[BSS] Baltisaksa sõnastik

Deutscheesti keel

EessõnaKasutusjuhisedLühendid@arvamused.ja.ettepanekud


Query: in

?! Küsitud kujul või valitud artikli osast otsitut ei leitud, kasutan laiendatud otsingut.
Leitud 32 artiklit

Badstubenstelle die
‣ Varianten: Badstüberstelle
'ärmlicher, kleiner Grundbesitz auf dem Lande (gepachtet)' de Kätnerstelle; et saunikukoht, vabadikukoht; lv pirteneck
‣ Synonyme: Lostreiberstelle
siehe auch Badstube

QUELLEN


'Ärmlicher, kleiner Grundbesitz auf dem Lande. „So klein wie eine Badstube“, Mit kleiner Kate darauf, in der meist ein Tagelöhner wohnte.' - Dorpat.
'Eine Badstube befand sich auf jedem Gut u. auf jedem Bauernhof. Eine Badstüberstelle war etwa dasselbe wie eine Lostreiberstelle.' - Kerro, Kr. Pernau später Kr. Jerwen.
'Kleiner Bauernhof auf Bauernhof (gepachtet)' - Nomkiele, Kr. Jerwen.
'Inhaber einer Ssauna mit etwas Land (Kohlfeld u.s.w.) rund herum.' - Penningbz u. Reval.
'Besitz od. Pacht einer Badstube (?)' - Kiidjärve (Estl.), urspr. Riga.
'Zu einem Rittergut gehöriges Haus mit kleinen Nebengebäuden, Garten; verpachtet.' - Ubja b/ Wesenberg
'Größere Bauern hatten ein kleines Häuschen, in diesem wohnten Witwen, alte Mädchen, ältere Ehepaare od. einzelne alte Männer, die für den Bauern arbeiteten, hatten auch Heuschlag u. durften auch einzelne Schafe halten.' - Haspal [Hapsal?](Estl.)
'„Saunakoht“ = Nebenerwerbssiedlung im heutigen Sinne nach dem LAG.' - Reval.
'Etwa Häusler (Besitzer einer Kute mit wenig Land)' - Dorpat
'Banja (russ.)' - Riga. Lettland; Baldohn (33 km v. Riga)
'Kate eines Badstübers (Kätners) nebst ein wenig Gartenland. Badstüber = Saunik (estn.)' - Reval, auch Sellin
'Ein kleiner landwirtschaftlicher Besitz eines Gutsarbeiters' - Dorpat
'Badstüber wohnten die Woche über in der Badstube eines Bauern, mußten Sonnabends einheizen; hatten manchmal etwas Land, oft waren es alte oder verarmte Leute.' - Sagnitz
'Eine Deputatstelle, respektive Verpachtung, wo der Pächter die Badstube versorgen muß.' - Reval
'popsikoht' (estn.) - Gut Kachkowa, Kr. Werro (Estl.)
'Häuschen beim Gesinde (Bauernhof), wo die Sauna war und zugleich eine kleine Wohnung mit Land dazu. Oft das Altenteil.' Fillin (Estland) 1910 - 1914.
'Klein. Stck. Land für einen Lohnarbeiter' - Riga - Pernau
'Ein ganz kleiner Bauernhof' - Pernau
'Es gab auf dem Gutshof Badstuben für die Hofsleute.' - geb. Gut Namtsn Kr. Talsen (Kurland) von 1922 - 39 in Talsm (?)
'Wohl dasselbe wie Lostreiberstelle, aber ungebräuchlich, erscheint mir konstruiert.' - Dorpat u. Nordestland.
'ein sehr kleiner Hof' - Dorpat
'ein Stück Land, abgegeben vom Gut; es muß dafür bestimmte Tagarbeit geleistet werden.' - Dorpat, Reval
'der Posten eines Bademeisters, der die Sauna heizt, sauber hält u.s.w., Posten eines armen Mannes.' - Kr. Pernau.
'in manchen Gegenden wurde dieser Ausdruck auch für das Lostreiber - Anwesen gebraucht.' - Pernigel / Kr. Wolmar (Livl.)
'ein Landstück, das dem Badstüber zur Verfügung gestellt wurde.' - Riga u. Dorpat.
'winzigste Form des bäuerlichen Besitzes' Simonis / Wierland u. Randen / Kr. Dorpat.
'das Gleiche wie eine Lostreiberstelle' Gut Friedrichswalde / Kr. Wenden (Livland)
'eine Stelle in einer Badeanstalt (Saunabäder, Wannenbäder)' - Riga
'das Gleiche wie eine Lostreiberstelle. Nur wohnen die Insassen in einem kleinen Haus, in dem 1 Raum von den Wirtsleuten als Badstube (saun) benutzt wurde.' - Reval, eigentlich Fickel.
'neben der Landwirtschaft muß die Familie noch andere Arbeiten (Handwerk) machen, um leben zu können.' Werpel (Estl.) - vorher: Isaaki/Allentacken.
'Innerhalb (?) des roten Striches gelegene Hütte mit etwas Acker- u. Gartenland als Teillohn für 6-tagelang geleistete Handwerker- od. Knechtsarbeit beim Hof (=Gut) (Estn.: sáunamees)' - Kattentack i. Wierland
'die von einem Badstübler bewirtschaftete kleine Landstelle' - Wolmar - Pernau
'ganz kleine Landstelle (Häusler)' - Narwa
'Badstube als Betrieb (Sauna)' Landohn/Lettland
'ein Stück Land, das der Gesindewirt dem Bewohner des Wohnraumes in der Badstube überließ gegen bestimmte Arbeitsleistung' - Ligat, Riga, Kr. Wolmar
'Haus auf fremdem Grund'
'lett. „Pirteneck“, etwa dasselbe wie Lostreiberstelle; Badstubenstelle wird sie genannt, weil diese Hütten meist zugleich als Badstube (Pirts) dienten.' - Riga
'ein Stück Land, das von einem „Bauernwirt“ (Besitzer einer Landstelle) einem nicht besitzenden Mann für bestimmte Leistungen überlassen wurde. Z. Zt. der estn. Eigenstaatlichkeit gingen auf Grund eines „Badstübergesetzes“ diese Stellen meist in den Besitz der „Badstüber“ über.' - Reval bzw. Rickholz / Kr. Wiek.
'Grundstück, auf dem in der Nähe eines Gewässers die Badestube stand (sauna) finnisch; pirts/Lett, darer/russ.) In jedem Gesinde und Gut vorhanden.' - Kurland.
'kleine Stelle mit Budstube (Saun) und etwas Land zu einem Gut gehörig. Der Inhaber der Badstubenstelle hatte die Badstube zu betreiben u. auch sonst irgendwelche kleinen Pflichten.' - Dorpat u. Umgebung
'kleines Landstück von einigen Morgen, wie es die Handwerker hatten. Vielfach bekamen altgediente Soldaten solche Landstücke von der Krone.' - Kr. Mitau.
'arme Leute, die in einer Badstube lebten, aber auf dem Hof arbeiteten.' - Riga
'eine Landstelle in bäuerlichem (?) Besitz von ? 9 km.' - Reval u. Dorpat
'Ausdruck um 1930 nicht mehr gebräuchl.'
'eine armselige Hütte auf dem Lande mit Kartoffelfeld u. Wiese für 1 Kuh.' - Reval.
'Badestelle, Badeanlage im Freien, Badestube oder Bánja' - Riga, Hagensberg.
'wie Lostreiberstelle; Pächter wohnte häufig in der Badstube („saun“ estn.). Lostreiberstelle: Kleinstparzelle, nicht selbständig lebensfähig, Pächter zur Dienstleistung verpflichtet (auf Gütern od. Bauernhöfen)' - Walk.
'eine Kätnerstelle' - Reval 1918 - 39 vorher Südwierland (St. Simonis).
'sehr kleiner, ärmlicher landwirtschaftl. „Betrieb“, der seinen Besitzer oder Pächter oft nicht ernährt.' - Reval.
'die in Pacht vergebene Badstubenbenutzung' - Groß Jungfernhof.
'eine kleine Büdnerstelle mit etwas Gartenland u. kleiner Ackerfläche, welche die in der Bauernverordnung vorgeschriebene Mindestgröße eines Bauer-Gesindes (o. Hofes) nicht erreichte. Die Inhaber verdangen sich als Tagelöhner.' - von 1904 - 18 in Süd-Livland (Ligat).
'ein „Pópsnik“: der Badstuber besaß nur ein Haus - die Badstube, und nur Gartenland. Er betrieb keine Landwirtschaft u. arbeitete auswärts.' - Estland, Waldeck u. Pargenthal.
'ein Ort, wo ein Badehaus steht' - Riga.
'oder Popsstelle (aus dem Estnischen). Der Popsnik ist ein Mann, der auf fremdem Grund ein Häuschen baut, etwas Gartenland bebauen darf u. dafür Arbeit leistet; gewisse Tage fest abgemacht; das Häuschen auf gewisse Menge von Jahren, dann muß er es eventuell abreißen.' - Estland.
'der Besitz einer Badstube oder Anstellung dort. („Ich habe eine Stelle in einer Badstube“)' - Mitau.
'estn.: „saun“, sehr ärmliche Bauernstelle' - Dorpat bzw. Wesenberg.
'auf dem Lande die Badestube außerhalb des Hauses' - Talsen - Kurland.
'der Platen, an dem die Badstube (pirte) stand; meistenteils umgeben vom Birkenhain, da die Ruten zum Schlagen nach dem Bade benutzt wurden.' - Libau. Lettland, Kurland.
'von einem Badstüber (in der Badstube wohnenden Lostreiber) bearbeitetes Stück Land.' - Herbergen / Kurland, zuletzt in Riga.
'kleinstes ländliches Anwesen, so klein wie eine Sauna (Bad)' - Fellin, Reval.
In den Badstuben von Gesinden wohnten oft arme Leute gegen Arbeitsleistung; estnisch: saunik; oft war etwas Land dabei.' - Hallist / Kr. Pernau.
'eine Häuslerstelle' - Gut Rickholtz / Kr. Wiek.
'Badstüberstelle = dasselbe wie Lostreiberstelle; (weil oft eine alte Badstube (Sauna) als Wohnung diente' - Reval
'eine ganz kleine Pachtstelle, wie sie auf Bauernhöfen üblich war.' - Karlsberg über Abja / Kr. Pernau.
Badstüberstelle ' dasselbe wie Lostreiberstelle, Stelle eines Bauern ohne festes Dienstverhältnis, der sich auf ihm nicht gehörendem Bauern - oder Gutsland angesiedelt hat.' - Reval.
'eine kleine Eigentumsstelle, was man heite Nebenerwerbssiedlung nennt.' - Kreis Talsen u. Dorpat.
'Häuslerstelle' - Reval
'ein dem Bauern gehörendes kleines Anwesen (entsprechend dem Heuerling)' - Pernau (1900-1939)
'eine Häuslerstelle mit Badestube' - Reval.
kleinste Häuslerstelle' - Reval.
'eine Kate mit etwas Land' - Riga u. Kr. Pernau.
'Es war eine sehr primitive Unterkunft bei einem Bauerngesinde für landwirtschaftl. Hilfskräfte.' - Gut Sank bei Pernau.
'Hof und Land eines Badstübers (landwirtsch. Proletariat)' - Dorpat.
'nach heutigen Begriffen: Nebenerwerbsstelle; in keinem Fall eine Ackernahrung; meist in Verbindung mit dem Wohnen in der Hofsaune.' Kibbijarv / Kr. Dorpat.
'kleiner Bauernhof auf dem Bauernland' - Hördel.
'ein sehr kleiner Bauernhof, etwa die halbe Größe eines Normalbauern; Badstübler arbeiteten gewöhnlichein paar Tage auswärts.“ - Nini / Kr. Harjen.
'eine Kätnerstelle' - Riga.
'ländliches Badehäuschen (Sauna, Pirts) mit etwas Wiesenland und Brunnen oder offener Wasserstelle.
'ärmliche Bauernstelle in Pacht gegen Tagelohn zum Gute' Reval
'Sauna-koht, so viel Land, daß man sich gerade ein Schwein füttern könnte.' Dorpat, Estl.
'ein kleines Grundstück mit kl. Haus (Popsnik, Saunamees) . Estland, Narwa.

Bühre die
‣ Varianten: Bühr, Bür, Büre

QUELLEN

Gutzeit 1859, 159
Bühre s. Büre

Gutzeit 1886, 194f.
Bür, das, Büre, die, Büren, das, Überzug für Bettzeug u. zwar 1) für das Pfül, Bettbüre. Ein Unterbette mit blau und weiß gestreiften Bühren, 349. XXIV. 2. J. 1701; ein Unterbett mit hollandschen Bühren, ebda. — 2) am Gewönlichsten in Verbindung mit Kissen als Kissenbür, Kissenüberzug. Die ältesten Belege in der Hochzeit- u. Kleiderordnung von 1598 (309) und in der Kindtaufsordnung von 1621: Küssenbühren. Ein Kissenbühr, 328. 248; Laken und Kissenbieren, 343. I. 9. J. 1666; sechs paarKüssen Bühren, 349. XXIV. 1. I . 1673;Vundwerk zu ein paar Küssenbühren, 349.XXIV. 2. J. 1701; Büre, Überzug eines Kissens, 174. 1823. 169 u. 175. — In der ersten Anwendung (für Pfül) bezieht sich Büre auf den Überzug aus Bürenzeug, welches noch heute wie ehemals blau und weiß oder roth u. weiß (grau) gestreift ist: in der zweiten auf den leinenen weißen, zu wechselnden Überzug d. Kissens über dem bürenen. —
Nach Grimms Wtb. ist Büren ein nd .Wort, „das Voß eingefürt hat, die neuhochd. Sprache aber dulden kann“; im brem. Wtb. ist Büren ein Überzug, Kussenbüren Kissenüberzug.

Kobolt 1990, 77
Bühre Überzug für Kissen und Bettzeug
mnd. büre Bühre, Zieche; Br.Wb. Büren Überzug; lbg. Bür Leinenüberzug für Kissen und Bettzeug; pomm. Büre Überzug; pr. Büre, Bire Überzug über Kissen und Deckbett; Gött. Büre Überzug.


QUELLEN (Informanten)
Lemm, Robert von: Reval, Dorpat; Schröder, Alfons von: Riga; Bruhns, Friedrich: Mitau, Kreis Harjen
Bühr (Kissen-) - Bezug. das Bühr oder die Bühre

Flieder der
‣ Varianten: Fleder

QUELLEN

Lindner 1762, 227
Fleder heißen hier Hollundern, und was in Preußen spanisch Fleder, heißt hier Cyrenen.

Hupel 1774-1782, 496
Flieder (1777) „Fliederbaum Sambucus nigra... Die Beeren von dem wilder Flieder oder Hollunder (s. Attig) essen gemeine Leute...
ebd. II 489 Attig ?? Sambucus ebulus; s. Fliederbaum

Fischer 1778, 213
Flieder, Hollunder. Sambucus nigra.

Hupel 1795a, 66
Flieder, der (Lange schreibt Fleder) st. Holunder (Sambucus nigra)

Pistohlkors 1797, 180
Sambucus nigra, der schwarze Hollunder; liefl. Flieder.

Gutzeit 1864, 288
Fleder, der, nd. f. Flider. Lge.

Gutzeit 1864, 288
Flederbaum, Fliderbaum, 353.

Gutzeit 1864, 290
Flider, schwarzer Holunder, sambucus nigra. Nie gleich Holunder, sambucus racemosa; nie gleich Syringa vulgaris.

???, 72-74
Flieder -Seelmann Flieder-Holder. Nd. Korrespondenzblatt 37. 1922, 72-74.

Sehwers 1936, 318
Der Flieder (sambucus nigra) ist eigentlich nur in Niederdeutschland volksüblich, während in Hd. dafür Holunder gebraucht wird. Nd. flēder ist als pliedere ins Lett. gedrungen, wo das Wort in den Sprachdenkmälern des 18. Jh. bezeugt ist, vgl. Elvers, Liber mem. lett. 181 (1748): „holder-, Holunder- oder Fleder-Staude, Pleederen Kruhms“ und Stenders Entwurf 107 (1761) „pleeder, Fliedern, Hollunder“.
ebd. 92: pliẽderis, gew. der Pl. pliẽderi „Flieder Holunder“ ‹ nd. flēder 'Flieder'


QUELLEN (Informanten)
Bruhns, Friedrich: Mitau, Kreis Harjen; Koch, Axel: Walk; Mühlen, Heinrich von zur: Riga, Livland, Dorpat; Hoffmann, Max: Audern bei Pernau; Breckoff, Erich: Riga; Weitzel, Etta: Riga; Irmer, Eugen von: Ligat, Kreis Riga; Kraus, Hans: Riga; Koskull, Josi von: Tergeln bei Windau; Wagner, Eva: Tuckum; Hoffmann, Gjert: Reval; Eltz, Marta von: Windau; Eberhardt, Marie: Alt-Ottenhof, Kreis Wolmar; Warnecke, Nora: Riga; Hoffmann, Irene: Riga; Schilling, Woldemar Baron von: Estland, Kreis Wiek, Ligat
Holunder [auch Fliederbeere]

glupschen
‣ Varianten: glubschen

QUELLEN (Informanten)


glupschen 'starr und ausdruckslos dreinschauen' Riga 1913-39.
glubschen 'starr ansehen, glotzen' Walk, Livl. um 1930, Riga um 1920, Segewald (Livl) um 1920, Dorpat um 1920, Dünaburg um 1900, Libau um 1900, Riga um 1900, Reval um 1925, Modolm um 1935
glupschen 'glotzen' Reval.
glubschen 'schief ansehen' Mitau
glupschen 'schief ansehen' Riga um 1930, Seßweege, Kr. Rooß um 1930, Mitau bis 1959, Livland bis 1939, Riga um 1900, bis 1939, Dorpat bis 1929, um 1930, Walk um 1930, Werro um 1915, um 1950, Reval um 1900, um 1930, Krs. Bauske bis 1939, Pernau um 1910, Fellin bis 1938, Libau um 1930, Windau um 1910, Wenden vor 1918, Kurland um 1900, Ligat um 1930, Lubde (Livl. 1925, Zabeln (Kurl.) 1935, Wierland um 1920, Arensburg 1930, Talsen um 1920, Fennern um 1930, Mitau um 1925, Nissis/Harjen um 1930, Sassmacken um 1920, Dangeln/Wolmer 1920.
glupschen 'schielen' Riga um 1930, Fennern um 1930, Mitau um 1925.
glupschen 'stieren, glotzen' Dorpat bis 1918, Mitau um 1930, Riga um 1930, Livland um 1920.

gnaddern
‣ Varianten: knaddern
‣ Belege: Riga, Libau (die erste Hälfte des 20. Jh.)
'unzufrieden sein'
‣ Synonyme: quengeln

QUELLEN

Gutzeit 1874, 58
knaddern, gnaddern, übler Laune sein; kränkeln.

Sallmann 1880, 44

Seemann von Jesersky 1913, 122
gnaddern, o.w. ... mürrisch sein


QUELLEN (Informanten)
Kerkovius, Martha: Riga
gnaddern 'weinen' WL 4,38 3mal im lett. Spr. belegt.

Tiede, Erica: Riga
gnaddern 'jämmerlich, weinerlich sein (besonders Kinder)'.


gnaddern 'widerspenstig reden (leise)' Riga um 1930; Libau um 1915.
gnaddern 'unverständliches Zeug reden' Riga um 1930;
gnaddern 'ohne Grund weinen' Riga um 1910; Segewald um 1920; Dorpat um 1925; Dünaburg um 1930; Mitau um 1920; Libau um 1914; Fennern um 1914.
gnaddern 'quengeln, leise vor sich hin weinen' Mitau 1914.
gnaddern 'vor sich hin schimpfen' Dorpat bis 1914; Goldingen um 1930; Fellin bis 1938; Mitau 1900; Livland um 1910; Pernau um 1930.
gnaddern (Zeitwort von gnatzig) Mitau.
gnaddern 'meckern, zeigen, dass man unzufrieden ist' Mitau, um 1930, Riga um 1900.
gnaddern 'alles bemängeln' Riga 1913-39.
gnaddern 'sein Unbehagen dauernd zum Ausdruck bringen' Kurland um 1930.
gnaddern 'unzufrieden sein' Riga um 1920; Oesel um 1930; Werpel (Estland) um 1910; Neuraden /Kr. Bauske um 1920; Windau (Kurl.) um 1900; Talsen um 1890; Libau um 1900; Fellin um 1930.
gnaddern 'grinsen' Hapsal.
gnaddern 'nörgeln, quengeln' Riga um 1930; Pernau um 1910; Petersburg um 1920; Dünaburg um 1930; Kurland um 1920; Sassmacken um 1930; Reval um 1910; Goldingen um 1910; Doblen um 1900; Pernau um 1920; Nissis/Kr. Harjen um 1900; Libau um 1930; Werro um 1920; Hasenpoth um 1930; Dorpat um 1935; Lesten um 1930.
gnaddern 'schlecht gelaunt sein' Riga um 1920; Dorpat um 1900; Sunzel (Riga) um 1930; Sassmacken um 1930; Modolm um 1900; Pernau um 1930; Rariz um 1935; Fellin um 1920; Pargenthal um 1930; Petersburg um 1930; Kattentack (Wierland) um 1900; Kurland um 1920; Krs Pilten um 1930; Goldingen um 1930; Dorpat bis 1929; Riga bis 1939; Libau um 1930; Mitau um 1930; Werro bis 1919; Walk um 1900; Lettland un 1930; WEnden um 1930; Pernau bis 1939; Windau bis 1939.
gnaddern 'klöhnen, erzählen' Arensburg auf Ösel um 1910.
gnaddern 'in schlechter Stimmung weinen und klagen' Riga bis 1939.
gnaddern 'maulen, weinerlich sein' Riga um 1930.
gnaddern 'nörgeln' Riga 1936.
gnaddern 'quengeln, jammern' Riga bis 1914; Livland bis 1939; Mitau bis 1939; Dorpat um 1930; Walk um 1930; Werro um 1930; Reval bis 1939; Estland um 1920; Krs. Bauske bis 1939; Pernau um 1920; Ligat bis 1919; Tuckum.

gnaddrig Adj
‣ Varianten: gnadderich, knadrig, knadrisch
{mnd. gnarren 'knurren'}
de mürrisch, verdrießlich
‣ Synonyme: gnatschig, gnatzig, gniddrig, gnietschig
siehe auch gnaddern

QUELLEN

Gutzeit 1874, 58
knaddrig, gnaddrig, übler Laune; kränkelnd.

