[BSS] Baltisaksa sõnastik

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Leitud 33 artiklit

aasch Adj
‣ Varianten: aaisch

Arsch der
ein Arsch, ein Pfannkuch

einem den Arsch vollhauen 'tüchtig verprügeln'
einem den Arsch voll lügen
etw. im od. zum Arsche 'verloren'
jmdm. in den Arsch kriechen 'scharwenzeln (um jmdn.)'
jmdm. den Arsch lecken 'scharwenzeln (um jmdn.)'
ein Hans Arsch 'elender Wicht'

QUELLEN

Gutzeit 1886, 58f.
Arsch Einem den Arsch vollhauen, tüchtig dens. durchbläuen; einem den Arsch voll lügen, ihm die Möglichkeit vorlügen. vgl. Hocke und Hucke. Einen od. etwas nicht mit dem Arsch ansehen, gar nicht beachten. Das ist im od. zum Arsche, verloren. Einem den Arsch lecken oder, stärker, in den Arsch kriechen, in Grimms Wtb.: im Arsch lecken. Eine(r) in den Arsch ficken, von hinten ficken. - Im Gebefall Arsche lautet sch gew. weich wie franz. j. - Ein Hans Arsch, elender Wicht. - Ganz in ders. Bed.: Marsch (-).

äsch Interj
de ätsch! (Ruf und Ausruf des Spottes und Höhnens); et häh!

DAZU:
siehe auch Interjektionen

QUELLEN

Gutzeit 1859, 51
äsch. Ruf und Ausruf des Spottes und Höhnens. Bei uns ist das ä geschärft, das sch gewöhnlich gezogen, so dass das Wort wie äsch - sch tönt. Bei Grimm ätsch, mit gedehntem ä.

ätsch Interj
de (als Ausdruck des Rechthabens)
‣ Synonyme: Kuchen auch!
siehe auch Interjektionen

QUELLEN (Informanten)

Lange, Harald: Riga, Südlivland
Ätsch!!! oder Kuchen auch!!!, als Ausdruck der Rechthabens

ausch Adj
{lett. aũšȋgs 'albern, ausgelassen, unartig'}
de närrisch, wild, albern

QUELLEN

Lindner 1762, 220
ausch, so viel als närrisch, wild, aus dem Lettischen oder hier so genannten Undeutschen.

Kiparsky 1936, 80
ausch [aṷš], auschig [áṷšiχ] 'wild, närrisch; albern; unbedeutend, nichtssagend' ‹ lett. aũša 'Schwätzer; der Alberne, Unbändige, Windbeutel ...' bzw. lett. aũšȋgs 'albern, ausgelassen, unartig'. HUPEL 11 (nach BERGMANN), GUTZEIT I, 70. - K. und LL.

Busch der

DAZU:
Busch und Brache (id) 'Wald und Feld'

QUELLEN

Bergmann 1785, 13
Busch ist eigentlich ein aus niedrigen Gesträuchen bestehendes Gehölze, hier nimmt man es aber fälschlich für Wald.
in den Busch fahren f. ins Holz fahren; zu Busch f. im Gehölze versteckt.

Hupel 1795a, 40
1) niedriges Gesträuch, ein Gebüsche; 2) ein Gehölze; 3) der Wald überhaupt; 4) Verborgenheit.

Gutzeit 1859, 162
A.d.g.B. von Gebüsch, Gesträuch und der in Deutschland seltnen, hier aber sehr gebräuchlichen von: niedriges, buschartiges Gehölz, bezeichnet es Wald überhaupt. Schon Nyenstädt (194) S. 22. sagt: die Heyden sind zu Busche gelaufen, d.h. in den Wald. Ebenso: Holz in dem ungetheilten Busche hauen lassen, 185. 511. (J. 1664); Busch wegroden, ebda S. 155. - Aus der Bed. von Gebüsch geht die von Hup. angef. Bed.: eine Verborgenheit hervor: Von einem entlaufenen Bauer sage man: „er sei zu Busch gegangen.“ Diese Ra. entspricht der bei Grimm angeführten: Busch ein gehen, d.h. sich bergen. Bemerkenswert ist: zu Busch gehen oder laufen, statt in den Busch. Außer bei Hupels Redensart und bei Nyenstädt findet sich diese Verbindung oft in ältern liv. Schriften z. B. 215. 177, in d. Bed. von: davon ziehn (in den Wald).
Hupel führt noch an: durch Busch und Brak (oder Brach) gehn, d.h. durch Gebüsch, Gebröge und unwegsame Stellen.
In dem Sinne von Busch Har, Wolle, Federn spricht man hier sehr gew.: Pusch, wie noch jetzt in der Wetterau.

