. Waidau, Ermes, lett. Ehrgemes an der Ehrgem, Fellin am Fluss Fellin, Salis od. Saltze an d. Salis, Pernau am Pernaufluss; ferner in: Bolderaa, Mülgraben, Bickern, Riga, Padel, Podel od. Pödel (Walk), Embek (Pernau), Olei od. Olai, Klus od. Bergshof an der Klus (Neuermülen). Auch viele fremde Städtenamen bekamen früher d. weibliche Geschlechtsw., wie namentlich: die Plesschow od. Pleskau, die Musschow od. Moskau, die Wilda od. Wilde (Wilna). — Selbst Livland bekam zuweilen das Geschlechtsw. Aus reichstäglichem Beschluss das Lieffland beschutzen, 334. II. Öfters findet man auch: die Liefflande, ohne dass hierunter gerade die 3 Theile des alten Livlands zu verstehen sind.
Verschiedne Ortlichkeiten in u. bei Riga haben das Geschlechtsw. theils vor sich, theils nicht. Bei einem Theil ders. gilt die Weglassung für unedel, wie z. B. auf Weidendamm wohnen oder hingehn; auf Seifenberg, auf Grisenberg; auf, über, nach, unter Catherinendamm. Indessen reißt der Nichtgebrauch des Geschlechtsw. mehr und mehr ein, u. lässt sich schon Ende vor. Jahrh. nachweisen. So sagt Brotze 350. 22. 493: das Wasser hatte einen Abfall über Catharinendamm; ebda.: die Gegend zwischen Catharinendamm u. der roten Düna, Noch unedler, aber selbst gedruckt zu lesen sind: an oder nach Dünalant, an, bei od. nach Brückende, oder endlich Domsgang ohne Geschlechtsw.: in der Bude Domsgang gegenüber, 172. 1812. 19. Nicht unedel erscheint aber: auf Johannesdamm, auf Rankedamm, nach od. auf Kengeragge Kruseragge, Poderagge. Man kann annehmen, dass die Weglassung des Geschlechtsw. um so mehr um sich greift, je bekannter u. bewohnter die Örtlichkeiten werden. — Der Ausdruck „über Düna“ ist auch im Muude Gebildeter geläufig u. der Kürze wegen vorgezogen.
War ehemals bei Ortsnamen das weibl. Geschlecht Regel, so kam indessen auch das männliche vor. So schon in einer Urk. v. 17. Dez. 1383: in Podelis, quod aliter dicitur up den Walk, im Urkundenbuch Bunge's übersetzt: Zu Podel, anders genannt auf dem Walk; in einer Urk. u. 1393: tu dem Walke; in einer Urk. v. 1424: gegewen tho dem Walke. Ferner: das Fährgeld zum Bullen (jetzt: zu Bullen!), im mit. Erl. Kettlers v. 1570; zum Buschhof, im rig. Erl. Kettlers v. 1567; ut dem bikeren, aus Bickern.
Die ältere Sprache Deutschlands, im 15. u 16. Jahrh., zeigt bei Städten das Beiwort mit d. Fürwort gew. weiblich, allein stehendes Geschlechtsw. aber gew. männlich. Wenigstens weisen darauf allein Grimms Gramm. 3. 422 angeführten Beispiele, mit Ausnahme eines einzigen: Riga, nach Ditleb u. Detmar. vgl. Grimm Wörterb. II. 1007. 43.
2) Verwechselung des Geschlechtswortes. Hupel in 182. I. 146 sagt: der verwünschte aus der plattd. Sprache entlehnte Artikel de, welcher jedes Geschlecht bequem anzeigt, hat vielen Livländern das Gehör so benommen, dass sie öfters in Gefahr stehn, in dem Geschlechtsw. zu fehlen. Hupel selbst hat durchweg: das Fuhrlohn u. die Spanne st. der Spann (Eimer). — Noch häufiger als in Livland scheint die Verwechselung in Estland vorzukommen. Denn Hoheisel (322) führt an: der Almosen, der Antwort, der Koppel, der Wachstum, die Hinderniss. die Flecke st. der Fleck.
a. sächliches f. männliches. Lohn für sich und in Zusammensetzungen: das Arbeitslohn, gew. u. schon in 250; das Arztlohn, schon in einem Memorial v. 1614; das Macherlohn; das Fuhrlohn; das Bleicherlohn, rig. Ztg. 1856; das Frauenverein in Riga; das Abtritt (geheimes Gemach); das Herzschlag (Kalbsgeschlinge).
b. männliches f. sächliches. Der Garn; schöner Dachtgarn. 172. 1789; der Wachs; der Stroh; der Sigellack; der Fischbein. Die Kammerjungfern stibitzten den Fischbeinweg, Bertram balt. Skizzen; der Plätteisen; der Rührei; der Marks st. das Mark; der Lob (s. 3).
c. männliches f. weibliches. Der Schnur; der Trauer (Trauerkleidung); der Zeh.
d. weibliches f. männliches. Die Mohne st. der Mohn, namentlich wenn Mohnblüte gemeint ist; die Clubbe st. der Club, für Kurland schon in 319, für Estland neuerlichst in 322 angef., in Riga früher gew., jetzt wol selten; die Pulte st. der Pult (oft); die Fracke st. der Frack (jetzt selten); die Gurte st. der Gurt.
Bei manchen Hauptwörtern findet nur scheinbare Verwechselung statt, wenn nämlich die Vielz. als Einzal benutzt wird. Dazu geh.: die Schlafe st. der Schlaf am Haupt: [185] die Strange st. der Strang am Wagengeschirr; die Schöße st. der Schoß am Rocke. Nicht dazu gehören: die Bäche st. der Bach u. die Schichte st. der Stiefelschaft.
3) Verschiednes Geschlecht u. verschiedne Bedeutung. So: die Trauer in der gew. Bed., der Trauer: Trauerkleidung; das Lob in der gew.. Bed., der Lob: Zeugniss f. Dienstboten, das lobend od. tadelnd sein kann. Der Kalkun, als Schimpfwort f. Männer, das K., für Weiber: klotzige, plumpe, dumme Person; der Herzschlag u. das H., d. h. Lungen u. Herz vom Lamm od. Kalb.
4) Versächlichung, bei gewissen Örtlichleiten u. Einrichtungen. Das aus der Stadt hinausverlegte Jürgenshof (Siechenhaus); das bei Alexandershöhe gelegene Tannenruh (Gasthaus); in dem jenseits der roten Düna belegenen Alexandersböhe (Irrenanstalt).