Masing 1926b, 54
gnaddrig 'übel gelaunt, griesgrämig' (wohl zu mnd. gnarren 'knurren'; Frischbier I, S. 240).

Stegmann von Pritzwald 1952, 413
gnadderig 'griesgrämig'

Flügge-Kroenberg 1971, 30
gnaderig 'mürrisch'

Nottbeck 1987, 34
gnaddrig - schlecht gelaunt, unwirsch / K.L.R.
Die Lektüre der Zeitung ließ ihn immer gnaddrig werden.

Kobolt 1990, 115
gnadd(e)rig Adj., Adv. schlecht gelaunt, kratzbürstig
mnd. gnittert übel gelaunt; pomm. gnettrig voll Verdruß; lbg. und sonst plattd. gnadderig, gnaddrig, gnatterig mürrisch, nörglig. ärgerlich, reizbar, übel gelaunt; schl. gnadderig, gnatterig schlecht gelaunt.


QUELLEN (Informanten)

gniddrig - gniddern= lacken; gniddrig sonst knauserig (auch gnaddrig = knauserig); gnietsch u. gnietschig.
WL 3,18. ca 30x im lett. Spr., 6x im estn. belegt.

Kerkovius, Martha: Riga
'weinerlich'
gnadrig 'weinerlich' Dorpat um 1930; Riga um 1930; Dünaburg um 1900; Talsen um 1900; Reval um 1936; Rositten um 1935; Tuckum um 1930; Segewold um 1920; Kurland um 1930; Pernau um 1910; Sunzel/Riga um 1900; Libau um 1925; Doblen um 1910; Werro um 1930; Modolm um 1910; Andern/Pernau um 1930; Arensburg/Ösel um 1920; Weißenstein um 1930; Dangeln/Wolmer um 1930; Mesothen um 1910; Sassmacken um 1930; Wesenberg um 1925; Pernigel/Wollmer um 1930; Fellin um 1925; Bauske um 1935; Mitau um 1900; Nissin/Harjen um 1910; Walck um 1930; Rariz um 1930; Goldingen um 1925; Fennen um 1930; Lübde um 1910.


gnadderig 'mißgelaunt, weinerlich' Reval
gnadrig 'weinerlich' Mitau, um 1930, Kurland um 1930, Walk. Livl. um 1930
gnadrig 'weinerlich, ständig seine Unzufriedenheit äußernd' Riga 1913-1939
gnadrig 'weinerlich, quengelig' Riga um 1930
gnaddrig 'weinerlich' Riga bis 1939

Schilling, Edith von: Riga; Schmidt, Dagmar: Riga
gnadderig 'nörgelnd, unzufrieden' vgl. gnaddrig.

Rahden, Isa Baronin von: Mitau
knaddrig 'verdrießlich', vgl. gnaddrig. 1x auch knadrisch (s.d.)
knadrisch 'verdrießlich', vgl. gnaddrig. 1x im lett. Spr. belegt.
knadrisch 'knauserig', WL 4,42. 1x im estn. Spr. belegt.
gnadrig 'knurrig' Wesenberg um 1930
gnadrig 'unzufrieden' Libau um 1900
gnadrig 'brummig, potternd' Wieck um 1935
gnadrig 'mürrisch' Goldingen um 1910, Dorpat um 1930, Reval um 1930, um 1900, Riga um 1935, Libau um 1925

gnatzig Adj

QUELLEN

Grimm 1854-, IV 1, 5, 627
gnatzen 'kratzbürstig sein, nörgeln' (nd.)
gnatzig Abl. von gnatzen 'kratzbürstig (nd.) gereizt'
gnatzig Abl. von Gnatz 1. Grind; 2. Geiz; 1. grindig; 2. geizig


QUELLEN (Informanten)

gnatzig 'verdrießlich' WL 3,18. 5x im lett. Spr. belegt.

Kerkovius, Martha: Riga; Tock, Johannes: Riga
gnatzig 'von Kindern weinerlich, unzufrieden; #unfreundlich, unzufrieden'


gnatzig 'mißmutig', 'mürrisch' Riga um 1930; Osel um 1930; Riga um 1910; Dorpat um 1910, bis 1930; Livland um 1930; Estland bis 1939; Mitau um 1900, um 1940; Mesothen/Bauske um 1910; Reval bis 1940; Nissin/Harjen um 1910; Goldingen bis 1910.
gnatzig 'weinerlich verstockt und böse, auch bösartig' Riga um 1930.
gnatzig 'verärgert' Mitau.
gnatzig 'weinerlich, ständig seine Unzufriedenheit äußernd' Riga um 1913-1939, bis 1914, um 1930; Dorpat um 1903, um 1930; Dünaburg um 1900; Livland bis 1939; Mitau bis 1939, Tuckum bis 1930; Kurland um 1930; Wenden bis 1912; Pernau um 1910; Estland um 1930, Libau bis 1919, um 1925; Livland um 1920; Kurland um 1920; Reval um 1930; Modolm um 1910; Sassmacken um 1930; Windau 1900; Hasenpoth um 1938; Wieck um 1910.
gnatzig 'trotzig weinerlich', 'zornig weinerlich' Riga um 1930, Walk, Livl. um 1930.
gnatzig 'eigensinnig, trotzig' Riga 1900, Segewold um 1920; Dorpat um 1920; Hördel/Estl. um 1925; Doblen um 1910; Mitau um 1910.

Goggelmoggel der/das
‣ Varianten: Koggelmoggel

‣ Synonyme: Hoppelpoppel

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 122
Goggelmoggel Eidotter und Zucker schaumig gerührt z.B. für Eiergrog.

Vegesack 1935, 511
Goggelmoggel

Munier-Wroblewski 1958, 46
Goggelmoggel balt. Spezialität.

Kentmann 1978, 238
Goggelmoggel - Ei, mit Zucker zu Schaum gerührt.

Nottbeck 1987, 34
Goggelmoggel - mit Zucker schaumig geschl. Eigelb E.K.L.R.
Nach dem Frühstück machten wir uns Goggelmoggel.

Kobolt 1990, 116/115
Goggelmoggel m oder n mit Zucker zu Schaum gerührtes Eigelb, Zuckerei
im Rigaer Russisch gogelj-mogelj mit Zucker (und Rum) geklopfes Eigelb gegen Heiserkeit. Baltizismus.


QUELLEN (Informanten)

das Goggelmoggel - mit Zucker gestopftes Ei. Riga um 1930.
das Goggelmoggel mit Zucker zu steifem Schaum geschlagenes Eigelb (Reval)
das Goggelmoggel - Eigelb mit Zucker geschlagen. Riga bis 1913-1939.
das Goggelmoggel - stark mit Zucker geklopftes Ei. Kurland um 1930.
der Goggelmoggel - geschlagenes Eigelb mit Zucker. Riga um 1900.
der Goggelmoggel mit Zucker zu Schaum geschlagenes Eigelb . Talsen (Kurland) um 1930; Petersburg um 1930; Dorpat um 1930; Riga um 1930; Kurland um 1930; Modolm um 1930; Reval um 1920; Dangeln (Wolmar) um 1930; Hagensberg um 1930; Windau (Kurl.) um 1930; Fellin um 1930; Mitau um 1930; Libau um 1930; Kr. Walk um 1930; Jungfernhof (Kr. Riga) um 1930; Schaulen um 1930; Ösel um 1930; Wiek um 1930; Goldingen um 1910; Rujen (Estl.) um 1920; Werpel um 1910.
der Goggelmoggel mit Zucker zu Schaum geschlagenes Eigelb (Dotter); Speise für kranke Kinder, auch mit Kognac. (Kakao, Cognac, Rum ...) Mit Öl als Heilmittel. Walk (Livland) um 1930; Dorpat um 1930; Riga um 1930; Reval um 1920; Rositten um 1930; Tuckum (Lettland) um 1930; Dünaburg um 1930; Ösel um 1930; Segewold um 1930; Werro um 1910; Wesenberg um 1900; Uchten (Wesenberg) um 1910; Andern bei Pernau um 1900; Arensburg um 1910; Weisenstein um 1900; Mesothen (Bauska) um 1910; Mitau um 1910; Sassmacken um 1910, Wenden (Livl.) 1900.
Parnigel (Kr. Wolmar) um 1900; Wieland um 1930; Neuhausen Kr. Hasenpoth um 1900; Neuraden Kr. Bauske um 1900; Kachkowa Kr. Werro um 1900; Nissis (Kr. Harjen) um 1910; Pernau um 1930; Mitau um 1890; Kr. Walk um 1900; Tuckum um 1930; Hallist(Kr. Pernau) um 1930; Libau um 1930; Fennern um 1930; Kirischka Kr. Hasenpoth um 1900; Kattentack (Wierland) um 1900; Wiek um 1910; Zabeln um 1900, Schloß Lubde (?) (Livl.) 1900; Lesten um 1930; Rasik um 1900; Sunzel um 1910; Hörvel um 1930; Werpel um 1900.
Kurland um 1900, Dorpat bis 1915, Riga um 1915, Walk bis 1939, Krs Talsen bis 1939, Reval um 1900, Estland bis 1939, Krs Windau bis 1939, Livland um 1930.

Kerkovius, Martha: Riga
Goggelmoggel mit Zucker geschlagenes Eigelb

Weiss, Lis-Marie: Reval

Kleete die
‣ Varianten: Klete, Klethe
{russ. клеть, клеткa 'Käfig, Vogelbauer'}
'Vorratshaus' de Speicher; Scheune; et ait
vgl Gutskleete, Handkleete, Kornkleete

QUELLEN

Lindner 1762, 229
Klete ist eine Speise- und Vorratskammer auf dem Lande, in Form eines kleinen Hauses oder Speichers. In Pommern ist das Wort auch üblich; einige halten es für sklavonisch.

Bergmann 1785, 37
Kleete, Kornkammer

Hupel 1795a, 115
Kleete, die (vermuthlich aus dem Lettischen) d.i. Vorrathshaus, Speicher, Magazin, z.B. Kornkleete st. Kornkammer, Kornspeicher; Mehlkleete st. Mehlmagazin; Handkleete st. Vorrathskammer in welcher allerley Bedürfnisse, Hülsenfrüchte u.d.g. aufbewahrt werden; Leihekleete d.i. Magazin aus welchem die Gebietsbauern ihren Vorschuß bekommen, u.d.g.m. (Einige leiten dies Wort aus dem Russ. her, bald von Klet oder Kljet die Wohnung, Hütte, bald von Kletki die Honigzellen.)

Petri 1802, 78, 79
Kleete für Speicher
Klete bist du in der Kleete (im Kornmagazin) gewesen?

Ewers 1831, 216
die Kleete 'Vorratskammer'

Gutzeit 1874, 18
Kleete, s. Klete

Gutzeit 1874, 51f.
Klete, die. Bei Hupel Kleete, bei Gadebusch Klethe. Nach Hupel: Vorratshaus, Speicher, Magazin. Daher Kornklete, Kornkammer, Kornspeicher: Mehlklete, Mehlmagazin; Handklete, kleine Vorratskammer, Leiheklete, Magazin, aus dem die Gebietsbauern ihren Vorschuß bekommen. Nach Gadebusch (325) in Livland dasjenige Landwirtschaftsgebäude, worin man das Korn verwahrt. Bergmann (210) sagt: Klete, Vorratskammer. Lindner (320) sagt: eine Klete ist eine Art von Speicher u. Vorrathskammer, in Form eines Häuschens, auf dem Lande, in Pommern auch gebräuchlich. Brotze gibt in seinen Denkmälern 394. VI. 184 Abbildung u. Beschreibung. In Gubert (328) die und das Kleet. — Aus Kurland sagt Krüger (319. 131): Kleete (von κλεις ?) aus dem Lettischen; jedes Vorrats- und zur Aufbewahrung bestimmte Nebengebäude. Handkleete, ein kleineres dieser Art, zum Ablegen einzelner Gegenstände. — Bergmann (210) bringt das Wort mit Kleid, nd. Kleed, Verkleidung zusammen, in derselben Weise entstanden wie aus Hemd Heimat. Im slav. ist kletj Zimmer,Gemach, und im russischen, wenigstens in einigen Theilen des Reichs, (in andern Anbár), ganz ebenso wie im Lett.: Vorrats- oder Kornkammer der Bauern. Hupel bemerkt, daß Einige das Wort Klete aus dem russ. herleiten, bald von Klet oder Kljet, Wohnung, Hütte, bald von Kletki, Honigzellen! vgl. d. Herleitung des Wortes Kleid in Grimms Wtb. Schon zu Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrh. kommt das Wort in der Lübecker Skra für den Hof der Deutschen zu Nowgorod vor: un so sal de olderman un de ratmanne mit deme clegere vor sin klet gan, dar sin gut inne ist' (vgl. Sarturius-Lappenberg's Gesch. der Hansa II. 200, und so öfters ebenda (z. B. 200. 272 u. 354). Potclet heißt da stehend die Trinkstube, Schenke, Speisesäle von Pott, Topf, Gefäß, vgl. Sallmann in 390. a. 10. Hier ist das Wort in der alten Bed. des russ. Wortes kletj, Zimmer, Gemach, kleines Haus gebraucht. Das Wort in der jetzigen Bed. von Kornkammer, Kornspeicher, Vorratsspeicher haben wir aber dem Lett. (Klehts) entlehnt. In dieser Bed. kommt es im 16. Jahrh. vor. So in einer riq. Kämmereirechnung v. 1577 in 350. XV. Bl. 172: Klete. Später in 329, zb. 88: Den Starost befragen, ober alle und eine jede Saat aus dem Speicher oder Klehten selber gemessen und richtig (auf den Kerbstock) aufgeschnitten habe. Oft in 328: Kleet- oder Kornhaus, 92; die Kleet soll mit dem Norcken nicht über 13 Ellen breit sein, 92; war man (die Kleet) nicht roht (mit Dachpfannen) decken kann, da soll man mit Soden decken, 92. In den Rügen und Kleten einbringen, 185. 466.

Rig. Almanach 1877, 50
Das zweite Mißjahr kam, und alles war leer auf den Feldern und in den Kleeten. [spielt in Livland]

Sallmann 1880, 15
Slavischen Ursprungs ist auch die oftgenannte Klete, ursprünglich = kleines Haus, Kammer. Das Wort findet schon frühe bei den Niederdeutschen Aufnahme, wohl vermittelt durch den hanseatischen Verkehr mit Alt-Nowgorod. Bereits zu Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts heißt es in der Lübecker Skra für den Hof der Deutschen zu Nowgorod: „un so sal de olderman un de ratmanne mit deme klegere vor sin clet gan, dar sin gut inne ist“(Sartorius, Urkundliche Geschichte des Ursprungs der deutschen Hanse, ed. Lappenberg II, 200), und so öfters in den Skraen des 14. Jahrh. (a. a. O. II, 269. 272. 354).

Pantenius 1880, 50
die Kleete 'Getreidekammer'

Pantenius 1881, 57
die Kleete 'Vorratshaus'

Rig. Almanach 1886, 77
„Guten Morgen, Freileinchen!“ sagte der Kleetenälteste Behrsing.

Westermann 1887, 388
Kleete a.d.Lett. Vorratshaus (Kurland)

Gutzeit 1889a, 36
Klete, die. In 399. VI uppe den dren cleten, Willkür d. deutsch. Kaufl. zu Nowgorod v. 1346, de jungen in den kleten solen vorkopen, in der dornsen oder in den kleten, Ebda. Das russ. клѣть bereits im Russ. Recht und von Ewers übersetzt Vorrathskammer. Es entspricht dem altn. hlada, a store house, Vorrathsmagazin, nach (Clesby-Vigfusson's Dict. Im altengl. lathe, dän lade, im gothischen hletra, Zelt, Hütte vgl. 390c. 15.

Eckhardt 1896, 28
Klete preuß.-balt., vielleicht a. d. Poln. D. russ. Wort hat nur beschränkte Verbreitung in den ans Baltikum angrenzenden Gebieten, also selbst Fremdwort. Schon im MA im Baltikum belegt.

Pantenius 1907, 87
die Kleete - 'Vorratshaus'

Seemann von Jesersky 1913, 135
Klete, let. klehts, клѣть, 'Vorratshaus'

Masing 1926b, 58
Klete 'Scheune' (mnd. klēt, kleit 'kleines Haus, Vorratskammer', mhd. glēt: slavisches Lehnwort? Schon im „Meier Helmbrecht“, V. 1847 er brach mir ûf mînen klêt; mlat. cleda; Frischbier I, S. 377).
ebd. 10: Klēte 'Nebengebäude, Scheune': opr. + bd.

Mitzka 1927/1928, 173
nicht preuß. --› bd.

Lasch/Borchling 1928, 78
Kleete „+ .. klêt (-t-, -d-) (kleit, kleyt), n., kleines Haus, Vorratshaus, Speicher, Vorratskammer (Baltikum).“

Vegesack 1935, 17
die Klete 'Vorratsscheune'

Kiparsky 1936, 160f.
Klete [klêtə] f. 'Scheune, Speicher' (alt auch kleth, kleith, cled geschrieben) ‹ ar. клѣть id. Das Wort ist aus Nowgorod (in deutschen Urkunden schon 1250 belegt; UB. I, 6, 418) ins Baltikum und von da nach Preussen eingedrungen (für Goldingen im J. 1290; UB. I, 1, 667, - für Opr. [Amt Ragnit] nach den Sammlungen des Preuss. Wb. im J. 1578 belegt). Es darf keinesfalls zu den nd. Elementen gerechnet werden, wie es Masing NdE. 58 tut. Bielensteins Annahme, es sei ein lett. Lw. (Grenzen 293), ist in Anbetracht des früheren Auftretens des Wortes in Nowgorod unmöglich. - Von bd. und opr. Klete zu trennen ist das mhd. glêt m. 'einzeln stehende Hütte, Haus', das schon im „Meier Helmbrecht“ (Vers 1847) vorkommt und auf ač. *klet (belegt nut demin. kletcě) zurückgeht.
Über potklet 'Vorratsraum für Speisen und Getränke' ‹ ar. подклѣть 'Kellergeschoss unter einem hölzernen Hause, auch Vorratskammer' vgl. Gutzeit SbbGGA 1884, S. 43-44.

Grosberg 1942, 14, 315
die Kleete 'Getreidespeicher'
Der Rittmeister erbaute .. die mächtige Kleete.
S. 17: Gutskleete, Handkleete, Kornkleete

Hueck-Dehio 1955, 107
Auf dem Dach der Perraferschen Kleete (große Vorratsscheune) läutete die Abendglocke Feierabend.

Habicht 1956, 297
die Klete 'Vorratshaus'

Hueck-Dehio 1959, 10

Vegesack 1963, 40
die Kleete

Kentmann 1978, 238
Kleete Heu … wird in der Kleete aufbewahrt.

Nottbeck 1987, 43
Kleete (rus.) – Kornspeicher / E.K.L.R.
Der Schlüssel zur Kleete war dem Verwalter anvertraut.

Kobolt 1990, 149
Klete f Speicher, klet 1451 Güterurkunden
russ. kletj Vorratskammer; mnd. klet(e), kleit kleines Haus, Kammer, gewöhnl. Vorratskammer, in Livland für Vorratshäuser allgemein bekannt; ostpr. Klete Vorratsraum, in älteren Wirtschaften unter einem gesonderten Dach.


QUELLEN (Informanten)

Kleete Lehnwort aus dem Russischen „kl'et' клеть“ Dafür spricht die Verwandtschaft mit „Kl'etka“ - Käfig, Vogelbauer (клеткa) u.a. russ. Ausdrücken. Im Wb. v. Toussaint-Langenscheidt wird das Wort als der Vulgärsprache angehörig bezeichnet = Vorratskammer.
Kleete 'Kleete wahrscheinlich aus dem Russ.' (Pernigel / Kr. Wolmar; [ohne Angabe des Heimatorts])

Busch, Marie von: Reval
die Kleete 'Vorratshaus f. altes Eisen'.