Sallmann 1880, 30, 61, 74
Wald mit Niederholz, Gebüsch.
niedriges Gehölz
Busch und Brak

Gutzeit 1886, 199
Die Untersuchung und die Mutmaßungen im Grimmschen Wtb. über die Herleitung des Wortes würden, scheint es, anders ausgefallen sein, wenn sie russischen Ausdrücke, welche ähnlich sich in anderen slaw. Sprachzweigen sich vorfinden, nicht übersehen wären, Pusschtschaheißt dichter Wald, Dickicht, Pußkniak Busch oder Niederholz und Putschok Büschelchen, z.B. Har. - In Livland hat Busch dieselben Bedeutungen wie in Deutschland. Man spricht nie Pusch, wenn man Gebüsch im Sinne hat; man spricht durchweg Feder- u. Harbusch, aber gewönlich von einem Pusch Hare oder Blumen d.h. Büschel; mehr im Scherz: er hat einen guten, gewaltigen Busch Hare oder Busch auf dem Kopf, d.h. dichtes, langes, starkes Har. Ein Busch Blumen st. Blumenstrauß ist wol kaum zu hören, ebensowenig: einem einen Busch Hare ausreißen. Man spricht: einen Pusch Hare ausreißen, ein Pusch Blumen, d.h. eine zusammengelegte Menge Blumen, ein Büschel Blumen, doch nicht ein Blumenstrauß (Bouquet). - Busch ist bei uns das allgemein geltende Wort; Pusch hat beschränkte Bedeutung, bezeichnet nur hier und da das, was sonst allgemein Busch heißt.
Busch und Büsche, im 17. u. 18. Jahrh. gewönlich f. Wald. Es hätte auf den Bergen ein Busch von hohen Bäumen gestanden, 194. Nyst. 128; wann der Busch und offenbare See von sich selber raren und brummen, 328. 76; die Fußgänger auf die Rödung oder nachm Busche schicken, 329. 1; aus der Stadt Büschen, aus den königlichen Büschen Zolz hauen lassen, 351. XXI. 1; Klötze aus den Büschen zu ziehen, ebda. Stender hat: ein zum Heuschlag gereinigter Morast oder Busch, d.h. Stück Land, das durch Abschlagen des Strauchs zum Heuschlag wird. - Der Pastor hat ½ Haken geschmolzen Land u. ½ Haken Busch, 350. XXII. J. 1680.
Busch und Brak. Der Weg führte im eigentlichen Sinne durch Busch und Brak, balt. Skizzen in 470.
Ueber Husch u. über Busch, d.h. übereilt, huschhusch.
In Gutsnamen deutet Busch darauf, dass das Landstück ursprünglich in Wald bestanden oder die Ansiedelung im Walde stattgefunden habe. Daher Dreilingsbusch = Dreilings Wald od. Waldgut. - Alle Gutsnamen auf busch haben den Ton auf diesem Worte.

Fisch der

Fische schlagen

QUELLEN

Gutzeit 1864, 182
Fisch. Fische wollen schwimmen, d. h.machen Durst.

Gutzeit 1886, 272
Fisch. Fische wollen schwimmen. In Grimms Wtb.: der Fisch will schwimmen, d. h. Essen verlangt einen Trunk. Hier nur nach genossener Fischspeise. Man meint, sie mache durstig, man verspüre nach ihr Durst. Die Franzosen sagen: poisson sans boisson est poison.

Gutzeit 1894, 14
Fisch, der, Spilmarke. In Grimms Wtb. mit der Bemerkung: stammt aus dem franz. la fiche. — Richtiger wol Wiedergabe des engl, fish, nnd daher auch männlichen Geschlechts. Im Russischen früher фишъ, jetzt фиша; jenes nach dem Deutschen oder Englischen, dieses nach dem Französischen.
Dagegen ist Fisch (in Grimms Wtb. 13) ohne Zweifel das franz. la fiche, und daher auch richtiger in anderen Wörterbüchern Fische, die, genannt, nicht Fisch, der. In derselben Bedeutung: Fischband.