Taube 1944, 181f.
[Weglassung des Artikels vor Namen und Titeln]: Da setzten wir uns wieder im Saale zu den Tanten, die von Nachbarn und Verwandten zwitscherten - immer wohlwollend, immer nur lobend - mit Wendungen wie zum Beispiel: 'Liebe Doktor Grünewaldt hat uns das u. das gesagt' - 'Liebe Herr von Staal' - 'Liebe Herr Pastor war neulich hier' - 'Gute Vetter Taube, was haben wir für einen abscheulichen Gouverneur!' Wird liebe Kaiser ihn nicht abberufen?

Bergengruen 1954, 20ff.
Meine Gedanken hängen noch an .. alter Anna. Alte Anna war unsere lettische Köchin. .. Es gehörte zu alter Anna, daß sie die Grenzen ihrer Zuständigkeit überschritt. .. Wenn sie Deutsch redete, so sprach sie von sich selber in der dritten Person und nannte sich dabei, ohne je denArtikel zu brauchen, 'alte Anna', und so wurde sie auch von uns anderen genannt, von Kindern und Erwachsenen.


QUELLEN (Informanten)
Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland
Bei Bergengruens 'alter Anna' könnte man denken, die Weglassung des Artikels gehöre dem Halbdeutsch niedern Schichten an. Bei Taube sprechen hochadlige Damen.
Ich erinnere mich dessen, daß es in der Heimat einmal eine Polemik zwischen Dr. Oskar Masing und einem (nichtbaltischen) Dozenten der estnischen Universität Tartu (Dorpat) gab, wohl in den zwanziger oder dreißiger Jahren: Masing stellte fest, daß die Weglassung des Artikels ältere baltische Spracheigentümlichkeit sei, wogegen der Germanist aus Dorpat sich wandte: wenn ich mich recht erinnere, mit dem Argument, die Gepflogenheit gebe es nur bei Halbdeutschen.

atje Interj
‣ Varianten: adieu, atjes
adieu

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 102
atje(s), w. adieu

Atschischtschena die
‣ Varianten: Atschischtschina, Atschischtschinaja wodka, Otschischtschena, Otschischtschina
{russ. очищенная 'reiner Branntwein'}
‣ Belege: Estland, Livland, Kurland
'Tafelschnaps besserer Qualität' de Branntwein (gereinigt); et viin

QUELLEN

Sallmann 1880, 10
A(O)tschischtschina(-ja wodka) reiner Brantwein ohne irgend welcher Zusatz.