Kerkovius, Martha: Riga; Kruedener, B. von
Kleete - 'Scheune' (Riga 5x, Reval 3x, Pernau 2xBixten/Kr. Tuckum, Kurland 2x, Kliggenhof/Kr. Tuelhum, Mitau, A[r]sel?/Estland, [ohne Ortsangabe 1x])
Klete - 'Scheune' (Riga 6x, Dorpat 4x, Wesenberg, Tergeln bei Windau, Libau, Mitau)


Kleete (Riga u. Brotzen / Kurland by Frauenburg; Nissi / Kr. Harjen; Riga u. Kurtenhof in Livland; Reval; Estland)
Klete (Herbergen/Kurland, Riga (2x); Goldingen; Gut Kaschkowa, Kr. Werro)
Klehte (Riga)


Kleete - 'Speicher' (Arensburg auf Ösel, Alt-Wrangelshof bei Dorpat, Dorpat (6x), Bellenhof bei Riga, Riga (7x), Blumbergshof, Fihteets[?]/Kurland, Lettgallen, Fellin, Pernau (2x), Saara/Kr. Pernau, Reval (3x), Wesenberg, Kattentack in Wierland, Narwa, Gut Rickholz/Kr. Wiek (2x), Gut Sommerpahlen, Waldeck u. Pargenthal, Wenden, Wolmar-Pernau, Goldingen (Kurland) u. Kujen (Livl.); [ohne Ortsangabe 1x])
Klete - 'Speicher' (Dorpat, Gut Kaschkowa/Kr. Werro, Reval, Landolm, Hasenpott, Riga, Wenden, Ilsen/Kr. Walk
Klethe 'Speicher' (Reval bzw. Rickholz/Kr. Wiek; Dorpat, Krüdnershof; Goldingen)
Kleete 'abschließbarer, kleiner Speicher' (Libau-Riga)
Kleete 'etwa Speicher, verschließbares „Bauer“' (Dorpat bzw. Wesenberg)
Kleete 'Vorratshaus', 'Schuppen' Libau, Reval, Riga
Kleete 'immer verschlossener Aufbewahrungsort' (Mitau, früher Paplacken)
Kleete 'für Vorräte und Geräte' (Reval (1918-39 vorher Südwierland (St. Simonis); Mitau; Seßwagen/Kr. Wenden, später Kl. Rorp)
Kleete 'Speicher für Getreide, Saatgut, Nahrungsmittel, Lederzeug, Geräte u.s.w.' (Goldingen)
Kleete 'Vorratsraum für Heu, Flachs und auch für Feld- und Gartengeräte' (Riga)
Kleete 'Aufbewahrungsort für Getreide (Kornkleete), für Imkereigeräte (Bienenkleete) u. andere Geräte u. Dinge' (Goldingen)
Kleete 'darin wurden Getreide, Lebensmittel u. andere Sachen aufbewahrt' (Riga/Hasenholm)
Klete 'Aufbewahrungsraum f. Kleider, Getreide od. Mehl' (Riga (2x), Libau, Lettland, Kurland, Tuckum, dann Mitau, Riga; Talsen)
Kleete 'Vorratshaus für Getreide und Kleider' (Hallist, Kr. Pernau)
Kleete 'außer Korn in „Salven“ noch andere Dinge, Kleiderkasten darin' (Reval, eigentlich Fickel)


Kleete 'Abstellraum, bes. auf dem Lande als eigenes Gebäude. WL 8,38.
Kleete 'meistens aus Holz' (Lesten (1918-27), Kliggenhof u. Riga (1927-39))
Kleete 'landsches Vorratshaus' (Kiidjärve (Estl.) urspr. Riga)
Kleete 'gehörte nicht auf den Bauernhof (Gesinde), sondern auf das Gut (Herrenhof)' (Dorpat)
Kleete 'auch auf den Gütern' (Reval)
Kleete 'oben war noch ein extra Raum, in dem alle Schränke z.B. mit Kleidern) der Gutsleute standen' (Gut Iggen / Kr. Talsen)
Kleete 'hauptsächl. Kornspeicher aber auch Abstellraum' (Reval; Goldingen; Riga; Wolmar)


Große Kleete 'Kornkleete' (Kr. Talsen u. Dorpat)
die kleine Kleete 'zum Aufbewahren von Schinken, Mehl, Heringen' (Pastorat Schloß Scheijen, Kr. Wenden.
Kleete 'zum Aufbewahren von Mehl, Getreide, auch Rauchwaren wie Schinken etc.' (Kabellen, Kr. Talsen)
Kleete 'für Getreide, Speckseiten u.s.w.'(Riga, Mitau)
Kleete 'Vorratshaus für Getreide, Mehl, Fleisch- und Speckwaren, Brot' (Baltischport, Petersburg, Fellin; Riga (2x), Pernau; Dorpat)
Kleete 'Vorratskammer für Getreide, Mehl, Brot, Schinken' (Neuhausen/Kr. Hasenpott)
Kleete (lett. klēts) 'Vorratsgebäude' (Riga 2x; Reval; Dorpat; Hoppenhof/Kr. Walk)
Kleete 'Speicher für Korn u. andere Vorräte' (Walk)
Kleete 'Vorratskammer' (Kandau, Lettland)
Kleete 'Vorratsraum'; (Lemsal/Livl.; Prohden/Kr. Illerst (?), Kurland; Libau; Tuckum)
Kleete 'für Lebensmittelvorräte' (Dorpat; Riga)
Kleete 'für Getreide u. sonstige Vorräte' (Gut Sauk by Pernau in Livland)
Kleete 'meist Steingebäude, in dem das gedroschene Korn, das Rauchfleisch, Speckseiten u.s.w. aufbewahrt wurden' (Riga u. Süd-Wierland)
Klete 'Aufbew. von gedroschenem Korn, geräuchertem Schinken, Speckseiten etc.' (Kr. Pernau)


Kleete 'Kornspeicher' (Nomkiele/Kr. Jerwen (Estl.); Dorpat (2x) u. Umgebung; Wenden; Druween/Kr. Wenden)
Klete 'Kornspeicher'; (Fellin; Riga (3x); Oger; Rittergut Paschlep u. Sallajoggi Kr. Haspal; Werro, geb. 1885 in Minsk, 1920-39 Dorpat; Arensburg auf Ösel)
Kleete 'Getreidespeicher' (Ubja by Wesenberg, Hapsal, Popragger / Kr. Tulsen, Gemeinde Erwuhlen, Walk; Riga (6x), Hagensberg; by Guiwa (?), Kurland (2x); Mitau; Reval (2x); Talsen; Mitau; Ansel, Estl.; Südlivland; Litauen; Arensburg; Pussen/Kr. Windau; Alt-Ottenhof/Kr. Wolmar; Strasdenhof by Riga; Neu-Rahden; Dorpat, Reval-Land)
Kleete 'Getreideschuppen' (Groß Jungfernhof)
Kleete 'für Getreide' (Riga u. Kr. Pernau; Narwa, Estland)
Kleete 'für Korn' (Rogosinsky by Werro / Livland, später Estl.)
Klete 'Kornspeicher' (Riga; Hördel)
Klete 'für Korn, Saat' (Karlsberg über Abja Kr. Pernau; Reval)
Kleete 'Kornkammer' (Libau; Riga 3x)
Kleete 'für Mehl und Futtergetreide' (Dorpat)
Kleete 'zum Aufbewahren von Getreide' (Pastorat Schloß Scheijen, Kr. Wenden, Dorpat (2x); Arensburg (Ösel); Narwa)
Kleete 'Vorratshaus für Korn'; (Reval u. Dorpat; Riga (3x); Kr. Mitau (2x); Goldingen - Riga
Kleete 'Vorratshaus' (St. Petersburg, Reval; Alt-Wrangelshof by Dorpat)
Kleete 'Vorratsspeicher'(Riga)
Kleete 'Vorratshaus für Getreide besonders' (Gut Friedrichswalde/Kr. Wenden; Dorpat (2x), Pernau; Riga)
Klete 'Vorratsgebäude für das geerntete Korn' (Riga (3x); Werpel, vorher Isaak / Altentackel; Feldhof über Passmacken; Dorpat (2x); Reval; Litauen; Simonis / Wierland, Randen/Kr. Dorpat)
Kleete 'für Getreide, gedroschen' (Dorpat u. Nordestland)
Kleete 'Aufbewahrung von gedroschenem Getreide u. anderen Vorräten' (Kerro, Kr. Pernau, später Kr. Jerwen; Riga)
Kleete 'für Mehl und Getreide' (Goldingen / Windau, Kurland; Pölve/Kr. Werro; [ohne Angabe des Heimatorts])
Kleete 'die Vorratsscheune, insbesondere für gedroschenes Korn u. Mehl' (Riga)
Kleete 'der Kornspeicher mit mehreren Abteilen für Getreide u. dem Kleetenboden, auf dem auch Getreide gelagert wurde' (Neuenburg-Pastorat. Kurland)
Kleete 'zum Aufbewahren von Getreide' (Narwa)
Kleete 'Gebäude zur Aufbewahrung von Getreide (Reval, Riga; Soosaar by Fellin)
Kleete 'mit Abteilungen für verschied. Sorten Korn' (Estland; [ohne Angabe des Heimatorts])
Kleete 'das Getreide wurde in der Kleete in „Salven“ untergebracht(Riga u. Dorpat)
Kleete 'Getreidespeicher, mit Salven zum Einlagern' (Kibbijarv / Kr. Dorpat; Reval; Riga)
Kleete 'Gebäude für Saaten' (Kurland / Livland)
Kleete 'zum Aufbew. des Schweinefutters, Mehl u.s.w.' (Dorpat)
Kleete 'für Getreide, Heu' (Dorpat)
Klete 'Magazin-Gebäude' (Riga u. Dorpat)


Kleete 'verschließbar, darin Kornvorräte, Schinken, Kleiderkasten' (Sagnitz)
Kleete 'Vorratsgebäude, Backstube' (Gut Namtsn / Kr. Talsen, von 1922-39)
Kleete 'Vorrats-, Kornkammer, die Klete ‹ russ. клеть (Reval, auch Fellin)
Klete 'gesonderter Aufbewahrungsraum' (Asel od. Arsel (?) (Estl. - Reval)
Kleete 'Art Kornspeicher u. zur Aufbewahrung anderer Sachen (Kleider)' (Riga)


Kleete 'Kleete im Sommer als Schlafraum für Mädchen benutzt' (Ligat, Riga, Kr. Wolmar)
Kleete 'Aufbewahrung für Kisten mit Pelzen u. Kleidern, Haferkisten, Räucherschinken, Rollen grober Leinwand, auch mit Bett zum Übernachten, falls zu viel Gäste' (Libau; Dorpat; Goldingen u. Riga)

Kleetenkerl der
‣ Varianten: Kletenkerl
'Empfänger und Ausmesser des Getreides auf Gutshöfen.'
siehe auch Kerl

QUELLEN

Hupel 1795a, 116
Kleetenkerl, der, ist der Empfänger und Ausmesser des Getraides, auf Höfen.

Gutzeit 1874, 52
Kletenkerl, der, Empfänger und Ausmesser des Getraides auf Gutshöfen. Schon Hupel.

Sallmann 1880, 15f.
Kletenkerl ist gegenwärtig der Empfänger und Ausmeßer des Getraides auf Gutshöfen.

Grosberg 1942, 37, 97, 318
der Kleetenkerl Speicheraufseher


QUELLEN (Informanten)
Busch, Marie von: Reval
der Kleetenkerl Aufseher

Freytag, A. von: Ösel
Kletenkerl (?) Gutsaufseher


Kleetenkerl 1. Fellin, 2. Reval u. Dorpat (Kleetenkerl, Kleetner) 4. Riga ’Kleetenaufseher’; Kleetenkerl 3. Dorpat, Krüdnershof ’Verwalter der Hofklete’, 5. Pernigel/Kr. Wolmar, 6. Dorpat ’verwaltete die Kleete’, 7. Kibbijärv / Kr. Dorpat ’für Speicherarbeiter’, 8. Nissi / Kr. Harjen ’Speicherverwalter’, 9. Dorpat, 10. Reval ’Aufseher über die Kleete’

Korde
‣ Varianten: Kord

QUELLEN

Hupel 1795a, 123
Korde, die (Ehstn.) ist eine Magd welche von den Bauern nach der Reihe zur Besorgung des Hofviehes auf gewisse Tage gestellet wird. - Korde heißt auch zuweilen ein dünner Strick.

Hupel 1795b, 229
Korde, die, st. Strick hört man sonderlich wenn junge Pferde abgerichtet und an einem Stricke im Laufen geübt werden. Vermuthlich hat es einerkey Ursprung mit dem englischen Worte cord.

Hupel 1796, I/169
Korden* ... *So nennt man in den meisten hiesigen Gegenden die Mägde, welche das Gebiet wochweise nach der Reihe das ganze Jahr hindurch, zur Wartung des Viehes seinem Hofe liefern muß.

Gutzeit 1874, 76
Kord, die, statt Korde, Wechselgehorch, in 444. J. 1780.

Gutzeit 1874, 76f.
Korde, die, 1) bestimmt abwechselnder Dienst, Wechselgehorch, nach dem estnischen Worte Kord oder Körd, Reihe, Ordnung, Mal. Lange hat dies Wort zuerst im lettisch-deutschen Theile seines Wörterbuchs: Kahrtneekôs eet, zu Korden gehen. Dann steht das Wort verzeichnet bei Hupel in 444. J. 1780: Körrale zur Korde (gehen u. s. w.), und temma on Korral, er ist auf dem Hofe zur Korde; Körrala tullema, zur Kord kommen. Ebenso in der Ausgabe von 1818. Stender hat: zur Korde gehen, d. h. zur Abwechselung eines Anderen gehen; Ullmann (411): zur Korde kommen, d. h. zur Frohne eine Woche um die andere, lett. Kahrta eet. — Auffallen muss, wie das estn. Wort Kord in Lett- und Kurland so Wurzel fasste, dass das entsprechende lett. Kahrta ins Deutsche nicht übergehen konnte. Auf vielen Gütern Livlands ist es übrigens nie recht gebräuchlich geworden und verschwindet jetzt gleichzeitig mit der Frone. — Aus dem unverstandenen fremden Worte entwickelte sich sonderbarer Weise eine zweite Bedeutung: 2) im Wechselgehorch fronender Arbeiter. Auch diese Bedeutung zuerst bei Lange: Kahrtneeks, ein Korde, wie man ihn in Liefland nennt. Hupel erklärt im deutsch-estnischen Theil seines Wörterbuchs (444) Korde mit Kord-Arbeiter, Korralinne, und dieses estnische Korralinne wiederum im estnisch-deutsch. Theile mit: a) ein nach der Reihe kommender Frohnarbeiter, und b) eine zum Hofs-Viehe gelieferte Magd, liefl. Korde. Hiernach scheint das Wort Korde bei ihm sowol männlichen als weiblichen Geschlechts. Stender lässt das Geschlecht unbezeichnet; Ullmann in 411 hat geradezu: der und die Korde, zum Wechselgehorch(Korde) beim Vieh Gekommene, lett. Kahrtneeks. Hupel im Idiotikon erklärt: Magd, welche von den Bauern nach der Reihe zur Besorgung des Hofviehes auf gewisse Tage gestellt wird. In 147: die Korde leistet (an Hilfsgehorch) 42 Tage im ganzen Jahr, — dem beistehenden russischen Worte nach: Viehleute. — Auch in dieser Bed. ist das lettische Wort nicht ins hiesige Deutsch übergegangen; aber selbst Korde ist in dieser Bed. auf vielen Gütern ungebräuchlich gewesen, während die folgende, dritte Bedeutung sich sehr allgemein einbürgerte. 3) Bauermagd zu allerlei Hofsdiensten, in der Stube, Küche, beim Spinnen, beim Vieh und dgl. Diese so gewönliche Bed. fehlt bei Lange, Stender und Ullmann.
Aus dem Schragen der Revaler Schmiedegesellen von 1597 führt E. Pabst in 379. I. 4. 374 u. f. folgende Stelle an: Item wert Jenich so kranck dat he wachte behouett, so sollen eme ersten waken und denen 2 de em negest wonen, un dort so mit der Korden umme solange bett ett mit deme seken den einen weck edder den andern kehrett, d. h. item wird Einer so krank, daß er Wache bedarf, so sollen ihm zuerst wachen und dienen zwei, die ihm zunächst wohnen, und weiter so der Reihe nach herum solange, bis es mit dem Siechen den einen oder den anderen Weg nimmt. — Von Pabst (ebda. S. 392) wird bemerkt: „Korde,“ estnisch — Reihe, Ordnung. Diese Wendung: mit der Korden umme, nach der Reihe herum, ist die einzige mir vorgekommene und mögte vielleicht in livländischen Schriftstellern nicht begegnen.
Das estnische Wort Kord oder Körd trifft mit dem lettischen Kahrta und dem lateinischen ordo zusammen, aber auch mit dem deutschen: die Kehr, vgl. Grimms Wtb. 4. d. In dem deutschen Kehr (= Kahr, Kor, schwed. Köre, dän. Kjöre), verschmelzen die Bed. Gang, Zeit, Reihe, Arbeit, ebenso wie im franz. tour, und wol auch in dem Worte Korde, das weder allein Reihe, Ordnung, noch Wechselgehorch bezeichnet.

Gutzeit 1874, 77
Korde, die, Strick, sonderlich wenn junge Pferde abgerichtet und an einem Sticke im Laufen geübt werden. Vermutlich gleichen Ursprungs mit engl. cord. Hupel in 1662. - 17/18. 229. Ein Pferd an der Korde laufen lassen. Gew.

Pantenius 1880, 41
die Korde Schnur

Sallmann 1880, 19
Korde, m. der abwechselnd, der Reihe nach kommende Frohnarbeiter (kord, kordus Reihenfolge, Abwechselung, Ordnung, Wiederholung).

Sallmann 1880, 19f.
Korde, f. der abwechselnd, reihum verrichtete Gehorchdienst; zur Korde sein Wechselgehorch leisten. Ed. Pabst führt aus dem Schragen der Revalschen Schmiedegesellen von 1597 den Ausdruck an mit der Korden umme der Reihe nach herum. Da hat Korde ganz die ursprüngliche Bedeutung „Reihenfolge“.

Sallmann 1880, 20
Korde, f, die zur Besorgung des Hofviehs von den Bauern Reihe nach gestellte Magd, die Gehilfin des s. g. „Viehweibs“ oder der „Viehmutter“, dann überhaupt die zu Hofsdiensten gebrauchte Bauernmagd.

Sallmann 1880, 35
Korde Strick. Ein junges Pferd läßt man an der „Korde“ im Kreiß herumlaufen; schon mnd.

Westermann 1887, 388
Korde Bauernmagd, a.d.Estn.

Gutzeit 1889a, 42f.
Korde. Zu 1) des Wörterschatzes. Jede Korde, sowol beim Vieh als beim Brantweinsbrande, wird zu 7 Fußtagen berechnet, welche dem Pachter zu der Zeit wo die Korde gestellt wird, vom ordinären oder Hufsgehorch abzurechnen sind, 147 und 416. 47, der mit Reeschenarbeit beschäftigte Pachter hat, falls solches verlangt wird, bei der Korde die Hilfstage zu stellen welche erforderlich sind, um zu den Wochentagen des ordinären Gehorchs die 7 Fußtage welche die Korde leisten muß, zu ergänzen, 416. 46; Korden können gleichzeitig mit der Reeschenarbeit fortgeleistet werden, Ebda Inhaltsverz. 59. Alle diese Stellen bedürften Erklärung von Seiten eines Fachmanns!
E. Pabst hat aus d. revaler Schmiedeschragen v. 1597 (vgl. 379. I. 4. 374) zwei Belege angefürt, in welchen das Wort Korde die Bed. von Reihe haben also das estnische Korde sein soll. Hier folgen 3 Belege aus Livland und zwar in 3 Gestalten: Kore Kör und Kerde, welche dartun mögten, dass in den von E. Pabst herangezogenen Stellen an estn. korde nicht zu denken ist.
a) Im 19 Punkt der rigischen Schneiderschra. Aus d. Ende d. 14. od. Anfang d. 15. Jahrh. (nach Annahme von Bunge in 399. IV. S. 60) vortmer wan de cumpanie to samende drinken will, dar sal men to kesen twe gerdeman, de sullen de cumpanie plegen, wes se bedurfen, und de kore sal umme gan, (im Reval. Scmiedeschragen v. 1597 mit de korden umme), und men en sal nemande over scholden, de werkmester en villes denne gannen, 399. IV. S. 306. Kore ist hier nd. kôr Mal, Willkür, Beliebung. — b) In Urk. von 1602. Art. 44 (399. IV. 406) und nummende dat to antworde, de buten der koer is. Das Wortverzeichmss (399. IV. 930) erklärt: „außer der Willkür oder Verordnung, vielleicht bedeutet es hier auch, außer der Reihe, und verweist auf kerde und Regeste 2323." — Auch hier ist koer = Kür, Wahl. — In der Goldinger Schra. der Schwarzenhäupter c) aus Ende d. 14. oder Anfang des 15. Jahrh. ist in 399. MDXX. Art. 13 enthalten: is id, dat ener krank worde, so sallen de vogende IV bestellen, de en bewachten, sallen ok licht und böhe hen stellen, and de kerde sakk umgan, nemand ut bescheden. Im Wortverzeichnis: „vermuthlich, die Reihe soll herumgehen. Niemand ausgenommen.“ Dies kerde ist mnd. = kerede, kere, Wendung, Reihe, und in d. revaler Schmiedeschragen vermuthlich statt korde zu lesen. Übrigens scheint es, dass die von E. Pabst und von mir herangezogenen Stellen einer erneuerten Prüfung zu unterziehen sind, — insbesondere, ob selbst kerde richtig gelesen worden.