Gutzeit 1898, 11
Fisch. Nicht Fisch, nicht Fleisch sein, sagt man von Menschen, die ohne hervortretende Herzens- und Geisteseigenschaften sind. Gew. Zu Grimms Wtb. v. 1680, wo keine Erklärung gegeben.

herr′sch Adj
‣ Varianten: herrisch

husch Interj

QUELLEN

Gutzeit 1889b, 553
husch, (ᴗ) Das geht dann über Husch und über Busch, d. h. huschhusch, übereilt. Gew.

-isch

QUELLEN

Krüger 1832, 337ff.
Zugaben.
Eine eigenthümliche, mir jedoch unrichtig scheinende, Bildung erhält häufig das Adjectiv des Namens Bauske. Der beharrliche Widerspruch, mit welchem die Form Bauskesche gegen Bauskische vertheidigt wird, möge es entschuldigen, wenn ich meine Ansicht hiermit ausführlicher begründe.
Eigentlich möchte die Endung isch immer die herrschende bey dieser Art von Bezeichnungen gewesen seyn, die nur ankürzend das i hinauswirft, oder des Wohllauts wegen ein er statt des sch wählt. Daher also: Dän'sche Handschuhe, Leipziger Handel, Dresdner Porzellan, Pariser Moden.
Doch es läßt sich noch befriedigender nachweisen:
a) Alle deutsche Adjective haben eine Adverbial- und mehrere flexible Formen. Jene ist die Stammform, von einigen sogar der Urstand genannt: von ihr sind die übrigen sämmtlich abgeleitet oder weiter gebildet. Z.B. gut, der gute, ein guter, jeder gute, kein guter und - ohne alle Vorsetzung - guter Wein, gute Weine. Eben so klein, der kleine; Böhmisch, der Böhmische.
b) Die Endungen dieser Stamm- oder Adverbialform sind bey den ächt Deutschen: t, s, bar, en, ern, haft, ig, icht, isch, lich, sam (niemals aber esch). Z.B. alt, los, haltbar, eben, zinnern, lebhaft, günstig, dornicht, Schwedisch (Wolkisch), kränklich, mühsam.
Anmerk. Noch hat man viele fremde Endungen: al, ar, ibel, abel, ell, ös (seltner os) u.s.f.
Z.B. kameral, titular, plausibel, reell, miserabel, famös.
c) Da alle übrigen adjectiven Formen nur von dieser Urform abzuleiten sind, nicht aber directe von einem Substantiv: so findet sich auch von Otto nicht Ottoscher, sondern Ottonischer, von Carl nicht Carlscher, sondern Carlistischer Vasall. - Die Abkunft des Bias war Prienisch, er ist der Prienische Weise, obgleich seine Vaterstadt Priene hieß und nicht Prieni.
Mit demselben Fug ist weder von Bauske, noch von Bauski, sondern von Bauskisch abzuleiten der Bauskische Magistrat, die Bauskische Behörde, das Bauskische Kirchenregel.
d) Andere wollen die Adverbialform gar Bausksch haben, weil der ältere Name Bausk (einsylbig) gewesen sey. - Diese beschwerliche Abkürzung hat aber Instanz wider sich, daß man ein Tomskisches Gouvernement von Tomsk gelten lassen muß.
e) Gegen das obige Gesetz der Ableitung stellt man ein anderes auf: der Name des Einwohners soll die Urform des Adjectivs bestimmen, mithin Bauskersch von dem Bausker. - Dann aber müßte man auch Nürnbergersch Tand, Göttingersche Wurst, Hamburgersches Rauchfleisch schreiben!
f) Sehr hat man geeifert gegen die von mir citirte Hallische Literaturzeitung, weil sie sich die allgemeine nenne. ohne andern Zusatz. Dies ist einzuräumen. Doch wie ist es mit der Hallischen Bibelausgabe? dem Hallischen Studenten? Pädagogium? Waisenhause? Sind diese auch allgemeine? oder Hallesche? oder Hallische?
- Einstweilen möge das Vorstehende den kleinen Zwist beendigen. Doch behalte ich mir vor, ihn wieder aufzunehmen, dafern sich neue Einwürfe darbieten sollten.
Die Sprache selbst kann bey dem Wettstreit um das letzte Wort nur gewinnen; vorausgesetzt, daß ohne Gunst und Abgunst es den Kämpfenden nur um die Sache selbst zu Thun ist, schiene sie an sich noch so klein.