Westermann 1887, 388
Atschischtschena Branntwein, a.d. Russ.

Seemann von Jesersky 1913, 152
Otschischtschena, gereinigter Brantwein.

Kiparsky 1936, 145
Atschischtschena [atšíštšina] m. 'reiner Branntwein' ‹ r. очищенная id. SALLMANN B. 10. E.L.K. Heute im Verschwinden.

Kobolt 1990, 45, 192
Atschischtschena(ja Wodka) f reiner Schnaps russ. atschischtschenaja wodka reiner Schnaps. s. otschischtschenaja.
Otschischtschena(ja) wodka) f raffinierter Schnaps, Tafelschnaps besserer Qualität; russ. otschistsitj raffinieren, filtern, reinigen.

id atta gehen
Kindersp. de ausgehen

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 102
atta gehen ausgehen

id auch nicht
de nicht auch
Wirst du auch nicht mitkommen? 'Wirst du nicht auch mitkommen?'
Willst du auch nicht einen Schluck? 'Willst du nicht auch einen Schluck?'

DAZU:
KOMM: Diese sinnverwirrende Umstellung von nicht auch in „auch nicht“ in der Frageform ist in besseren Kreisen selten. Trifft sie dich aber, so empfindest du sie fast wie einen körperlichen Schmerz. - Alles trinkt Tee, da fragt dich der Wirt, ob du „auch nicht“ ein Glas trinken werdest. Alles rüstet sich zu einem Spaziergang - ob du ihn „auch nicht“ mitmachst. Alles tanzt im Saal - ob du „auch nicht“ tanzen wollest u.s.f. Es ist zum Verzweifeln! Zum Glück ist der Sündenbock dein Freund, du machst ihm klar, wie unsinnig die Wortverstellung ist. Er begreift, - er gelobt Besserung. Die üble Gewohnheit aber und die mangelnde Sprachempfindung behalten die Oberhand. Du begegnest ihm am andern Tage - er empfiehlt dir eine neue Sorte Zigarren, sie sei billig und bekömmlich -, zieht sein Etui und fragt dich mit der harmlosesten Miene: „Probierst du auch nicht eine? - nur der Wissenschaft wegen.“

QUELLEN

Eckardt 1904, 56
Auch nicht (für nicht auch)
Diese sinnverwirrende Umstellung von nicht auch in „auch nicht“ in der Frageform ist in besseren Kreisen selten. Trifft sie dich aber, so empfindest du sie fast wie einen körperlichen Schmerz. - Alles trinkt Tee, da fragt dich der Wirt, ob du „auch nicht“ ein Glas trinken werdest. Alles rüstet sich zu einem Spaziergang - ob du ihn „auch nicht“ mitmachst. Alles tanzt im Saal - ob du „auch nicht“ tanzen wollest u.s.f. Es ist zum Verzweifeln! Zum Glück ist der Sündenbock dein Freund, du machst ihm klar, wie unsinnig die Wortverstellung ist. Er begreift, - er gelobt Besserung. Die üble Gewohnheit aber und die mangelnde Sprachempfindung behalten die Oberhand. Du begegnest ihm am andern Tage - er empfiehlt dir eine neue Sorte Zigarren, sie sei billig und bekömmlich -, zieht sein Etui und fragt dich mit der harmlosesten Miene: „Probierst du auch nicht eine? - nur der Wissenschaft wegen.“

Seemann von Jesersky 1913, 102
auch nicht statt nicht auch. Willst du auch nicht einen Schluck? Wirst du auch nicht mitkommen?

Aufbiß der
‣ Varianten: Aufbiss
‣ Belege: Pernau
'kleiner Imbiß, Zukost zum Schnaps' et suupiste, sakusment
‣ Synonyme: Sakuska, Sakusment
siehe auch aufbeißen

QUELLEN

Gutzeit 1859, 54
Aufbiß Etwas zum Aufbiss, Naschwerk

Gutzeit 1886, 63
Aufbiß Den Bierbuden wird es gestattet, mit kaltem Aufbiss zu handeln, rig. Ztg. 1885. 139; an Orten, wo man warme Speisen oder wenigstens kalten Aufbiss erhalten kann, ebda. Vorschmack oder Frühstück oder Aufbiss = Vorkost. 390.412.