Ojansuu 1906, 96f.
Korde, m. der abwechselnd, der Reihe nach kommende Frohnarbeiter = estn. kord (‹ korta = finn. kerta) G. korra 1) Ordnung, gehörige Ordnung, gute Beschaffenheit, Aufeinanderfolge, Reihenfolge, Reihe, vgl. korrast abwechselnd, der Reihe nach, korral olema der Reihe nach Dienste Thun, Arbeit verrichten, „zur Korde sein“, wahi korral olema Wache halten, Schildwache stehen, karikord, karjakord Frohnwoche bei der Hütung, Reihe den Hüter zu Speisen und ihm einen Gehülfen zu geben. Auch in dieser letzten Bedeutung kommt das Wort im Ostseedeutschen vor: zur Korde sein Wechselgehorch leisten (in der Litteratur schon 1597). S. näher Gutzeits Wörterschatz.

Hahn 1911, 70
Korde Die Viehmägde werden auch „Korden“ genannt. Ellon [Ellern?] 1782.

Lasch/Borchling 1928, II/637
Korde (kore Nd. Kbl. [?] 11, 72), f., Reihe, Reihenfolge, nâ der k. n., mit der k. n umme nach der Reihe, Ordnung (Livland; aus d. Estn. oder zu °kêrde?) [Wendung, Reihe SL]

Bosse 1933, VII
Kordearbeiten - gemeinsam von einem Dorf oder Wacke abzuleistenden Arbeitsverpflichtungen, die der Reihenfolge nach auf die einzelnen Bauerstellen verteilt werden.

Kiparsky 1936, 45f.
1. Korde [kordə] f. 'abwechselnder Dienst, Wechselgehorch' ‹estn. kord 'Ordnung, Reihenfolge', korral olema 'der Reihe nach Dienste tun' + liv. kõrda 'Ordnung; Reihe; Schicht', kõrda mies 'Kordarbeiter' (⁓ finn. kerta 'Mal, Ordnung'). Nach GUTZEIT II, 76-77; N.89 42-43; SALLMANN N. 19-20, OJANSUU 96-97, SUOLAHTI 109 stammt das bd. Wort aus dem Estn. Indessen gibt schon GUTZEIT 1.c. einige Belege für bd. Korde [kore, koer, kerde] 'Ordnung, Reihe' aus livländ. und kurländ. Urkunden des 14.-16. Jhs. an, die er selbst mit Unrecht anzweifelt (vgl. SUOLAHTI 1.c.) und in neuerdings veröffentlichten Urkunden lassen sich folgende, über jeden Zweifel erhabene Stellen anführen: ... tor körden komen ... /Walk, 1422; A. I, 262); ... in der hilffkorde ... (Wolmar, 1523; GU. II, 225). - Eine parallele Entlehnung aus dem Liv., die schon THOMSEN Ber. 186 zweifelnd erwog, erklärt diese Verbreitung wie auch den Umstand, dass das entsprechende lett. kārta 'Reihe, Ordnung' ins Bd. nicht eingedrungen ist.
2. Korde [kordə] m. 'im Wechselgehorch frohnender Arbeiter', f. 'Bauernmagd zu allerlei Hofsdiensten'. Vgl. oben. - Wohl eine selbständige Abstraktion aus einem *Kordemann, *Kordefrau (vgl. Corte-Volk in Riga, 1696; Gutzeit II, 78), das dem liv. kōrda mies „Kordarbeiter“ entspräche. An eine besondere Entlehnung aus estn. korraline 'ein Frohnarbeiter, welcher der Reihe nach zur Arbeit kommt' kann aus lautlichen Gründen nicht gedacht werden.
Ableitungen davon sind Kordekerl (s. GUTZEIT), Kordenarbeit, -pflug, -Spinnerei.

Taube 1944, 94
die Korde die Viehmagd
Über dem Vieh waltete der 'Hüter', vorgesetzt mehreren 'Korden', wie man bei uns zulande die Viehmägde nannte.

Johansen/Mühlen 1973, 382
Korde. Bei öffentl. Dienstleistungen benutzte man das livisch-estnische Wort Korde, das soviel wie Reihenfolge, Ordnung bedeutete; auch in der Stadt sprach man vom corde-volke, das beim Wall- und Br..?werkbau beschäftigt wurde.
z.B.: 1544, RStA, A.b. 12,604; aber auch schon 1422 und in der Revaler St. Nikolaikirche 1482, Nik.KA Nr. 1,53a: de korde steit geschreven.

Nottbeck 1987, 47
Korde (est.) - Bauernmagd / E.
Die Korde war beim Melken.


QUELLEN (Informanten)
Busch, Marie von: Reval
die Korde (estn.) - die Viehmagd


Korde 'Viehweib' 1. Nomkiele, Kr. Jerwen, 2. Soosaar by Fellin 'Viehmagd', 3. Dorpat, Krüdnershof("), 4. Alt-Wrangelshof by Dorpat ("), 5. Nissi / Kr. Harjen 'Stallmagd', 6. Reval ("), 7. Dorpat bzw. Wesenberg 'Viehmagd, vom estn. „Kord“ = 'Reihe, Ordnung'

Kubjas
{estn. kubjas 'Fronvogt'}
'Aufseher bei Fronarbeiten'
vgl Hirsnik

QUELLEN

Hoheisel 1860, 28
Kubjas (estnisch), in Kurl. Wagger (lettisch): Aufseher über die Arbeiten der Bauern.

Lindner 1762, 229
Kubiaß Aufseher über die Arbeiter. Kirchen Kubiaß, Bauern Kubiaß

Hupel 1774-1782, 61
Kubjas, ein Bauer der über seine Brüder die Ehsten bey der Hofsarbeit die Aufsicht führt, und dafür von allem Gehorch und Abgaben Frey ist. Er steht so wie andern unter seines Herrn Ruthen.

Bergmann 1785, 41
Kubjas, ein Baueraufseher

Hupel 1795a, 130
Kubjas, der (Ehstn.) ist der Aufseher bey Frohnarbeiten in ehstnischen Distrikten. Oft nennt man jeden Beobachter oder Antreiber eben so, z.B. ich habe keinen Kubjas nöthig.

Petri 1802, 80
mein Kubjas ist gestorben, d.i. der Aufseher bei den Frohnarbeiten der Bauern, etwa der Frohnvogt.

Bunge 1851, ??
1662 ein Cubiaß

Gutzeit 1874, 109
Kubjas, der, bei Gadebusch Kubbjas, bei Älteren Cubias und Cubiaß, gespr. Kúbb-jass, Baueraufseher nach Bergmann, der Aufseher bei Fronarbeiten in estnischen Bezirken, nach Hupel. Der Kubias oder Starost, 329. 87; ein Cubiaß, im Privileg. Fellius v. 1662 in 192. 1; ein Cubias, 185. 29; Kubiassen, 329. 82, als Vz.
Die balt. Monatsschrift (396. I. 3. 281) sagt: Wagger nennt man in Kurland die die Gutswirtschaft gemäß den Anordnungen des Gutsverwalters und mittelbar leitenden Aufseher. Sie sind durchgängig den Eingeborenen angehörig. Im lett. Theile Livlands gebraucht man dafür die Bezeichnung: Strosche (unzweifelhaft das slav. Storosch, Wächter). Starost (slav. Ältester), und Schilter; im estnischen Theile Livlands, auf Ösel und in Estland: „Kubjas“ — Nach Gadebusch: ein estnisches in Livland sehr gebräuchliches Wort, Bauernaufseher, hauptsächlich bei ihrer Feldarbeit. Jedoch wird es auch in den Städten gebraucht, wo man Raths-Kubbjas, Brandkubbjas u. s. w. hat. — Nach Hupel nennt man oft (im estnischen Gebiete) jeden Beobachter oder Antreiber einen Kubjas, z. B. ich habe keinen Kubjas nöthig.

Sallmann 1880, 18
Kubjas Aufseher bei der ländlichen Arbeit, früher Frohnvogt.

Transehe-Roseneck 1890, 25
Kubjas Großknecht, im estn. Teil Livlands.

Ojansuu 1906, 97
Kubjas, der, 'Aufseher bei der ländlichen Arbeit, früher Frohnvogt. Es wird auch in den Städten gebraucht, wo man Raths-Kubjas, Brandkubjas u.s.w. hat' = estn. kubjas G. kubjase, kubja Frohnvogt, Aufseher der Arbeiter, küla-kubjas, waku-k. Dorfältester, suigu-k., tuku-k. Beaufsichtigter der Gemeinde in der Kirche, tē-k. Aufseher beim Wegbau, turu-k. Marktvogt, wangi-kubjas Gefängnisaufseher.

Suolahti 1910, 102
Brücken-Kubjas, der, ist derjenige Bauer welcher bey der Strassen- und Wege-Ausbesserung eines Landguts in Ehstnischen Distrikten die Aufsicht führt“ -- (HUPEL). vgl. Kubjas.

Bosse 1933, VII, VIII
Kubjas (estn.) - vgl. Zehntner.
Zehntner, Kubjas (nd. tegeder) - gutsherrlicher Beamter bäuerlichen Standes, dem vor allem die Betreibung der Abgaben (das Zehntner) obliegt.

Kiparsky 1936, 46
Kubjas [kúbjas] m. 'Aufseher, bes. bei Frohnarbeiten' ‹ estn. kubjas 'Frohnvogt, Aufseher der Arbeiter' (⁓ finn. kupias id.) HUPEL 130, HOHEISEL 28. GUTZEIT II, 109, SALLMANN V. 11; N. 18; OJANSUU 97, SUOLAHTI 110-111. E. und EL. - Der älteste Beleg vom J. 1497 im UB. II, 1, 405, Anm. a) aus Parmer (wohl = Parmel in Wierland), dann für Reval J. 1498 (Das älteste Wackenbuch des Revaler St. Johannis-Siechenhauses S. 46).
Zusammensetzungen: Ratskubjas, Brandkubjas, Brückenkubjas. Vgl. GUTZEIT I, 155 und II, 109.
S. 13: von Balten als Fremdwort durchaus empfunden.
S. 27: dem estn. Kubjas entspricht lett. Wagger.

HWbGA 1936, 202
Kubjas (estn./liv.) 'bäuerlicher Wirtschaftsbeamter, Aufseher'

Taube 1944, 95
Mein Vater war sein eigener Buchführer und Inspektor; gleich unter ihm standen die Aufseher der Felder und Feldarbeiten, die man mit dem estnischen Namen 'Kubjas' nannte. Sie waren Vertrauensleute .. Es gab einen Kubjas in ..., einen in ..m einen in ... den beiden letzten unterstand auch die Viehwirtschaft in ihrem Bereiche.

Wistinghausen 1954, 10
Kubjas 'Aufseher'

Habicht 1956, 300
der Kubjas

Nottbeck 1987, 50
Kubjas (est.) - Hofvogt / E.
Der Kubjas war absolut zuverlässig.

Kobolt 1990, 165
Kubjas (mit kurzer, betonter Anfangssilbe) m Aufpasser, Antreiber, Fronvogt, z.B.: Ich brauche keinen Kubjas hinter meinem Rücken!
estn. kubjas Aufseher, Vogt.


QUELLEN (Informanten)
Busch, Marie von: Reval
der Kubjas (estn.) 'Aufseher über die Knechte'

Hoffmann, Gjert: Reval
Kubjas Feldaufseher

Schiefner, Frieda: Reval
Kubjas, der 'Gutsaufseher'


der Kubjas 1. Gut Hachkowa, Kr. Werro; 2. Sagnitz 'Oberaufseher der Arbeiter, Vorarbeiter' (nur auf dem Gut); 3. Fellin 'Aufpasser'; 4. Reval (1918-39), vorher Südwierland (St. Simonis) 'Aufseher, Vorarbeiter'; 5. Reval u. Dorpat 'Arbeitsaufseher, Unterverwalter, urspr. Fronvogt'; 6. Dorpat u. Umgebung ÄAufseher'; 7. Dorpat, Krüdnershof 'Aufseher'; 8. der Kubias Alt-Wrangelshof by Dorpat; der Kubjas (estn.) 9. Gut Friedrichswalde, Kr. Wenden 'Vogt, lett. Wagger, auf Rittergütern'; der Kubias (estn.) 'Aufseher' 10. Kr. Pernau; 11. Dorpat 'Vorarbeiter'; 12. Kibbijarv / Kr. Dorpat 'Vogt'; 13. Nissi / Kr. Harjen 'im estnischen Teil, Aufseher'; 14. Reval 'Vogt, aber nur auf großen Bauernhöfen'; 15. Hallist, Kr. Pernau 'Aufseher; 16. Dorpat bzw. Wesenberg 'Vogt' (estn.); 17. Dorpat, Riga 'in Estland: Vorarbeiter'

Landstelle die

QUELLEN

Bunge 1851, § 77
Landstelle [den Landgütern i.e.S. werden] die kleineren, nicht privilegierten Grundstücke, Landstellen, entgegengesetzt, welche ursprünglich, dem größten Theil nach wenigstens, Bestentheile eigentlich sogenannter Landgüter gewesen, und von denselben durch verschiedene Veranlassungen und zu verschiedenen Zwecken abgetheilt worden sind.

Sallmann 1880, 70
Landstelle ein Stück Land, größer als ein Gesinde, doch mit einer Ackerfläche, die nicht zu einem Rittergute hinreicht.

Gutzeit 1882, 144
Landstelle. 1) Den Landgütern werden die kleineren, nicht privilegirten Grundstücke, Landstellen, entgegengesetzt, 153. II. 152. Sonst wird mit Landstelle auch dasselbe bezeichnet was Gesinde, Bauergesinde, Bauerstelle heißt, d. h. das im Nießbrauch oder Besitz eines Bauerwirten befindliche Land, 154. 1. 165. — 2) Stelle, Dienstanstellung auf dem Lande. Ein erfahrener Arzt sucht eine L., rig. Ztg. 1881. 212, d. h. Stellung auf dem Lande als Arzt, Landarztstelle.


QUELLEN (Informanten)

Landstelle: 'Begriff aus der Zeit vor 1919. Kleineres Gut ohne Rechte der Rittergüter.' (Dorpat)
'Zwischending zwischen Gut und Gesinde, meistens entstanden durch Ankauf mehrerer aneinandergrenzender Bauernhöfe. Auch in den Grundbüchern „Landstelle“ genannt.' (Kerro Kr. Pernau, später Kr. Jerwen)
'Anstellung auf dem Lande (?) oder ein kleiner Landbesitz.' (Kiidjärve (Estland) urspr. Riga)
'Für baltische Verhältnisse kleines Gut, das weder Majorat noch Rittergut war.' (Nomkiele/Kr. Jerwen)
'In Estland die Bezeichnung für eine landwirtschaftl. Besitzung, die nicht einem Bauern gehörte und nicht die Größe eines Gutes hatte.' (Reval (Estland))
'Grundstück u. Anstellung auf dem Lande' (Riga)
'Bauerngehöft (auch Gesinde genannt)' (Penningby u. Reval)
'Großer Bauernhof od. kleineres Gut ohne alte Rittergutsprivilegien.' (Ubja by Wesenberg (Estl.))
'Wenn ein Städter auf dem Lande einen Besitz hat, kein typisches Bauerngesinde ist' (Haspal/Estl.)
'Ein sehr kleiner Landbesitz' (Dorpat)
'Kleiner Landbesitz' (Riga)
'Bauernhof' (Reval, u.... Dorpat)
'Ein Gesinde, ein kleiner Bauernhof' (Wesenberg/Estl.)
'Anwesen, Hof auf dem Lande' (Reval, auch Sellin)
'Kleine Landwirtschaft, kleiner als ein Gesinde od. Bauernhof' (Reval)
'Gesinde, Bauernhof' (Arsel ? od. Asel ?, Reval/Estl.)
'Ein landwirtschaftliches Objekt mit allen Gebäuden, kleiner wie ein Gut' (Dorpat)
'Abgeteiltes Landstück mit eigenem Wirtschaftsbetrieb, das nicht in bäuerlichem Besitz war (kein „Gesinde“) [vgl. schwed. „lantställe“] (Sagnitz)
'kleiner ländlicher Besitz, kleiner als Bauernhof' (Reval)
'wohl eine kleine Pachtstelle' (geb. Gut Namtsen (?) Kr. Talsen / Kurland, von 1922-39 in Stadt Talsen)
'Bauernhof' (Gut Kachkowa, Kr. Werro (Estl.), Dorpat, Dorpat)
'ein ziemlich kleiner Hof (Bauernhof)' (Saara Kr. Pernau.
'kleiner Bauernhof' (Dorpat, Fellin)
'Kleiner Landbesitz (Fellin (Estland) 1910-14)
'Land für einen Pächter, klein. Landsitz' (Riga, Pernau)
'Pachtstelle, Halbkörnerstelle' (Popragger Kr. Tulsen)
'Ein größerer Bauernhof' (Pernau, 2. Kr. Werro u. Dorpat)
'Ein von Hauptgut abgetrenntes Stck. Land' (Walk (Estl.))
'Als Landstelle konnte jedes landwirtsch. nutzbare Grundstück bezeichnet werden, das nicht Rittergutsareal war, sondern sogen. Bauernland. Speziell wurden die großen Bauernhöfe (100-500 ha) als Landstellen bezeichnet.' (Dorpat und Nordestland)
'eine Parzelle' (Riga)
'ein kleiner ländlicher Besitz' (Dorpat)
'ein kleiner Grundbesitz, kein Rittergut oder Ohajozatbesitz (?)- Gesinde' (Dorpat, Reval)
'kleiner Bauernhof unter 10 Hektar' (Kreis Pernau)
„eine Häuslerstelle' (Riga)
'ein kleines Grundstück auf dem Lande' (Riga u. Dorpat)
'kleiner Bauernhof' (Riga, Litauen)
'Siedlerstelle, Neuerrichtung (asunik)' (Dorpat)
'ein Bauernhof-Gesinde' (Simonis/Wierland u. Randen/Kr. Dorpat; St.Petersburg, Reval; Dorpat; Riga)
'von Rittergütern abgeteilte Landstücke, die eine Mittelstufe zwischen Rittergut u. Bauerngut bildeten.' (Gut Friedrichswalde/Kr. Wenden/Livland)
'eine Stelle in der Landwirtschaft beim Bauern' (Riga)
'ein kleiner Besitz, oft Teil eines Gutes, der selbst-ständig bewirtschaftet wurde.' (Reval, eigentlich Fickel)
'Bauernhof' (Werpel; Reval; Kr. Mitau)
'War nie mehr als ein Morgen groß; Handwerkerlandstelle.' (Feldhof über Passmacken, Kurland)
'ein außerhalb des roten Striches gelegener landwirtsch. Betrieb - bestehend aus 1 bis mehr ursprüngl. Bauernstellen/Höfen) in deutscher Hand. (In estn. od. lett. Hand wäre es ein größerer Bauernhof (od. „Bauernstelle“) (Kattentack i. Wierland)
'ein ländliches Gehöft kleineren Ausmaßes, kein Gesinde' (Bellenhof by Riga bis 1920, dann Riga)
'kleine Landwirtschaft' (Narwa, Dorpat, Krüdnershof, Dorpat)
'Gesinde, Bauernhof mit umliegendem Land' (Landohn/Lettl.)
'ein vom Gutshof abgetrenntes Stück Land, das in den meisten Fällen von Deutschen bewirtschaftet wurde, resp. Gehöfte?' (Ligat, Riga, Kr. Wolmar)
'ein kleinerer od. größerer Landbesitz ohne Rittergutsrechte (Rittergut Paschlep by Sallajoggi/Kr. Haspal)
'eine „Bauernstelle“ in Livland meist „Gesinde“ genannt' (Riga)
'ein Vollbauernhof, der bei der Trennung von Gutsland (Hofesland) und Bauernland durch die livl. u. die estl.
Bauernverordnung (1849/60 u. 1858) der Nutzung durch Angehörige der bäuerl. Landgemeinde vorbehalten wurde, Mindestgröße: Livl. 32 ha)' (Reval bzw. Rickholz, Kr. Wick.)
'ein kleines Grundstück an der Peripherie der Städte, Kleinstädte u. Flecken, bewohnt von Handwerkern, die etwas Gartenbau zu eigenem Bedarf betrieben.' (Kurland)
'ein kleiner Hof od. Bauernhof (= Gesinde) in dtschem Besitz, weder Gut noch Rittergut.' (Dorpat u. Umgebung)
'klein. landwirtsch. Anwesen' (Goldinger, Riga, Riga)
'eine Tagelöhnerstelle' (Riga)
'ein Hof von ca 100 Morgen' (Ansel)
'ein kleines Grundstück' (Riga)
'ein kleiner Bauernhof, ca 40 Wessjatinen groß' (Reval)
'Ein Platz, darauf man sät, pflanzt, den man bearbeitet' (Riga, Hagensberg)
'größere Landwirtschaftl. Betrieb aus zusammengekauften, benachbarten Ländereien (Gegensatz zum Rittergut)' (Walk / Mittellivl.)
'kleiner Grundbesitz' (Soosaar by Fellin)
'ein kleines, selbständiges Gut, also keine Hoflage (Beigut) u. kein Gesinde (Bauernhof)' (Reval 1918-39, vorher St. Simonis/Südwierland)
'kleiner Bauernhof' (Reval)
'Stelle, Anstellung auf dem Lande (?)' (Riga)
'kleiner Landbesitz' (Narwa)
'eine in Bearbeitung bzw. in Pacht genommene od. zu vergebende Landparzelle.' (Groß Jungfernhof)
'ein landwirtschaftliches Objekt, welches nicht zur rechtlichen Kategorie des „Bauernlandes“ gehörte, jedoch nicht die Minimalgröße eines Rittergutes (150 Desjätim Acker nebst zugehörigen Wiesen u. Weidenland) erreichte.' (Estland: von 1904-18 in Süd-Livland (Ligat)
'ein Landgut ohne Sitz u. Stimme auf dem Landtag, das meinst für ein Rittergut zu klein war. Oft ehemaliges Rittergut, immer aber ehemal. Teil eines Rittergutes.' (Estland, Waldeck u. Pargenthal)
'ein abgeteiltes Stück Land (vom Hofesland)' (Ilsen/Kr. Walk)
'ein Hof (kl. Bauernhof)' (Dorpat)
'ein kleiner Hof' (Riga)
'ein Gehöft mit Ackerland' (Riga u. Kreis Pernau)
'ein Gesinde im Eigentum oder zur Pacht bewirtschaftet' (Gut Sank (od. Sauk?) by Pernau)
'kleine Landwirtschaft' (Arensburg (Ösel))
'Siedlungsland des Kleinbauern' (Riga, Dorpat)
'eine Landwirtschaft' (Dorpat)
'Landbesitz, kleiner als ein Gut' (Reval)
'kleiner Hof; kein alter Bauernhof' (Kibbijarv/Kr. Dorpat)
'„Ppren“ oder „Kosseten“, ein sehr kleiner Bauernhof, der durch Abtrennung von einem größeren Landbesitz entstanden ist' (Kerjell/Kr. Werro)
'ein größerer Bauernhof, der kein Rittergut ist' (Hördel/Estland)
'landwirtschaftl. Einzelsiedliúng' (Riga u. Kurtenhof/Livland)
'ein Bauerngut' (Riga, Pernau (1900-1939)
'ländliches Wohnhaus mit Gartenland für einen Handwerker (Sattler, Stellmacher)' (Riga u. Südkurland)
'war früher ein rittergutartiger Landbesitz ohne die Rechte des Rittergutes /z.B. kein Sitz im Landtag).' (Nissi/Kr. Harjen (Estland))
'ein Bauernhof oder eine durch die Agrarreform zugeteilte Siedlung, zwecks Begründung einer Landwirtschaft; ein Geföt, ein Höfchen (klein, in Stadtnähe)' (Neu-Rahden(Lettl.)
'auch Gesinde genannte, käuflich erwerben oder in Pacht vom Gute' (Reval)
'asunik u. koht, Kleinbauer' (Dorpat)
'von einem Rittergut abgeteiltes Landstück' (Herbergen/Kurland, zuletzt in Riga)
'ein Gesinde' (Riga)
'„Landsches“ Anwesen' (Fellin/Reval)
'ein größeres Gesinde' (Hallist/Kr. Pernau)
'eine nach der Agrarreform gebildete Wirtschaft nicht über 50 ha.' (Gut Sommerpahlan oder Hoflage Jerwan/Kr. Werro, Dorpat)
'ein Gesinde (ein Bauernhof)' (Gut Rickholtz/Kr. Wiek (Estl.)
'ein kleines Gut' (Reval)
'Mittelding zwischen „Gesinde“ (Bauernhof) u. Rittergut, hatte oft eine beträchtliche Größe' (Karlsberg über Abja/Kr. Pernau)
'kleiner Landbesitz (meist ohne landwirtschaftl. Bedeutung' (Wolmar/Livland)
'ein Beigut oder kleines Gut (Bauernhof in nicht bäuerlichem Besitz' (Reval)
'kleiner Grundbesitz außerhalb der Stadt' (Reval)
'Arbeit in der Landwirtschaft' (Goldingen)
'Bauernhof' (Kr. Talsen u. Dorpat)
'ein kleines Grundstück ohne Rechtsgrundlage eines Gesindes' (Bixten/Kr. Tuckum)
'kleiner Landbesitz' (Reval)
'kleine Bauernstelle mit nicht mehr als 50 ha Land' (Reval)
'eine Lofstelle, ein Gesinde' (Windau/Kurland)
'ein kleines Bauerngehöft' (Reval)
'ein Stück Land, gemessen' (Riga)
'ein kleiner Landbesitz, der weder Gesinde (Bauernhof) noch Gut ist. Er kann ein paar Felder, Wiesen u. Garten enthalten. Man baute eine „Villa“ darauf.' (Estland)
'ein Gut, welches nicht Rittergut ist' (Dorpat)
'ein Teil des Hofslandes, der einen selbständigen Hof bildet' (Riga)
'eine kleine ländliche Wirtschaft' (Lemsal)
'ein kleines Gut, das entweder Eigentum des Bewirtschafters war oder das er in Arrende hatte (in Pacht). (zuletzt Baltischport, Petersburg, Fellin)
'„Stelle“ bedeutete immer Anstellung, oder Lofstelle, Bezeichnung für die Größe einer Landfläche' (Mitau)
'ein Hof, Bauernhof, Siedlerstelle ect., jedenfalls kein großer Landbesitz' (Dorpat)
'kleines Bauerngut' (Dorpat bzw. Wesenberg)
'eine (die) Arbeit auf dem Lande' (Talsen)
'ein Bauerngehöft, Gesinde' (Libau/Lettl., Kurland)
'kleine Landwirtschaft, die sich nicht selbst erhalten konnte' (Strasdenhof bei Riga).