Gutzeit 1889b, 559
isch, als Beiworts-Endung in älterer Zeit oft weggelassen. Die Schwed-Dän- und Norwegischen Geschichtschreiber, 194. Hiärne 43.
isch, als Endung st. er wird von Vielen für fehlerhaft angesehen. Die Rigische Zeitung st. Rigaer Zeitung. Der Gebrauch des ish ist bei uns sehr alt u. geht in die plattdeutsche Zeit zurück. Es soll den Mitauschen mit Rigischen — zu handeln frei sein, 349. XV. 5.

Jusch

QUELLEN

Gutzeit 1877, 569
der Platzregen, nd. ein Husch, 161.

Name Kosch

QUELLEN

Sallmann 1880, 18
Kosch Name eines vielbesuchten Landsitzes bei Reval (‹ estn. kosk Flußdamm , Stromschnelle).

ksch Interj

QUELLEN

Gutzeit 1889a, 50
ksch, Scheuchlaut fui Vogel, russ кши, vgl Pawlowsky's russ. Wtb. Im Russischen auf ein Zw. кшикать, einen Vogel verscheuchen, ksch rufen.

kusch Interj

DAZU:
siehe auch Interjektionen

QUELLEN

Buddeus 1847, 327
kusch! Alles spricht wiederum leise, und wenn ein lautes Wort erschallt, schlüpft ein heftiges „Kusch, kusch (still, still!) durch die Gesellschaft.