Eckhardt 1896, 31
Aufbiß - Imbiß, baltische Neubildung.

Seemann von Jesersky 1913, 102
Aufbiß kleiner Imbiß, Zukost zum Schnaps

Kiparsky 1936, 190
Aufbiss [áṷfbis] m. 'kleiner Imbiss vor einer grösseren Mahlzeit, meistens aus kaltem Aufschnitt bestehend', aufbeissen [áṷfbèịsen] 'den „Aufbiss“ einnehmen' ~ r. закуска, закусывать (vgl. Sakuske, S. 179). Dieses im ganzen Baltikum übliche Wort ist ein Gegenstück zu dem archaisierend wirkenden Imbiss. Vgl. GUTZEIT I, 53-54: Nr. 98 63 (Belege seit 1824), SALLMANN N. 85. Fehlt in dieser Bed. bei Grimm.

Kobolt 1990, 45
Aufbiß kleiner Imbiß zum Schnaps
s. aufbeißen; seltener Ausdruck, offenbar auf Pernau beschränkt.

auffer Adj
‣ Varianten: -e, -es
de offen; et avatud, lahtine; lahti
auffer Wagen
auffe Tür
auffes Fenster

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 103
auffer, -e, -es, auf adjektivisch, ′offen′: Auffer (offener) Wagen, auffe Tür, auffes Fenster.

aufgedonnert Adj
{ndd.}
'prahlerisch und geschmacklos gekleidet' et üles puhvitud (maitsetult)
‣ Synonyme: aufgestowt, aufgetakelt

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 103
aufgedonnert prahlerisch und geschmacklos gekleidet

Masing 1926b, 62
aufgedonnert, aufgestowt, aufgetakelt 'auffällig geputzt' (Schumann, S. 84 updonnern, upstoben, uptakeln zu mnd. stōven 'stäuben, suchend jagen, aufstöbern' [?] und takel 'Ausrüstung', Frischbier I. S. 35 aufdonnern, pltd. opdonnre(n), S. 39 und II, 392 auftakeln

Mitzka 1927/1928, 172
[zu Masing]: aufgedonnert hd., vielleicht a.d. Nd. umgesetzt.

aufgeknöpft Adj
‣ Belege: (18. Jh.)
'zugänglich, gesprächig' de zugänglich, gesprächig; et avatud, jutukas

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 103
aufgeknöpft zugänglich, gesprächig

Kobolt 1990, 46
aufgeknöpft Part. Perf., Adv., Adj. zugänglich
nhd. alltagsspr. aufgeknöpft 'gesprächig, aufgeschlossen (18.Jh.).

aufgekratzt Adj
‣ Belege: Estland, Kurland, Livland, Riga
'gut gelaunt' de heiter; et lustakas
An diesem Abend war er ausgesprochen aufgekratzt.

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 103
aufgekratzt gut gelaunt

Nottbeck 1987, 18
aufgekratzt aufgeräumt, sehr heiter /E.K.L.R. An diesem Abend war er ausgesprochen aufgekratzt.

aufpassen V [h]
Vt, Vi unedel. 'Acht auf etwas geben' de aufwarten, beaufsichtigen; et valvama
unzüchtigen Bälgen aufpassen
Marie, bis ich fort bin, passen Sie die Kinder ordentlich auf!
die Sommerfrau paßt die Wohnung auf

QUELLEN

Gutzeit 1859, 60
aufpassen st. aufwarten. In 209 angef., wo hinzugefügt wird: ein Wort, das von der verächtlichen Behandlung der Menschen (in Livland) zeigt.

Gutzeit 1886, 69
aufpassen 2) Unzüchtigen Bälgen aufzupassen, 174. 1862. 124. aus d. J. 1640. Kein so alter Beleg in Grimms Wtb.

Eckardt 1904, 51
„Aufpassen“ im Sinne von Acht auf etwas geben, beaufsichtigen, für etwas sorgen, hört man häufiger in der niederen Gesellschaftsschicht. „Unedel“ heißt es in solchem Fall bei Gutzeit, dem ich den Ausdruck entlehne, soweit unter ihm ein korrumpiertes Deutsch verstanden wird, dem wir in besseren Kreisen garnicht oder nur ganz ausnahmsweise begegnen. Immerhin entschlüpft auch mancher Mutter aus der Zahl der oberen Zehntausend, wenn sie beispielsweise auf Besuch geht, die Mahnung: „Marie, bis ich fort bin, passen Sie die Kinder ordentlich auf!“ Auch hört man: er „paßt ihr“ (oder auch sie) in letzter Zeit sehr „auf“ - für: kümmert sich um sie, - macht ihr den Hof.