Lostreiberstelle die

‣ Synonyme: Badstubenstelle

QUELLEN

Gutzeit 1882, 190
Lostreiberstelle, Haus und Grund eines Lostreibers. Lostreiberstellen gab es 1863 in Estland über 11,000. Soll ein Gesinde, dessen Eigenthümer gestorben ist, Lostreiberstelle genannt werden? rig. Ztg. 1868; Pächter einer Lostreiberstelle, ebda.


QUELLEN (Informanten)

'Pächter einer Landstelle, der seine Pacht durch Arbeitsleistung abtragen mußte, Waljiniekstelle?' (Popragger / Kr. Talsen)
'ein Kätner' Kr. Werro u. Dorpat)
'ein kleiner Bauernhof' (Pernau)
'ein Häusler, Kätner' (Dorpat)
'nach alten Kirchenbüchern verstand man unter „Lostreiber“ den Knecht des Hofes.' (Kliggenhof/Kr. Tuelhum/Kurland)
'estnisch: popsikoht' (Gut Kachkowa / Kr. Werro (Estl.)
'kleine Landpachtung - gegen Arbeitsleistung auf dem Gutshof' (geb. Gut Namtsen/Kr. Talsen (Kurland) von 1922-31 in Stadt Talsen)
'Gutsarbeiter od. bäuerlicher Hilfsarbeiter mit Kleinstbesitz an Land' (Sagnitz)
'Kleingewerbssiedlung auf fremdem Boden' (Asel od. Arsel, Reval)
'die einem Bauern (landlosen) zugewiesene Kate nebst einem Stückchen Land. Estnisch: vabadik = „Lostreiber“' (Reval, auch Sellin)
'etwa dasselbe wie in Deutschland „Heuerlingsstelle“ (Reval)
'Arbeiter, die ein Stück Land vom Gut zur eigenen Benutzung hatten; dafür mußten sie 3 Tage in der Woche für das Gut Arbeit leisten.' (Haspal (Estl.))
'Zu einem Rittergut gehörige verpachtete Kleinbauerstelle' (Ubja by Wesenberg (Estl.))
'Kleiner Bauernhof auf Gutsland (gepachtet)' (Nomkiele, Kr. Jerwen)
'Eine kleine Landwirtschaft mit Knechten bewohnt, die für Benutzung derselben einige Tage de Woche auf dem Gut arbeiten mußten.' Kerro Kr. Pernau, später: Kr. Jerwen)
'Kätnerstelle' (Polwe/Kr. Werro)
'Ein Halbbauer im Sinne von klein. Vollbauer, da sein Anwesen kein richter Bauernhof war' (Estland, Waldeck u. Pargeuthal)
'eine kleine Büdnerstelle mit etwas Gartenland und kleiner Ackerfläche, welche die in der Bauernverordnung vorgeschriebene Mindestgröße eines Bauer-Gesindes (= Hof) nicht erreichte. Die Inhaber waren Tagelöhner.' (Estland: von 1904-18 in Süd-Livl. (Ligat))
'Tagelöhnerhäuschen mit etwas Garten, auf einem Gesinde.' (Neuenburg-Pastorat; Kurland)
'eine ganz kleine zu Benutzung bzw. Bearbeitung vergebene Landstelle.' (Gro´Jungvernhof)
'Freie Wohnung, etwas Kartoffelland u. Weide für 2 Kühe u. mehrere Schafe' (Goldingen/Kurland)
'Kleinstpachtstelle, nicht selbständig lebensfähig, Pächter und Dienstleistung verpflichtet (auf Gütern und Bauernschaften)' (Walk/Mittellivl.)
'wo das Vieh frei herumläuft' (Riga, Hagensberg)
'Ausdruck „Lostreiberst.“' um 1930 nicht mehr gebräuchlich (Riga)
'Arbeiterlandstück' (Kr. Mitau)
'Häuslerstelle, bewohnt von fragwürdigen Existenzen, Wilddieben ect.' (Dorpat u. Umgebung)
'ein Stück und zwar vom Hofes- oder Gutsland, das vom Gutsherrn einem lett. od. estn. Arbeiter für bestimmte Leistungen in Nutzung gegeben wurde, aber im Gegensatz zu einer Landstelle von diesem nicht als Besitz erworben wurde, sondern jederzeit gekündigt werden konnte (Reval bzw. Rickholz/Kr. Wick)
'lett. „Wallineek“, klein. Gehöft an abgelegener Stelle, das sich der Besitzer ohne förmliche Erlaubnis des Grundbesitzers erbaut hat.' (Riga)
'das kleine Stück Land im Besitz eines §freipraktisierenden“ Landarbeiters“. (Ligat, Riga, Kr. Wolmar)
'außerhalb des roten Striches gelegen; vom Gutsbesitzer abhängiger kleinstbauer, der die Pacht für sein Land durch Tagewerke am Hof ableisten muss. Er treibt seine 1-2 Kopf Vieh auf eine gemeinsame Dorfwiese „los“.' (Kattentack in Wierland)
'kleiner Landbesitz eines Gutsarbeiters ?' (Reval)
'eine kleine Landstelle, abgeteilt von einer Bauernstelle gegen Arbeit' (Reval, eigentl. Fickel)
'eine von Bauernhöfen abgeteilte kleine Landstelle, die meist an landwirtschaftl. Gelegenheitsarbeiter vergeben war.' (Gut Friedrichswalde, Kr. Wenden, Livland)
'Arbeitsstelle für Landarbeiterfamilien; sie bakamen Wohnung, Kartoffel- u. Gemüseland; hielten 1 Schwein u. Hühner u. leisteten dafür Arbeitstage nach Vereinbarung.' (Simonis/Wierland u. Randen/Kr. Dorpat)
'Pachtstelle, für die die Pacht durch Arbeit abgelöst wurde.' (Riga)
'kleiner Hof, der an zufällige Arbeiter verpachtet wird.' (Kr. Pernau)
'Entgelt für Arbeit' (Riga)
'kleine Landstelle etwa 5-6 ha. Grundbuchmäßig zum Bauernland gehörig, aber im Bereich der Quote (Livland) oder des Sechstels (Estl.) gelegen.'
'ein vom Gutsland abgeteiltes Stück, das ein Arbeiter in Naturalpacht erhielt (Kandimees)' (Estland Narwa)
'kleinste Landparzelle' (Tuckum, Mitau, Riga)
'ein Häuschen und ein Hof eines Bauern, der kein Land, d.h. Feld oder Wald besaß.' (Arensburg auf Ösel)
'eine kleine Landwirtschaft, die aber eine Familie nicht voll ernährte; der Inhaber mußte auf auswärtige Arbeit gehen.' (Nissi/Kr. Harjen)
'kleiner Bauernhof auf Gutsland' (Hördel/Estl.)
'nach heutigen Begriffen „Neubauernstelle“: wohl meist mit zu kultivierendem Lande.' (Kibbijarw/Kr. Dorpat)
'Hof und Land eines Lostreibers' (Dorpat)
'Heuerlingsstelle' (Arensburg (Ösel))
'ein Gesinde mit einem gewissen Anteil Land, der Inhaber war verpflichtet, am Hof des Besitzers für das Land u. Gebäude eine gewisse Anzahl Arbeitstage am Hof des Besitzers abzuleisten.' (Gut Sauk by Pernau)
'eine Landstelle, die zu wenig abwirft, um leben zu können u. dessen Besitzer noch einen Nebenverdienst hat.' (Riga)
'eine Parzelle mit einem kleinen Haus eines Tagelöhners' (Ilsen/Kr. Walk)
'Kl. Haus mit wenig Land, meist dem Gut gehörend; der Mann arbeitet auf dem Gut.' (Kr. Talsen u. Dorpat)
'auch Badstüberstelle, Stelle eines Bauern ohne festes Dienstverhältnis, der sich auf ihm nicht gehörendem Bauern- oder Gutsland angesiedelt hat.' (Reval)
'Kl. Eigenheim mit Garten, Handwerker, Tagelöhner, Gelegenheitsarbeiter' (Wolmar/Livland Jahrg. 1886)
'eine Pachtstelle, deren Inhaber die Pacht in Arbeit entrichteten.' (Karlsberg über Abja/Kr. Pernau)
'eine kleine, von einem Landlosen gepachtete Landstelle' (Reval)
'vom Bauernhof abgeteilte Kleinstelle, meist mit Nebenerwerb (Handwerk, Fischerei usw.)' (Gut Rickholz/Kr. Wiek)
'ein Wohnort für zufällige Arbeiter' (Gut Sommerpahlen oder Hoflage Jerwan / Kr. Werro u. Dorpat)
'eine Popsenstelle; oft Hintersaß eines Bauern, Pachtzahlung gewöhnlich als Arbeitsleistung' (Hallist, Kr. Pernau)
'einem Lostreiber (freier Landarbeiter, Landloser) zur Bearbeitung überlassenes Stück Land (Herbergen/Kurland, Riga).

Lüpsik
'Melkeimer' et lüpsik

QUELLEN

Ojansuu 1906, 92
Lüpsik Melkgefäss = estn. lüpsik G. lüpsiku Melkkübel, Melkgefäss (Oesel, nach der mündlichen Mitteilung Herrn Studierenden Wilhelm Grünthal).

Kiparsky 1936, 52
lüpsik 'Melkgefäss' ‹ estn. lüpsik 'Melkkübel, Melkgefäss' (zu lüpsma, finn. lypsää 'melken') - OJANSUU 92 und SUOLAHTI 115 zitieren es als oeselsches Wort nach der mündlichen Mitteilung Herrn WILCHELM GRÜNTHALS (nunmehr Lektor an der Univ. Helsinki). - MASING WbA. kennt das Wort nicht.


QUELLEN (Informanten)

1. Nomkiele, Kr. Jerwen, 2. Dorpat, Reval, 3. Narwa, Estl., 4. Nini / Kr. Harjen 'im estn. Teil manchmal so genannt'

Peisacken pl
‣ Varianten: Paissacken, Peissacken, Peißacken, Peisaken

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 334
Peisacke, die, in 476 Peise od. Paise, auch Paisse, Harlocke an den Schläfen der Juden. Die Peisacken, welche auf Grund einer biblischen Anordnung getragen wurden, verfielen einem Verbot zu Anfang der Regirungszeit Kaiser Nikolais. Seitdem sind sie verschwunden ebenso wie die glänzenden engen Kaftane.

Seemann von Jesersky 1913, 153
Paissacken, jud. Hängelocken an den Schläfen.

Sass 1963, 25
... wenngleich die jüdischen Käppchen, Bärte und Peißen schon in recht beachtlicher Zahl vertreten sind.

Nottbeck 1987, 65
Peißacke (jid.) - Haarsträhne / E.K.L.R.
Die Schläfenlocken gehören zur Haartracht der orthodoxen Juden.

Kobolt 1990, 197
Peissacken, Paissacken pl Hängelocken an den Schläfen orthodoxer Juden.
hebr, Peies pl. Schläfenlocken der Ostjuden; pr. Peise eckig gedrehte Locke am Vorderkopfe polnischer Juden.


QUELLEN (Informanten)
Bruhns, Friedrich: Mitau, Kreis Harjen
Peisaken Haarsträhnen, WL 5,30

Lange, Harald: Riga, Südlivland
Peissacken 'Judenbart'


Peisacke 'Haarbüschel' Dorpat
Peissaken Haarbüschel, WL 5,32. auch: Peisacken, Peissen. (ca 12mal im lett., ca 7 mal im estn. Sprachb. belegt.)

pirrig Adj

QUELLEN (Informanten)

Grote, Dora von: Dorpat
pirrig 'verdrießlich' WL 3,18. vgl. pirren.

Hoffmann, Gjert: Reval
pirrig 'weinerlich' WL 4,38.


pirrig eigtl. weinerlich „pirren u. quirren“ › estn. pirrima (nicht umgekehrt!)
pirrig 'weinerlich' Dorpat 1910, bis 1939, Werro 1910, 1930, bis 1939, Arensburg/Ösel 1920, um 1930, Wierland um 1900, Reval um 1900, um 1920, um 1940, Nissin / Harjen um 1910, Fennern um 1930, Fellin 1930, bis 1938, Pernau um 1920, Estland um 1920.

Riege

QUELLEN

Lindner 1762, 232, 235
[nicht als Stichwort]. Lubben, dünne Tannenbretter, wie Latten zu Dächern von Bauerhäusern, und Rien oder Korndarren.
Riegen für Scheunen, eigentlich Korndarren, vom lettischen Rie, woher einige den Namen Riga herleiten wollen, weil hier an der Düna dergleichen gestanden hätten.

Frische 1766, 178

Hupel 1795a, 192, 204
Riege, die, heißt 1) die Korndarre, welche auch die warme Riege genannt wird; 2) das Gebäude worin sich jene befindet, aber darneben die Tenne welche den Namen der Vorrige führt; 3) uneigentlich jedes Bauerhaus, weil es einer Riege ähnlich siehet und auch derselben Stelle vertrit. Lange schreibt Rije, Rüge und Rüje: Andre sagen zuweilen Rie oder Rihe, auch Bergm. schreibt immer Rie.
Scheune, die, heißt nicht der Ort wo das Getraide ausgedroschen wird, sondern ein Gebäude zur Aufbewahrung einiger Landerzeugnisse: als Kornscheune, wohin das Getraide vom Felde geführt wird, bis man es allmählig in die Riege bringen und ausdreschen kann, doch hat man sie nur in einigen Gegenden; Kafscheune, wo die Spreu verwahret wird; Heuscheune (die gemeiniglich auf einer Wiese steht) wohin man das Heu zusammenführt; Holzscheune u.d.g.m.

Hupel 1795b, 232
Riege, die, hat ausser etlichen bereits im Idiotikon angeführten Bedeutungen, auch noch uneigentliche, nemlich man bezeichnet dadurch auch 1) das Dreschen, daher sagt man: heute Nacht ist Riege; 2) das Getraide, welches auf einmal gedörret und dann ausgedroschen wird, daher sagt man: er drischt wöchentlich 2, 4, 6 Riegen; 3) das aus der Riege erhaltene Korn, daher sagt man: ich will die Riege empfangen.

Petri 1802, 78
Riege für Scheune und Korndarre

Pantenius 1880, 26
die Kornscheune

Sallmann 1880, 17
Riege die Dresch- und Darrscheune, das zum Dreschen aufgesteckte Korn, auch ins Lett., Lit. und Ruß. übergegangen, - in zahlreichen Zusammensetzungen: Hofsriege, Bauerriege, Vorriege, Heizriege, Doppelriege, Riegenkerl, Riegensieb - estn. rehi, rei, ist schw. ria Darre, von dem gleichlautenden ria dörren.

Gutzeit 1887a, 38
Rie, (Ri-e), die, Rige. Den armen luden affleger the verschaffen in der Rie up Kelders acker, (während der Hungersnot zu Riga im J. 1571), 335.180; das Dörren des Getreides in der Rie, 351.XXI.3.20. Riegen für Scheunen, eigentlich Korndarren, vom lettischen Rie, 480.235. Fischer (447) schreibt stets Rie. Wenn das Getreide in der sog. Rie, d.i. Darre, gedörret worden, 447.62. vgl. Rige.

Gutzeit 1887a, 45
Rije, die, Rige. Die Scheune oder Rije, 353.73. s. Rige.

Eckhardt 1896, 28
a. d. Schwed. Riege - Darrscheune.