Gutzeit 1874, 123
kusch, (ᴗ) als Zuruf, bezeichnet: still! ruhig! Entspricht dem franz. chut, bei Hunden auch dem tout-beau! Im jetzigen Sprachgebrauch vorzugsweise ein Wort gegenüber Kindern und einigen Hausthieren (namentlich Katzen und Hunden). Kindern wird zugerufen kusch! wenn sie lärmen od. weinen und man ihnen ruhig zu sein gebieten will; Hunden und Katzen, wenn sie lärmen, bellen oder heulen. Doch können auch Erwachsene mit kusch! einander zum Stille beobachten auffordern, beim Lauschen, am Krankenbette u. ä.
Dies sehr gewöhnliche Wort will man als dem französischen couche (lieg) oder conche-toi (leg dich) nachgebildet ansehen. Doch bezieht sich die hier (und wol auch meist in Deutschland) übliche Bedeutung stets auf das Ruhig sein! nicht auf ein Liegen oder sich Legen; die Bed. ist: still! ruhig! nicht: lieg oder leg dich! Rufen wir einem Hunde zu: kusch! so soll er ruhig sein, keine Bewegungen machen, nicht bellen od. heulen; soll er liegen, so rufen wir ihm zu: lieg! oder liegen! — Dem Worte kusch die Bed. von lieg oder leg dich zu geben, ist wie es scheint ein neuerer Missbrauch, welcher aus der Ansicht entsprang, das Wort entstamme dem Französischen. Der älteste Beleg in Grimms Wtb. ist aus Voß (1778): „Bello, was heulest du? kusch!“ Nun ist aber bemerkenswert, dass ein noch älterer Beleg sich in dem 1773 zu Oberpahlen erschienenen lettisch-deutschen Theile des Lange'schen Wörterbuches findet, wo es als lettisches Wort verzeichnet ist; als deutsches Wort kennt oder führt Lange es selbst noch nicht in dem deutsch-lettischen Theil, welcher 1777 herauskam, auf. Ebenso wird kusch von Stender (1783) nur als lettisches, nicht als deutsches Wort aufgeführt. Man kann daher annehmen, dass das Wort kusch den Deutschen in Liv- und Curland damals noch nicht bekannt oder geläufig war; denn Lange sowol wie Stender, beide Kenner unsres mundartlichen Schatzes, hätten das Wort sonst als deutsches nicht vergessen. Bezieht sich der älteste Beleg in Grimms Wtb. auf einen Hund (aber wol nicht in der Bedeutung von „lieg“, sondern von „ruhig sein“!), so beziehen sich die ältesten Belege aus Livland, und die nur wenig späteren aus Kurland, nur auf Kinder. Muss es denn nicht auffallen, dass ein Wort der lettischen Kinderstube einem franz. Zuruf nachgebildet sein soll, der damals (in den 79 u. 80er Jahren des vor. Jahrh.) selbst den Deutschen in Livland nich ungeläufig war, selbst in der Anwendung auf Hunde?
Kusch! ruft man (d. h. die Letten) weinenden Kindern zu, um sie zu stillen, sagt Lange, um sie still zu machen Stender. Lettische Eltern, wie jetzt und schon seit Langem auch Deutsche, rufen: kusch! weinenden oder lärmenden Kindern zu, wo an ein sich legen nicht gedacht wird. Die Letten besitzen auch ein Zeitwort kuschinaht u. kuschinaht behrnus, heißt sowol bei Lange als Stender: Kinder in Schlaf bringen, so dass auch nach dieser letzten Erklärung in dem kuschinaht nicht der Begriff des Liegens od. sich Legen, sondern der des Stillseins od. Schweigens enthalten ist. (vgl. kuschen). Die Letten besitzen noch den Zuruf klußi in vollkommen gleicher Bed. mit kusch, und als Beiwort kluss, still, ruhig, friedlich, und ein Zeitwort klussinaht, stille machen, zum Schweigen bringen, besänftigen. Zu diesen lett. Wörtern sind das litt. kuszeti, leise reden, anzuführen, namentlich aber die verschiedenen ähnlichen Wörter, welche in Deutschland, Holland, England und Schweden vorkommen. Schon Bergmann (164) deutet bei kusch auf das hd. kauzen (bei Adelung) hin; im nd. ist verbreitet dafür kuzen, welches im brem. Wtb. auf franz. coucher zurückgeleitet wird! Schambach hat kusch als Scheuchruf für Vögel, kuschen, scheuchen, verjagen, aber auch zur Ruhe bringen; „in dieser Bed. vielleicht von dem kusch, welches man bellenden Hunden zuruft“; küschken, scheuchen, verscheuchen. Im Englischen ist hush, in Aachen heusch, oberd. hosch, gleichbedeutend mit kusch, als Zuruf um Ruhe zu gebieten. — Kusch machen in der Bed. von: sich legen, ist hier unbekannt und klingt uns sonderbar.
kusch, als Beiwort. In Grimms Wtb. ist aus dem nl. augeführt, dass sich dort, — als ein wertvoller sprachgeschichtlicher Beleg aus neuester Zeit, wie ein Nomen entstehen kann aus einem Rufe — aus dem Zurufe kusch! ein Beiwort gebildet hat: koes, still, zich koes houden, sich still halten. Das Beiwort kusch ist in Deutschland nach Grimms Wtb. zu urteilen, ganz unbekannt; in Liv- und Kurland gewönlich; es mögte dem franz. coi entsprechen. Kusch sein, sich kusch verhalten, sich still verhalten. N. hatte früher ein loses Maul, ist jetzt kuscher als sein Freund lc., ist jetzt am kuschesten. Sei kusch! ruft man einem Kinde, Hunde zu. Sich kusch halten, Petersen in 326. I. 3. 94. sich ruhig, still verhalten.
Während der Zuruf kusch vorzugsweise für Kinder und einige Hausthiere genutzt wird, findet das Beiwort für jedes Alter Anwendung. — Der Gebraucher leidet eine gewisse Einschränkung. Indem man Kindern oder Hausthieren zuruft: seid kusch! so bezeichnet man doch den erzielten Erfolg meist mit: still, ruhig, und man spricht demzufolge: die Kinder sind jetzt still, (nicht: kusch).

Sallmann 1880, 19
Kusch wird als Ausruf und als adj. oder adv.(sei kusch! sich kusch verhalten) gebraucht. Es liegt nahe, an frz. couche! zu denken, doch näher liegt nd. koes still, ruhig, auch aus einer Interjektion entstanden, estn. koss, lett. kuschinaht still sein, lit. kuszeti leise reden, nd. kuzen kauzen, e. husch.

Pantenius 1880, 58
Kusch! Sei still!

Masing 1926b, 12
kusch! Zuruf an den zufahrenden Hund. opr. + bd.

Nottbeck 1987, 52
kusch - still! Ruhe! / E.K.L.R. Weisung an Kinder und Hunde.