Seemann von Jesersky 1913, 103
aufpassen wen, paß das Kind auf. Die Sommerfrau paßt die Wohnung auf.

aufrappeln V [h]
1. Vr et end jalule ajama
ich rappele mich langsam auf 'erhebe mich mit Mühe'
2. Vr de sich aufraffen, genesen; et paranema

QUELLEN

Gutzeit 1886, 70
aufrappeln Ich rappele mich langsam auf, 361. 1885. J. Beil. 1., erhebe mich mit Mühe. Gew. Zu Grimms Wtb.

Seemann von Jesersky 1913, 103
aufrappeln sich aufraffen, genesen

aufstecken V [h]
1. Vt 'Getreide in einer Riege zum Dörren aufbringen'
aufgestecktes Getreide
2. Vt 'mit Bänden und Federn ausputzen' de bestecken
einen Damenhut aufstecken
3. Vt de aufhören, aufgeben

QUELLEN

Gutzeit 1859, 64
aufstecken 1) Getreide in einer Rige zum Dörren. Aufgestecktes Getreide.
2) eine Haube, sie zuschneiden, zusammennähen und mit Band bestecken.

Sallmann 1880, 87
aufstecken einen Damenhut, bestecken, mit Bänden u. Federn ausputzen.

Gutzeit 1886, 72
aufstecken Korn in der Rige zum Dörren; eine Rige aufstecken, Hupel (444. 1780 und 1818.)

Seemann von Jesersky 1913, 103
aufstecken aufhören, aufgeben

ausbaldowern V [h]
‣ Belege: Südlivland, Riga
Vt ugs. 'ausfindig machen, einen Ausweg finden' de aufspüren; et välja nuhkima
dieses hat er gut ausbaldowert

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 103
ausbaldowern Gaunersprache, aufspüren


QUELLEN (Informanten)
Boehtlingk, Elisabeth von: Pernau
ausbaldowern herauskriegen (-finden), z.B. wollen wir unseren Reiseweg ausbaldowern!

Lange, Harald: Riga, Südlivland; Dehn-Grubbe, Martha von: Riga
ausbaldowern ausfindig machen, einen Ausweg finden: Dieses hat er gut ausbaldowert...

Meyer-Eltz, Wilhelm: Riga
ausbaldowern ausplündern

Pabst, Annemarie: Goldingen, Riga
ausbaldowern ausklügeln, austifteln

Tiede, Margarete: Riga
ausbaldowern austifteln

ausbuttern V [h]
1. Vr de sich ausschleifen
Diese Schraube hat sich ganz ausgebuttert
ein ausgebutterter Mensch 'verwüstet, verlebt'
2. Vt de auswendig lernen
sie hatte das Gedicht ausgebuttert

QUELLEN

Gutzeit 1859, 70
ausbuttern ausschleifen, ausnutzen. Diese Schraube hat sich ganz ausgebuttert. - Übertragen: ein ausgebutterter Mensch, verwüstet, verlebt.

Sallmann 1880, 92
sich ausbuttern von Schrauben, durch häufigen Gebrauch sich abschleifen.

Seemann von Jesersky 1913, 103
ausbuttern sich ausschleifen (Achse), auch auslernen.

Kobolt 1990, 50
ausbuttern schw. V. ausschleifen, ausleiern, z.B.: Das Gewinde ist ausgebuttert; auswendig lernen, z.B. Sie hatte das Gedicht ausgebuttert.
lbg. utboddern 'alles hergeben, alle werden'; pr. ausbuttern, utbottre 'ausscheuern'

ausflitzen V [s]
Vi 'eilig oder kurz von Haus laufen'
vgl ausfliddern

QUELLEN

Gutzeit 1859, 72
ausflitzen ausfliddern

Sallmann 1880, 89, 91
ausflitzen 'rasch hinauseilen'
'eilig oder kurz von Haus laufen'

Seemann von Jesersky 1913, 103
ausflitzen unerwartet vom Hause fortgehen.

ausgetragen Adj
de pfiffig, gerieben; et kaval, velbas

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 103
ausgetragen pfiffig, gerieben.

aushecken V [h]
Vt 'Schlaues ausdenken'

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 103
aushecken Schlaues ausdenken


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