Ojansuu 1906, 94
Rie (auch Riege), die, „heisst 1) die Korndarre, welche die warme Riege genannt wird; 2) das Gebäude worin sich jene befindet, aber darneben die Tenne, welche den Namen der Vorriege führt; 3) uneigentlich jedes Bauerhaus, weil es einer Riege ähnlich siehet und auch derselben Stelle vertrit“ (Hupel). (Siehe Gutzeit Rige, gesprochen Rije) = estn. rei G. reie (rähi, rehi, riha, rihi, rehe etc.) Dresch- und Darrscheune, „Riege“, das zum Dreschen aufgesteckte Korn, die Anzahl Kornfuder welche auf ein Mal zum Dreschen aufgesteckt werden. (Alle diese Bedeutungen, welche auch im Finnischen bekannt sind, kommen im Ostseedeutschen vor).

Pantenius 1907, 87
die Kornscheune

Suolahti 1910, 123
zitiert Hupel, Gutzeit
„Das Wort, welches in den baltischen, slavischen und finnischen Sprachen sowie im Schwedischen vorkommt, ist - wie Wichmann, Suomen Museo Jg. 1895, S. 91 und Jg. 1898 S. 52 nachgewiesen hat - ein finnisc-ugrisches Wort. Die baltischen Deutschen haben es aber wahrscheinlich durch die Vermittlung des Lettischen (rija, rīja) erhalten, kaum direkt aus dem Estnischen (rei (Gen. reie) rehi, rihi, riha, rīh); vgl. auch Thomsen u.a.O. S. 276."

Seemann von Jesersky 1913, 163
Riege, Darrhaus.

Mitzka 1923, 19
Riege Tenne

Masing 1926b, 58
Riege „Scheune, Korndarre“ (mnd. rīe; Frischbier II, S. 227. Slav. od. lett. Lehnwort).

Munier-Wroblewski 1927-1931, 81
Riege auf dem sandigen Felde hinter der Riege.

Vegesack 1935, 147
die Kornscheune

Kiparsky 1936, 66
Riege [rījə] f. 'Dresch- und Darrscheune; Korndarre' ‹ estn. riih (rei, rehi, rihi u.a.) 'Dresch- und Darrscheune; „Riege“'+ liv. ri 'Riege, Scheune zum Darren und Dreschen des Getreides' oder lett. rija 'Korn-, Getreidedarre'.
Nach SALLMANN V.11; N. 17 und BUSCH GU.II, 917 aus schw. ria, was aber bereits von GUTZEIT III, 41-43 mit Recht abgewiesen wird, da dieses Wort selbst aus dem Finn. stammt (THOMSEN Ber. 276, KALIMA Ostseefinn. Lw. 200). Diese beiden Forscher, und ausserdem SUOLAHTI 122-123 und MASING NdE. 58 halten das bd. Wort für ein slaw. oder lett. Lw. und GUTZEIT I.c. glaubt, dass es ins estländische Bd. aus dem livländ. Bd., nicht direkt aus dem Estn., eingedrungen sei. Der Grund zu dieser Annahme ist vor allem darin zu suchen, dass man, wie z.B. OJANSUU 94 von dem schriftsprachlichen estn. rei ausgeht, das natürlich kein bd. Riege hätte geben können. Die ältesten Belege des Wortes (Riga, J. 1385; GU.I, 122; Kandau, 5.VIII.1397; Samml. BAUER) deuten aber auf liv. Gebiet und das Wort ist sicher finnisch-ugrischer Herkunft (nach WICHMANN Suomen Museo 1895, S. 91 und 1898, S. 52, der es auf finn.-ugr. *riŋiše- zurückführt). Da ein liv. rī oder. estn. riih, die beide auf ein *rīhe zurückgehen (~finn. riihi) nur ein bd. [rīǝ], [rījə] hätten geben können, finde ich die Annahme nichtfinn. Vermittelung überflüssig.
Opr. Rîge, Rîje f. 'Darre, Trockenscheune' (NESSELMANN Apr. Monatsschr. VIII, 688, FRISCHBIER II, 227) stammt wohl aus lit. rija (MÜHLENBACH-ENDZELIN III, 523), das selbst ein lett. Lw. ist.
Über die Zusammensetungen und Ableitungen vgl. GUTZEIT III, 41-43, 45; II, 61; I, 102-103; 539; 508.

Grosberg 1942, 38
"... wenn eine Riege baufällig wird, ..."
'Dreschscheune'

Grosberg 1942, 316
"... bestehend aus der Dörrkammer und der Dreschtenne aus Lehmschlag.“

Taube 1944, 43
"... eine Riege; so hießen bei uns steinerne landwirtschaftliche Gebäude, in denen gedroschen wurde ... Die großen Güter hatten jedes seine Lokomobile; die Riegen hatten hochschornsteinige Anbauten, in denen jene arbeiteten. Im übrigen dienten die Riegen auch als Getreide- und Strohspeicher. Ihre Aufseher, die 'Riegenkerle', ..."

Habicht 1956, 324
Kornscheune

Pantenius 1959, 29
Kornscheune

Vegesack 1963, 40
Kornscheune

Hahn 1964, 147, 359
An der Riege, die ..., bog der Weg scharf in die Gasse.
dazu Anmerkung vom Herausgeber der Denkwürdigkeiten, Otto von Taube: Riege: baltischer Ausdruck für ein landwirtschaftliches Gebäude, darin sich die Dreschtenne und die Darre (der Raum zum Dörren des Getreides, einem in jenem feuchten Klima unerläßlichen Verfahren) befinden und auf dessen Dachboden Stroh- und Heuvorräte aufbewahrt werden.

Nottbeck 1987, 76
Riege (fin.) - Dreschscheune, Darre / E.K.L
In der Riege brummte die Dreschmaschine.

Kobolt 1990, 229
Riege f Korndarre, Getreidescheune mit Dreschtenne, bei Renner: Viehscheune; pr. Rige, Rije Darre, Trockenscheune; schwed. ria Darre; russ. riga Getreidedarre, lit. reje; lett. rija.
Das Wort ist im Preußischen ein Lehnwort aus dem Osten.


QUELLEN (Informanten)
Lemm, Robert von: Reval, Dorpat
die Riege, die Rie, der Riegenkerl - niederdeutsches Lehnwort aus dem Slawischen u. Lettischen.

Tilgre, Thea.: Reval, Kreis Fierenhof, Kreis Werro
Rieje - Gebäude, in dem Korn gedroschen wird.


Das russische „рига“ = Getreidedarre, das mir in Turgenews „Aufzeichnungen eines Jägers“ begegnet ist, dürfte ein Lehnwort a. d. Deutschen sein.


die Riege 'Vorratsgebäude, wo gedroschen wurde' 1. Nomkiele, Kr. Jerwen (Estl.); 2. Dorpat 'die Hauptscheune'; 2. Sagnitz 'Riege meistens unter dem Dach', man bewahrte dort Pflüge, Häckselmaschinen, Gerätschaften auf, ebenso Stroh; 4. Ubja by Wesenberg 'Scheune, wo das Getreide gedroschen wurde'; 5. Haspal 'Große Scheune, wo Korn gespeichert u. gedroschen wurde, dort stand meistens die Dreschmaschine. Riege u. Darre meistens unter einem Dach; 6. Libau-Riga 'Dreschscheune, Dreschtenne aus Lehmschla...?' 'auch für Vieh'; 7. Riga 'Scheune zum Dreschen u. Dörren'; 8. Kr. Werro u. Dorpat 'Tenne'; 9. Fellin (Estl.) 'wo gedroschen wurde'; 10. Filteets (3) Kurland, zuletzt Lettgallen 'Scheune, die zum „Darren“ eingerichtet ist'; 11. Riga 'dort wurde oft auch gedroschen'; 12. Riga 'ein meistens zwischen den Feldern liegendes Gebäude, in dem das Getreide gedroschen u. nachher das Stroh aufbewahrt wurde. Im mittleren Dreschen die Spreu gleich hinauswehen kann. In neuerer Zeit waren die offenen Seiten mit breiten Schiebetüren versehen; 13. Reval, auch Sellin 'Getreidedarre ‹ estn. „rehi“'; 14. Riga/Mitau - ohne Erklärung; 15. Asel od. Arsel (7), Estl.-Reval 'für Kornaufbewahrung u. Dreschen'; 16. Reval 'Scheune, in der das Getreide gedroschen wurde'; 17. Hoppenhof, Kr. Walk; 18. Goldingen / Windau, Kurland 'dort wurde das Korn gedroschen'; 19. Neuenburg - Pastorat, Kurland 'Scheune, in der früher in einem Raum mit gemauertem Ofen das Getreide im Halm auf Stangen getrochnet wurde'; 20. Reval (1918-39), vorher Sürwierland (St. Simonis) 'in alter Form mit hartem Tennenboden o. Rauchdarre, meist 3-teilig: Scheune u. Tenne, dazwischen die Rauchdarre'; 21. Reval 'Gebäude zum Dreschen; 22. Riga -"-; 23. Soosaar by Fellin -"-; 24. Goldingen -"-; 25. Riga, Hagensberg 'Dreschscheune, bestehend aus Dörrkammer u. Dreschtenne aus Lehmschlag'; 26. Riga; 27. Goldingen '(lett.: rija), Gebäude zum Aufbewahren, Dörren, Dreschen des Korns'; 28. Mitau; 29. Riga 'Getreidescheune, z. Teil mit festem Boden zum Dreschen mit Dreschflegel'; 30. Mitau 'wo das Korn aufgespeichert wurde'; 31. Ansel; 32. Südlivland 'Darre'; 33. Riga 'Scheune mit Darre'; 34. Riga; 35. Kr. Mitau 'Flachsdarre'; 36. Mitau 'Große Scheune, in der auch gedroschen wurde' (im Lett.: Rije); 37. Wenden 'Meist Riege und Darre zusammen'; 38. Druween / Kr. Wenden; 39. Reval bzw. Rickholz / Kr. Wiek 'Scheune zum Einfahren u. Dreschen des Getreides'; 40. Dorpat, Krüdnerhof 'Dreschscheune'; 41. Fellin 'Großer Kornspeicher mit hoher Auffahrt u. entsprech. Abfahrt an der anderen Seite'; 42. Riga 'eine Darrscheune mit Vorrichtungen zum Darren des Korns'; 43. Riga - Oger 'für Futtermittel'; 44. Riga, Ligat, Kr. Wolmar 'Korndarre'; 45. Reval 'Tenne'; 46. Bellenhof by Riga bis 1920, dann Riga 'Tenne u. Darre zugleich'; 47. Landohn 'Tenne'; Riga 'Scheune'; 49. Dorpat; 50. Simonis / Wierland, Randen / Kr. Dorpat 'das Korn wurde darin gedroschen'; 51. Alt Wrangelshof by Dorpat 'eine große Scheune aus Ziegelsteinen, in der gedroschen wurde'; 52. Gut Friedrichswalde, Kr. Wenden 'auf Gutshöfen u. Bauernhöfen, besonders füt den Drusch'; 53. Dorpat, Pernau 'großes Vorratsgebäude, in dem auch gedroschen wird'; 54. Riga; 55. Riga u. Dorpat 'Vorläufer der Darre, auf Gütern und Gesinden'; 56. Reval, eigentlich Fickel 'Riege od. Riegenstube, sie enthielt 2 unheizbare Zimmer'; Riege od. Riehe 'Darre + Dreschtenne' 57. Pernigel / Kr. Wolmar; 58. (ohne Angabe des Heimatorts); 59. Riga 'Scheune zum Dreschen'; 60. Dorpat, Reval; 61. Kr. Pernau 'Abstellraum für Dreschmaschine, Raum wo Getreide gedroschen wurde'; 62. Dorpat 'für landwirtschaftl. Geräte'; 63. Riga; 64. Dorpat 'zum Aufbewahren des trockenen Heus'; 65. Werro 'Dreschscheune mit Dörrkammer'; 66. Riga, geb. 1902; 67. Blumbergshof 'Dreschscheune';
die Rige 'mit Tenne; dort wurde das Getreide gedroschen' 68. Neu-Rahden; Riege 69. Riga u. Süd-Kurland (weiches „g“), einzelstehendes, scheunenartiges Gebäude mit festgestampftem Lehmboden, in dem ehemals mit Dreschflegeln gedroschen wurde; dort wurde auch Flachs bearbeitet'; 70. Riga 'Tenne, Aufbewahrung von Stroh'; 71. Nissi / Kr. Harjen 'Kornscheune, in der gedroschen wurde'; 72. Libau; 73. Riga 'Vorratshaus für ungedroschenes Getreide'; 74. Arensburg (Ösel) 'zum Trocknen des Getreides, zum Dörren';
die Riege 'Scheune für Rauhfutter, ungedroschenes Getreide'; 75. Riga u. Dorpat; 76. Reval; 77. Gut Sauk by Pernau 'zum Trocknen von Getreide u. Flachs'; 78. Riga (ohne Erklärung); 79. Ilsen/Kr. Walk 'Gebäude mit Trockenvorrichtung aus der Zeit des Flegeldreschens'; 80. Pernau (1900-39) 'zum Dreschen des Getreides'; 81. Riga; 82. Riga 'Dreschtenne u. Getreidedarre'; 83. Reval 'Darre'; 84. Wolmar 'eine Art Darre'; 85. Reval 'Dreschmaschine'; 86. Gut Rickholtz, Kr. Wiek 'Dreschtenne'; 87. Wenden; 88. Riga 'Tenne'; 89. Hallist, Kr. Pernau 'Dreschscheune mit Riegenofen u. Tenne'; 90. Strasdenhof by Riga 'Darre mit Tenne u. großem Trockenofen' 91. Neu-Rahden 'Scheune';
Rige 92. Herbergen / Kurland, Riga 'zum Dörren u. Dreschen des Getreides'; die Rije 93. Goldingen 'für ungedroschenes Getreide';
Riege 94. Riga; 95. Dorpat bzw. Wesenberg 'Steinanbau für die Dreschmaschinen'; 96. Pussen / Kr. Windau; 97. Alt-Ottenhof / Kr. Wolmar 'zum Dreschen, zur Flachsbearbeitung'; 98. Prohden / Kr. Illerst (?), Kurland; 99. Tuckum 'zum Dreschen'; 100. Baltischport, Petersburg, Fellin -"-; 101. Estland 'zum Dreschen von Korn und Flachs';
Rieje 102. Kurland-Litauen 'Getreidedarre'; 103. Dorpat, Riga 'Scheune beim Speicher'.


s. Rienpappe

Schaumschmant
‣ Varianten: Schaumschmand
de Schlagsahne; et vahukoor

QUELLEN

Haus und Herd 1901, 557
Schaumschmant - Sahne für Schlagsahne. Dann schlägt man ½ Stof sehr kalt gestellten Schaumschmant zu Schaum. Vgl. Schmantschaum = Schlagsahne. Auch S. 657.

Graf 1958, 10
Der Schaumschmant vertritt unsere Schlagsahne, wienerisch Schlagobers.

Kobolt 1990, 233
Schaumschmant m dicke Sahne, zum Schlagen geeignet. s. Schmant.


QUELLEN (Informanten)
Weiss, Lis-Marie: Reval
Schaumschmant - dicke Sahne, zum Schlagen


QUELLEN (Informanten)

der Schaumschmand - Schlagsahne
Dorpat bis 1929, Walk um 1930, Werro um 1930, Reval bis 1939, Saßnitz bis 1939, Pernau bis 1939, Mitau um 1930, Insel Ösel um 1920, Tuckum um 1900
Mitau ~1920, Reval ~1930, Nissin Kr. Harjen ~1900, Dorpat ~1920, Riga ~1930, Talsen ~1910, Pernigel 1900, Windau ~1900

schludderig Adj
‣ Varianten: schludrig

QUELLEN

Sallmann 1880, 74
ludderig und schludderig

Gutzeit 1898, 136
schludderig, 1) in Bezug auf Beschuhung. Schludderige Schuhe und Stifeln, aus- oder abgetragene, fast abfallende; eine schludderige Frauensperson, mit solcher Fußbekleidung. — 2) nachlässig, lüderlich. Schluddrig (Clavier) spilen; schludderig gekleidet.

Seemann von Jesersky 1913, 168
schludderig, schlotterig, unordentlich.

Masing 1926b, 64
schludderig „nachlässig gekleidet“ (H. B. Grube a. a. O., S. 53 sludderig „lotterig“; Frischbier II, S. 289).


QUELLEN (Informanten)

schlud(e)rig (unruhig) ungenau, schlampig. WL 1,36.


schludrig 'nachlässig'
Riga 1930, Hasenpoth 1930, Windau 1900, Wierland 1930, Dorpat 1920, Fellin 1920, Libau um 1935, Wieck um 1930, Reval um 1930, Hördel(Estl. 1930, Mitau 1930, Nissin/Harjen 1935, Goldingen 1910, Bauske 1930, Walk 1930, Arensburg 1935, Ösel um 1930, Sassmacken 1930, Wesenberg um 1930, Modolm um 1935.

schluddern
‣ Varianten: schludern

QUELLEN

Lindner 1762, 238
schluddern, überhin machen, s. Bock S. 58. vergl. Rich. S. 264.

Sallmann 1880, 40, 44
schluddern nachläßig gekleidet und müßig gehen, nd. sluddern; adj. schludderig

Gutzeit 1898, 136
schluddern, 1) schleppen, Stender I. 347. Davon verschluddern, verschleppen, ebda. In Riga und Livland kaum. — 2) ein Clavirstück, nachlässig, schluddrig spilen. Davon: abschluddern, ein Clavirstück. — 3) nachlässig, schludderig einhergehen; nachlässig gekleidet und müßig gehen, 390c. 40; schluddern, in Kleidern, lett. schluhku, Lange. - 4) schlendern. Den ganzen Tag schluddern, ihn nachlässig und untätig verbringen. — 5)ohne Schonung tragen, Schuhwerk. Diese Stifeln kann man schluddern, braucht sie nicht zu schonen. - 6) nachlässig arbeiten. Von Handwerkern. Selten dafür schludern. Der Wraker hatte geschludert, d. h. hatte schlechte Ware für gute angesehen und angenommen.

Seemann von Jesersky 1913, 168
schludern schlendern, Schluderweise, auch lässig, schlecht ausführen, verschlendert: verpfuscht.

Masing 1926b, 52
schlud(d)ern „nachlässig gekleidet und müssig gehen; nachlässig arbeiten; schlendern“(mnd. sluder „Schleuder“ ; Frischbier II, S. 290).

Nottbeck 1987, 81
schludern - nachlässig tätig sein, unachtsam arbeiten E.K.L.R.
Bei der Arbeit hat er wieder geschludert.


QUELLEN (Informanten)
Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland; Tode, (Jo)hanna: Riga
(Sallmann: bekannt im Sinn von 'nachlässig arbeiten')

Lauenstein: Karl: Riga
schlūdern, schlūderig 'nachlässig'


schludern 'nachlässig arbeiten' Mitau 1930, Wierland 1918, Reval 1930, Riga um 1900/1935, Dorpat um 1930, Lübde/Livl. um 1930, Pernau um 1925, Libau 1925, Nissin/Harjen 1935, Doblen 1935, Schaulen/Lit. 1930, Goldingen 1930, Walk 1930, Fellin 1925, Talsen 1930, Wesenberg 1930, Mesothen 1930.
schluddern, schluderig 'nachlässig arbeiten' Riga bis 1939.

schmaddern

QUELLEN

Sallmann 1880, 40, 74
schmaddern schmieren, sudeln; nd. smaddern
maddern und schmaddern

Westermann 1887, 387
schmaddern sich die Finger beschmutzen.

Gutzeit 1898, 139
schmaddern, nur in der Bed. von sudeln, nd. smaddern. Gew. Die Gestaltungen schmattern und Schmatter schmutzige Flüssigkeit, Geschmetter Mischmasch — deuten auf eine Verwandtschaft mit Schmand (Schmutz, Schlamm, Kot) und erinnert an Schmetten — сметана.

Worms 1899, 138
Hast du dich mit den Weibern eingelassen, deine Jugend verschmaddert wie die sogenannten Männer, ...

Worms 1903, 337
Ich habe meinem Ältesten schon mein Beigut Karlshof abgegeben. Mag er da etwas schmaddern!

Worms 1905, 78
Verschmaddern Sie Ihre Zeit nicht mit unnützen, grämlichen Wünschen und blasierten Torheiten.

Seemann von Jesersky 1913, 168
schmaddern schmieren, vergeuden.

Nottbeck 1987, 81
schmaddern - verschwenden (Zutaten b. Backen) E.K.L.R.
Du hast ja die ganze Butter verschmaddert!

Kobolt 1990, 239
schmaddern schw. V. (be)schmieren, vergeuden, z.B. Schmadder doch nicht mit der Butter!
westf. besmaddern mit weichem Kot verunreinigen; Br.Wb. smaddern beschmieren; lbg. smaddern schmieren, sudeln, unsauber essen; pomm. smaddern sudeln; Elb. schmaddern in etwas rühren.


QUELLEN (Informanten)
Reuter, Elfriede: Riga
schmaddern etw. ungenießbar machen, vgl. verschmaddern. WL 4,10.

Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland; Tode, (Jo)hanna: Riga
(Sallmann - bekannt)

Foelkersahm, Hamilkar Baron: Kreis Werro, Kreis Wenden, Riga (1893)
schmaddern 'schminken' WL 8,40

Kerkovius, Martha: Riga; Tode, (Jo)hanna: Riga
schmaddern mischen; vergeuden (verschmaddern), z.B. Geld.


schmaddern 'verschütten' Dorpat um 1935.
Dorpat um 1910/1930; Pernau um 1910; Audern (bei Pernau) um 1900; Kurland bis 1910; Riga um 1900/1020/1930; Wenden bis 1918; Reval bis 1939


schmaddern 'unsauber essen, kochen, durcheinandermischen'
Insel Ösel um 1930; Kurland um 1920; Riga bis 1914; Krs. Bauske um 1910; Wenden um 1920; Fellin bis 1938; Lemsal um 1920; Dorpat bis 1919; Werro bis 1919; Ligat um 1930; Windau bis 1939; Pernau um 1930; Reval um 1930; Livland bis 1914; Lettland um 1920; Talsen bis 1939; Mitau um 1930; Tuckum um 1900;
schmaddern 'unappetitlich essen' Riga um 1930


schmaddern 'im Essen herumstochern, sodaß man es verspritzt' Riga bis 1939


schmaddern 'schmieren, kleckern'
Livland bis 1939; Riga bis 1914; Mitau bis 1939; Insel Ösel um 1930; Reval um 1930; Estland um 1920; Walk um 1930; Ligat um 1930; Goldingen um 1930;


schmaddern 'verschmieren, kleckern, herumferkeln'
Riga um 1920; Schaulen um 1930; Reval um 1910; Libau um 1920; Pernau um 1930; Werro um 1920; Fellin um 1920; Dorpat um 1935; Ösel um 1935; Arensburg um 1930; Wesenberg um 1930; Wenden um 1925; Pernigel um 1930; Talsen um 1920; Rasik um 1930; Goldingen um 1900; Rakvere um 1900; Windau um 1910; Seßweege, Kr. Rooß um 1930


schmaddern Essem verschmieren (bei Kindern) Mitau.


schmaddern 'plantschen, mischen' Riga um 1930


schmaddern 'aus dem vollen schöpfen' Riga um 1930; Südlivland um 1900


schmaddern 'verschmieren, verschmutzen, durcheinandermischen'
Mitau 1914


schmaddern 'mischen'
Riga um 1930; Hasenpoth um 1910; Wesenberg um 1920; Dorpat um 1930; Wierland um 1940; Werro um 1900; Windau um 1910;
schmaddern 'alles Mögliche zusammenmischen' Kandau (Kurland?) um 1930


schmaddern 'nachlässig arbeiten in der Küche'; verschmaddern 'verschwenden' Riga um 1930
schmaddern 'unsauber mit Eßwaren umgehen'
Dorpat um 1920; Mitau um 1910/1930; Riga um 1920; Pernau um 1930; Libau um 1920; Hasenpoth um 1910; Modohn um 1930; Sassmacken um 1925; Fennern um 1930; Weissenstein um 1920; Ösel um 1930; Goldingen um 1900; Werro um 1910; Lübde um 1930;


schmaddern 'nachlässig arbeiten' Riga 1920.
schmaddern 'unappetitlich wirtschaften' Riga 1913-39
schmaddern 'unappetitliche Dinge mischen' Kurland um 1930


schmaddern 'verschwenden (bei Lebensmitteln u. Geld)'
Estland um 1930; Krs. Pilten um 1920; Goldingen um 1920; Riga um 1930/bis 1939; Ösel um 1930;Dorpat um 1920/bis 1929; Reval um 1910/1930; Tuckum bis 1903; Wenden bis 1912; Livland um 1920; Pernau um 1910/1920; Libau um 1910/1930; Mitau um 1930; Kurland bis 1939; Windau bis 1939; Lettland um 1920; Ligat um 1930; Wolmar um 1900; Windau um 1930; Igast um 1930; Bauske um 1920/1930; Schaulem/Lit. um 1930; Fellin um 1920; Doblen um 1910; Goldingen um 1900/1930; Nissin Kr. Harjen um 1900; Wierland um 1920; Modohn um 1920; Weissenstein um 1930; Mesothen um 1925; Sassmacken um 1925; Wesenberg um 1930; Pernigel um 1930; Talsen um 1935; Hasenpoth um 1910; Walk um 1920; Wiek um 1900; Landwiek um 1900; Seßweege, Kr. Rooß um 1930
schmaddern a) sich beklecksen; b) vergeuden (mit Geld schmaddern) Riga 1936
schmaddern 'übermäßig viel verbrauchen' Reval, 'unrationell berbrauchen, verplempern' Riga um 1900


schmaddern 'bestechen' Schaulen/Lit. um 1930

Schmurgel der
‣ Varianten: Schmurjel

QUELLEN

Sallmann 1880, 71
Schmurgel Schmierfink

Eckhardt 1896, 30
Schmurgel m., nd. = Jauche im Pfeifenabguß, bedeutet im Baltischen: 'unsauberer Bursche'.

Gutzeit 1898, 146
Schmurgel, der. Gewönlich nur auf jüngere Personen bezogen, 1) sudeliger Mensch; in dieser Bedeutung auch in Estland. In 390c. 71: Schmurgel, Schmierfink. Lettisch smurgulis Schmerpesel. 2) junger Laffe, Rotzlöffel. Besonders als Schelt- oder Schimpfwort. So ein Schmurgel bildet sich ein, das Wort füren zu wollen; dieser Schmurgel will schon den großen Herrn spilen. Gew. und auch in Kurland. Bei Frischbier (476) dafür Schnurgel u. Schnorgel. — In Kurland begegnet neben Schmurgel auch Schnurgel, in gleich allgemeiner Verbreitung; das letztere als lett. snurgulis. Brasche (411. II) scheint beide Wörter als gleichbedeutende anzusehen. Ulmann-Bielenstein (411. I) erklären dagegen lett. smurgulis mit Schmutzfink, Schmurgel, snurgulis dagegen mit Rotzlöffel. Stender verzeichnet Schmurgel nicht, ebenso wenig Hupel. Man könnte daher glauben, daß der Ausdruck erst in diesem Jahrhundert bei uns in Gebrauch gekommen und dem Lettischen entlent ist; doch begegnet er auch in Posen, sonderbarer Weise aber nicht in Oftpreußen. In Posen bezeichnet Schmurgel eine schmutzige, unreinliche Person, besonders in der Küche: das Mensch ist ein rechter Schmurgel. Grimms Wtb.fürt das Wort unter Schmirgel 2) auf, ebenso schmirgeln statt schmurgeln —Gestaltungen, die uns unbekannt sind.
Unserem Schmurgel in der Bed. sudlige Person entspricht lett. smurgulis, von Lange Schmutzbart erklärt, von Stender Schmerpesel. Man wird auch erinnert an смурокъ Arbeitsmann, insofern er nicht immer sauber erscheinen kann, an смурогiй schmutzig, смурый schmutzig, хмурый dunkel, trübe, хмура, хмурить, lett. smurga Schmutz u. a., auch an den slaw. Stamm smerk. — Grimms Wtb. leitet Schmirgel u. schmirgeln auf Schmer u. schmiren zurück; neben Schmirgel begegnet Schmergel, Schmärjel, Schmorgel, Schmörgel. Man kann hinsichtlich dieser Herleitung Bedenken haben, wenn man an die slawischen u. lettischen Ausdrücke denkt, aber auch des g wegen, welches aus Schmer nicht gut sich entwickelt haben kann. vgl. schmurgeln. — Czechisch ist smrdoch, polnisch smerdziuch stinkender Mensch, vgl. smurdus in Ducange und smurdanes in Grimms N. A. und zmurd in Urk. v. 1122. Gedeonow in Варяги и Руcь I. 23 bringt das altrussische смердъ (gemeiner Mann, Leibeigener) mit смердѣть stinken zusammen; Ssabinin erinnert dagegen an skand. smaerd parvitas, homo pauci. vgl. lat. merda, franz. merde.

Seemann von Jesersky 1913, 169
Schmurgel, w. Jauche in der Pfeife, auch schmutziger Junge.

Nottbeck 1987, 82
Schmurjel (jid.) - schmieriger Typ / E.K.L.R.
Er war ein rechter Schmurjel.

Kobolt 1990, 241
Schmurgel m Bengel
nhd. Schmurgel alltagsspr. für: Küchenjunge (19. Jh.)


QUELLEN (Informanten)
Berlitz, A.: Lettland
Schmurgel verächtlich: Junge.

Tode, Wally: Libau, Riga
Schmurgel junger Kerl

Tode, Wally: Libau, Riga
der Schmurgel schmurglich
Es riecht nach schlechtem, gebratenem Fett - es riecht schmurgelig.


der Schmurgel kleiner Junge, WL 4,48. imal im lett. Spr. belegt.
Werro


der Schmurgel 'junger Kerl' geringschätzig.
Riga um 1900/bis 1914/1913-39/um 1920; Livland bis 1939; Dorpat um 1890/1910/1935; Estland bis 1939; Mitau bis 1914; Krs. Pilten um 1920; Goldingen um 1920-30; Tuckum um 1935/bis 1939; Insel Ösel um 1925-30; Arensburg um 1930; Reval um 1930; Kurland um 1930; Walk um 1920/1930; Fellin um 1910; Werro um 1890/um 1920; Wenden bis 1914/um 1925; Krs. Bauske um 1910; Estland um 1930; Fellin bis 1938; Libau um 1925-30; Mitau um 1930; Lemsal um 1920; Ligat um 1930; Pernigel um 1900/1910; Windau um 1900/bis 1939; Lettland bis 1939; Südlivland um 1930; Wierland um 1925; Pernau um 1930-35; Audern/Pernau um 1920; Wiek um 1935; Zobeln/Kurl. um 1920; Talsen um 1925; Rakvere/Estl. um 1935; Lübde/Livl. um 1935; Modohn um 1920; Mesothen um 1930; Sassmacken um 1935; Doblen um 1910; Nissin/Harjen um 1930; Landwieck/Estl. um 1935; Weissenstein um 1930; Schaulen/Lit. um 1930;.
der Schmurgel, der Griede, der Schwingul (weiches sch) 'junger Kerl' Riga um 1930.
Schmurgel 'junger Kerl' Rasik um 1910
Schmurgel 'unreifer Bengel, grüner Junge' Riga um 1935; Mitau um 1935; Libau um 1900; Fellin um 1910; Bauske um 1910.
Schmurjel 'junger Kerl' Riga um 1935; um 1910;


der Schmurgel 'flegelhafter junger Mensch' Mitau 1914.


Schmurgel 'Geck, Stutzer' Bauske um 1930.


Schmurgel 'Taugenichts' Riga um 191.0


der Schmurgel 'junger Kerl, der sich nicht zu benehmen weiß' Kurland um 1930.


Schmurgel 'der Schmutzfink' Reval um 1930.
Schmurgel 'Schmierfink' Hörder/Estl. um 1925; Dorpat um 1935; Reval um 1935; Wierland um 1935; Riga um 1930.


der Schmurgel 'unsauberer Mensch' Im Werroschen um 1914.


Schmurgel, m 'Rückstand in der Pfeife nach dem Rauchen' Riga um 1910.

schnurgeln
‣ Varianten: schnurjeln, schnurkeln, schnurksen, schnurpeln

QUELLEN

Sallmann 1880, 40, 75
schnurgeln räuspern, von nd. snoren schnarchen.
schmurgeln und schnurgeln

Gutzeit 1898, 154
schnurgeln, den Schleim in der Nase hin- und herziehen, orgeln. Schleim durch die Nase ziehen, 202; schnurgeln, mit der Nase, lett. fchnursteht, Lange; schurgeln mit der Nase, Stender I. Sallmann (390c. 40) erklärt, für Riga unzutreffend, räuspern, von nd. snoren schnarchen. — In Grimms Wtb. dafür schnorgeln(schnurkeln, schnürkeln) durch die Nase laut atmen, in Frischbier (476) mit der Nase den Rotz hochziehen (schnorgeln, schnurgeln). — Mit nd. snoren schnarchen ist das Wort nicht zusammenzubringen; es ist vielmehr ein laut wiedergebendes Wort wie schnarchen, ganz wie lettisch schnurgt. Man braucht das Wort auch von Hunden, wenn sie beim Fressen, Saufen oder Flöhebeißen mit der Nase geräuschvoll arbeiten.

Seemann von Jesersky 1913, 169
schnurgeln, brodeln in der Pfanne, rauschen.

Masing 1926b, 52
schnurcheln, schnurgeln „die Luft geräuschvoll in die Nase ziehen, um das Taschentuch zu sparen“ (mnd. snorken „schnarchen, schnaufen“; Schumann, S. 81 snurken „schnarchen“; Frischbier II, S. 307; schnorgeln „durch die Nase laut atmen“),

Nottbeck 1987, 83
schnurjeln - ziehen (mit der Nase) / E.K.L.R.
Benutz dein Taschentuch und schnurjel nicht!


QUELLEN (Informanten)

schnurgeln 'mit der Nase aufziehen': Livland um 1920/bis 1939; Kurland um 1930; Lettland um 1910; Estland um 1910/1920; Wierland um 1910; Landwiek um 1930; Insel Ösel um 1930; Arensburg um 1925/1935; Audern bei Pernau um 1910; Dagö um 1920; Dorpat um 1920/1930/1935; Fellin um 1900/1910/1920/bis 1938; Fennern um 1910; Nissin, Kr. Harjen um 1925; Pernau um 1900/bis 1939; Rasik um 1900/1935; Reval um 1910/1920/1930; Walk um 1910/1920/1930; Weissenstein um 1910; Wenden um 1900/1910/bis 1912; Werro um 1910/1915/1919/1930/1935; Wesenberg um 1910/1930; Wiek um 1900; Krs. Bauske um 1900/1910; Doblen um 1900; Goldingen um 1910/1930; Hasenpoth um 1900; Igast bis 1913; Lemsal um 1910; Libau um 1900/1920/1930; Ligat um 1930; Mesothen um 1935; Mitau um 1925/bis 1939; Modohn um 1910; Pernigel um 1900; Krs. Pilten bis 1910; Riga um 1910/1920/1930/1913-39; Sassmacken um 1900; Saßnitz bis 1939; Tuckum bis 1903; Krs. Talsen um 1930/bis 1939; Krs. Wolmar um 1910; Windau um 1930/bis 1939; Zobeln; Schaulen/Litauen.


schnurkeln 'mit der Nase aufziehen' Nissin,Kr. Harjen.


schnurksen 'mit der Nase aufziehen' Riga bis 1939; Windau bis 1939.

Tode, Wally: Libau, Riga
schnurgeln 'mit der Nase aufziehen'


schnurpeln 'mit der Nase aufziehen' Riga um 1900.

Adolphi, Gertrud: Riga
schnurgeln 'mit etwas herumpantschen'

Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland; Tode, (Jo)hanna: Riga
(Sallmann: bekannt; nicht: räuspern! vielmehr = (b. Schnupfen) d. Nase hochziehen)


schnurgeln 'schmutzig machen': Riga um 1930.


schnurgeln schniefeln WL 8,8.


schnurgeln brodeln: die Soße brodelt in der Pfanne. Riga um 1915.

Sommerling
et suiline, suviline

QUELLEN

Koskull 1962-1964, 18
Sommerling ein Sommergast (die sehr betagte Dame braucht übrigens den ganz verschollenen Ausdruck „ein Sommerling“.

Nottbeck 1987, 86
Sommerling - Saisonarbeiter im Sommer / L.
Die Sommerlinge kamen und gingen.


QUELLEN (Informanten)
Eberhard, Käthe: Ösel
Sommerling Gutsarbeiter, der eine bestimmte Zahl von Tagen in der Woche arbeitete, z.B. Eintags-Sommerling usw.


der Sommerling 'landwirtschaftlicher Sommer-Saisonarbeiter' WL 7,12. In Estland sehr häufig, in Nordlivland häufig, in Südlivland selten und in Kurland in dieser Bedeutung unbekannt.


der Sommerling Sommerfrischler, WL 7,12. Aus dem ganzen Baltikum vereinzelt gemeldet.


der Sommerling 'Sommergast' WL 7,12. Vereinzelt aus Nord- und Südlivland gemeldet, in Nordlivland und Estland zuweilen auch als Sommergast, der sich durch Arbeit z.B. Unterricht für die Kinder, nützlich macht.


Sommerling 'Knecht od. Magd für den Sommer,' (1. Sagnitz; 2. Asel od. Arsel (3), estl.-Reval 'Saisonarbeiter (am 2.2. Maria Lichtmess)'; 3. Reval (1918-39) 'Tagelöhner, der nur für die Sommerarbeiter eingestellt wurde'; 4. Ansel 'dieser arbeitete nur im Sommer, und zwar eine bestimmte Zahl von Tagen in der Woche (Eintags-, Zweitags-, u.s.w. - Sommerling)'; 5. Nissi/Kr.Harjen 'Knecht, der von St. Georg (spätest. 1. Mai) bis Michaelis angestellt wurde')
Sommerling 'Knecht nur für den Sommer, od. Magd' (6. Hördel; 7. Gut Rickholtz, Kr. Wiek)
Sömmerlinge 'die nur den Sommer über bis zur vollend. Ernte aufhalten' (8. Baltischport, Petersburg, Fellin).

Zies-chen

QUELLEN

Hupel 1795a, 234
„Süßchen, das, ist eine dünne Bratwurst (vielleicht vom franz. saucisse)."

Sallmann 1880, 133
Zis-chen kleine Bratwürstchen, Abkürzung von Saucischen.

Seemann von Jesersky 1913, 187
Zieschen - Saucisse, Quellwürstchen

Masing 1926b, 68
Zies-chen „kleine Koch- oder Bratwürstchen“ (Schumann, S. 14 Zieschen; Frischbier II, S. 496 Zīske, Zīskewurst. Aus. frz. saucisse.

Stegmann von Pritzwald 1952, 413
1654 „Myn Engelken, myn Zisken“*
*„Zieschen“, nicht Zeisig“, wie Mitzka nach Tillmann übersetzt, sondern Soucischen (niederl. soecysja) „kleines Würstchen“
[zu bezweifeln]


Zieschen - dünne Bratwurst
A. Graf, D. Ortsnamen des Kreises Pritzwalk, Pritzwalk 1957. S. 49: nd. ziske, altmärkisch, mecklbg. zieske = kleine, dünne Wurst. „hd. Zieschen 'dünne Bratwurst' ist vom Harz ostwärts bis ins Baltikum bekannt“

Graf 1958, 10
Wiener Würstel heißen Zies-chen, in Anlehnung an franz. saucisse, russ. sosiska. Der Mostrich ist im allgemeinen unbekannt; man verwendet in der Regel den südrussischen Senf.

Nottbeck 1987, 102
Zieschen (fra.) - Saucissechen, Würstchen / E.K.L.R. Es gab Zieschen, Kartoffelsalat und Bier.

Kobolt 1990, 292
Zießchen n Wiener Würstchen, franz. saucisse; plattd. Ziseken; lüneburgisch Ziseken Wost - kleine Bratwurst; ostpr. Zi(e)s(e)ke - luftgetrocknete, kleine Harwurst; pomm. Ziseken Wust - zarte Wurst; lüb. Zieschen.


QUELLEN (Informanten)

'baltische Wurstart'. Livland bis 1939, Estland um 1930, Riga bis 1939, Mitau bis 1939, Dorpat um 1930, Walk um 1920, Werro um 1920, Reval bis 1939, Tuckum bis 1903, Wenden bis 1912, Krs. Bauske um 1920, Pernau um 1910, Fellin bis 1938, Libau um 1930, Mitau um 1930, Kurland um 1930, Lettland bis 1939.


Zieschen (Quellwurst), 'balt. Wurstart'
Riga ~1930, Werro ~1935, Reval ~ 1920, Dorpat ~1910, Libau ~1920, Oesel ~1910, Arensburg ~1910, Rasik ~1900, Fellin ~1920, Walk ~1900, Schaulen ~1930, Doblen ~1920, Goldingen ~1920, Nissin, Kr. Harjen ~1900, Werro ~1930, Mitau ~1920, Wierland ~1910, Wiek ~1930, Zobeln ~1925, Talsen ~1920, Rakvere ~1930, Merjama ~1930, Bauske ~1925.


Zies'chen (Wiener Würstchen) 'balt. Wurstart'
Riga 1913-39


Zieschen (entstanden aus dem Russischen: sosiski, das wiederum aus dem franz. saucisse) 'Wiener Würstchen'. Riga um 1930.


Das Zieschen 'eine Art Wiener Würstchen, aber kürzer'. Im Werroschen um 1930.


Zies'chen (Wiener Würstchen) - 'balt. Wurstart'. Riga 1913-39.

Alroe, Gertrud: Riga; Weiss, Lis-Marie: Reval
Wienerwürstchen. Auch Sies'chen (mit hartem Anlaut). Aus dem Franz. „saucisse“ - Würstchen.

Vietinghoff-Scheel, Robert von: Groß-Jungfernhof Kreis Riga
Ziec-chen (baltisch) - Würstchen (hochdeutsch)

Tode, (Jo)hanna: Riga
Aber keine „Brat„würstchen, sondern gebrühte, wie Frankfurter Würstchen.

Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland
bekannt (der oben stehenden Berichtigung stimme ich zu).

Tabune
'Herde von Pferden'

QUELLEN

Hupel 1795a, 235
Tabune, die, (Russ.) heißt eine Pferdeheerde; Einige verstehen darunter blos die auf die Weide gehenden Pferde.

Kiparsky 1936, 184
Tabune [tabūnə] f. 'Herde (von Pferden)' ‹ russ. табунъ id. HUPEL 235. E.L.K., aber selten.