Kobolt 1990, 168
kusch! Adv. Interjektion: still! Z.B.: Kusch, Kinder, nicht so laut! - Er verhielt sich ganz kusch.
Siev. kusch fügsam; pomm. kusch! altm. kusch! Zuruf an die Hunde, sich ruhig zu verhalten; nhd. kusch! Befehl an den Hund: Nieder! Leg dich!


QUELLEN (Informanten)
Berlitz, A.: Lettland
kusch sei still (zum Hunde: „kusch dich!“)


kusch leise, heimlich, WL 1,21

lasch Adj

QUELLEN

Seemann von Jesersky 1913, 143
lasch, w. schlaff.

lösch

QUELLEN

Bergmann 1785, 44
lösch, für lisch. [Ich lösche, du lischest, er lischt, ich losch, geloschen]

Mösch der/das

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 252
das. Name eines Pelzwerks, ist das russ. мы..хъ Pelz- oder Rauchwerk, und м..шокъ Pelzfutter. Demnach ein russ. Wort u. nicht eine Art Pelzwerk, sondern Pelzwerk überhaupt.

Gutzeit 1887b, 252
der, am Rhein u. in Siebenbürgen der Name des Sperlings, soll, nach Grimms Wtb., auf lat. musca Fliege zurückgehen. Das ist doch sehr unwahrscheinlich! Mnd. auch Musche, die.

Gutzeit 1892b, 34
das, Art Pelzwerk. Es hat keinen Zusammenhang mit м..хъ, wie im Wörterschatz angegeben ist, sondern kommt im Russischen vor als меша. So in einer Vo. der Regirung von 1890.

nasch Adj
et maias

QUELLEN

Sallmann 1880, 70
nasch begehrlich, lüstern, lecker auf etwas.

Gutzeit 1887b, 280
nasch, st. naschhaft. Gew. Auch in Estland. Sallmann (390c. 70) erklärt: begehrlich, lüstern, lecker auf etwas. — Nasch sein; ein nasches Kind.

Seemann von Jesersky 1913, 150
nasch, unser. Nasch Guberni: unsere Gegend.

Nasch der

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 280
Nasch, der, Masch, die, Vehältniss, Korb, Sack, in Schiller-Lübbens mnd. Wtb. erklärt aus Asch, mit vorgeschobenem N., — was im nd. häufig. Man wird auch erinnert an russ. ноша, Tracht, Bürde, Last, welches Wort in den Buchstaben zusammenfällt. Die Bedeutung von Masch ist keine ganz bestimmte und daher die Übereinstimmung noch wahrscheinlicher.

Gutzeit 1898, 23
Nasch, Behältniss, Schachtel. 2 nasche, Inventar d. rig. Kalandh. v. 1572. Vgl. II. 280.

nusch Adj

QUELLEN

Lindner 1762, 233
nusch, klein.

Gutzeit 1887b, 296
nusch, klein. Finde ich nur in 480. 233. Es nimmt sich wie das Grundwort von nuschelig 3) aus.

Nusch der

QUELLEN

Gutzeit 1887b, 296
Nusch, der, Trog. Übersehen in Grimms Wtb. russ. ночва́ flache Mulde u. Futterschwinge, und. lett. nohsis Tragkorb.

psch

QUELLEN

Gutzeit 1890, 400
psch, mit zwischenlautendem i, 1) dasselbe was pschi. — 2) Scheuchlaut für Gänse, russ. гыль гыль, psch! psch! Zuruf an die Gänse, um sie fortzutreiben, Pawlowsky-Asmuss russ. Wtb. — Aber auch für andres Geflügel, um sie wegzuscheuchen.

Pusch der

QUELLEN

Gutzeit 1890, 408
Pusch, der, Busch, doch in eingeschränkten Grenzen. Ein Pusch Blumen, Blumenstrauß; ein Pusch Hare, Büschel Hare. Dazu stimmt russ. пучекъ und lett. puschkis. Die Modeblätter sprechen: Der Damenhut ist mit einer Touffe Rosen oder einer Federntouffe geziert; bei uns oft dafür: mit einem Pusch Rosen oder einem Federpusch. — 2) Flockchen, Häufchen, z. B. Wolle, Seide, Hare. In ders. Bed.: Puschchen, Schuppchen, Tschuppchen. — 3) ehemals statt Busch, Gehölz, Wald. Schon in der livl. Reimchronik. Von dem häufigen Lagerholz die Püsche verunreiniget, 185. 492.


QUELLEN (Informanten)

Pusch Haarbüschel, vgl. Puschel WL 5,32.
1mal im estn. Sprachbereich belegt.

rasch

QUELLEN

Gutzeit 1887a, 7
vgl. lett. asche.

räsch Adj

QUELLEN


räsch, s. rösch

risch Adj
{mnd. risch, risk 'aufgerichtet, gerade, schlank'; kleinruss. riskyi 'flink'}
'aufrecht'; 'mannhaft'

QUELLEN

Gutzeit 1887a, 49
risch (ᴗ), in d. liefl. Reimchr. „Risch, aufrecht, gerade; mannhaft, tapfer. Es kommt wol dem am nächsten, was man im gewöhnt. Leben mit fix bezeichnet, nd. en prisk mees, ein fixer Kerl.“
Noch jetzt in d. Bed. von step, munter; mnd. bedeutet risch od. risk rasch und aufgerichtet, gerade, schlank. — Das Wort scheint mit рѣзкiй zusammenzufallen und kleinruss. riskyi flink, welche, ebenso wie рѣзвый auf rêzati schneiden zurückgehen.

rösch
‣ Varianten: reesch

QUELLEN

Bergmann 1785, 58
rösch reesch rösch oder räsch, der Braten ist reesch f. wenn die äußere Haut hart ist oder unter den Zähnen knirschet.

Hupel 1795a, 169, 186, 194
189: „reesch oder rösch hört man einen Ferkenbraten nennen, wenn dessen äußere Haut nicht verbrannt aber doch so hart ist daß sie unter den Zähnen knackert.“
186: räsch s. reesch
194: rösch s. reesch

Mitauisches Kochbuch 1876, 351
rösch - knusprig

Gutzeit 1887a, 7
räsch (-), rösch, Bergmann u. Hupel.

Gutzeit 1887a, 19
reesch, in 210 st. rösch.

Gutzeit 1887a, 59
rösch (—), bei uns ausschließlich auf Backwerk und Gebratenes bezogen, in jeder anderen Bed. unbekannt. Bergmann schreibt rösch, räsch und reesch, Hupel im Idiotikon reesch und rösch und sagt: so hört man einen Ferkenbraten nennen, wenn besten äußere Haut nicht verbrannt, aber doch so hart ist, daß sie unter den Zähnen knackert.
Grimms Wtb. sieht das Wort für eine Nebengestalt von rasch an, da dieses auch in der Gestaltung resch, risch, rösch und rasch vorkommt. Diese Ansicht wird sich kaum bezweifeln lassen hinsichtlich derjenigen Bedeutungen, welche mit der Bed. von rasch, d. h. schnell, kräftig-beweglich, scharf und heftig zusammenfallen. In der Bed. 3) d. h. spröde, harsch u. ä. ist es aber wol ein ein Wort für sich, ohne Zusammenhang mit rasch; desgleichen in det Bed. rauh und in d. Bed. 5) und 6) des Grimmschen Wtb.; kaum auch in der Bed. 2), d. h. steil, abhängig (von Dächern).
Grimms Wtb. sieht rasch u. s. w. für ein gemein-germanisches Wort an, dem urverwandt nichts sicher entspricht. —Die Gestaltungen resch, räsch, rösch und risch deuten aber deutlich auf russ. рѣзкiй von рѣзать.

Seemann von Jesersky 1913, 164
rösch äußerlich hart gebacken.

Masing 1931, 37
scharfgebackenes, knuspriges Brot

Kobolt 1990, 224
rösch Adj., Adv. scharf gebacken, knusprig
lbg. rösch scharf gebacken, knusprig; pomm. reesch locker und morsch; pr. resch, rösch knusprig; nhd. rösch, resch mdal. für: knusprig.


QUELLEN (Informanten)
Kaufmann, Elsa.: Riga
rösch - knusprig
hartes sch

rusch Adj
‣ Varianten: ruschis

QUELLEN

Gutzeit 1887a, 70
rusch (ᴗ), russisch. Früher oft geschrieben, jetzt oft noch gesprochen. Rositen, ein Schloß an der Ruschen Bäche, 200. I. 18; Hering-, Knochenhauer- und Ruschen-Talch, wie auch Tehr-Wrake-Geld, 477. 5, d. h. Zalung für die Wrake von Heringen u. s. w. In Siller-Lübben rusch und rusk russisch.