QUELLEN (Informanten)

Tabun 'Anzahl Pferde im Freien' 1. Ubja by Wesenberg
die Tabune 'frei weidende Pferdeherde' 2. Popragger/Kr. Talsen, Gem. Erwuhlen, Lettl.; 3. Pernau 'Pferdeherde'
Tabun (russ.) = Herde 'Pferde- oder Rinderherde' 4. Dorpat;
die Tabune russ. Tabud/Loschdej = eine Pferdeherde (nicht baltisch) 5. Kurland; 6. Reval 'eingezäunter Raum zur Pferdehaltung'; 7. Tergeln by Windau 'Pferdekoppel'
Tabune 'ein russ.-tatar. Wort (табун): Pferdeherde, völlig ungebräuchlich, weil es im Baltikum keine Hürden gab' 8. Reval, auch Sellin; 9. Riga/Mitau 'Pferdeherde (russ. Tabún?`; 10. Kr. Illuxt (Lettland) 'in der Steppe weidende Pferde (Herde)'; 11. Riga 'Pferdeherde (Tabune wurde kaum gebraucht): aus dem Russ.: „madyre“': 12. von 1904-18 in Südwierland (Ligat) 'eine Herde frei umherlaufender Pferde'; 13. Groß Jungfernhof 'die Wildpferdkoppel'; 14. Narwa 'aus der russ. Pferdeherde'; 15. Dorpat, später Riga 'in der Heimat nicht gehört, die Pferdeherde?' russ.: rabún (masc.)
Tabune 16. Reval u. Dorpat 'Herde (von Pferden)'; 17. Kr. Mitau 'Pferdeherde'; 18. Kurland - Livland 'Üferdeherde, russ. „табун“; 19. Reval bzw. Rickholz/Kr. Wiek 'aus dem Russ. Schar von Weidepferden'; 20. Riga - Oger 'Weide'; 21 Riga, Ligat, Kr. Wolmer „Pferdeherde“ (russ.); 22. Bellenhof by Riga bis 1920, dann Riga 'Pferdeherde'; 23. Dorpat;
der Tabun 24. Riga 'Pferdeherde'; 24. die Tabune 'Pernigel/Kr. Wolmar 'Pferdeherde'
Tabune 'Pferdeherde' 25. Arensburg auf Oesel;
der Tabun (russ.) 26. Riga, geb. 1902; 27. Neu-Rahden 'in der Steppe Rußlands ein Haufen wilder Pferde od. Rinder so genannt';
Tabune 28. Riga 'Pferdekoppel'; 29. Riga 'Pferdeherde'; 30. Riga, Dorpat 'russ., Herde'; 31. Gut Sauk by Pernau 'Umfriedung für alle Tiere im Freien';
Tabún 32. Nissi/Kr. Harjen 'die großen Pferdezuchtherden in den Dteppengebieten Rußlands'.
Tabune (russ.) 'Pferdeherde' 33. Riga;
Tabun 34. Bixten/Kr. Tuckum 'Pferdeherde in der Steppe';
die Tabune 35. Reval 'Pferdekoppel'; 36. Wolmar, Livl. (Jahrg. 1886) 'Pferdeherde (z.B. in der Steppe) russ.; 37. Karlsberg über Abja / Kr. Pernau 'russ. Pferdeherde'; 38. Gut Rickholtz/Kr. Wiek; 39. Gut Sommerpahlen od. Hoflage Jerwen; Kr. Werro, Dorpat 'Russ. Pferdeherde'; 40. Riga, Dorpat, Reval 'Pferdekoppel'; 41. Tuckum, Mitau, Riga 'Pferdekoppel';
Tabune 'Pferdeherde' 42. Dorpat bzw. Wesenberg; 43. Alt-Ottenhof, Kr. Wolmar 'Pferdeherde' (Tabun, russ.)

Tust

QUELLEN

Kiparsky 1936, 74, 27
Tust [tūst] 'Handvoll Heu, Stroh, Garn etc.' ‹ estn. tuust 'Büschel, Strohwisch, „Heugrieste“. SALLMANN N. 73. - E.
im lett. Gebiet: Grieste.


QUELLEN (Informanten)

Tust Wattebausch, WL 5,44 (estn.) 1mal im estn. Spr. belegt.


Tust '(zum Scheuern)' 1. Nomkiele, Kr. Jerwen;
der Tust 'Scheuerlappen, minderer' 2. Sagnitz; 3. Hapsal 'Bündel aus Stroh zum Scheuern'; 4. Saara/Kr. Pernau 'ein Büschel'; 5. Kr. Werro u. Dorpat 'eine Handvoll Heustroh';
der Tuust (estn.) 'Bastbüschel' 6. Fellin (1910-14);
7. Tustik Dorpat 'estn. Luffaschwamm'; 7. Reval, auch Sellin: 'tust (estn.) Mehlstaub', ungebräuchl. Vielleicht von Halbdeutschen gebraucht.
der Tust 'ein Strohwisch, mit dem man scheuern kann' 8. Dorpat; 9. Waldeck u. Pargenthal (sprich: Túhst) 'ein Heubündel, eine Gabel bzw. ein Arm voll Heu'; 10. Reval (1918-39), vorher Südwierland (St. Simonis) 'ein zusammengepreßtes Heubüschel'; 11. Riga 'rauher Waschlappen' (Livl.); 12. Amsel (Tuust) 'Wisch'; 13. Reval bzw. Rickholz, Kr. Wiek 'Strohwisch, der z.B. im Winter zum Abstecken der Wege auf Stangen od. Pfähle gesteckt wurde'.
der Tust (estn. 'gebündeltes Stroh, Strohwisch' 14. Kattentack by Wierland; 15. Reval 'ein Bündel'; 16. Riga u. Kr. Pernau 'Bündel', 'Wisch'; 17. Nissi/Kr. Harjen 'Heubauschen'; 18. Kr. Talsen u. Dorpat 'eine Handvoll zusammendeknülltes Papier oder Stroh zum Scheuern od. Feueranmachen'; 19. Karlsberg über Abja/Kr. Pernau 'Strohwisch': 20. Hallist, Kr. Pernau 'Wischlappen'; 21. Fellin, Reval '(langes u) verfilztes, verwühltes Knäuel
der Tuust 'etwas Zusammengeknülltes' 22. Estland.

Wagger der
‣ Varianten: Waggar
{lett. vagaris}
'Aufseher bei der Fronarbeit' et kubjas

QUELLEN

Hoheisel 1860, 28
Wagger Aufseher über die Arbeiten der Bauern. (Kurland) (lett.)

Pantenius 1872, 58
der Wagger

Pantenius 1880, 59
der Wagger der Vorarbeiter auf dem Felde.

Transehe-Roseneck 1890, 25
Wagger Großknecht (in Lettland)

Worms 1903, 61, 66
Nun hatte sie schon gelernt, ... daß 'Wagger' ein Wirtschaftsinspek[tor] war.
Mein alter Wagger noch im Herbst, in der dollsten Arbeitszeit.

Worms 1906, 145
In Hemd und Unterhosen treibt der Wagger seine müden Gäule an mir vorüber und schimpft im Staube der Straße, die ... in Sonnenglut daliegt.

Hahn 1911, 55, 137
[1663] Wagger
Wagger „Wirtschaftsaufseher“ identisch mit Bezeichnung „Elteste“ (s. Älteste).

Seemann von Jesersky 1913, 184
Wagger, let. waggars, Aufseher der Hofsarbeit.

Munier-Wroblewski 1927-1931, 48
der Wagger (Aufseher): der gab Weisung.

Kiparsky 1936, 116, 27
Wagger [vagər] m. 'Hauptaufseher über die Hofarbeit' ‹ lett. vagaris id. K. und LL. (z.B. PANTENIUS. Im Banne der Vergangenheit 59; 70; 189; 190; 249). Vgl. SUOLAHTI 127. Der älteste Beleg (Wolmar, 1526) in GU. II, 258. - Das Wort Wagger (Hof-, Schulzenwagger) ist auch für das Memelgebiet belegt (Nimmersatt, J. 1614; J. SEMBRITZKI u. A. BITTENS Geschichte des Kreises Heydekrug [Memel 1920], S. 20, 23, 24), wo es aus dem Kurischen oder aus dem Bd. stammen könnte.
dem lett. Wagger entspricht estn. Kubjas.

HWbGA 1936, 2,202
Wagger 'bäuerlicher Wirtschaftsbeamter'

Grosberg 1942, 18, 315
der Waggar Oberaufseher der Gutswirtschaft

Nottbeck 1987, 100
Wagger (let.) - Vogt / K.L.R.
Der Wagger entsprach dem estnischen Kubjas.


QUELLEN (Informanten)

Waggar, Wagger, der (lett.) Großknecht, Vorarbeiter, Aufseher. WL 8,18. Nur im lett. Bereich.

Petersen, Arnold von: Riga; Engelhardt, Scipio, Baron von: Kurland, Gut Lautzen, Kreis Illuxt.
Wagger untergeordneter Gutsverwalter; Großknecht.

Busch, Marie von: Reval
der Wagger (lett.) Aufseher über die Knechte.

Krause, Irmgard: Riga; Schnatze, Claus: Kurland
der Wagger Vorarbeiter auf dem Gesinde, Großknecht, von Wagge? WL 4,21.
'Vogt' (Schnatze)


Wagger 'Stallgebäude 1. Riga/Baldohn, 2. Riga 'unter verschied. Personen, die zu einem Bauernhof gehören'; 3. Mitau 'Vorarbeiter, leitete die Knechte an';
Waggar 'lettischer verantwortlicher Vorarbeiter auf einem Gut'; 4. Riga;
der Wagger 'Großknecht' - 5. Riga; 6. Riga 'der Vorarbeiter'; 7. Mitau, früher Paplaken 'Oberaufseher über die Knechte; 8. Riga 'Vorarbeiter;
Wagger 9. Goldingen / Windau. Kurland; 10. Neuenburg-Pastor. Kurland 'der Aufseher über die ganze Wirtschaft unter dem Gutsbesitzer oder Pastor. Er trug früher einen langen Stab mit rundem goldenem Knopf';
11. der Wagger Riga, Hagensburg 'Oberaufseher'; 12. Goldingen 'Vorknecht; gab es nur auf dem Gutshof;
13. der Wagger Riga 'der Vorarbeiter'; 14. Mitau 'oberster Aufseher';
Wagger 15. 'Vorarbeiter'; 16. Riga 'Er hatte alle Angestellten des Gutes unter sich u. war verantwortlich für die Feldarbeiten'; 17. Goldingen-Riga 'Vorarbeiter';
Waggar 18. Bellenhof by Riga bis 1920, dann Riga; 19. Gut Friedrichswalde / Kr. Wenden 'entspricht einem Vogt, estn. Kubjas'
Wagger (lett.) 20. Riga (Wager) 'Vorarbeiter'; 21. Pernigel / Kr. Wolmar 'Aufseher, Vorknecht'; 22. Riga 'Vorarbeiter';
der Wagger 'Vorarbeiter, meist der Aufpasser' 23. Riga u. Brotzen / Kurland by Frauenburg; 'im lett. Teil: Aufseher'; 24. Nissi / Kr. Harjen; 25. Riga 'Verwalter'; 26. Goldingen u. Riga 'Aufseher' (ohne Erklärung); 27. Kurland;
derWaggar(s) 28. Goldingen;
der Waggar 'Aufseher der Arbeiter od. Unterinspektor';
der Wagger 31. Goldingen 'erster Arbeiter'
der Wagger 32. Riga; 33. Tuckum, dann Mitau, Riga 'Vorknecht'
Waggar Neuhausen / Kr. Hasenpott 'Vorarbeiter, hatte Aufsicht über die Landwirtschaftl Arbeitskräfte, auf Gutshöfen'; 35. Prohden / Kr. Kr. Illerst (?), Kurland. 'Inspektor', 'Vorknecht';
der Waggars 36. Tuckum;
Wagger 37. Riga 'Vorknecht' (Kurland);
der Waggar 38. Dorpat, Riga .......?
Waggar 'der viereckige Hof (mit dem Düngerhaufen)' Riga, Baldohn (33 km v. Riga).

Viehburg
Falland

QUELLEN

Sallmann 1880, 51
Viehburg Einhegung für das Vieh, ahd. purc, puruc, goth. baúrgs mit Mauern umschloßener Ort.


QUELLEN (Informanten)

die Viehburg 'der viereckige Hof, (mit dem Düngerkaufen)'
1. Nomkiele, Kr. Jerwen (Est.); 2. Reval; 3. Dorpat; 4. Sagnitz; 5. Gut Kachkowa, Kr. Werro (Est.); 6. Dorpat, Reval; 7. Riga u. Dorpat ' (auf alten Gütern, wurden Ende des vorh. Jahrh. abgeschafft.); 8. Riga; 9. Kattentack; Wierland; 10. Ligat, Riga, Kr. Wolmar; 12. Rittergut Paschlep u. Sullajuggi Kr. Hapsal / Estland 'In Estlan nannte man Vieburg einen von Vieh- undFutterscheunen umgebenen rechteckigen umgebenen rechteckigen Hof mit Gehsteiger u. Jaucheteich in der Mitte'; 13. Dorpat, Krüdnershof; 14. Walk (Mittellivl.); 15. von 1904-18 in Südlivland (Ligat); 16. Waldeck u. Pargenthal 'so jedenfalls auf dem Gut genannt'; 17. Hallist / Kr. Pernau; 18. Gut Rickholtz / Kr. Wiek; 19. Karlsberg über Abja / Kr. Pernau; 20. Wolmar /Livland / 'im Viereck gebaut, von Scheunen gebildet, 3 Seiten wurden ohne Düngerhaufen'.
'der viereckige Hof (mit dem Düngerhaufen)'. wenn er rund herum von Gebäuden eingeschlossen und gewöhnlich mit einemgewölbten Tor versehen war'; 21. Nissi / Kr. Harjen; 22. Riga u. Kr. Pernau; 23. Kibbijarv / Kr. Dorpat 'Stellgebäude'; 24. Arensburg auf Oesel.

Viehgarten

vgl Falland

QUELLEN

Lange 1772-1777, I/546

Hupel 1795a, 251
Viehgarten, der, heißt eigentlich der Viehhof oder der [offene] unbedeckte Raum zwischen den Ställen, aber gemeiniglich begreift man diese lezten auch mit darunter, zuweilen selbst die Heerde; daher die Redensarten, er bauet einen neuen Viehgarten; sein Viehgarten giebt ihm große Einkünfte.

Hupel 1796, I/171
... daß im Viehgarten oder in der Burg, wo das Vieh das Nachts steht* ...
* Durch Burg bezeichnen wie bemeiniglich der Gehöftraum zwischen den Viehställen; aber durch Viehgarten bald ebenderselben, bald die Ställe selbst.

Petri 1802, 72
Viehgarten für Viehstall.

Sallmann 1880, 51
Viehgarten in der uralten, noch dem Goth. entstammenden Bedeutung d. Gartens von „Gehege“, „Einzäunung“; goth. gards, altn. gardr.

Taube 1944, 47
".. der rechte (Weg) führte .. zum Viehstall oder, wie man bei uns zu Lande sagte, zum 'Viehgarten', einem großen, rundlich gehaltenen Bau um einen Hof, drin Moosstreu gestapelt wurde und der Dung lag.“


QUELLEN (Informanten)

Viehgarten 'der viereckige Hof (mit dem Güngerhaufen)'
1. Hapsal (Est.); 2. Südlivland 'Viehgarten?'; 3. Ansel (Estl.) 'Innenhof'; 4. Nissi / Kr. Harjen 'wenn er bloß eingezäunt war': 5. Arensburg auf Oesel 'Stallgebäude'

Wirt

vgl Bauerwirt, Ehewirt, Gehorchwirt, Gesindewirt, Hauswirt, Kronswirt, Landwirt, Neuwirt, Pastoratswirt, Vierzigtalerwirt, Wackenwirt

QUELLEN

Hupel 1795a, 265f.
Wirth, der, heißt ausser den gewöhnlichen Bedeutungen, hier besonders derjenige Bauer dem ein Bauerhof übergehen ist, man nennt ihn auch den Gesindewirth, im Gegensatz seiner Dienstboten und eines Lostreibers; in dieser Bedeutung sagt man z. B. dieses Gut hat 20 Wirthe st. Bauerhöfe oder Gesinder.

Bunge 1851, §66
Wirt Unter jenen [= Wirten] versteht man diejenigen [Bauern], welche ein Bauergut..., es sei nun als Eigenthümer, oder Pfandhalter, oder Pächter besitzen.

Rig. Almanach 1870, 67
".. ganz besonders reinliche und wohlbebaute Gesinde liegen hoch oben oder am Abhange, .. Wohlhabenheit der Wirthe durch ihr behäbiges Äußere verrathend.."

Pantenius 1872, 75
der Wirth der Bauer.

Rig. Almanach 1877, 48, 51
„Zuerst war ich Wirth eines Gesindes, und als die Pacht eingeführt wurde, pachtete ich's .."
„Ich bin lange Wirth gewesen und hatte meine Pferde und Kühe, meine Knechte und Mägde.."

Sallmann 1880, 52
Wirt Hausherr, Familienvater, wie mhd. und ahd.

Pantenius 1880, 45
der Wirt der Bauer.
der Landkrugwirt, der Kalningwirt, der Lapswirt.

Eckhardt 1896, 31
Wirt auch: 'Hausherr, Familienvater' (ältere Bedeutung!)

Pantenius 1907, 51, 59
der Wirt der Bauer
der Wirt, Inhaber eines Gesindes (Bauernhof).

Tobien 1925, II/4
Wirt

Grosberg 1942, 27f., 37ff., 86
„Die Wirte der Gesinde helfen ihren Jungen beim Aufladen des Düngers.“ (86)
„Und andererseits beflügelt die Schnapsflasche, die jeder Wirt in der Tasche hat und aus der er von Zeit zu Zeit seinen Leuten Stärkung zukommen läßt, die Arbeit in hohem Maße.“

Nottbeck 1987, 101
Wirt - selbständiger Bauer / E.K.L.R.
Der Wirt hatte sein Gesinde* gut in Schuß


QUELLEN (Informanten)
Transehe, N. von: Wolmar; Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland; Tode, (Jo)hanna: Riga
Wirt (selbständiger) Bauer

Schönfeldt, Alfred, Sen.: Riga, Petersburg, Estland
[zu Grosberg] NB! der Wirt ist der Besitzer eines Gesindes, der grundbesitzende Bauer, im Gegensatz zum Pächter. vgl. besonders S. 27f.)


der Wirt, die Wirtin 1. Sagnitz, 2. Ubja by Wesenberg 'Wirt = Besitzer', 3. Haspal, 4. Gut Namtsn / Kr. Talsen, von 1922-39 in Talsen 'Bauer', 5. Riga, 6. Lesten (1918-27) (Wirt = 'der Besitzer'), 7. Riga, 8. Fellin /Estl.) 'Bauer, Bäuerin', 9. Fihteets (?) Kurland, zuletzt Lettgalen,
Wirt, Wirtin 'der Besitzer u. seine Frau' 10. Kliggendorf/Kr. Tuelhum, 11. Reval, auch Sellin, 12. Riga / Mitau, 13. Riga, 14. Dorpat, 15. Kerro, Kr. Pernau, später Kr. Jerwen, 16. Reval, 17. Pölwe / Kr. Werro, 18. (ohne Angabe des Heimatorts), 19. Waldeck u. Pergenthal, 20. Neuenburg-Pastorat, Kurland, 21. Riga, 22. Riga, 22. Goldingen, 23. Goldingen, 24. Talsen (die Wirtin = 'Wirtschafterin')
Wirt, Wirtin 'der Hofbesitzer' 25. Riga, 26. Südlivland. 27. Riga, 28. Kr. Mitau, 29. Riga - Oger, 30. Ligat, Riga, Kr. Wolmar, 31. Landohn, 32. Gut Friedrichswalde / Kr. Wenden, 33. Riga, 34. Reval, eigentlich Fickel, 35. Pernigel / Kr. Wolmar, 36. Dorpat. Reval, 37. Dorpat u. Nordestl., 38. Reval, 39. Riga u. Kr. Pernau,
Wirt, Wirtin 'Inhaber des Hofes' 39. Werro, 40. Nissi / Kr. Harjen, 41. Hördel, 42. Riga (Hirschenhof), 43. Riga, 44. Ilsen / Kr. Walk, 45. Pernau (1900-39), 46. Riga, 47. Bixten / Kr. Tuckum, 48. Reval, 49. Kr. Talsen u. Dorpat, 50. Wolmar 'der Besitzer oder Pächter', 51. Reval 'Bauer, Bäuerin',
Wirt, Wirtin 'der Besitzer u. seine Frau' 52. Gut Rickholtz, Kr. Wiek, 53. Wenden, 54. Gut Sommerpahlen od. Hoflage Jerwen, Kr. Werro u. Dorpat, 55. Strasdenhof by Riga, 56. Herbergen / Kurland, Riga, 57. Dorpat bzw. Wesenberg, 58. Neuhausen / Kr. Hasenpott, 59. Pussen / Kr. Windau, 60. Alt-Ottenhof / Kr. Wolmar, 61. Lemsal, 62. Estland.


© Eesti Keele Instituut    a-ü sõnastike koondleht     veebiliides    @ veebihaldur