Seemann von Jesersky 1913, 165
rusch, ruschis, russisch

sch

QUELLEN

Gutzeit 1887a, 91
sch. Wenn Namen auf sch ausgehen und zu Beiwörtern benutzt werden, so lässt die Aussprache nur ein einziges sch hören. Gadebuschscher Fleiß, was uns angenehmer klingt als Gadebuschischer Fleiß. Falsch geschrieben und gedeutet kommt vor: Ulpische Tischbutter, d. h. aus Ulpisch; die Windische Bude, st. des Herrn Windisch; die Kausche Möbelhandlung st. des Herrn Kausch.
Als Endung wird s zuweilen vergröbert in sch, zum Teil durch lettischen Einfluß. So in knauksch, kricksch, obgleich mehre solcher Wörter kein gleichlautendes lettisches aufweisen. Diese Vergröberung kann als eine hiesige mundartliche angesehen werden.

Zusch

QUELLEN

Bergmann 1785, 79
Jungfer Zusch, Jungfer Flausch [ohne Erklärung, aber als Lemma unter Z gebracht, da hat es also einen besonderen Sinn?

Hupel 1795a, 272
Zusch, Jungfer Zusch soll nach Bergm. Anzeige. eben so viel seyn als Jungfer Flausch. Sprüchw.


QUELLEN (Informanten)
Weiss, Lis-Marie: Reval
[zu Bergmann] bekannt.

tisch Interj

siehe auch Interjektionen

QUELLEN

Gutzeit 1898, 32
tisch, in derselben Bedeutung wie sch oder schsch (mit zwischenlautendem i), als Scheuchlaut für Hüner.

Tisch der

Wenn Gäste kommen, ziehen wir den Tisch aus 'verlängern den Tisch durch Platten'

QUELLEN

Gutzeit 1892a, 26
Tisch. Der Ältermann soll von dem ältesten nicht aber jüngsten Tische genommen werden, 271.
Zum Tisch des Herrn gehen, 352. XVI. 1. Gegenwärtig nur im Munde deutsch sprechender Letten: an oder zu Gottes Tisch gehen, zum Abendmahl. Zu Grimms Wtb. 510. 3.
Reinen Tisch machen, 215. 248, reines Haus, tabula rasa. Zu Grimms Wtb. 509.
Zweiter Tisch, Leutetisch. Eine Wäscherin und Brodbäckerin, die auch das Kochen für den zweiten Tisch besorgen muß, wird verlangt auf dem Gute N., rig. Tagebl. 1889. 100.
Vor Tisch, vor Mittag; nach Tisch, nach Mittag. Kommst du zu mir vór oder nách Tisch? — Nach Tisch komme ich zu Dir. — Der Ton ruht auf dem Vor- oder Hauptwort, je nachdem man die Zeit vor oder nach 12 Mittags bemerkbar machen will. Zu Grimms Wtb.


QUELLEN (Informanten)
Lange, Harald: Riga, Südlivland
Bei Tisch darf darüber nicht gesprochen werden.
Nach Tisch gehen wir spazieren.
Vor Tisch wäscht man sich die Hände. (u.s.w.) immer ohne Artikel = beim Essenstisch, am --- usw.
Bitte zu Tisch...
Wenn Gäste kommen, ziehen wir den Tisch aus (verlängern d. Platten).
Ein Kind bittet: Darf ich aufstehen? (bei Tisch)

Tusch

QUELLEN

Boehm 1904, Sp.71

Kobolt 1990, 276
Tusch m Zeichentinte. nhd. Tusche f.


QUELLEN (Informanten)

der Tusch = die Auflassung
studentischer Ausdruck für eine Beleidigung, die zu einer Forderung führen soll. Dazu (in meiner Zeit nur noch seltener gebraucht) das Verb „tuschieren“. Aus dem Franz. „toucher“.
der „Nachtusch“ war eine beleidigende Äußerung, die nach bereits erfolgter Forderung seitens eines der „Parten“ gebraucht wurde. Der „Nachtusch“ war verpönt und wurde geahndet.


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